Notfallkoffer 2: "Heimatroman"? Passend zu Erpenbecks Roman "Heimsuchung" - fit für jede Prüfung ;-)
Jan 14, 2026
Dies Video gibt einen Überblick über alles, was man unserer Meinung nach wissen sollte/könnte, um optimal gerüstet zu sein.
Für Klausuren - aber vor allem auch für die mündliche Abiturprüfung.
Denn dort siegt der, der auf alles vorbereitet ist, auch wenn er im Ernstfall nur einen Teil davon braucht. Denn jede Lehrkraft kürzt ein Prüfungsgespräch ab, wenn das optimale Ergebnis sich schon abzeichnet.
Und wenn man dann für die nächste Frage auch wieder so einen Notfallkoffer im Kopf hat - was soll da schiefgehen.
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Einfach ausprobieren - und ggf. Nachfragen stellen. Wir freuen uns drauf.
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Die Dokumentation ist hier zu finden.
Dort findet man dann auch die Sprungziele, wenn man direkt von der Webseite aus einen bestimmten Teil des Videos sich ansehen möchte.
https://textaussage.de/notfallkoffer-klausur-pruefung-zum-roman-heimsuchung-thema-heimatroman
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Hier fügen wir gleich noch die Sprungziele bzw. Kapitelmarkierungen ein.
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Ja, kommen wir jetzt zu unserem zweiten
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Notfallkoffer, was den Roman Heimsuchung
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angeht. Und da geht es auch wieder
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darum, dass man fit ist für unerwartete
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Fragen. Mal hier das Ganze ein bisschen
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größer stellen, dann sieht man das
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besser. Unerwartete Fragen, wie sie z.B.
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in einem solchen Prüfungsgespräch
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auftauchen können. Und da ist es eben
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sehr gut, wenn man als Prüflink oben
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diesen Notfallkoffer natürlich im Kopf
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hat. Und ganz egal, auch wenn
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unerwartete Fragen kommen, ist man auf
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alles grundsätzlich gefasst. Und wir
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versuchen das also hier darzustellen in
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Bezug auf die Frage: Ist der Roman
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Heimsuchung ein Heimatroman? Das Ganze
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wird sehr umfangreich hier. Das ist ja
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mal unser Zeichen für die ausführliche
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Version, aber wir haben auch eine gute
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Nachricht. Das ist hier ein Screenshot,
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der allerdings sich auf einen anderen äh
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auf einen anderen Notfallkoffer bezieht,
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nämlich den ersten, den wir gemacht
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haben. Das findet man auf unserer
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Webseite und an den äh blauen Zahlen
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kann man sehen, dass man da einfach
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drauf klicken kann und dann springt das
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ähm aus dem Browser heraus direkt an die
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Stelle im Video. Besser geht das nicht
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und das erleichtert uns hier auch ein
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bisschen die Präsentation relativ lange
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Dinge, weil wir ja auf alles gefasst
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sein wollen. Wir haben es oft schon
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gesagt, wir wollen alles auf einer Seite
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haben, weil man dann im Kopf nur ein
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Bild abspeichern muss. Wir stellen das
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jetzt ausführlich so vor. Das kann man
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sich auch auf die Ohren legen für
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unterwegs und sich anhören. Dann hat man
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das im Kopf und wir werden hinterher
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auch noch eine kurze Prüfungsversion
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machen, aber eins nach dem anderen.
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Zunächst braucht man die ausführliche
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Darstellung. Der erste Schritt ist hier
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unten, dass man sich klar macht, was ist
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ein Heimatroman? Da kann man drauf
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hinweisen, dass das eine literarische
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Gattung ist, die so ab dem um 1900 herum
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populär wurde. Industrialisierung. Äh
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die Leute, die noch eine Heimat hatten,
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haben die natürlich entsprechend für
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sich besonders als wertvoll dargestellt,
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besonders im ländlich dörflichen Bereich
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natürlich und da hat sich vieles davon
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auch bis heute noch ähm erhalten. Und
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jetzt kommen die entscheidenden
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Kennzeichen. Heile Welt, überschaubar,
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ländlich haben wir schon gesagt, nicht
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bedrohlich. Es ist ein vertrauter Raum
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mit einer bestimmten Ordnung. die
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Striche hier immer, damit jeder sofort
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weiß, worüber wir gerade reden. Außerdem
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bei der Audiofassung sieht man das ja
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dann nicht. So, dann ein zweiter Aspekt
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ist Beständigkeit oder Tradition,
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Familie, Brauchtum, also was man so an
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Traditionen,
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Ritualen hat, das spielt ja im Kapitel
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mit dem Großbohren eine große Rolle.
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Bodenständigkeit und die Heimat ganz
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wichtig ist ein stabiler Besitz und zwar
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oft sogar Generationen lang. Man sieht
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hier bereits, dass das sehr gut mit dem
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Kapitel äh des Großbauern verbunden
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werden kann. Harmoniemodell.
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Konflikte gibt es natürlich. Meist
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kommen sie von außen von der Stadt aus
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von aus der Fremde heraus. Auch da
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spielt da eine Rolle. ähm und dann die
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Technik natürlich auch die Veränderung
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mit sich bringt oder ein
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Generationswechsel in der Familie bei
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einem Bauernhof z.B. am Ende aber wird
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in dem Heimatroman die gewohnte Ordnung
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wiederhergestellt, vielleicht ein
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bisschen erweitert durch eine junge Frau
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für den Jungbauern, die sich dann aber
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auch anpasst. Das ist ein Heimatroman im
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klassischen Sinne und das ist gut, wenn
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man das im Kopf hat, äh nicht in der
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Ausführlichkeit natürlich dann
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darstellt, äh aber eben einen
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Ausgangspunkt hat. Das war hier die
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heile Welt, die Beständigkeit und das
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Harmoniemodell.
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Ja, wir kommen dann zum zweiten Schritt
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hier oben. Äh wir ordnen das immer so
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an, äh dass das von unten nach oben auch
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aufgebaut wird. Und nachdem wir geklärt
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haben, was ist mit dem Roman da auf sich
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äh bzw. was ein ein Heimatroman
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überhaupt ist, kommen wir jetzt zum
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Titel. Natürlich Heimsuchung heißt ja
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schon Einbruch in diese geordnete Welt.
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Das kann eine Epidemie sein wie die Pest
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im Mittelalter. Das kann als einen
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religiösen Hintergrund äh haben, als
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göttliche Strafaktion wird das dann äh
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verstanden wie bei Sodom und Gomorra im
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Alten Testament. Und der Begriff heißt
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ja eigentlich von einer höheren Gewalt
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wird man in seinem scheinbar sicheren
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Heim besucht. Und bei kennt man das,
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wenn die sagen, ich habe nächste Woche
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einen Besuch, dann äh ist das manchmal
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eine ähnliche Heimsuchung, weil sie dort
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mehr oder weniger unter einer Prüfungs
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Situation sich dann befinden. Und wir
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haben schon klar gemacht, der Großbauer,
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das ist die Heinsuchung 1. Das ist
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nämlich der fehlende Erbe und dieser
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Generationswechsel
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von diesem Dorfschulzen, diesem
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Dorfbürgermeister, da eine wichtige
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Figur in dem Ort und da zeigt sich dann
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das Zerbrechen der Ordnung am Zerbrechen
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der Familie. Das sieht so aus, dass die
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Tochter Emma ja real die Rolle des
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Vaters übernimmt, der da wohl ein
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bisschen überfordert ist und der hat ja
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eben keinen Sohn, wird auch älter. Das
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heißt, sie äh bewirtschaftet den Hof und
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führt auch das Schulzenamt aus, aber
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natürlich nie offiziell. das immer das
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Problem gewesen, dass Frauen dadurch
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auch hervorragend Männerrollen
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übernommen haben, aber das wurde eben
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nicht anerkannt. ganz absurd nebenbei.
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Sie hat sich damit auch noch eine
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Familienperspektive
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verschlossen, denn für Männer wurde sie
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damals als Ehefrau uninteressant, denn
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damals war ja die Vorstellung noch sehr
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stark verbreitet, äh dass die Männer
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intelligenter sind und wenn dann die
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Frau widerspricht, äh das ist sehr
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unangenehm für diese Art von Männer und
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so weiter und die haben sich lieber eine
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fügsame Frau ähm besorgt. Es gab sogar
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mal eine äh Ausstellung, ne, wo diese
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Geschichte dieser fügsamen Frauen ähm
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dann eben dargestellt. Dann haben wir
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Hedwich.
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Ähm Hedwig hat eine Affäre mit einem
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Hilfsarbeiter, insofern besonders
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tragisch, weil die Gewaltaktion des
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Vaters dann dazu führt, sonder
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Fehlgeburt führt. Das heißt, der
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mögliche Enkel, auch wenn er unehich in
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die Welt gesetzt worden wäre, der wird
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hier sogar noch durch den möglichen
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Großvat selbst kaputt gemacht. Dann
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haben wir Kara, das ist insofern ein
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bisschen seltsam in dem Roman, das ist
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ja ein individueller Schicksalschlag,
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der grundsätzlich jeden treffen kann.
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eine Geisteskrankheit und das löst aber
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dann die weiteren Aktivitäten aus im
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Umfeld dieses Hauses, nämlich ihr
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Erbteil, ein Waldwohl wird verkauft und
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dort wird dann dieses Haus gebaut.
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Darauf gehen wir gleich ein. Insgesamt
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sieht man die Auflösung einer alten
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Ordnung, die ja bis 1650, also von 1900
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rückwärts bis 1650
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mehr als 200 Jahre eben zurückgeht.
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Diese Ordnung löst sich langsam auf.
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Gehen wir dann über von Schritt 2 zu
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Schritt 3. Äh wir haben das sogenannt
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von der gewachsenen Heimat über mehr als
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200 Jahre zur geplanten Heimat. Da haben
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wir diesen Architekten und äh für den
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ist Heimat kein Erbe, sondern ein
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Projekt. Er plant das alles, er stellt
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sich das vor und er spricht ja da äh von
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einem Haus als der dritten Haut neben
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der biologischen und der Kleidung. Äh,
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interessant auch, dass dieses Haus
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eigentlich nicht das gleiche ist wie ein
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Bauernhaus in einer Bauernfamilie,
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sondern das ist ja eigentlich hier für
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seine Geliebte, die dann seine zweite
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Frau wird und die lässt er auch den
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Kaufvertrag unterschreiben. Man sieht
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also alles ist da bereits ein bisschen
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unecht im Vergleich zu früher und aus
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ihrem Tourneeraum, das ist ja auch
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ähnlich tragisch wie bei der Tochter
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Emma, ähm, dass hier eine Frau letztlich
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in eine erzwungene Sesshaftigkeit hinein
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ähm gebracht wird und ihren eigentlichen
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Traum, Tänzerin oder so etwas zu sein,
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ähm wird nicht realisiert. Interessant
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auch die Naturwildnis wird jetzt in
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einen Kulturzustand versetzt. Das wird
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gewissermaßen nachgearmt und das ist
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ganz interessant. Wir werden da später
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kurz auf eingehen, aber an der Stelle
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können wir es gut erklären. Der
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Dichter Schiller hat im Vergleich zu
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Göte davon gesprochen, dass es zwei
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unterschiedliche Einstellungen gibt zu
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der
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Natur. Da haben wir auf der einen Seite
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Niv. Nai heißt wirklich ursprünglich
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natürlich, hat nichts mit dumm zu tun.
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Und dann gibt es sentimentalisch
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auch das sind die mal jetzt wird das
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hier wieder schwierig hier. Na ja, kommt
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eine Dokumentation rein.
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Sentimentalisch. Sentiment heißt nicht,
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dass man da Gefühle entwickelt, sondern
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heißt, dass man ähm über die über den
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Kopf, ähnlich wie der Architekt
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künstlich versucht in die Natur
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zurückzugehen.
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Das findet man ja sehr sehr häufig, dass
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etwas eigentlich Zivilisation ist, das
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heiß von Menschen verändert, aber es
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wird so getan, als wäre das die reine
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Natur und manche glauben dann eben auch
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zunächst mal dran, bis ihnen das dann
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klar wird. Das haben wir dann schon mal
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geklärt hier und da sieht man auch eben
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dieses unnatürliche, was bei dem
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Architekten zu einer scheinbar
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natürlichen Umgebung führt.
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Dann fanden wir interessant eine
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Formulierung äh das ächen,
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der hat Höhe, Breite und Tiefe.
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Natürlich die dreidimensionen hat er im
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Griff, aber was er nicht im Griff hat,
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auch ein sehr schöner Gedanke, das ist
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der Aspekt der Zeit.
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Dann äh diese Heimat in
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Anführungsstrichen wird ja auch dann
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enteignet später durch die DDR
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Wirklichkeit. Er muss ja seine Sachen
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vergraben, nachdem er da äh einen Fehler
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gemacht hat, sich intelligent vert
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Schrauben aus dem Westen geholt hat,
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durfte er aber nicht und bekommt er die
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Warnung: "Komm, verschwinde schnell,
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sonst kommst du in den Knast." Und er
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flieht dann entsprechend. Interessant
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auch, der Roman ist so gestaltet, dass
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diese geliebte zweite Frau dann
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am Ende in einer Zweizimmerwohnung
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landet. und im Altenheim und nichts mehr
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von der schönen Welt, die der Architekt
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hier damals versprochen hat und
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teilweise vielleicht auch gegeben hat.
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Ja, kommen wir jetzt äh zum vierten
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Schritt. Jetzt kommen wir nämlich zu dem
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Tuchfabrikanten und seiner Familie.
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Ähm, der Sohn Ludwig äh schafft es ja
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rechtzeitig nach Südafrika zu
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emigrieren. Das ist ja das Tragische,
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dass viele Juden in Deutschland sich gar
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nicht vorstellen ähm konnten, dass diese
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teilweise antisemitische, aber doch
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rechtlich geordnete Welt des
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Kaiserreichs und teilweise noch der
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Reime Republik ebenso plötzlich ins
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Gegenteil umschlagen könnte und blieben
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dann zu lange und kamen dann nicht mehr
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weg. Ähm, hier wird was den
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Heimatbegriff angeht, ist sehr
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interessant die entsprechenden Kapitel,
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die bleibt ähm bei dem Ludwig präsent.
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Der versucht das auch an seine Kinder
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weiterzugeben, aber letztlich ist das
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schon eine Entfremdung und die Kinder
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zeigen dann bereits den Übergang zu
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einer neuen Heimat und das war eine
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Sache von einer Generation noch und dann
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ist von der alten Heimat kaum noch etwas
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übrig geblieben. Äh kommen wir jetzt
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aber zu der sehr viel tragischeren
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Geschichte derer, die zu Hause geblieben
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sind. Die erleben nämlich eine
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unglaubliche Entrechtung und schließlich
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sogar eine Vernichtung. Äh, sie haben ja
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noch einen Badehaus auch. Das ist äh
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jetzt Heimat. Sie haben sich einen eine
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Heimat da geschaffen, eine Investition
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in eine Zukunft, die es für sie nicht
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gibt. Sie müssen dann das Ganze
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verkaufen zum halben Wert. So war das
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dann damals natürlich ganz klar. Wenn
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man verkaufen muss, bekommt man nicht
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den eigentlichen Wert einer Sache. Und
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interessant ist, dass der dann auch noch
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eine sogenannte Entjudungsgewinnabgabe
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an das Finanzam zahlen muss. Man merkt
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also hier, das ist eine Sprache der
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Nazizeit, die ist unsäglich
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und dann das Schlimme, die Immigration
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misslinkt dann, weil nämlich dann Hitler
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relativ früh dann den Zweiten Weltkrieg
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zum Entsetzen seiner Generä
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beginnt und dann eben auch Bürokratie.
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Äh da hat der Staat ja viele viele
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Möglichkeiten und am Ende haben sie
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sogar die Ausweise, die sie brauchen, um
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rauszukommen, aber sie kommen nicht mehr
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an das Geld, was nötig ist. Und dann
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dieser fürchterlich äh beschriebene Tod
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im Gaswagen und der Schwiegersohn, das
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wird so nebenbei dann berichtet, stirbt
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dann bei Zwangsarbeit. Auch das hat ja
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viele äh Gegner des Systems getroffen.
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Und Höhepunkt der Entwürdigung
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ist dann eigentlich diese Versteigerung,
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ne, was Heimat war, was für diese
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Menschen wichtig war. Wir werden das
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nachher bei den Mädchen auch noch sehen.
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Wird anderen überlassen in fremde Hände
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übergeben und jeder weiß, was das
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bedeutet, wenn man etwas einem selbst
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viel bedeutet an anderen abgeben muss.
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Wir kommen jetzt zu Schritt 5 und das
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ist äh das Mädchen Doris, das also
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Unterschied zu den anderen ja mit seinem
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Namen deutlich hervorgehoben wird und
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glaube ich sogar vorne in der ähm
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Würdigung, Zuordnung des Romans Widmung
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heißt es richtig. wird es wohl erwähnt
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und das ist für uns der erzählte
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Tiefpunkt nicht des Romans, sondern
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dessen äh was dort passiert. Und es ist
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natürlich ein absoluter literarischer
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Höhepunkt, auf dem wir gleich dann zu
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sprechen kommen werden, was wir schon
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mehrfach getan haben. HS heißt natürlich
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Heimsuchung hier und das ist wirklich
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die tragischste Form von Heimat und
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Heimsuchung, denn hier kommt noch eine
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zusätzliche Komponente da rein, äh
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nämlich die gewaltsame Vernichtung von
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Kompetenzen und den damit verbundenen
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Zukunftsperspektiven.
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Jeder, der sich anstrengt, der etwas
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leistet, er hofft sich ja, dass er das
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mal nutzen kann für sich, gewissermaßen
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wie früher in alten Zeiten von den
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Zinsen auch ein bisschen leben konnte.
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Und ähm hier, wie wir gleich sehen
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werden, ist das völlig anders. Zunächst
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mal ein kleiner Rückblick, ne? Dieses
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Mädchen ähm ist ja häufig in diesem Haus
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und erlebt das als Idull, hat eine
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intensive Naturerfahrung, das bedeutet
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ihr viel. Dann gibt es ja ihre
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Vorstellung von den unterseischen Bergen
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und einer Weide, die dort zu sehen ist,
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als Symbol im See der Verwurzelung. Und
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das Ganze ist ein Ort der Sinne, der
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Fantasie. Und dann kommt diese
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systematische Diskriminierung, die
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beginnt bereits in der Schulzeit mit
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Henseleien. Und das Mädchen äh muss dann
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ja die Schule verlassen und kommt d wohl
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zu einer Tante. Ähm und äh dort gerät
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sie dann in die Mühle dieses
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Nazivernichtungssystems.
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Äh am Ende werden diese ganzen
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Gegenstände ihrer Kindheit, die für sie
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eine große Bedeutung, jeder weiß das von
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kleineren Geschwistern oder so, welche
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Bedeutung ein Teddy für die haben kann.
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Das ist ja grundsätzlich etwas, was bei
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Erwachsenen auch nicht völlig
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verschwinden muss. Vielleicht der Teddy,
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aber nicht die Fähigkeit, sich an eine
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Sache zu erfreuen und sich damit zu
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identifizieren.
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Und dann gibt es ja diese äh Flucht in
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eine dunkle Kammer. Alle anderen werden
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abgeholt aus dem Ghetto. Das war so ein
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umzäunter Bereich, äh den die Juden
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nicht verlassen durften und aus dem sie
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dann nach und nach abgeholt wurden in
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die KZS und meistens waren es dann die
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Vernichtungslager.
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Sie kann also untertauchen dort. Aber
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ähm sie wird dann nachher gefasst und
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viel wichtiger ist, dort erlebt sie
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Heimat eigentlich nur in der Fantasie
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als Gedankenerlebnis. Also ganz intensiv
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auch eine äh Sache äh die wichtig ist
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für die Frage, wie geht man mit dem
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Verlust von real Heimat um? Man kann
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viel über Erinnerung tun. Das war ja
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wohl auch ein Motiv der Verfasserin,
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diesen Roman auch ein bisschen zu ehren,
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der Leute zu schreiben. Das ist vor
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allem diese jüdische Familie dabei
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natürlich äh, die da diese schreckliche
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schreckliche Schicksal erlitten hat.
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Dann der extreme Tiefpunkt am Ende, das
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hatten wir schon eben erwähnt. Das ist
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wirklich mal den Begriff der
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Annullierung muss man sich mal
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vorstellen. Das heißt auf gut Deutsch,
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alles das was man sich aufgebaut, was
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als Zahl auf einem Konto, ein inneres
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Bildungskonto gewissermaßen steht, wird
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einfach auf null reduziert
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äh bis zu dem Namen eben, der in diesem
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Roman, wie wir schon angedeutet haben,
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gerettet ist. Also von daher ein
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Höhepunkt des Erzählens und ein
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Tiefpunkt äh der Entrechtung und eben
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der Heimsuchung.
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Gehen wir im Schlusspunkt jetzt noch
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kurz auf die übrigen Figuren äh ein. Da
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ist diese Schriftstellerin
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ähm die hat ja emigrieren können, ne?
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Ist da aber auch nicht besonders gut
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behandelt worden in der Sowjetunion. das
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ein Thema für sich und sie will sich
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jetzt hier gewissermaßen wieder Dingfest
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machen, also festen Grund unter die Füße
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bekommen. Äh sie kämpft dann mit der äh
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Bürokratie, wohl in diesem Falle bereits
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der DDR äh Bürokratie und dieser
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Realität, wenn wir es richtig in
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Erinnerung haben, ist das ja auch die äh
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Geschichte, dass sie dann gegenüber
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einem Bonzen da einem Arzt oder so da
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eben Nachteile erleidet, aber bitte
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selbst überprüfen, wir haben auch nicht
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alles hundertprozentig im Kopf. Und es
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geht ja auch nur eigentlich um das
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Phänomen. Und interessant ist auch ein
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positiver Ausblick, den jeder für sich
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mal äh einschätzen kann. Menschheit ist
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die Heimat nicht mehr ein konkreter Ort.
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Da hat man zu viele Wechsel erlebt,
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politische Wechsel, räumliche Wechsel
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eben im Widerspruch zur konkreten
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Realität. Und das kann auch ein Modell
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der Zukunft sein, dass wir uns stärker
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auf die Menschheit, die
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Menschheitsfamilie, wie einige auch
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sagen, konzentriert, als auf ähm die
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eigene unmittelbare Umgebung, die eben
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auch ähm wandelbar ist. Dann gibt's
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diese Besucherin da, eine vertriebene
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Verwandte der Schriftstellerin, ne, die
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aber auch erlebt, dass sie nicht voll
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anerkannt wird, eigentlich fremd in der
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Fremde ist. Dann der Unterpächter
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eine Nebengeschichte, bei der also
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jemand durch eine gescheiterte Flucht
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aus, der regelrecht traumatisiert ist
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und er erhofft sich hier ein bisschen
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geborgtes Glück. Dann beim Architekten
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ähm kann man noch mal drauf hinweisen,
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der muss alles vergraben, aber das
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gehört ja eigentlich schon gar nicht
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mehr hin, denn den haben wir ja schon
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behandelt. Und der Schlusspunkt ist dann
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wirklich diese unberechtigte
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Eigenbesitzerin. Auch ein sehr schöner
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Begriff, der da verwendet wird, denn
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durch diese verschiedenen System
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Regimewechsel hat das auch dazu geführt
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natürlich, dass zwischendurch immer auf
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etwas seltsame Art und Weise, nicht ganz
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rechtliche Art und Weise Leute an den
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Besitz gekommen sind. Das war
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Architekten schon so und dann bei
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anderen auch. Und hier haben wir dann
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den Versuch, das rückgängig zu machen.
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Und so ein rückgängig machen äh
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entwurzelt natürlich wieder die Leute,
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die da 20, 30 Jahre gelebt haben
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bereits. Und dann gibt es ja diese
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besondere Situation, dass die Enkelin
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der Schriftstellerin dann dieses Haus
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räumen muss. Dann gibt es ja diesen
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umfangreichen
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ähm Prozess, der fast wie eine heilige
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Handlung aussieht. Ähm, aber das sorgt
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nur dafür, dass man das versucht für
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sich abzuschließen. Sicherlich einer der
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interessantesten Teile. Wie geht man mit
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der Heimsuchung um? Neben der
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Möglichkeit überhaupt Erinnerungen äh zu
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bewahren in sich. äh und ähm dann hat
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man das abgeschlossen äh und so versucht
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man damit klarzukommen. Einfach rituelle
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Handlung und dann kurzer Hinweis darauf,
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am Ende wird dann das Haus ja ähm
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abgerissen und das ist natürlich ähm die
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finale Heimsuchung äh die dann nicht
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mehr direkt einen Menschen betrifft bis
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auf diese unberechtigte Eigenbesitzerin,
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aber die zeigt alles war eigentlich
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umsonst. Und äh wir werden dann in einem
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äh zweiten Video dann auch noch zeigen,
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wie man das in einer mündlichen Prüfung
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etwa unterbringen kann. Und dort werden
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wir auch eingehen auf äh dieses
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Phänomen, was wir sehr wichtig finden.
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Wir schreiben das mal hier hin, wenn das
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hier geht. Das sind die sogenannten
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Zusatzpunkte,
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nämlich eine Art Fazit. Das Video ist
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lang genug geworden. Ähm, wir hoffen,
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dass es verständlich ähm war und wir
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wünschen auf jeden Fall, dass das
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Wissen, was wir hier versucht haben,
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zusammenzustellen und unterzubringen,
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eben in einer Klausur oder mündlichen
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Prüfung auch gut genutzt werden kann.
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Wir wünschen viel Erfolg. Ja, und das
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Schöne, wenn man einzelne Clips dreht,
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ist, dass man nach einem Clip noch ein
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bisschen drüber nachdenken kann. Und wir
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haben tatsächlich vergessen jetzt auf
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unsere Website hier hinzuweisen, die man
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nicht abschreiben muss, weil die in die
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Infos zum Video kommt. Und hier oben
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wird dann auch
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am Ende hier der Button eingerichtet,
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den wir hoffentlich hier noch kurz
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zeigen können. Da soll er eigentlich
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hinkommen, aber wir schaffen es nicht.
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Gut, in Ordnung. Ähm, auf jeden Fall
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hier äh dieses äh grüne Rechteck zeigt
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eben, wo man dann oben rechts nachher
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auch drauf klicken kann, sodass jemand
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da in Ruhe das auch nachlesen kann und
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vor allen Dingen dort eben auch äh
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Korrekturen, Ergänzungen und
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Beantwortung von Fragen, über die wir
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uns immer freuen. Dies also als kleiner
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Nachtrag, den Erfolg hatten wir schon
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gewünscht. Ja.
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