Überblick über unsre Tipps zu Klausuren und anderen Prüfungen

Schnell noch den besten Überblick über „Nathan“ bekommen

(Eine Übersicht über alle unsere Materialien zu Lessings Drama „Nathan der Weise“ findet sich hier:

https://textaussage.de/nathan-der-weise-infos-materialien

Besonders die mp3-Dateien dürften Einsteigern helfen, das Drama zu verstehen. Dort werden jeweils Teile des Dramas so vorgestellt, dass man nicht nur den Inhalt kennt, sondern auch die wichtigsten Textstellen. Am besten legt man sich diese mp3-Dateien „auf die Ohren“ und verfolgt alles in der eigenen Textausgabe.

Die fünf Akte des Dramas werden mit wichtigen Textstellen kompakt hier vorgestellt:
https://www.schnell-durchblicken2.de/lessing-nathan-komplett-mp3

Übersicht über die Zusammenstellung möglicher Aufgaben

Schüler sind verständlicherweise immer an der Frage interessiert: Was könnte drankommen?

Dabei kann es sich um Klausuren handeln, aber auch um einfache Tests bzw. Aufgaben zu einzelnen Textstellen oder Aspekten.

Alles kann letztlich auch in eine mündliche Prüfung bis hin zum Abitur „hineinlaufen“.

Deshalb stellen wir hier einfach mal zusammen, was uns dazu so einfällt:

Kurzübersicht (weiter unten ausführlichere Darstellung)

Weiter unten gibt es dann Tipps und Hilfen zu den einzelnen Fragen bzw. Aufgaben:

  1. Interessante Szenen für Klausuren
    1. I,6:
      Die 6. Szene des ersten Aktes ist die letzte und von daher eine gute Gelegenheit, auf die vorangehenden zurückzublicken.
      In ihr gibt es den spannenden die Teilaspekt der Verurteilung des Juden durch den christlichen Tempelherrn. Das könnte man zur Basis einer zweiten Aufgabe machen, in der es darum geht, die Veränderung in dieser Einschätzung im Laufe des Dramas zu beschreiben und dann auch zu bewerten.
      Zum Beispiel, ob es sich um eine überzeugungskräftige Entwicklung im Sinne der Aufklärung handelt („Erziehung des Menschengeschlechts“)
    2. II,5
      Aus dem zweiten Akt könnte man die fünfte Szene nehmen, in der Nathan und der Tempelherr sich annähern.
      Dabei spielt die Idee des Menschen Geschlechts eine große Rolle und dazu sollte sich eigentlich auch noch eine weiterführende Aufgabe finden lassen.
    3. III,1:
      Im dritten Akt ist denn die erste Szene hochinteressant, weil Daja dort direkt gegen den Wunsch oder sogar den Befehl Nathans verstößt, sich mit Rechas wirklicher Situation zu beschäftigen.
      Und in dieser ersten Szene macht sie sich ja dann sofort auf, um Recha zu sensibilisieren dafür, mit dem Tempelhgherrn nach Europa zu gehen und sie dabei auch mitzunehmen. Dafür bekommt sie eine sehr heftige Reaktion. Von dort aus könnte man das Bild, das vom Christentum gezeichnet wird in diesem Stück, genauer untersuchen, Dazu gehören auch die Worte von Sittah und später natürlich vor allem das Verhalten und die Einstellung des Patriarchen.
    4. Die letzte Szene des dritten Aktes ist insofern interessant, als dort Daja nun endgültig das Geheimnis ausplaudert. Nach der Untersuchung der Szene könnte man die weiterführende Frage stellen, wie Nathans Verhalten gegenüber Recha denn zu beurteilen sei.
      Dann ist man nämlich gezwungen, einige andere Informationen aus dem Text, also Textkenntnis nachzuweisen und am Ende natürlich auch zu einem begründeten Urteil zu kommen.
      Eine alternative Aufgabe wäre die Frage, ob diese Szene nicht eigentlich der Wendepunkt des Dramas ist. Denn jetzt gerät ja etwas, was sich immer mehr zum Positiven hin entwickelt hat, plötzlich ins Negative.
    5. IV,2: Die zweite Szene des vierten Aktes ist insofern interessant, weil dort der Tempelherr und der Patriarch aufeinandertreffen.
      Beim letzteren werden mehrere Dinge deutlich, einmal seine Prunklust, dann sein Vernichtungswille gegenüber einem Juden, der angeblich den Christen ein Mädchen geraubt hat.
      Am Ende aber auch die schleimige Bitte gegenüber dem Tempelherrn, er möge sich beim Sultan für ihn verwenden. Das rundet die Szene gewissermaßen ab.
      Von dieser Szene aus könnte man die Darstellung des Christentums grundsätzlich thematisieren und vor allem die Bedeutung dieser sehr extrem negativen Darstellung des Christentums, einmal beim Patriarchen, dann aber auch beim bei Daja, die von Recha ziemlich kritisiert wird. Und schließlich ist da auch der Tempelherr, der zumindest zwischenzeitlich sehr radikale Züge beim Sultan zeigt und Nathan wie einen Wolf „zausen“ (also hart rannehmen) will.
  2. Vergleich einer Stelle aus der Ringparabel mit dem „Gleichnis vom verlorenen Sohn“
    Hier geht es um das sehr autoritätsorientierte Verhältnis zwischen Vater und Söhnen im Drama im Vergleich zu der Großzügigkeit des Vaters im Gleichnis: Bei Lessing will der Vater Gehorsam, in der Bibel Einsicht und Reue.
  3. Von Georg Christoph Lichtenberg soll die folgende goldene Regel stammen. Ganz gleich, ob das so ist oder nicht. Es lohnt sich über sie nachzudenken und sie auf Lessings „Nathan der Weise“ anzuwenden!
    „Man muss die Menschen nicht nach ihren Meinungen beurteilen, sondern nach dem, was diese Meinungen aus ihnen machen.“
    Kleiner Tipp: Man kann das gut am Patriarchen überprüfen, indem man seine scheinbar schönen Worte der Menschlichkeit überprüft an seinem realen Handeln. Schon sein Erscheinen zu Beginn der 2. Szene des IV. Aktes löst ja Irritationen aus.
  4. Szene des IV. Aktes: Erörterung des Verhaltens des Tempelherrn nach der Information zur Biografie Rechas
  5. Beispiel: IV,6 als gutes Beispiel für die Klärung der Voraussetzungen einer Szene als „Momente„, also „hineinwirkende Kräfte“
    Es geht um die Szene, in der Nathan Dajas Drängen auf Offenheit gegenüber Recha als „alte Leier“ bezeichnet.
  6. Klärung der Bedeutung von Büchern auf der Basis eines Gesprächsausschnitts aus V,6

    Rechas Hinweis, sie könne nicht lesen und habe all ihr Wissen und alle ihre Einsichten aus Gesprächen mit Nathan gewonnen, wird von Sittah letztlich positiv gesehen. Dieser persönliche Transfer habe den Vorteil, dass er mehr zu Herzen gehe und damit stärker innerlich ankommt. Dennoch bleibt beim Leser bzw. Zuschauer ein schales Gefühl, dass hier die geistige Entwicklung eines Menschen ganz von einem Menschen und seinen Grenzen abhängt.
    Dazu gibt es inzwischen zwei Videos:
    Lösung: Abitur–mündliche Aufgabe: Nathan, V,6: Recha, die Bücher und die Aufklärung
    https://www.einfach-gezeigt.de/abitur-aufgabe-nathan-recha-aufkl%C3%A4rung
    https://youtu.be/m26ywuNmgKc
    Übung: Abitur–mündliche Aufgabe: Nathan, V,6: Recha, die Bücher und die Aufklärung
    https://www.einfach-gezeigt.de/abitur-aufgabe-nathan-recha-aufkl%C3%A4rung
    https://youtu.be/S8frrLwrA_g
  7. Unsere Youtube-Playlist zu „Nathan der Weise“
    https://youtube.com/playlist?list=PLNeMBo_UQLv1WU6ycYDnJRSe3ywBfvnst
  8. Eine abschließende Frage könnte zum Beispiel sein:
    Inwiefern und inwieweit kann man Nathan in Lessings Drama als „weise“ bezeichnen?
  9. Eine darüber hinausgehende Frage könnte sein, inwieweit die Ringparabel und damit die zentrale Aussage des Dramas heute noch von Bedeutung ist. Die Antwort könnte zum Beispiel so ausdifferenziert werden:
    1. Weil heute wirklich die Vertreter einige Religionen glauben, dass man die Probleme zwischen den Religionen dadurch lösen kann, dass alle nett zu einander und gute Menschen sind.
    2. Das Problem sind nur diejenigen Menschen, die ihre Religion noch etwas mehr ernst nehmen, als Lessing sich das vorstellen konnte. Religion ist nämlich mehr für viele Menschen, als die Aufklärer damals und heute sich vorstellen konnten.
    3. Von daher zeigt die Ring Parabel sowohl die Möglichkeit als auch die Unmöglichkeit eines konfliktfreien Zusammenlebens verschiedene Religionen.
  10. Schillers Kritik an Lessings „Nathan“
    Schiller kritisiert an dem Stück, dass es weder eine Tragödie ist (überhaupt nicht) und auch keine Komödie.
    Auf der folgenden Seite gibt es die Textstelle mit einer Auswertung.
    https://textaussage.de/nathan-der-weise-tipps-klausuren-und-pruefungen
  11. Nathan, V. Akt, 3. Szene: Monolog des Tempelherrn
    1. Analyse
    2. Bedeutung für den Schluss des Dramas
    3. Klärung der Frage, inwiefern und inwieweit der Tempelherr Ideen der Aufklärung vertritt
  12. Was sollte man von Lessings Biografie wissen?
    Wir zeigen hier am Beispiel der Zeittafel aus dem Reclam XL Text und Kontext – Heft und der anschließenden Ausführungen zu Lessings Leben als Schriftsteller, wie man aus einer Vielzahl von Infos besonders wichtige herauslösen kann.
    Schüler neigen dazu, erst mal alles Mögliche für wichtig zu halten. Wir machen hier Vorschläge, worauf man sich konzentrieren könnte. Drei Motive erscheinen uns wichtig:

    1. Bezüge zum Werk
    2. allgemeines Interesse – nach dem Motto: So etwas gab es damals?
    3. besonderes Interesse im Vergleich zu heute

Beispiel: Vergleich einer Stelle aus der Ringparabel mit dem „Gleichnis vom verlorenen Sohn“

Diese Aufgabe wird auf der folgenden Seite gelöst (am Ende der Beschreibung von III,5:

Beispiel: 1. Szene des IV. Aktes: Erörterung des Verhaltens des Tempelherrn nach der Information zur Biografie Rechas

Da heißt es in 2428ff
Tempelherr:
Freilich, wenn ich nur
Für mich zu handeln hätte; freilich, wenn
Ich Rechenschaft nur mir zu geben hätte:
Was braucht‘ ich Euers Patriarchen? Aber
Gewisse Dinge will ich lieber schlecht,
Nach andrer Willen, machen; als allein
Nach meinem, gut. – Zudem, ich seh nun wohl,
Religion ist auch Partei; und wer
Sich drob auch noch so unparteiisch glaubt,
Hält, ohn‘ es selbst zu wissen, doch nur seiner
Die Stange. Weil das einmal nun so ist:
Wird’s so wohl recht sein.
Aufgabe:
  1. Erläutern Sie zunächst das Zitat und arbeiten Sie aus ihm die Haltung des Tempelherrn heraus.
  2. Vergleichen Sie diese Haltung mit der, die er in III,8, V2129-2142 geäußert hat.
Tempelherr in III,8, V2129ff
Ist das nun Liebe:
So – liebt der Tempelritter freilich, – liebt
Der Christ das Judenmädchen freilich. – Hm!
Was tut’s? – Ich hab in dem gelobten Lande, –
Und drum auch mir gelobt auf immerdar! –
Der Vorurteile mehr schon abgelegt. –
Was will mein Orden auch? Ich Tempelherr
Bin tot; war von dem Augenblick ihm tot,
Der mich zu Saladins Gefangnen machte.
Der Kopf, den Saladin mir schenkte, wär‘
Mein alter? – Ist ein neuer; der von allem
Nichts weiß, was jenem eingeplaudert ward,
Was jenen band. – Und ist ein bessrer; für
Den väterlichen Himmel mehr gemacht.
Beispiel für eine Lösung:
  1. Beim ersten Zitat handelt es sich um einen Auszug aus der Szene, in der der Tempelherr sich mit dem Klosterbruder über sein Verhältnis zum Patriarchen austauscht, den er in der Szene darauf trifft.
  2. Nachdem der Tempelherr klargemacht hat, dass er seine Haltung zum Spionageauftrag nicht geändert hat, deutet er an, was ihn aktuell umtreibt und den Patriarchen um Rat fragen lässt.
  3. Dass er das überhaupt ins Auge fasst, ist zum einen erstaunlich – gerade wegen der Haltung, die der Tempelherrn beim Patriarchen schon kennengelernt hat: fanatische Vertretung christlicher Interessen in der Kreuzzugsära.
  4. Außerdem ist es erstaunlich, wenn man III,8 heranzieht, denn dort hat der Tempelherr ja bei der Frage, ob er als Christ mit Recha eine Jüdin lieben dürfe, eine ganz selbstständige und damit aufgeklärte Haltung eingenommen: Er sieht die Begnadigung durch Saladin als Beginn eines zweiten Leben, das er ohne die Vorurteile aus dem ersten führen darf.
  5. Warum also jetzt der Rückfall in eine Welt, in der gerade die, die vor allem für Kampf der Religionen eintreten, ihn in einer Glaubensfrage beraten sollen?
  6. Die Lösung liegt wohl in der Begründung am Anfang:
    „Freilich, wenn ich nur
    Für mich zu handeln hätte; freilich, wenn
    Ich Rechenschaft nur mir zu geben hätte:
    Was braucht‘ ich Euers Patriarchen?“
    Es geht um Recha, die ja noch nicht weiß, dass sie als Christin geboren und getauft worden ist. Und hier braucht der Tempelherr kompetenten Rat.
  7. Leider setzt er da auf ein falsches Pferd, was er eigentlich wegen seiner Erfahrungen aus I,5 wissen müsste. Aber er hofft noch, denn kurz nach dem Zitat sagt er zum Klosterbruder:
    „Ich will ja doch
    Den Christen mehr im Patriarchen, als
    Den Patriarchen in dem Christen fragen. “
    Das heißt: Wider alle Erfahrung hofft er darauf, dass der Patriarch nicht als Amtsträger antworten werde, sondern als Christ bzw. als Mensch.
  8. Hier hätte der Tempelherr wohl eher seinen entsprechenden Dialog mit Nathan fortsetzen sollen, aber dann wäre das Stück möglicherweise schon am Ende des III. Aktes am Ziel gewesen – und das war für Lessing wohl in den Zeiten des klasssischen Dramas undenkbar.
    Soweit eine Antwort auf der Basis von IV,1. Für die Zuschauer wird es spannend zu sehen, ob sich im weiteren Verlauf noch andere Gründe ergeben, das Stück nicht schon hier enden zu lassen.

Beispiel: IV,6 als gutes Beispiel für die Klärung der Voraussetzungen einer Szene als „Momente“, also „hineinwirkende Kräfte“

Was die grundsätzliche Frage angeht, warum man beim Beginn einer Szenenanalyse nicht „erzählen“ soll, „was bisher geschah“, haben wir ein Video erstellt:

 
Nun zur 6. Szene des IV. Aktes
Hier ein Auszug aus einer Seite, in der die Voraussetzungen beschrieben werden:
https://www.schnell-durchblicken2.de/lessing-nathan-in-zitaten-akt4

Voraussetzungen:

  1. Hier muss man sich zunächst einmal anschauen, worum es in der Szene geht, nämlich um die Zukunft von Recha und Nathans Haltung dazu.
  2. Dementsprechend ist von den Voraussetzungen her vor allem wichtig, dass inzwischen Nathans Geheimnis aufgedeckt ist, nachdem Daja dem Tempelherrn alles berichtet hat.
  3. Über ihn wissen es auch der Patriarch und der Sultan.
  4. Während der Kirchenfürst versucht, so einen Übeltäter, wie man damals glaubte, dessen Namen er war noch nicht kennt, auf den Scheiterhaufen zu bringen,
  5. will der Sultan eher vermitteln.
  6. Diesen ganzen Hintergrund kennt Nathan nicht komplett, deshalb spricht er weiterhin gegenüber Daja von der „alten Leier“ und glaubt noch, auf dem gleichen Stand zu sein wie zu Beginn des Dramas, nur mit dem Unterschied, dass inzwischen der Tempelherr Interesse an Daja gezeigt hat.
Man sieht also, dass es eher ungünstig ist, mit der Szene IV,5 zu beginnen, denn dort geht es nur zum Teil um Nathan.
Viel wichtiger ist, auf die Szene IV,2 zurückzugreifen, wo es um den Patriarchen geht.
Außerdem ist wichtig die Szene, in der Daja dem Tempelherrn die Wahrheit sagt, was dann dessen Gespräch mit Nathan beeinflusst.
Von daher erscheint es logischer bzw. „zielführender“ so vorzugehen, wie wir es oben in 6 Punkten beschrieben haben.

Klärung der Bedeutung von Büchern auf der Basis eines Gesprächsausschnitts aus V,6

Aufgaben zu der folgenden Textstelle aus V,6
  1. Kläre zunächst die Voraussetzungen der Textstelle, d.h. welche „Momente“ des Dramas sollte man kennen, um diesen Szenenausschnitt zu verstehen.
  2. Erläutere den Verlauf des Gesprächs.
  3. Arbeite zusammenfassend die Meinungen zu Büchern aus dem Gespräch heraus.
  4. Inwieweit überzeugt die Einschätzung von Büchern, wie sie hier präsentiert wird?
  5. Könnte darin nicht auch eine Gefahr liegen, wenn jemand sein Kind nicht selbst lesen lässt, sondern ihm die Ergebnisse seines Lesens und Nachdenkens nur weitergibt?
Sittah (zu Recha)

So jung! so klug! so fromm!
Was du nicht alles weißt! nicht alles mußt
Gelesen haben!

Recha.       Ich gelesen? – Sittah,
Du spottest deiner kleinen albern Schwester.
Ich kann kaum lesen.

Sittah.       Kannst kaum, Lügnerin!

Recha.
Ein wenig meines Vaters Hand! – Ich meinte,
Du sprächst von Büchern.

Sittah.       Allerdings! von Büchern.

Recha.
Nun, Bücher wird mir wahrlich schwer zu lesen!

Sittah
Im Ernst?

Recha
In ganzem Ernst. Mein Vater liebt

Die kalte Buchgelehrsamkeit, die sich
Mit toten Zeichen ins Gehirn nur drückt,
Zu wenig.

Sittah
Ei, was sagst du! – Hat indes
Wohl nicht sehr unrecht! – Und so manches, was
Du weißt … ?

Recha
Weiß ich allein aus seinem Munde
Und könnte bei dem meisten dir noch sagen,
Wie? wo? warum? er mich’s gelehrt.

Sittah
So hängt
Sich freilich alles besser an. So lernt
Mit eins die ganze Seele. –

Recha
Sicher hat
Auch Sittah wenig oder nichts gelesen!

Sittah.
Wieso? – Ich bin nicht stolz aufs Gegenteil.
Allein wieso? Dein Grund! Sprich dreist. Dein Grund?

Recha.
Sie ist so schlecht und recht; so unverkünstelt;
So ganz sich selbst nur ähnlich …

Sittah.       Nun?

Recha
Das sollen
Die Bücher uns nur selten lassen! sagt
Mein Vater.

Sittah
O was ist dein Vater für
Ein Mann!

Recha.       Nicht wahr?

Sittah
Wie nah er immer doch
Zum Ziele trifft!

Frage der Aktualität von Lessings „Nathan der Weise“

Inwiefern und inwieweit kann man Nathan in Lessings Drama als „weise“ bezeichnen?

  1. Eine abschließende Frage könnte zum Beispiel sein:
    Inwiefern und inwieweit verhält sich Nathan der Weise wirklich weise?

    • Hier muss natürlich zunächst geklärt werden, was „weise“ überhaupt bedeutet,
    • Entweder muss man sich das selbst überlegen, indem man typische Verwendungszusammenhänge des Wortes zusammenstellt:
      „Eine weise Entscheidung ist eine, die auch an die Zukunft denkt.“
      „Weise war es nicht, das deutsche Volk nach dem Ersten Weltkrieg auch noch zu demütigen, denn das erleichterte später Hitler den Aufbau seiner Diktatur und die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges.“
      „Altersweisheit“, d.h. ein Mensch hat viel gesehen und kann auf Grund dieser Erfahrung aktuelle Probleme besser einschätzen.
    • Oder aber man bekommt mit dieser Aufgabe eine Definition mitgeliefert:
      Das könnte z.B. eine Kurzfassung des folgenden Wikipedia-Artikels sein:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit

Wie könnte ein anderer Schluss aussehen?

  • Wenn man die Beziehung zwischen Recha und dem Tempelherrn verfolgt und genügend Liebesfilme gesehen habe, dann kann man am Ende nur enttäuscht sein: Zwei Menschen, die sich sehr nahe gekommen sind, fast magnetisch angezogen worden sind vom jeweils anderen, sollen nur Bruder und Schwester sein?
  • Ach Lessing, wie sehr hast du doch nur an deine Aufklärung und die Erziehung des Menschengeschlechts gedacht – und wie wenig hast du viel tiefergreifende Bedürfnisse auch im Blick gehabt.
  • Bleibt die Frage, was Lessing für moderne Leser und vor allem für Schüler hätte besser machen können.
  • Wie kann der Schluss menschlicher werden?
  • Zumindest in Bestürzung und Klage könnte das sichtbar werden.
  • Aber vielleicht könnte ja auch der Klosterbruder noch mal auftauchen und ein donnernd-befreiendes Halt rufen – mit der Info: Recha, du bist doch von ganz anderer Herkunft? Das müsste man jetzt mal prüfen , ob das geht.
  • Aber die Klage oder irgendeine Art von Besinnung müsste schon möglich sein 😉

Vergleich der Ringparabel mit Lessings „Palastparabel“

Wir gehen mal davon aus:

  • Im Unterricht ist “Nathan der Weise” mit samt der Ringparabel besprochen worden.
  • Und jetzt stößt man auf einen nicht so bekannten Text von Lessing, der “Eine Parabel” heißt
  • und der viel Ähnlichkeit mit der “Ringparabel” hat,
  • zumindest in der gleichen Situation entstanden ist, nämlich dem Streit Lessings mit dem Hauptpastor Goeze (sogenannter “Fragmentenstreit”)
  • Wir nutzen das mal, um zu zeigen, wie man zwei Texte zu einem ähnlichen Thema vergleichen kann.

mit Video

https://www.einfach-gezeigt.de/vergleich-lessing-palastparabel-ringparabel

Was sollte man von Lessings Biografie wissen?

Wir gehen hier von recht brauchbaren Materialien der Reclam XL-Ausgabe zu Lessings „Nathan der Weise“ aus, die man auch sehr gut als E-Book nutzen kann.
In der Deutschen Nationalbibliothek mit folgenden Angaben zu finden:
http://d-nb.info/1072146509
Titel     Nathan der Weise : Reclam XL – Text und Kontext / Gotthold Ephraim Lessing
Krause, Thorsten (Herausgeber)
Ausgabe     1. Aufl.
Verlag     Ditzingen : Reclam Verlag
Erscheinungsdatum: 2015
Online-Ressource (epub)
Erweben kann man die Ausgabe zum Beispiel hier (dort auch der Hinweis auf den Erwerb der gedruckten Ausgabe)

Auswertung einer Zeittafel
  • S. 166ff:
    W: Bezüge zum Werk
    A: Allgemeines Interesse – nach dem Motto: So etwas gab es damals?
    H: besonderes Interesse im Vergleich zu heute
  • S. 166: A: Lessing = 1729 als drittes von 12 Kindern geboren, von denen 5 in frühem Alter sterben
  • S. 166: H: Schon als Schüler schriftstellerisch tätig
  • S. 168: H: 1749 in Berlin: Versuch, als „freier Schriftsteller“ zu leben
  • S. 168: H: Schon mit 24 Jahren: sechsteilige Sammlung seiner Schriften herausgebracht – das erinnert an Fußballspieler, die während ihrer Karriere schon eine „Autobiografie“ verfassen
    Vgl. https://www.sueddeutsche.de/sport/buchkritik-zu-philipp-lahms-biografie-viel-laerm-um-ein-leises-werk-1.1135019
  • S. 168: H: Lessing nimmt 1760 eine Sekretärsstelle an und „verstummt für einige Jahre als Schriftsteller“. Hier denkt man an Talente heute, die auch eine Auszeit nehmen müssen oder erst spät anfangen können, einfach weil sie erst mal Geld fürs Leben brauchen.
  • S. 169: W: Lessing geht zum neugegründeten „Nationaltheater““ nach Hamburg und lernt dort den Arzt und Naturforscher Reimarus kennen sowie den strenggläubigen Prediger Goeze, aber auch die Frau eines Freundes, Eva König, die er, als ihr Mann stirbt, heiratet.
  • S. 169: W: Nach der Pleite des Theaters und seines Verlages muss Lessing eine schlecht bezahlte Stelle als Bibliothekar in Wolfenbüttel annehmen – nur so kann er heiraten.
  • S. 170: 1774ff: W: Lessing veröffentlicht eine Kirchenkritik seines verstorbenen Freundes Reimarus, der für eine „natürliche“ Religion eintritt, „die ohne biblisch bezeugte Wunder und Offenbarungen auskommt“.
  • S 170: W: Beginn der Auseinandersetzung mit dem Pastor Goeze.
  • S. 171: W: Tod seiner Frau bei der Geburt des Sohnes – Lessing stürzt sich in den Kampf mit Goeze.
  • S.171: W: Der Herzog unterwirft Lessing der Zensur in Religionsfragen -> Entschluss Lessings, seine religiösen Überzeugungen jetzt auf die Bühne zu bringen, als künstlerisch arbeitender Schriftsteller hat er mehr Freiheit.
  • S. 171: W: Beschäftigung mit der Freimaurerei, die utopische Vorstellungen von einer harmonischen Gesellschaft vertritt, die auch in „Nathan der Weise“ eine Rolle spielen.
  • S. 171: W: 1780: Lessing veröffentlicht optimistische Gedanken zur „Erziehung des Menschengeschlechts“ – das Thema wird ja in Nathan der Weise einmal von Saladin konkret angesprochen, als er seine Mamelucken lobt.
    Akt V,1: Ca. 3198:
    „Saladin.
    Sieh, welch ein guter, edler Kerl auch das! –
    Wer kann sich solcher Mamelucken rühmen?
    Und wär‘ mir denn zu denken nicht erlaubt,
    Dass sie mein Beispiel bilden helfen? – Fort
    Mit dem Gedanken, sie zu guter Letzt
    Noch an ein anders zu gewöhnen! …“
  • S. 172: A: Tod Lessings schon mit 52 Jahren, völlig verarmt.

Leben als Schriftsteller
Nathan der Weise : Reclam XL – Text und Kontext / Gotthold Ephraim Lessing, S. 172ff:
dort entnommen aus: Hugh Barr Nisbet: Probleme der Lessing-Biographie. In: Gotthold Ephraim Lessing. Hrsg. von Markus Fauser. WBG, 2008. S. 24-26. – 2008 WBG Darmstadt
S. 172ff:
  • Zwei zentrale Ziele Lessings: will berühmter Bühnenautor und Literaturkritiker und Gelehrter werden – und er will finanziell unabhängig sein, was damals für Autoren kaum möglich war. Viele mussten sich als Hauslehrer Geld verdienen – Goethe hatte das Glück, zum Freund des Herzogs von Weimar zu werden.
  • S. 173: Sehr überzeugend wird die „Diskrepanz … zwischen Lessings öffentlichen Äußerungen und seiner privaten Lebensgestaltung“ herausgearbeitet.
    Hier lässt sich die Frage gut diskutieren: Sind Schriftsteller klüger als andere oder sind sie einfach nur Leute, die etwas besonders gut können.
    Inwieweit können ihre Appelle und Zukunftsvisionen dann noch beispielhaft sein?
  • S. 175: Besonders berührend die Bemerkung Lessings zum Tod seiner Frau und des neugeborenen Kindes
  • S. 175: Auf jeden Fall gab das Schreiben Lessing letztlich den Lebensunterhalt – denn auch seine Anstellung als Bibliothekar verdankte er seinem Ruhm – andererseits konnte er zu gesellschaftlichen Problemen Stellung nehmen.
  • S. 175: „Nathan der Weise“ wird neben „Was ist Aufklärung?“ und „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ als Beweis dafür gesehen, dass Lessing „am Ende seines Lebens zu grundlegenden Überzeugungen“ kam.
    https://gutenberg.spiegel.de/buch/die-erziehung-des-menschengeschlechts-1175/1
„Innere Biographie als problematischer Gegenstand“
Nathan der Weise : Reclam XL – Text und Kontext / Gotthold Ephraim Lessing, S. 176ff:
dort entnommen aus: Hugh Barr Nisbet: Probleme der Lessing-Biographie. In: Gotthold Ephraim Lessing. Hrsg. von Markus Fauser. WBG, 2008. S. 24-26. – 2008 WBG Darmstadt
S. 176ff:
  • Hervorgehoben wird Lessings Auflehnung gegen einen übermächtigen Vater, das daher rührende besondere Streben nach Autonomie. Interessant die Verbindung mit der Verteidigung der Autonomie auch anderer Menschen
  • These, vor diesem Hintergrund sei auch verständlich, wenn Lessing keine Gefühle äußert, „die als Zeichen der Schwäche gedeutet werden könnten“.
  • Interessant auch die Auffassung,  Lessing habe seinen Zorn auch als Mittel gegen Niedergeschlagenheit oder gar Depression eingesetzt. Sehr schön der hier zitierte Ausruf Lessings: „Ich glaube, der Ärger hält mich gesund.“
Was kann man dem Personenverzeichnis des Dramas entnehmen?
  1. Die Frage ist etwas ungewöhnlich, erscheint vielleicht auch unsinnig – aber zumindest im normalen Unterricht könnte sie schon auftauchen, einfach, weil man dann Beziehungen zum Inhalt des Stückes prüfen muss.
  2. Als erstes kann man feststellen, dass das Verzeichnis ziemlich kurz ist, das entspricht der Konzentration des Dramas auf das besondere Problem Nathans.
  3. Interessant, dass nicht Nathan als erstes genannt wird, sondern der Sultan. Das kann aus Achtung vor seiner Stellung geschehen sein, vielleicht aber lässt es sich auch aus Lessings Sympathie gegenüber dem Islam her erklären. Immerhin wird der Sultan hier ja auch als weiser, sehr toleranter Herrscher gezeigt und ist in vielem ein Gegenbild zu den doch recht martialisch auftretenden christlichen Kreuzrittern.
  4. Dass Sittah als die Schwester des Sultans dann als nächste genannt wird, kann einfach damit zusammenhängen, dass Lessing die Figuren gruppieren wollte.
  5. Bei Nathan fällt auf, dass er gleich als „reicher Jude“ präsentiert wird, was dem einen oder anderen problematisch vorkommen kann, aber im Stück selbst spielt der Reichtum ja eine geringere Rolle als die Menschlichkeit und Weisheit. Dieser Kontrast mag Absicht sein.
  6. Interessant, dass bei Nathan der Ort hinzugefügt wird, vielleicht um darauf hinzuweisen, dass Juden nach ihrer Verstreuung in der ganzen Welt in römischer Zeit in Jerusalem nicht unbedingt einen Normalfall damals dargestellt hatten. Ihre schwierige Lage zeigt sich ja auch, als Nathan durch den Sultan mit seiner Frage herausgefordert wird und zwischen die Fronten der Mächtigen gerät.
  7. Bei Daja wird dann der Konflikt zwischen den Religionen angesprochen, so wie er sich dann im Stück auch darstellt.
  8. Vorher aber wird Recha genannt, was eine Parallele zum Saladin-Sittah-Verhältnis ist. Wichtig ist, dass hier gleich das „angenommene“ hervorgehoben wird, was ja angesichts der besondreren Umstände mehr als gerechtfertigt ist.
  9. Der Tempelherr wird sehr zurückhaltend eingeführt, aber der Name kann hier nicht gut genannt werden, ohne zu viel vorwegzunehmen.
  10. Die letzten vier einzeln aufgeführten Figuren, der Derwisch, Patriarch, der Klosterbruder und der Emir werden ohne jede Kommentierung genannt, immerhin deutet sich hier ein Gemisch der Religionen und Kulturen an.
  11. Die am Schluss genannten Mamelucken sind wohl eher schon Kulisse und spielen ja auch nur an einer Stelle eine Rolle.
  12. Wenn man das jetzt alles zusammenfasst, so hat Lessing sich möglicherweise gar nicht so viele Gedanken gemacht bei der Zusammenstellung des Personenverzeichnisses. Es hat sich aber gezeigt, dass so ein Verzeichnis eben auch für sich selbst spricht und man in der Beschäftigung damit zu allerlei interessanten Überlegungen und Erkenntnissen kommen kann.
  13. Als letztes sollte man noch kurz versuchen, sich in die Lage eines damaligen Theaterbesuchers zu versetzen, der keine näheren Informationen hatte, was sich hinter „Nathan der Weise“ verbirgt. Der wird möglicherweise nur kurz über das Blatt geschaut haben und hat sich wahrscheinlich zugleich entspannt und gespannt zurückgelehnt und sich auf ein Stück gefreut, in dem zumindest im Verzeichnis ein Sultan und ein Patriarch neben der Titelfigur herausragen. Möglicherweise hat er inter näheren Kennzeichnung Rechas als „angenommene Tochter“ ein spannendes Geheimnis erhofft.

Gemeinsamkeiten zwischen Nathan und Hiob

  • Hiob wird von Gott geprüft – nach einem Gespräch mit dem Teufel – und verliert alles, vor allem auch seine Familie.
  • Die Art Wette ist gut mit Faust vergleichbar.
  • Der Vergleichspunkt mit Nathan liegt darin, dass der durch einen Überfall auch seine gesamten Familie verliert,
  • aber dann direkt Recha als kleines Kind zur Betreuung angeboten bekommt.
  • Sie wird für ihn zu einem Ersatz, darum will er sie auch auf gar keinen Fall verlieren.
  • Bei Hiob also eine faust-ähnliche himmlische Hintergrund-Dimension.
  • Bei Lessings Nathan nur ein Schicksal, das durch einen anderen Glücksfall zumindest teilweise ausgeglichen wird.

Weiterführende Hinweise

  • Eine spezielle Gesamtübersicht über unsere Infos, Tipps und Materialien zu Lessings „Nathan der Weise“ gibt es hier.
  • Das allgemeine alphabetische Gesamtverzeichnis unserer Infos und Materialien gibt es hier.
  • Eine Übersicht über unsere Videos auf Youtube gibt es hier.