Ausgangspunkt: Ein Textabsatz, der Schülern Schwierigkeiten macht

Auf der Seite

http://www.geocities.ws/orakeldelphi/die_epoche_der_romantik.html

gibt es interessante Informationen zur Epoche der Romantik.

Allerdings ist die Sprache zum Teil für Schüler nicht leicht verständlich.

Wir zeigen deshalb mal an einem Absatz, wie man mit so etwas klarkommt.

Hinweis auf zwei Videos zu diesem Projekt

Zunächst aber ein Hinweis auf zwei Videos, in der wir zeigen, wie wir den schwierigen Absatz „geknackt“ haben:

Da gibt es zum einen eine Basisvariante:

Hier auf Youtube zu finden:
https://youtu.be/xxKhpT6WtmM

Mat1842-BV- Schwierige Stellen Sachtexte-Romantik-Dichtung

Dann eine ausführlichere „Fortgeschrittenen-Variante“:

Hier auf Youtube zu finden:
https://youtu.be/0kLZsvKpNSo

Die Dokumentation dazu:
Mat1842-FV- Schwierige Stellen Sachtexte-Romantik-Dichtung

Übersicht über das Basisvideo (Timeline)

  • 0:00 Thema
  • 0:10 Text
  • 0:40 Überschrift/ Themen
  • 0:48 Naturpoesie –  Kunstpoesie
  • 1:30 Erklärungsversuche
  • 2:00 Dichtung als Teil einer Gesamtpoesie
  • 2:28 Abgrenzung  zur Aufklärung
  • 2:58 Abgrenzung zur Klassik
  • 3:25 Dichtung = Teil der idealen Welt
  • 3:38 Aufgabe der Dichtung
  • 4:18 Dichter als Priester
  • 4:37 scheinbarer Widerspruch
  • 4:58 Rückblick auf Gliederung
  • 6:00 Schaubild
  • 6:40 Auflösung des Widerspruchs
  • 7:17 Merkliste/Tipps
  • 8:45 Schaubild der Methode
  • 9:19 Dokumentation

Zerlegung als Basis für eine gute Analyse

Als erstes zerlegen wir den Absatz in seine Bestandteile:


  1. „Von der allgemeinen Poesie (auch „Naturpoesie“)
    • Auswertung: Für die Romantiker gibt es zunächst einmal die „allgemeine Poesie“, die auch als „Naturpoesie“ verstanden wird.
      Das versteht man erst, wenn man auch die andere Seite kennt, die jetzt kommt.
  2. unterschieden die Romantiker die Poesie im engeren Sinne, die „Kunstpoesie“,
    • Verständlicherweise gibt es neben der „allgemeinen Poesie“ auch noch eine „im engeren Sinne“, die als „Kunstpoesie“ betrachtet wird.
    • Hier muss man nun anfangen, das für sich ein bisschen mit Leben zu füllen:
      • Das bedeutet, dass man eine Art „Deutungshypothese“ entwickelt und damit die Lücken, die der Text offen lässt, füllt.
      • Allerdings lohnt es sich immer, noch ein bisschen weiter in den Text hineinzuschauen, denn zum Teil wird dann diese Hypothese erleichtert.
  3. wozu auch die Dichtung gehörte.
      • Und tatsächlich wird hier geklärt, dass zur „Kunstpoesie“ „auch die Dichtung gehörte“.
      • Die Deutungshypothese könnte also sein, dass die Romantiker zwischen der „Naturpoesie“ der Volkslieder etwa und der höheren Dichtung der kunstvollen Gedichte etwa unterschieden.
      • Hier war es hilfreich, wenn man wusste, dass die Romantiker sich sehr für Volkslieder interessierten.
      • Hier kann man eine Anmerkung zu heute machen: Da wird ja auch zwischen Trivialliteratur und einer darüber stehenden höheren Art von Literatur unterschieden. Nur mit dem Unterschied, dass das scheinbar Triviale der Volkslieder für die Romantiker einen hohen Wert hatte. Auch hier bezieht man Wissen von außen mit ein.
  1. Die Dichtung galt als Teil der allumfassenden Poesie.
  2. Sie war also im Unterschied zur Aufklärung kein bloßes Instrument
    • Jetzt geht es um die Abgrenzung der (hohen) Dichtung zum einen von der Aufklärung: Für die war Dichtung ein „bloßes Instrument“
    • und konnte deshalb auch nach festen Regeln verfasst werden. Man „hatte“ Genie, war also eine Art kunstvoller Handwerker. Auch hier wird wieder Wissen von außen herangezogen.
  3. und anders als in der Klassik
    1. kein Erziehungsmittel
    2. und keine Vorwegnahme der idealen Welt,
      • Es folgt die Abgrenzung zur Klassik (Goethe und Schiller), die wollte
        • zum einen erziehen (bilden)
        • zum anderen eine ideale Welt in der Dichtung vorwegnehmen.
        • Hier kann man etwa an Goethes Iphigenie denken, die er selbst als „verteufelt human“ bezeichnete. Auch hier wieder Außenwissen.
  4. sondern Teil der idealen Welt selbst.
    • Jetzt geht es endlich darum, was Dichtung für die Romantiker war, nämlich keine Vorwegnahme der idealen Welt (Klassik), sondern ein Teil von ihr.
  5. Trotzdem hatte sie eine Aufgabe. Die Dichtung sollte nämlich die verschüttete Welt der Poesie bewusst machen und aufdecken,
    • Hier wird jetzt eine Gemeinsamkeit mit der Klassik aufgemacht, nämlich der Aufgabencharakter.
    • Aber anscheinend weniger „erziehen“, als vielmehr „bewusst machen und aufdecken“.
  6. in der Hoffnung, dass sie einmal wieder zur Herrschaft gelange.
    • Gemeinsam ist den Romantikern offensichtlich die Erwartung einer besseren Welt.
    • Allerdings bleibt anscheinend ein Unterschied: Goethe und vor allem Schiller wollten eine reale bessere Welt,
    • während die Romantiker sich anscheinend mit der Welt der Dichtung begnügten.
  7. Der Dichter geriet dabei in die Rolle des Priesters einer neuen, noch verborgenen Religion.“
    • Am Ende geht es um die Rolle des Dichters
    • Er wird zum Priester
    • einer „neuen, noch verborgenen Religion“.
    • Hier bleibt die Frage offen, ob die Dichtung schon die neue Religion ist oder nur zu ihr hinführt.

Auswertung und Schaubild

Deutlich geworden sein sollte, dass man einen solchen Text natürlich umso besser versteht, je mehr man entweder schon etwas von der Sache weiß oder aber Verbindungen zu Dingen herstellt, die man selbst kennt.


Am Ende empfiehlt es sich, den Gedankengang und dann vor allem die Position des Textes auch grafisch darzustellen.