Gedichte der Romantik – nach Themen geordnet

Stellen wir uns einmal vor: Da beschäftigt man sich mit der Romantik – und zwar mit Gedichten der Epoche. Dabei konzentriert man sich auf ein Thema, etwa Liebe oder Natur oder Mittelalter bzw. Religion. Da wäre es doch schön, wenn man passende Gedichte gesammelt vorfände.

Grundsätzlich ordnen wir Gedichte hier einem oder auch mehreren Themen zu, stellen sie kurz vor und verweisen auf Seiten, auf denen man schnell den Text findet. Soweit wir selbst dazu Infos oder andere Materialien erstellt haben, verweisen wir natürlich auch darauf.


Hier zunächst eine Übersicht über die Themenbereiche

Wir verlagern im Laufe der Zeit die einzelnen Teilthemen auf Unterseiten, die dann direkt „angesprungen“ werden können. Das macht das Ganze übersichtlicher.

Also entweder das jeweilige Teilthema hier über die Suchfunktion des Browsers „anspringen“ – oder den Link zur Unterseite nutzen.

Thema: #Volkslieder in der Romantik

  • Eichendorff, „Das zerbrochene Ringlein“
    • Ausgangspunkt ist das Verschwinden der Liebsten.
    • Sie hat dem Lyrischen Ich die Treue gebrochen.
    • Als Reaktion möchte das Lyrische Ich als Spielmann in die Welt ziehen
    • oder auch als Reiter in einer blutiger Schlacht kämpfen.
    • Das Gedicht endet mit der Wiederaufnahme des Mühlrad-Motivs vom Anfang, der Unklarheit, was es überhaupt will, und einem Todeswunsch: „Da wär*s auf einmal still.“
    • Das Besondere ist die einfache Sprache und auch der leicht verständliche Inhalt des Gedichtes.

Gedichte, die durch Unklarheiten besonders herausfordern

  • Eichendorff, „Im Abendrot“
    • Es geht um ein „Wir“, das viel „Hand in Hand“ erlebt hat und jetzt „überm stillen Land“ gemeinsam ruht. Man weiß nicht, wer neben dem Lyrischen Ich dazugehört. Am nächstliegenden wäre wohl das Zusammensein mit einem Lebenspartner, aber dafür gibt es keine weiteren Signale.
    • Angesichts des fortgeschrittenen Abends ist „Schlafenszeit“ – und das Gegenüber soll näherkommen, „Dass wir uns nicht verirren / In dieser Einsamkeit“.- Spätestens hier tauchen weitere Fragen auf. Warum sollte man sich verirren, wenn man doch schlafen will – aber vielleicht ist gemeint, dass man gemeinsam nach Hause gehen will bzw. soll.
    • Am Ende wird eine Situation geschildert, in der „weiter, stiller Friede“ waltet, man aber auch „wandermüde“ ist und das Lyrische Ich sich überraschenderweise fragt: „Ist dies etwa der Tod?“
    • Wenn man keine literaturgeschichtlichen Zusatzinformationen zur Hand hat, ist es wirklich schwierig, dieses Gedicht richtig zu verstehen.
    • Allerdings kann natürlich jeder für sich die Beziehung zwischen „Wandermüdigkeit“, „Schlafenszeit“ und „Tod“ herstellen.
    • Wenn man das Gedicht parodistisch fortsetzen wollte, könnte man die Zeilen anfügen: „Du musst nur etwas warten / Dann wirst du es gewahr.“
    • Das Spannende an diesem Gedicht ist, dass man es als Liebesgedicht verstehen kann, während es in Wirklichkeit die Schellingsche Naturphilosophie widerspiegelt.
    • Reizvoll kann es sein, hier Schüler wirklich prüfen zu lassen, ob eben nicht auch das Liebesverständnis gültig ist, auch wenn der Autor etwas ganz anderes gemeint hat.
    • Das Problem liegt schon am Anfang des Gedichtes: „In meines Herzens Grunde, / Du heller Edelstein“: Da denkt man dann gleich an Liebe – und auch im weiteren Verlauf gibt es viele Stellen, die sich gut auf eine Liebesbeziehung beziehen lassen und keine einzige, die den Bezug zu einem wirklichen Edelstein deutlich werden lassen.
    • Wer sich für die Naturphilosophie-Variante interessiert, findet hier interessante Informationen.    Schelling, „Lied

Bedeutung der #Religion in Gedichten der Romantik

  • Eichendorff, „Morgengebet“
    https://textaussage.de/eichendorff-morgengebet

    • Ausgehend von der Erfahrung der Natur an einem stillen Morgen,
    • gibt es schon sehr früh einen religiösen Bezugspunkt: Die Stille des Morgens wird mit einer besonderen Erscheinungsform des biblischen Gottes verglichen.
    • Aus dieser Morgenerfahrung entstehen zum einen neue Lebenskraft, zum anderen auch eine gewisse Scham, dass das lyrische Ich am Tag vorher noch Alltagssorgen gehabt hat, die es jetzt gar nicht mehr verstehen kann.
    • Dementsprechend „frohbereit“ wendet es sich jetzt dem Tagesgeschäft zu, das es als einen Schritt auf der langen Lebensreise zum Herrn und damit zur Ewigkeit ansieht.
    • Das Gedicht endet mit der Bitte an den „Herrn“, also Gott, das lyrische Ich (und das kann man in diesem Falle wohl mit Eichendorff gleichsetzen) davor zu bewahren, seine Kunst (Lieder/Gedichte) für eigenen Ruhm zu missbrauchen.
    • Lieber will es, dass ihm sein „Saitenspiel“ zerschlagen wird und es „schauernd“ in Ewigkeit schweigt.
  • Eichendorff, Nachts
    zum Beispiel hier zu finden:
    https://www.deutschelyrik.de/nachts.381.html

    • Der Schatten des Waldes wird zum Rand des Lebens
    • In den Blick genommen werden
    • „die Länder wie dämmernde Matten“
    • „der Strom wie ein silbernes Band“
    • „Glocken“, die nur von ferne zu hören sind
    • ein Reh, das erschrocken den Kopf hebt, dann aber gleich wieder einschlummert
    • Was man sieht, erinnert das Lyrische Ich an den Herrn, gemeint ist hier wohl Gott
    • er „segnet das stille Land“
  • Günderrode, Karoline von, „Vorzeit und neue Zeit'“
    • Gegenüberstellung einer alten, von einem festen Glauben an Himmel und Hölle bestimmten Zeit
    • und einer neuen Zeit der Vernunft, die aber zumindest in der Tendenz negativ gesehen wird
    • Insgesamt ein Gedicht, das aus religiöser Sicht mit dem berühmten Gedicht von Novalis, „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ gut verglichen werden kann.
    • Zu diesem Gedicht gibt es einen Klausurvorschlag, bei dem es mit Georg Heyms Gedicht „Der Gott der Stadt“ aus der Zeit des Expressionismus verglichen wird.
      https://www.schnell-durchblicken.de/durchblick-auch-in-deutsch/expressionismus/klausur-gedichtvergleich-g%C3%BCnderode-heym/
  • Novalis, „Gottlob! dass ich auf Erden bin“
    • Das Gedicht beginnt in einem locker-fröhlichen Ton und betont den gemeinsamen Besitz von „Leib und Seele“, was als besondere Gabe Gottes betrachtet wird.
    • Die zweite Strophe hebt dann die physische Existenz des Menschen hervor, seine Körperlichkeit – in Abgrenzung zu einer körperlosen Existenz als „Engel“.
    • Die dritte Strophe bezieht dann die Körperlichkeit auf die Liebe zur Ehefrau und zu den Kindern, die das lyrische Ich gern küsst. Hervorgehoben wird, wie gut diese einfache, aber intensive menschliche Bindung tut und wie sie einen gesund hält.
    • Die Schlussstrophe grenzt sich von der Philosophie ab, die die „Seele mir verdürbe“, weil „die liebe Weisheit“ ihre Macht und Bedeutung verliert, sobald „ein klein wenig Not sie (…) mürbe“ macht.
    • Hier wird fast schon im Sinne Eichendorffs einem schon fast kindlichen Glauben das Wort geredet – in Abgrenzung zu allen gedanklichen Spielereien, die in Notzeiten keinen Bestand haben, keine Hilfe bieten.
  • Müller, Wilhelm, „Der Wegweiser“
    https://www.schnell-durchblicken2.de/gr-mueller-wegweiser
    Das Gedicht präsentiert zunächst in typisch romantischer Weise die Abgrenzung von der normalen Welt und der Sehnsucht nach der Einsamkeit in der wilden Natur. Dies wird am Ende zugespitzt, indem das Lyrische Ich nicht den Wegweisern folgt, die in die Welt der Städte zeigen. Vielmehr hat es einen inneren Wegweiser, der ihm immer vor Augen führt, dass es auf einer Straße ohne Wiederkehr unterwegs ist. Hier wird die Lebensreise auf eine beeindruckend, vielleicht auch erschreckend ernsthafte Weise mit der Endlichkeit verbunden. Im Hintergrund dürfte wohl – wenn auch unausgesprochen – der christliche Glaube stehen.

#Künstlerische Mittel in Gedichten der Romantik

#Unterwegs sein

  • Eichendorff, „Abschied“ als Reisegedicht

  • Heinrich Heine, „Verdrossnen Sinn im Herzen“ – als Reisegedicht interpretiert

  • Ludwig Tieck, „Erster Anblick von Rom“
    Beispiel für die Enttäuschung angesichts der Realität beim Eintreffen in Rom.
    Interessant ist hier die Frage, ob diese nüchtern-desillusionierende Betrachtung überhaupt zur Romantik passt. Tieck ist hier wohl ein Romantiker, der sich nicht immer zu den Höhen der Romantisierung aufschwingen kann.
    https://www.schnell-durchblicken2.de/tieck-erster-anblick-rom
  • Man verliert sich in der Fremde: Eichendorff, „Rückkehr“
    • Das Gedicht ist hochinteressant, weil es nämlich eine missglückte „Heimkehr“ zeigt, die dann nur noch eine Rückkehr ist, die wieder zu einer Rückkehr, nämlich in die „weite Welt“ wird.
    • Dort kommt das Lyrische Ich aber auch mehr an, so dass es am Ende den Tod auf dem „Feld“ (wohl dem Schlachtfeld) sucht und findet.
    • Das Gedicht ist insofern erstaunlich modern, weil es einen Menschen mit romantischen Zielen und Gefühlen, aber ohne seine irdische Heimat, also in absoluter Heimatlosigkeit, zeigt.
    • Selbst die bei Eichendorff sonst immer noch gegebene himmlische Heimat ist hier kein Rückzugsort mehr.
    • Man kann das Gedicht gut mit Kafkas Parabel „Heimkehr“ vergleichen, aber auch mit „Der Nachbar“, weil sich hier auch ein Kommunikationsproblem zeigt, das möglicherweise erst größere Probleme auslöst.
      https://www.schnell-durchblicken2.de/eichendorff-rueckkehr

Thema „Wandern“

  • Eichendorff, „Allgemeines Wandern“

    • Einladung der Natur zum Wandern
    • Voran geht der Dichter.
    • Angebot zum Mitwandern an die, die zurückgeblieben sind
    • Das Lied des Dichters versetzt die „zerstreuten“ Brüder in eine Stimmung des Heimwehs.
    • Allgemeiner Aufbruch – unter Einschluss des „Liebchens“
    • Allgemeiner Jubel: „Nun geht das Wandern an.“
    • Deutlich wird die Bedeutung des Wanderns und der Natur als des Raums, in dem es stattfindet.
    • Der Dichter hat eine besondere Aufgabe dabei: Er geht voran und ruft mit seinem Lied die Brüder zu sich, also Idee der Gemeinschaft.
    • Angedeutet wird die Gegenwelt der „Sorgen“ „im Tal“ – auch für die gilt das Angebot, mitzuwandern.
  • Eichendorff, „Der frohe Wandersmann“
    • Das Gedicht beginnt mit der Vorstellung des Wanderns als göttliche „Gunst“ – mit dem Ziel, die „Wunder“ der Natur zu erfahren.
    • In der zweiten Strophe wird einem solchen Leben das der „Trägen“ gegenübergestellt, die nur „von Kinderwiegen“ wissen, „Von Sorgen, Last und Not um Brot“. Hier zeigt sich die übliche Kritik an der praktischen Alltagswelt – ergänzt um einen zentralen Aspekt des Familienlebens – die negative Sicht auf das „Kinderwiegen“ wird nicht weiter thematisiert und wirkt schon ein bisschen frivol.
    • Die dritte Strophe gehört dem enthusiastischen Singen in einer gleich gearteten Natur.
    • Die letzte Strophe zeichnet dann einen Rahmen himmlischer Fürsorge – zunächst für die Natur, dann aber auch für die „Sach“ des Lyrischen Ichs.
    • Mehr Gottvertrauen geht wirklich nicht.
    • Das Besondere an diesem Gedicht – nicht untypisch für die Romantik: Es ist eingebettet in die Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und enthält zum einen die darin sichtbare Lebensphilosophie, aber auch Anschauung von der Welt.
    • Aus heutiger Sicht erscheinen das Gedicht wie die Novelle schon als echte Herausforderung angesichts des Elends in der Welt und der vielen Kämpfe, die nötig sind, um sich zu „erhalten“ und seine „Sache“ durchzubringen.

#Übergang zum Vormärz

  • Heinrich Heine, Mein Herz, mein Herz ist traurig
    • Das Gedicht beginnt mit der Traurigkeit des Lyrischen Ichs, dem die Fröhlichkeit des Wonnemonats Mai gegenübersteht.
    • Die Umgebung ist romantisch – mit einer alten Bastei und einem blauen Stadtgraben. In der weiteren Umgebung hat man dann auch die passenden „Lusthäuser und Gärten“, allerdings kommen nach den Menschen gleich Ochsen, was schon einen seltsamen Ton in diese Gedicht bringt.
    • In den letzten beiden Strophen wird das dann auf drastische Weise verstärkt, indem von einem Wachsoldaten die Rede ist, der zwar ganz in die romantische Szenerie passt, aber beim Lyrischen Ich eine seltsame Todessehnsucht auslöst: „Ich wollt, er schösse mich tot.“
    • Das hat nichts zu tun mit der dunklen Seite der Romantik, sondern weist über sie hinaus, indem das Nicht-mehr-Zusammenpassen der eigenen Gefühle und all der romantischen Klischees ausgedrückt wird.
  • Heinrich Heine, Wahrhaftig
    • Dieses kurze Gedicht präsentiert in drei Doppelversen zunächst romantische Situationen, die auch die erwarteten Folgen mit sich bringen.
    • Im zweiten Teil des Gedichtes wird dann aber die Unzulänglichkeit all dessen festgestellt:
      „Wie sehr das Zeug auch gefällt“ (Man beachte hier die negative Konnotationen, die mit „Zeug“ verbunden sind!)
      „So machts doch noch lang keine Welt.“ (Hier scheint schon echter Realismus durch, der nach einer Komplett-Ansicht der Welt fragt und sich nicht begnügt mit ein paar idyllischen Situationen oder Stimmungen.
    • An dieser Stelle sollte auch der Titel mit seiner Tendenz noch einbezogen werden: „Wahrhaftig“ ist nicht nur eine Bekräftigung, sondern soll auch deutlich machen: „Lasst uns ehrlich sein, mit dem falschen Träumen aufhören, sich allem stellen, was zur Welt gehört!

Weiterführende Hinweise

  • Ein alphabetisches Gesamtverzeichnis unserer Infos und Materialien gibt es hier.
  • Eine Übersicht über unsere Videos auf Youtube gibt es hier.