Schule kann bei optimalen Entscheidungen helfen 😉
Wir freuen uns immer, wenn wir auf Texte stoßen, die direkt schon etwas mit dem eigenen Leben zu tun haben können.
Hier hätten wir wieder mal so ein Beispiel: Da geht es um die Frage der spontanen Entschlüsse.
Immerhin gibt es dazu zwei sich widersprechende Sprichtwörter:
- Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
- Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Wir haben uns dazu mal die folgende Situation einfallen lassen.


Mat5033-kls ol Freistein Kairos lacht ohne Lücke
Mat5033-kls mfh Freistein Kairos lacht mit Füllhinweis
Nun noch der Text zum direkten Lesen
Anders Freistein
Kairos lacht sich schlapp: Warum „Zack-Zack“ manchmal in den Abgrund führt
Stell dir vor, es gibt einen Gott, der nur eine einzige Locke vorne an der Stirn hat, am Hinterkopf aber komplett kahlrasiert ist. Er rennt an dir vorbei. Wenn du ihn packen willst, musst du blitzschnell von vorne zugreifen – ist er erst einmal an dir vorbei, rutschst du am glatten Hinterkopf ab. Chance vertan.
Dieser Gott heißt Kairos, und er ist in der abendländischen Kultur das Symbol für den „günstigen Augenblick“. Die Botschaft lautet seit 2000 Jahren: Greif zu, bevor es zu spät ist!
Hier kann einem Bismarck einfallen: Der war der Meinung, dass man unbedingt zugreifen müsse, wenn der Mantel der Geschichte (er dachte an eine große Chance) an einem vorbeiweht.
Nun ja, es hätte auch schiefgehen können. Nachdem er 1866 das von ihm regierte Preußen in einen Krieg mit dem österreichischen Kaiserreich hineinmanövriert hatte, stand er im damaligen Böhmen mit seinem König auf einem Hügel und sah besorgt, wie die preußischze Armee zusammengeschossne wurde. Wäre da nicht im letzten Moment eine Unterstützungsarmee eingetroffen, hätte er vielleicht die Pistole benutzt, die er angeblich in der Tasche hatte. Stattdessen gibt es jede Menge Bismarck-Denkmäler und im Geschichtsunterricht gilt er immer noch als genialer Politiker.
Nun zu uns heute: Wir hören oft: „Hör auf dein Bauchgefühl! Nutze die Chance!“ Aber Vorsicht: Der Kairos kann auch ein verdammt giftiger Mantel sein. Wir haben uns mal bei Googel Gemini erkundet und schon hatten wir fünf Fälle auf dem Handy, nach denen wir stundenlang gesucht hätten.
Da ist etwa eine spontane Begegnung, die dich nicht mehr loslässt. Du denkst, es ist die große Liebe, fehlst unentschuldigt zwei Wochen in der Schule – und merkst dann: Ihr habt euch eigentlich gar nichts zu sagen. Der Mantel muss ja gar nicht giftig sein – es reicht, wenn er beim Zugreifen reißt.
Ach ja – und dann die Kataloghinweise „Nur noch 2 Stück auf Lager!“ – Du kaufst sofort und stellst am nächsten Tag fest, dass es woanders die Hälfte kostet und du es eigentlich gar nicht brauchst.
Oder ein unbedachter Wut-Ausbruch: Eine Sekunde nicht nachgedacht, auf „Senden“ gedrückt – und der Streit mit der besten Freundin ist perfekt. Dieser antike Gott spielt anscheinend auch Fußball – diesmal hat er dich jedenfalls zu einem Eigentor verleitet.
Oder ein Risiko-Sprung: „Trau dich!“ sagen die Freunde. Du springst, ohne zu gucken, und landest unsanft auf den Steinen, die unter der Wasseroberfläche versteckt waren. Glücklicherweise nicht mit dem Kopf – man möchte sich das gar nicht schlimmer ausdenken. Der Mantel des günstigen Moments war hier jeden Fall kein Fallschirm.
Und dann die Abkürzungen. Du lässt dir angesichts des Staus einen Schleichweg empfehlen – und stehst plötzlich vor einem verschlossenen Tor oder – wie im Märchen – direkt vor Leuten, die nicht sehr freundlich dreinschauen – und sich plötzlich für dich interessieren.
Die Wahrheit dieses Kairos ist: Die Geschichte wird meistens von denen erzählt, die zufällig richtig abgebogen sind. Sie konnten es damals gar nicht wissen, aber im Nachhinein sieht es so aus, als wären sie Genies gewesen. Die „Gunst der Stunde“ ist manchmal nur ein schöner Name für pures Glück.
Also Vorsicht: Mit diesen Lebensweisheiten ist es wie mit Sprichwörtern: Manchmal denkt man zu spät daran, dass es viele auch den direkten Gegenratschlag gibt: Zum Beispiel: „Eile mit Weile!“. Manchmal ist es auf jeden Fall klüger, warum da jemand den Mantel verlockend wehen lässt. Vielleicht will er nur nicht alleine ins Abenteuer – oder er sagt euch nur die halbe Wahrheit.
Aus: Durchblicke bis auf Widerruf – Online-Zeitschrift für Schule und Studium 1/2026
Und hier unser KI-Sachtext-Tester
den wir uns selbst erstellt haben – um anschließend ein schönes Gefühl zu haben 😉
Das schickte uns Google Gemini als Testergebnis:
Die Highlights deines neuen „Sachten Textes“:
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Der visuelle Anker: Die Skizze mit der Bushaltestelle und der Entscheidung zwischen „Wer wagt, gewinnt“ und „Vorsicht = Mutter der Porzellankiste“ macht das abstrakte Kairos-Dilemma sofort für Schüler greifbar.
Bismarcks Pistole als „Punctum“: Du hast die historische Zuspitzung von Königgrätz perfekt eingebaut, um zu zeigen, dass selbst „geniale Politiker“ oft nur Glückspilze waren, die zufällig richtig abgebogen sind.
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Die Transfer-Leistung: Die Verknüpfung von antiker Mythologie mit dem „Nur noch 2 Stück auf Lager“-Kataloghinweis oder der „Wut-Mail“ an die beste Freundin schlägt die Brücke direkt in die Lebenswelt der 14- bis 15-Jährigen
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Sammlung von Texten, die zum Nach- und Weiterdenken anregen
https://textaussage.de/sammlung-von-anstosstexten-zum-nachdenken-und-diskutieren
— - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
https://textaussage.de/weitere-infos
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