Teil 2: "Heimsuchung", "Erinnerungskultur" - Aspekte und Argumente für Stellungnahme, Erörterung -
Dec 9, 2025
In diesem Video zeigen wir, wie man sich "argumentativ" auf eine Klausur vorbereitet.
Thema ist dort "Erinnerungskultur" - mit Bezug auf den Roman "Heimsuchung".
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Die Dokumentation ist hier zu finden:
https://textaussage.de/video-vorbereitung-einer-klausur-zum-thema-erinnerungskultur-im-roman-heimsuchung
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Das Video 1 mit den Vorüberlegungen und der Klärung des Begriffs "Erinnerungskultur"
https://youtu.be/uwNgp6oj13A
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00:01 – Beginn Teil 2: Aspekte und Argumente
00:27 – Hinweis auf Dokumentation und Sprungmarken
00:52 – Rückblick auf Video 1
01:12 – Definition Erinnerungskultur durch NotebookLM
01:22 – Übergang zu den Aspekten
01:35 – Aspekt 1: Deutsche Geschichte im Roman
01:55 – Pro These: Überblick über zentrale historische Phasen
02:31 – Relativierung: Fragmente und Einzelperspektive
03:22 – Aspekt 2: Darstellung des jüdischen Schicksals (Doris)
03:50 – Pro These: Widmung und reale historische Bezugspunkte
04:18 – Relativierung: Problematische Mischung aus Fakt und Fiktion
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Ja, kommen wir jetzt zum zweiten Teil
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der Klausurvorbereitung,
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was die Erinnerungskultur
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im Roman Heimsuchung angeht. Und diesmal
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geht es um die Aspekte und die
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Argumente. Hier unten wie immer die
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Dokumentation. Wir werden das auch
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hinten noch am Ende äh zu einem äh Link
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machen, zu einem Button. Und dann auch
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hier der Hinweis. Wir machen immer recht
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ausführliche Videos, aber das brauchen
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wir einfach, um genügend in die Tiefe
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gehen zu können. Und da ist eine
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einfache Möglichkeit dann auch die
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Sprungmarken zu nutzen. Wir machen so
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eine Kapiteleinteilung hinterher, wie
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das bei YouTube ja leicht geht und das
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kommt auch auf die Website, wo man dann
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direkt aus der Website zu der Stelle im
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Video springen kann. Einfacher geht es
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nicht. Ja, ein kurzer Rückblick auf das
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erste Video. Da haben wir drei Dinge
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vorgestellt. Einmal das Problem der
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Vorbereitung auf eine solche Klausur mit
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einem Sachtext zu einem Thema, zu dem
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man dann Stellung nehmen soll. Dann
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methodische Überlegungen, wie man das am
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besten macht mit den Argumenten und dann
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haben wir einfach uns von Notebook LM
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aus zehn relevanten Quellen dann einen
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Begriff mal zusammenstellen lassen, eine
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Definition. Was gehört alles dazu? Was
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ist wichtig zum Thema Erinnerungskultur?
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Und wir werden auf dieses erste Video
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natürlich hier verweisen. So, kommen wir
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jetzt zu den verschiedenen Aspekten und
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gehen die einfach mal durch. Das ist der
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erste Aspekt hier.
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Äh, das ist die Thematisierung der
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deutschen Geschichte. Mal gucken, dass
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das hier auch klappt. Ja, und zwar da
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geht's vor allen Dingen um den
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Holocaust, die DDR und die damit
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verbundene Wendezeit. hin zur neuen
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Bundesrepublik. Wir kommen jetzt erstmal
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zu den Dingen, die wir prüfen müssen.
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Das sind die Prothesen. Da wird
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behauptet, der Roman bietet einen
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Überblick über zentrale historische
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Phasen des 20. Jahrhunderts:
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Nationalsozialismus, Vertreibung, DDR,
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Nachwendezeit. Dadurch erinnert er
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Leser, das ändern wir immer ab hier,
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indem wir dann daraus lesende oder Lesis
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machen, denn dieser Doppelpunkt, der
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stört uns doch etwas. Wir nehmen aber
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natürlich Rücksicht auf alle die da
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besondere Wünsche haben. Dadurch
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erinnert die also daran, wie
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unterschiedliche politische Systeme in
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die Lebensgeschichten hineingreifen
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können. Jetzt kommen wir zu unserer
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Relativierung.
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Das sind nur kurze Ausschnitte und viele
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Andeutungen ohne Erklärung, ohne
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historisches Vorwissen bleiben die
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Ereignisse bruckstückhaft. Dazu kommt
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ein ganz wichtiger Punkt, der uns erst
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jetzt zur letzte Zeit aufgegangen ist.
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Alles wird durch die Brille einer
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einzigen Frau, einer Autorin gesehen und
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das stärkt das strengt schränkt
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natürlich den Erkenntniswert stark ein,
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wenn hier einfach einer das, was ihm so
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einfällt, was er hervorragend äh
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vermitteln kann literarisch im Roman.
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Aber es bleibt natürlich in der Sache
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eine Einzelperspektive mit all ihren
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Problemen, Mängeln, aber auch Vorzügen
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natürlich. Also insgesamt haben wir zwei
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Einschränkungen. Wir haben da einmal
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Fragmente ohne Kontext, kann man sich
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merken, und nur eine subjektive Sicht,
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trotz der Recherchen, die die Autorin
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sicherlich gemacht hat. Kommen wir nun
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zum zweiten Aspekt. Das wäre also jetzt
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hier die Darstellung eines jüdischen
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Schicksals und das ist dieses Mädchen
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Doris. Und die These Pro ist natürlich
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die Figur, die ja eine historische äh
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Person ist und die Widmung für Doris
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Kappler. Und das kann man nun wirklich
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ernst nehmen, auch wenn das natürlich
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problematisch ist bei einem fiktiven
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Text. Äh, aber auf jeden Fall ist das
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ein Argument und der Roman erinnert an
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ein reales Opfer der Scho des Holocaust
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und die Kürze und Nüchternheit der
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Darstellung erzeugen Betroffenheit, weil
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sichtbar wird, wie abrupt ein junges
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Leben ausgelöscht wurde. Das überzeugt
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uns nun nicht hier. Wieso Kürze und
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Nüchternheit besonders Betroffenheit
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auslösen können. Da weiß man ja, dass
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eine Schilderung oder so etwas viel
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stärker wirkt. Aber schauen wir uns mal,
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was wir uns hier aufgeschrieben haben.
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Die Autorin arbeitet mit einer
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literarischen Ausschmückung eines realen
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Holocaust Schicksals. Ausschmückung
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heißt hier nur eigentlich Ausgestaltung.
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Das äh sollten wir entsprechend ändern.
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Es geht nicht darum, dass hier etwas
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schön gemalt wird. Natürlich, das ist
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ethisch anspruchsvoll. So kann man es
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vorsichtig formulieren, da unklar
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bleibt, welche Details historisch
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gesichert sind und welche nicht. Ja, das
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haben wir ja immer wieder angesprochen,
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diesen Punkt. We ist anspruchsvoll heißt
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schon so etwas in Richtung problematisch
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und da haben wir auch die problematische
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Mischung aus Fakt und Fiction, die für
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Erinnerungskultur sensibel bewertet
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werden muss, wenn sowieso im Hintergrund
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immer steht Leute, da haben sich
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irgendwelche Leute was ausgedacht oder
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so und solchen Verschwörungstheorien
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arbeitet man da möglicherweise entgegen
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oder kommt ihnen entgegen. Das ist die
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richtige Formulierung. gehen wir jetzt
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etwas genauer auf den nüchternen Stil
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ein, der auch damit verbunden ist mit
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dem was wir eben gesagt haben. Und
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dieser sachliche protokollartige Stil
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kann als Versuch verstanden werden,
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große Emotionen zu vermeiden und das
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Leid nicht zu ästhetisieren. Man sieht,
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das sind Probleme. Die haben
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Germanisten, die haben
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Literaturwissenschaftler,
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die haben in der Schule eigentlich
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nichts zu suchen. Hat man kein Problem
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mit Ästhetisierung. Es sei denn, es
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ergibt sich daraus ein Problem, aber das
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ist von oben runter gedacht und
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dementsprechend heißt es hier auch viele
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Literaturwissenschaftler werten das als
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verantwortungsbewusste Darstellungsform.
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Das sehen wir verständlicherweise etwas
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anders, aber letztlich muss es jeder für
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sich selbst entscheiden. Wir kommen
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damit zur Relativierung. Relativierung
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heißt ja immer, wie wird dieses
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Argument, was eigentlich ein Argument
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ist, natürlich für eine gute
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Erinnerungskulturdarstellung.
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Das wird da so eingeschränkt, extrem
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distanziert und für viele steh in der
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Schule vor allen Dingen für diese Leser,
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lesenden und Leserinnen erschwert er
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Mitgefühl und Identifikation. Man merkt
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hier, die Dinge wiederholen sich
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natürlich auch etwas, wenn man
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aspektorientiert vorgeht, dann gibt es
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Überschneidungen natürlich auch. Und
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Erinnerungskultur
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braucht oft genau das emotionale
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emotionale Anschlussfähigkeit,
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das merkt man, wenn eine Parade z.B.
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gemacht wird oder so etwas oder eine
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große Veranstaltung zu einem bestimmten
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historischen Termin, dann wird ganz
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bewusst auch natürlich auf
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Emotionalisierung und ähnliches gesetzt.
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Und dann der Stil kann als Stärke, na
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ja, das bezweifeln wir so etwas, wie
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auch als Schwäche gesehen werden. Und
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wir sehen die Schwäche hier natürlich
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vor allen Dingen im Prinzip
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in Blick auf die Schule. Das ist für uns
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der entscheidende Punkt. Der Roman
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selbst, ne, ist ähm nicht nur völlig in
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Ordnung, sondern er ist grandios, weil
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er etwas ganz bestimmtes versucht. Aber
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bitte, in der Schule ist das
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problematisch. Kommen wir jetzt gleich
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zum nächsten Punkt hier.
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Erinnerung
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als ein Ort für Erinnerung. Na ja, das
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ist ein bisschen komisch formuliert
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hier, aber damit se schon klar kommmen
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hier. Der Roman zeigt, wie sie an einem
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einzigen Ort verschiedene
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Lebensgeschichten überlagern. Dadurch
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entsteht ein literarisches Modell dafür,
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wie Erinnerungsräume funktionieren. Orte
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speichern Geschichten, selbst wenn
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Menschen gehen.
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Also, man könnte hier sagen Erinnerung,
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das ändern wir mal ab, als
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Erinnerungsraum, da ist irgendwas
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schiefgegangen. Und natürlich ist es
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eine gute Idee, wenn man einen
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bestimmten Ort, das Schloss von
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Wersillai z.B. oder irgendetwas anderes
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äh eben mit bestimmten äh Dingen
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verbindet, die da passiert sind. So,
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jetzt haben wir hier natürlich das
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gleiche Erinnerungsraum,
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muss das hier natürlich heißen. Kommen
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wir jetzt zur Relativierung.
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Die starke Konzentration auf die Natur
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und den Ort minimiert die Bedeutung
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einzelner Menschen. Das muss man
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eindeutig sehen. Das haben in einem
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anderen Video hier. Das können wir mal,
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ich schreib mal hier zu Video
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Göte. Wir haben ein Video gemacht, wo
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wir deutlich machen, dass ähm dieser
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Roman auch als so trostlos empfunden
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werden kann, weil ja überall nur
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Heimsuchung passiert. Leute verlieren
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alles und die Natur überlebt am Ende und
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das menschliche Leben war bedeutungslos.
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Mit der Frage muss man sich
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auseinandersetzen und darum auch hier
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die Formulierung, die Schicksale wirken
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eher wie vorbeiziehende Episoden und für
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Erinnerungskultur, die menschliche
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Perspektiven betont, kann das als zu
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distanziert empfunden werden. Und das
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ist für uns ein ganz starkes Argument.
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Kommen wir jetzt zum fünften Aspekt. Da
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geht es um die Komplexität.
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Das muss natürlich hier eher so markiert
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werden. Ähm, der Roman widersetzt sich
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einfachen Deutungen, das stimmt, und
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zeigt Erinnerung als vielschichtigen,
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manchmal widersprüchlichen
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Prozess. Da sind wir in einem Punkt aber
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inzwischen völlig anderer Meinung,
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nämlich der Autorin.
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Man darf ja nicht vergessen, das ist
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Fiktion. Alles das ist hier im Kopf der
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Autorin entstanden, auch wenn sie
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möglicherweise Briefe und ähnliches
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verwendet hat, aber das macht sie ja
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nicht transparent in einem Roman. Und
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das entspricht nun angeblich modernen
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Erinnerungstheorien, die große
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Gesamterzählungen kritisch sehen. Na ja,
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das ist so mit der Theorie. Da hat man
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eine Theorie und demnächst kann es auch
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ganz anders sein. Außerdem kann jeder
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einzelne das für sich selbst
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entscheiden. Kommen wir jetzt zur
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Relativierung.
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Weil der Roman bewusst auf klare
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Erklärungen verzichtet, fällt es
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lesenden und vor allen Dingen Schülern
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schwer historische Zusammenhänge zu
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erkennen. Das verbindet sich wieder mit
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dem ersten Punkt hier. oder aus dem Text
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heraus zu beurteilen. Für schulische
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Aufgaben kann das eine Überforderung
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sein, wenn man gewissermaßen ständig den
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Geschichtslehrer dabei haben muss. Man
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fragt sich, warum lesen wir den Roman,
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wenn der Geschichtslehrer es vielleicht
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viel besser erzählen könnte? Wir sind
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damit jetzt beim Gesamtfazit auch und
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schauen mal, was man da entnehmen kann.
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Ähm, der Romanheimsuchung kann einen
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kann einen Beitrag zur Erinnerungsg
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leisten, weil der Roman an zentrale
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historische Themen erinnert. Dabei
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entfaltet er durch einzelne Szenen
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besonders die Geschichte von Doris. Da
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sind wir voll auch der Meinung, starke
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Wirkung, aber es gibt eben auch klare
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Grenzen. Die fragmentarische
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Erzählweise, der sehr nüchternde Stil
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und die starke Zentrierung auf Natur,
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vor allen Dingen Natur, das ist ja eine
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ein ganz anderes Thema. Das hat mit
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menschlicher Erinnerung gar nicht mehr
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viel zu tun. erschweren ist ein
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vollständiges oder zugängliches Bild der
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Geschichte zu gewinnen. Dann der Beitrag
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des Romans ist daher insgesamt
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ambivalent.
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Ambivalent heißt sowohl als auch, er
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eröffnet wichtige Perspektiven, verlangt
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aber auch viel Vorwissen und kritisches
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Lesen, um Missverständnisse zu
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vermeiden. Und das ist noch immer wieder
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der Hinweis. Es handelt sich hier um
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eine Schullektüre.
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Und ähm wir wollen jetzt mal den äh die
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Perspektive etwas eröffnen auf andere
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Grenzgänge oder Grenzgänger im Bereich
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der spezifisch deutschen
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Erinnerungskultur, die stark eben an
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Holocaust bzw. Schoa gebunden ist. Und
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das sind die folgenden zwei Texte
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interessant, die wir jetzt für
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interessierte Leute noch kurz
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vorstellen. Und eigentlich muss man
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Erinnerungskultur zumindest mit einem
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anderen Roman zusammenbringen, der auch
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etwas ähnliches versucht hat, aber auf
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andere Weise.
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So, kommen wir jetzt zum ersten ähm
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Fall. Da geht es um den Schriftsteller
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Martin Walser,
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der 1998 einen Preisverliehen bekommen
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hat, wohl den Friedenspreis des
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deutschen Buchhandels muss man
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gegebenfas noch mal recherchieren. Für
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uns ist ja nur der Inhalt und die
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Auseinandersetzung um diese Rede von
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Bedeutung. Da haben wir es auch
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Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
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Er kritisiert eine etablierte
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Erinnerungskultur, gemeint ist damit
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Leute, was hat sich doch im Laufe der
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Jahrzehnte einfach zu einem
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Standardmodell ähm entwickelt. Ja, da
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geht man hin und dann macht man das auch
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und hinterher wird das immer weniger
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noch beachtet. Es wird halt nur
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inszeniert und er spricht auch und das
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hat ihm natürlich Ärger eingehandelt von
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einer Drohrroutine. Ja, wenn du da nicht
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mitmachst, nicht genügend trauers oder
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so etwas, dann gibt's gibt's Probleme
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und es gibt eine Art Moralkeule. Ja, du
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wirst mit der Keule gezwungen und er
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selbst hat sowas auch formuliert wie und
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das ist ernst zu nehmen durchaus. Mein
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Gewissen gehört mir. Das soll nicht von
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irgendwelchen Institutionen oder
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Vorgaben bestimmt werden. Und es ist
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sicherlich auch ein Problem, was er
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Dauerrepräsentation unserer Schande ähm
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bezeichnet. Es ist ganz klar, dass die
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Deutschen, die ähm in der Nazizeit ähm
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zumindest nicht genügend Widerstand
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geleistet haben oder immigriert sind,
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die haben natürlich durchaus ein
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Problem, ihr Verhalten damals zu
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erklären, auch wenn sie selbst an
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Verbrechen nicht direkt beteiligt waren.
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Aber seitdem sind etwa mehr als 70
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Jahre, fast 80 Jahre vergangen und das
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sind ganz andere Generationen heute. Ja,
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da tauchen Fragen auf. die müssten
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zumindest äh in den Blick genommen
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werden und Martin Walser hat das damals
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gemacht, wenn auch ähm sehr erregt und
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aufgebracht. Ähm und so hat äh dann äh
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vor allen Dingen äh ein Herr Bobis, das
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war damals der Vorsitzende des Zentrals
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der Juden in Deutschland, der hat gesagt
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das ist vor allen Dingen so
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Erinnerungsabwehr. Die wollen sich nicht
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mehr damit beschäftigen. Die wollen ein
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normales Volk sein. Ähm frei von der
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angeblich zwanghaften Schuld. Das sind
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jetzt keine Originalformulieren von
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Formulierungen von Bubis, nur die, die
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auch ähnlich denken wie er, haben das
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damals so formuliert. Und ähm er
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interessiert sich inszeniert sich dann
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also der Schriftstelle ihrer Meinung
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nach als Opfer von Schuld vorwürfen und
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dann sind die Überlebenden der Schuer,
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die es damals ja noch gab. Heute gibt es
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ja kaum noch Überlebende aus natürlichen
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Gründen in die Rolle äh übermächtiger
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Ankläger geraten, obwohl sie eigentlich
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Opfer waren. Und dieses Denken, dass die
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nationale Ehre über die Anerkennung der
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Schuld stellt, blockiert eben nach
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Meinung der Kritiker eine tiefe
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Auseinandersetzung mit der
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Vergangenheit. In dem ist die Schuld
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privatisiert, das heißt also, habe ich
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Schuld oder habe ich nicht Schuld und
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aus der öffentlichen Sphäre entfernen
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will. Das ist ein ganz großes Problem,
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bei dem man immer auch im Auge behalten
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äh muss, wie das denn mit
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internationalem Vergleich aussieht. Ähm
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gibt es denn auch andere Länder und
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Völker in der Welt, die gewissermaßen
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die schlimmen ähm Phänomene ihrer
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Geschichte so in den Vordergrund
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stellen? Das kann man für gerechtfertigt
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halten, aber man muss ja auch sehen,
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dass immer mehr Menschen zu uns kommen,
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die damit nun wirklich überhaupt nichts
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zu tun haben. Z.B. aufgrund von ähm
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Migration und Ignat Bobis, jetzt kommen
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wir erst zu dem, was er selbst hier
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gesagt hat, verstand die Erinnerung an
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Auschwitz als Grundlage der Demokratie.
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Man könnte auch sagen Menschlichkeit, so
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etwas darf nie wieder passieren. Sein
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Einspruch betonte, dass die von Walsa
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ersehnte Normalisierung mit einer
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Verdrängung der Verbrechen einhergehe,
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da unterstellt er ihm natürlich etwas,
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nö, aber das muss man im Einzelnen
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prüfen, was den Näherboden auch für
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Rechtsextremismus natürlich bereiten
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kann. Die berufen sich dann
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gegebenenfalls natürlich auch auf einen
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berühmten Schriftsteller und seine
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Haltung symbolisiert nach Meinung ähm
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von Notebook LM hier den kritischen
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Geist und die intellektuelle
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Unabhängigkeit in der Debatte, welche
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die Notwendigkeit einer nicht
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zwanghaften kritischen Erinnerungskultur
16:44
unterstreicht und darüber kann man
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natürlich gut in der Schule mal
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sprechen, aber es sollte eben ganz offen
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geschehen. Also noch einmal die
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Zusammenfassung. Der Fall ist
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interessant,
16:55
weil es hier zum ersten Mal so einen
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öftlich geäußerten Überdruss an
16:59
Schuldvorwürfen gab oder sichtbar wurde,
17:02
der als pauschal empfunden wurde. Da
17:04
wird nicht genügend unterschieden, auch
17:06
nicht die zeitliche Distanzierung da und
17:08
zeitliche Distanz immer mehr
17:09
berücksichtigt. Man merkt auch, dass ein
17:11
Vertreter derer, die in besonderer Weise
17:13
betroffen sind, damit ist also Bubis
17:15
gemeint und als Vertreter der Juden, die
17:18
in Deutschland leben, vielleicht sogar
17:20
Verwandte verloren haben dort, die
17:22
machen sich natürlich Sorgen im Hinblick
17:25
auf eine Normalisierung, die sie als
17:27
Relativierung empfinden. Also ist alles
17:29
ja schon alt und nicht mehr so ganz
17:31
aktuell und so weiter. Und jetzt
17:33
spannend eben schon angesprochen ist die
17:35
Frage, wie sich die Haltung in der
17:37
Bevölkerung weiterentwickelt. einmal
17:39
neue Generationen
17:41
und auch Menschen natürlich, die
17:43
aufgrund von Migration überhaupt nichts
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zu tun haben mit dem, was in Deutschland
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zwischen 33 und 45 dann eben passiert
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ist. Das sind also hier einfach nur
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Überlegungen, aus denen jeder selbst
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etwas herausgreifen kann, was ihn bei
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einer möglichen Klausur dann
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interessiert und einbringen kann oder
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will. Noch viel spannender wird das,
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wenn man den Roman der Vorleser
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einbezieht.
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1995 erschienen von Bernhard Schlink und
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wir lösen uns mal jetzt etwas von der
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Zusammenfassung von Nordbam und sagen
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erstmal, worum es überhaupt geht. Es
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geht nämlich um eine NS-Täterin Hanna
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Schmitz, die
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sich in einen Jungen verliebt oder
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umgekehrt. Die haben sogar ein sexuelles
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Verhältnis nachher. Und das Besondere
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ist eben, dass der Junge nicht weiß,
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dass die Hanna Schmidz früher eben eine
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NS-Täterin gewesen ist. allerdings aus
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einem besonderen Grund, denn sie war
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Analphabetin und sie war Schaffnerin
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oder sowas in einem in einem in einer
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Bahn oder so und sollte aufsteigen und
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hatte Angst, dass das dann rauskommt,
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dass sie überhaupt nicht lesen und
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schreiben äh kann und da hat sie sich
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dann einfach zur SS gemeldet und ist
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schließlich in einem KZ gelandet und
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beschrieben wird in dem Roman eben, dass
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am Ende des Krieges als die Menschen im
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KZ die Gefangen also auf noch sogenannte
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Todesmärsche da gebracht wurden, dass
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sie da eben auch schuld daran
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mittrug, dass die in einer Kirche sich
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wohl hatten einschließen lassen müssen
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und dann fielen Bomben drauf und die
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verbrannten da bis auf eine Frau und
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ihre Tochter und das Besondere ist eben
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hier, dass in dem Prozess diese Hanna
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Schmidz eben das nicht darstellen will.
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Das empfindet sie als peinlich, als
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unangenehm und so lässt sie zu, dass äh
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die anderen Angeklagten einfach das
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Protokoll hier hinhalten, dass sie
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damals einfach unterschrieben hat, ohne
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es lesen zu können. Und da hatten sie ja
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alles untergeschoben, dass sie die
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einzig schuldige sei und so weiter und
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sie nimmt eben eine lange Haftstrafe in
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Kauf. Äh und als sie am Ende dann
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freigelassen ähm wird, äh kommt sie mit
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der Freiheit nicht mehr klar, aber sie
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sorgt dann dafür, dass ähm zumindest ähm
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ähm deutlich wird bei den beiden
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Überlebenden, die dann in New York
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besucht werden, wohl durch ihren
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ehemaligen Freund äh um deutlich zu
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machen, dass sie das bereut, was damals
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geschehen ist. Wir haben also hier das
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jetzt
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stark zusammengefasst. Es geht also hier
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um eine menschliche Sicht auf eine
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solche äh Täterin
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und da ist die Angst natürlich da, dass
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eine zu starke Individualisierung der
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Täterfigur das kollektive Täter
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Opferbild verrücken könnte. Aber
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Vorsicht Leute, was heißt das denn, ne?
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Gibt es ein kollektives Bild überhaupt?
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Wer macht das? und ähm ein diese
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nuancierte Sicht auf eine Person und die
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Vermeidung einfacher moralischer Urteile
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sind eine Öffnung natürlich dieser etwas
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verengten Perspektive.
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Und der Roman ist in vielen Lehrplänen
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verankert. Er ermöglicht eben sich
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differenziert mit Themen wie Schuld,
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Verantwortung und Generationenkonflikt
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auseinanderzusetzen. Und das ist
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sicherlich in der Schule eher möglich an
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so einem Beispiel das durchzuspielen,
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durchzudenken, als bei den vielen
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fragmentarischen Lebensgeschichten in
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dem Roman Heimsuchung. Und am Ende haben
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wir Selbstreflexion durchaus, die
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möglich wird und dann die Erkenntnis,
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dass Wahrheit nie schwarz auf weiß ist,
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aus vielen Graustufen besteht und schon
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gar nicht in einem kollektiven Bild. Das
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ist also sicherlich äußerst
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problematisch, denn kollektive Bilder
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sind nicht weit von Vorurteilen
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entfernt. Schauen wir uns die
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Zusammenfassung noch mal kurz an. Auch
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Literatur, ein Roman. Er ist auf mehr
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angelegt als Zufallsfragmente. Ein
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komplettes Täterleben wird ausgebreitet
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und es gibt einen Einzelhinweis auf sehr
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unterschiedliche
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Lebensweltvoraussetzungen
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für eine Täterschaft. Das haben wir ja
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mit der mit dem Analpetismus hier
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beschrieben und eben auch die Folgen für
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jemanden, der schuldig geworden ist bis
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hin zu etwas, was wir eigen
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Sozialisierung genannt haben. Das heißt,
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dieser Hanner Schmidz versucht am Ende,
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bevor sie sich das Leben dann nimmt,
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weil sie damit überhaupt nicht klar
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kommt und auch nicht mit der früheren
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Beziehung mit ihrem jugendlichen Freund
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damals, dass sie versucht das irgendwie
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wieder gut zu machen bei den beiden
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Überlebenden. Wie immer legen wir die
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Dokumentation zu diesem Video hier ab.
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Packen das hier oben auch dann
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entsprechend natürlich in einen Button.
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Der kommt hier oben hin. Falls ihr das,
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falls wir das mal wieder schaffen. Nein,
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schaffen wir nicht. Doch, hier oben
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kommt ein Button hin, den man anklicken
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kann, sonst in den Infos zum Video. Dort
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Korrekturen, hoffentlich Ergänzungen auf
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Nachfragen und Kommentare. Da freuen wir
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uns drauf. Und wenn mal etwas korrigiert
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werden muss, dann soll das auch gemacht
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werden. Wir wünschen auf jeden Fall,
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dass das hier ein bisschen einen
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besseren Eindruck,
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jetzt fehlt das richtige Wort geschaffen
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hat, um mit einer solchen Klausur
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klarzukommen. Wir wünschen viel Erfolg.
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M.
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