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Ja, heute wollen wir dir mal zeigen, wie
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du einen Tresor knacken kannst.
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Natürlich keinen echten Tresor, sondern
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einen, den ein Gedicht gewissermaßen
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darstellt, ne? Das sieht als Text hat
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man das vor sich und dann überlegt man,
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was kann man tun und unser Profi
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Freistein erklärt dir, wie du mit
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wenigen Schlüsseln das herausbekommst
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und wir zeigen auch gleich, wie das
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gehen kann. In diesem Video nur eine
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kurze Erklärung und auf der Website dann
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kann man die ganzen Details noch genauer
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nachlesen. Also, es geht darum, den
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Verständnistresor zu knacken und da
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haben wir mehrere Schlüssel. Das einmal
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ist der S-Schlüssel, das geht um
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Signale, dann gibt es den H-Schlüssel,
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eine Hypothese und es gibt den A und T
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Schlüssel, das sind die Aussagen und das
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Thema. Und dann gibt es noch den
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M-Schlüssel, das sind die Mittel. Und
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das schauen wir uns jetzt einfach mal
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bei einem Gedicht an. Wir haben hier uns
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ein Gedicht ausgesucht, was häufig so in
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der Klasse 9 etwa behandelt wird von
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Alfred Wolfenstein. Es heißt Städter und
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damit haben wir auch schon das erste
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Signal. Es geht um Menschen, die in der
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Stadt wohnen. Dann weitere Signale
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tauchen auf. Aha. Dicht wie die Löcher
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eines Siebes. Ja, dann macht man sie das
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so ein bisschen klar. Was bedeutet das?
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ganz nah beieinander, da kommt fast
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nichts durch. Also eine ganz enge
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Situation. Dann liest man weiter:
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"Fenster beieinander drängend fassen
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Häuser sich so dicht an, ja, da auch
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enge Straßen und diese stehen dann sogar
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grau geschwollen wie gewürkte stehen sie
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Das könnte man jetzt fürs ganze Gedicht
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fortsetzen. Das war nicht unsere Aufgabe
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heute. Wir wollen damit nur zeigen, dass
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wir damit jetzt den ersten Teil hier
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erledigt haben, nämlich wir haben uns
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den Text angeschaut, natürlich nur am
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Anfang. Das könnte man fortsetzen und
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dann sieht man, das sind hier z.B. die
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Signale, die alle gut zusammenpassen.
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Aha, es ist hier ganz eng in dieser
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Neben den Signalen in der ersten Strophe
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haben wir jetzt eigentlich auch schon
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etwas gemacht, was darüber hinausgeht.
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Wir haben nämlich festgestellt, Signale
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lassen sich zu Aussagen zusammenfassen.
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Das geht in der zweiten Strophe dann
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weiter. Dann sitzen in den Trams, das
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sind Straßebahnen, Straßenbahn sitzen
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zwei Fassaden, Leute, ihre nahen Blicke
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baden hineinander ohne Scheu befragt.
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Das heißt nicht nur die Häuser sind ganz
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eng beieinander, auch die Menschen dicht
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hineingehakt. Man sieht also die
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Menschen leiden auch unter dieser Engel.
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Und in der dritten und vierten Strophe
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stellt sich dann plötzlich heraus, die
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Wände sind dünn wie Haut. Wenn man dann
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zu Hause ist, kann jeder teilnehmen,
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wenn ich weine. Wenn man selbst nur
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flüstert oder denkt, das kommt einem
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vor, als wäre das Gegröhle und man ist
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dann ganz erstaunt, man ist doch
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eigentlich in einer Höhle ganz allein.
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Niemand kümmert sich um einen. Man ist
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unangerührt und ungeschaut. Zwar im Bus
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wurde man angeschaut und in der in der
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Tram in der Straßenbahn. Und jetzt
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stellen wir fest, ich werde nicht
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menschlich berührt. Jeder ist fern und
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fühlt alleine. Und da sieht man also,
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dass man jetzt auch schon eine Ahnung
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hat, worauf das Gedicht hinausläuft. Und
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so etwas nennt man Deutungshypothese.
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Man liest so ein Gedicht und merkt dann,
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das scheint ihr um Kritik am Leben in
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der Stadt zu sein oder eine negative
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Darstellung oder so etwas. Und wenn man
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dann die Aussagen hat, ne, auf der einen
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Seite ist alles ganz eng, sowohl eben
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zwischen den Gebäuden, aber auch
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zwischen den Menschen. Aber wenn es
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drauf ankommt, dann ist man ganz allein
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in seiner Höhle. Niemand kümmert sich um
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einen. Alle kriegen zwar alles mit, aber
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niemand kommt vorbei und sagt: "Hey, was
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ist los mit dir? Kann ich dir irgendwie
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helfen?" Und man könnte als Thema dann
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also anschließend sagen: "Dieses Gedicht
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zeigt, was das Besondere am Leben der
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Nimm das formuliert man dann am besten
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immer am Schluss. Das heißt, also am
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Anfang lässt man das bei einer
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Klassenarbeit noch ein bisschen frei.
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Das kann man dann später dann ergänzen.
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Und hier sieht man eben dieses Gedicht.
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Da geht's um die Frage, wie geht es
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Menschen in der Stadt? Kommen wir damit
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zum letzten. Das sind nämlich jetzt die
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berühmten sprachlichen Mittel. Darum mir
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M. Äh da ist wichtig, dass man das
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möglichst immer im Zusammenhang sieht.
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hat am Anfang schon gesehen,
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dicht wie die Löcher eines Siebes. Aha,
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ganz klar, das ist ein Vergleich.
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Dann weiter noch mal wie Gewürkte haben
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wir noch einen Vergleich. Dann haben wir
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aber auch sitzen in den Straßenbahnen
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die zwei Fassaden. Das ist also eine
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Metapher, kein Vergleich mehr, sondern
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direkt diese Menschen da sind Fassaden.
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Das sind also zwei Sachen. Da haben wir
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das im Prinzip schon. Dann natürlich
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auch die Wiederholung mehrfach.
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taucht das Wort dicht hier auf. Dann
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auch eine Person personifizierung muss
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das heißen, ne? Wenn es da heißt, Häuser
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fassen sich an, Straßen stehen wie
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Gewürkte. Ja. Äh das äh oder auch hier
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z.B. ne, die Blicke baden, das können
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Blicke überhaupt nicht, das sind
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natürlich auch noch dieses Bild mit
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Übertreibung hineingehakt. Das sind die
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Menschen natürlich hier nicht wirklich
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in Zeile 5, aber das kann einem so
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vorkommen. Und man sieht hier, dass auch
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die Reform, die Form des Gedichtes, das
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ist eine sogenannte Sonform. Hier hat
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man einmal vier Zeilen, noch mal vier
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Zeilen. Vier Zeiler nennt man Quartette
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und Dreiziler sind dann Terzette. Und
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bei vielen ähm Sonen, so nennt man die,
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ist das dann so, dass die ersten beiden
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Strophen gewissermaßen eine Situation
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darstellen, ne? Hier wäre das dann die
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und dann der untere Teil. Nehmen wir
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jetzt mal eine andere Farbe hier. Dieser
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Unterrittteil hier, das wäre eben die
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innere Situation des Menschen. Wenn er
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zu Hause ist, dann hat er ganz andere
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Probleme. Der ist zwar für sich, aber
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niemand kümmert sich auch um ihn. Und zu
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unserem Schaubild, das werden wir
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häufiger einsetzen. Wir haben also als
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Ausgangspunkt, das ist hier die Nummer
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1, das sind die Textsignale,
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die kann man hier zu Aussagen bündeln.
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Gut ist immer, wenn man sagt, dann das
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Gedicht zeigt, erstens, zweitens,
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drittens oder sogar viertens. So und
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dann hat man hier oben dann eine
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Deutungshypothese. Irgendwann merkt man,
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das läuft darauf hinaus, Darstellung der
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Situation der Menschen in der Stadt. Und
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das wird kritisch gesehen und am Ende
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ist dann die Frage des Themas und das
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Thema ist gewissermaßen die Frage, die
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geht es den Menschen in der Stadt? Und
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dann kommen die Aussagen als Antwort.
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Das Ganze ist also hier die Analyse
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eines Gedichtes. Wir werden das bei
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anderen Gedichten dann auch zeigen. Wenn
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man damit fertig ist, dann kann man sich
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mit der Frage der Interpretation
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beschäftigen. Aber das ist etwas dann
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noch anderes. Auf das gehen wir dann
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auch äh bestimmter Stelle ein. hier ganz
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kurz noch äh alles das kann man hier auf
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dieser Seite nachlesen. Die packen wir
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natürlich zu den Informationen. Auch ein
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Button werden wir hier oben noch
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einrichten. Hier entsprechend da ist
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dann ein Button nachher am Ende und dort
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eventuell Korrekturen, Ergänzungen. Wir
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freuen uns vor allen Dingen auch über
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die Beantwortung von Nachfragen und wir
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hoffen, dass das was wir hier gemacht
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haben, jetzt zeigt, wie man bei einem
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Gedicht vorgehen kann. Man sucht
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Signale, was sind besonders wichtige
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Dinge, die sich wiederholen. Dann kommt
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man zu den Aussagen und wenn man die
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hat, erkennt man langsam, was bedeutet
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das Ganze? Erstmal ist das Hypothese,
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die muss man überprüfen, äh und die kann
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sich auch ändern und am Ende hat man ein
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klares Ergebnis und kann dann auch
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entsprechend die Frage formulieren, die
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dem ganzen Gedicht zugrunde liegt. Das
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Ganze sieht hier immer ein bisschen
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durcheinander aus, aber wir werden das
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halt Website auch ablegen, dort noch
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genauer erklären. Auf jeden Fall hoffen
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wir, dass das geholfen hat und wünschen
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viel Erfolg. Beim nächsten Gedicht. M.