Worum geht es?

Der kurze Text  „Wenn Herr K. einen Menschen liebte“ gehört im weitesten Sinne zu den sogenannten Geschichten vom Herrn Keuner. Sie beschreiben modellhafte Situationen, denen man eine Art Lehre entnehmen kann.

Klärung der Aussage

  1. Der Text beginnt mit der Frage, was Herr K. tut, wenn er einen Menschen liebt.
  2. Entscheidend ist die Antwort. Herr K. bekennt nämlich, dass er einen „Entwurf“ von ihm macht. Das könnte man positiv so verstehen, dass er sich ein vorläufiges Bild von ihm macht. Das ist übrigens ein ganz normaler Vorgang, wenn Menschen sich kennenlernen. Der „Entwurf“ ist als Begriff allerdings schon sehr problematisch, weil der ja immer vom Verfasser ausgeht und seinen Ideen. Man denke etwa an den Entwurf eines Hauses durch den Architekten. Da spielt ja höchstens die Umgebung eine Rolle, vielleicht auch das, was der Hausherr im Kopf hat. Auf jeden Fall ist da erst mal nichts, das Haus hat auch nichts mitzuentscheiden.
  3. Der zweite Satz der Antwort könnte positiv sein, wenn er so gemeint wäre, dass der Entwurf dem geliebten Menschen ähnlicher wird, je länger man ihn betrachtet. Ein Maler zum Beispiel versucht im Idealfall das Wesen des Menschen, der vor ihm sitzt, immer besser zu erfassen.
  4. Die Nachfrage, wer da wem ähnlich werden soll, macht dann aber deutlich, dass davon in diesem Fall keine Rede ist. Der Mensch soll dem Entwurf immer ähnlicher werden, nicht umgekehrt.
  5. Wenn man das verstehen will, kann man sich bestimmte Erziehungssituationen vorstellen, in denen Eltern zum Beispiel wollen, dass Tochter oder Sohn eine bestimmte berufliche Laufbahn einschlagen, um zum Beispiel den Betrieb zu übernehmen. Oder aber ein Vater oder eine Mutter möchte, dass eins der Kinder das im Leben erreicht, was ihnen selbst verwehrt worden ist. Bekannt sind ja bestimmte Sportlerkinder, deren Eltern alles daran gesetzt haben, dass sie mit ihnen bestimmte Ziele erreichen.
  6. Die Aussage des Textes könnte man also so formulieren:
    1. Der Text zeigt, dass es Menschen gibt, die Liebe so verstehen, dass sie ihre Vorstellung von einem Menschen auf ihn übertragen,
    2. ihn möglicherweise sogar zwingen, so zu werden, wie sie selbst es gerne hätten.

Stellungnahme zum Text

  • Grundsätzlich muss eine Stellungnahme zu einem Text von ihm ausgehen, kann ihn dann aber auf etwas anderes übertragen, um zum Beispiel auf Probleme o.ä. aufmerksam zu machen.
  • Hier könnte man sagen, dass die Grundsituation schon nachvollziehbar ist: Man sieht einen anderen Menschen, mit dem man gerne zusammensein möchte. Er ist attraktiv, d.h. man wird von ihm angezogen.
  • Dieses „Angezogen-Werden“ hat aber eine doppelte Komponente:
    • An dem anderen Menschen muss etwas sein, was bei einem selbst etwas Positives auslöst.
    • Zugleich hat das aber auch etwas mit eigenen Wünschen zu tun.
  • Nun besteht die Gefahr, dass man sich ein Bild von dem anderen Menschen macht, das dem gar nicht entspricht, das mehr das eigene Bild ist.
  • Max Frisch hat hierzu im Hinblick auf an dere Menschen die Warnung ausgesprochen: „Du sollst dir kein Bildnis machen!“
    https://www.schnell-durchblicken2.de/frisch-bildnis
  • Dann kann es dazu kommen, dass man den anderen an seiner eigenen Entwicklung behindert, was entweder zur Unterwerfung oder zur Trennung führt.
  • Man kennt das aus vielen Beziehungsgeschichten, wo der eine Partner gewissermaßen am anderen herummodelliert.
  • Letztlich ist Brechts Text wohl als Kritik an einem solchen Vorgang zu verstehen. Das wird deutlich an dem pointenhaften Ende.

Weiterführende Hinweise

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