Gedichte der Romantik zum Thema: „ihre dunkle Seite“

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  • Eichendorff, Der stille Grund
    • Aufbau einer düsteren Naturszenerie mit verwirrenden Auswirkungen auf das Lyrische Ich
    • Übergang zu einem Unglück, einem gekenterten Boot. Möglicherweise hat niemand überlebt.
    • Vorstellung einer Nixe, die wohl gefährlich, ja zerstörerisch wirkt wie die Sirenen in der griechischen Sage oder wie die Loreley beim Rheinfelsen.
    • Am Ende kommt das Lyrische Ich zur Besinnung, ist ganz erschrocken. Es sind die Morgenglocken, die ihm eine Chance geben, diesen Ort der Gefahr und des Untergangs zu verlassen.
    • Interessant sind drei rhythmische Störstellen, die sehr gut zum Inhalt passen.
      Dazu gibt es auch ein Video auf Youtube: https://youtu.be/0QcdbbPXlxg
  • Eichendorff, „Die Heimat“
    • Der Wald als Ort auch der Verwirrung
    • Erinnerung zwischen schön und belastend
    • Ruhelosigkeit als Schicksal
    • auch beim „Singen“
  • Eichendorff, „Zwielicht“ – mit Erklärvideo
    • Das Schaurige des Waldes und der Träume bis hin zum Grauen
    • Die Gefährdung dessen, was man liebt – am Beispiel eines Rehs
    • dann am stärksten die Mahnung: Trau nicht mal einem Freund, denn hinter freundlichem Getue steckt sogar aggressive Heimtücke
    • etwas reduzierter Schluss, der zumindest leicht aus der Situation des „Zwielichts“ hinausführt, aber nicht alles am nächsten Morgen „neugeboren“ sein lässt: „Manches bleibt in Nacht verloren“ – und die Mahnung kann nur sein:
    • „Hüte dich, bleib wach und munter“ – auf jeden Fall kein Hinweis auf schützende Transzendenz
  • Eichendorff, „Der Schiffer“ – mit Erklärvideo
    • das Verlockende holder Weiblichkeit, das zum Aufbruch lockt
    • hinaus in eine Zauberwelt – die „mit süßem Schauer“ genossen wird
    • Einbeziehung der Todesgefahr durch die Sirenen der griechischen Sagenwelt, die mit ihrem Gesang die Seeleute so vom Kurs abbringen, dass sie dabei umkommen
    • Schlusssituation, in der das Lyrische Ich meint, dem Zauber erlieben zu müssen, was sich dann am Schluss des Gedichtes wohl auch bereits zeigt.
  • Eichendorff, „Die zwei Gesellen“
    https://www.schnell-durchblicken2.de/unt-eichendorff-zwei-gesellen

    • Balladen-artige Geschichte
    • von zwei „Gesellen“, die voller Jubel und Elan ins Leben aufbrechen
    • Dann gibt es zwei unterschiedliche Entwicklungen
    • Der eine wird Familienvater und Biedermann
    • Der andere lässt sich verlocken, gerät offensichtlich auf falsche Wege und geht unter
    • Am Ende steht das Mitgefühl des lyrischen Ichs und seine Bitte an Gott, auf dem richtigen Weg gehalten zu werden.
    • Schönes Beispiel für eine nicht gleich klare Intentionalität: Irrt nur der zweite Geselle – oder irren im Sinne der Romantik beide Gesellen?
    • Hier wird man an Goethes Faust erinnert, für den der „Herr“ die Entscheidung trifft, dass er trotz aller Irrungen als „guter Mensch“ sich des „rechten Weges stets bewusst“ bleibt.
  • Eichendorff, „Nachts“
    • Das Gedicht beginnt mit der Situation des Wanders in stiller Nacht und mit Übergangssituationen zwischen Mondlicht und grauer Umgebung bzw. zwischen dem Gesang der Nachtigall und erneuter Stille.
    • Die zweite Strophe preist den „wunderbaren Nachtgesang“ und geht dann über zum Schaurigen und Verwirrenden, das mit der Nacht auch verbunden ist.
    • Am Ende bezeichnet das Lyrische Ich sein „irres Singen“ sogar als „Rufen nur aus Träumen“.
  • Eichendorff, „Rückkehr“
    • Das Gedicht ist hochinteressant, weil es nämlich eine missglückte „Heimkehr“ zeigt, die dann nur noch eine Rückkehr ist, die wieder zu einer Rückkehr, nämlich in die „weite Welt“ wird.
    • Dort kommt das Lyrische Ich aber auch mehr an, so dass es am Ende den Tod auf dem „Feld“ (wohl dem Schlachtfeld) sucht und findet.
    • Das Gedicht ist insofern erstaunlich modern, weil es einen Menschen mit romantischen Zielen und Gefühlen, aber ohne seine irdische Heimat, also in absoluter Heimatlosigkeit, zeigt.
    • Selbst die bei Eichendorff sonst immer noch gegebene himmlische Heimat ist hier kein Rückzugsort mehr.
    • Man kann das Gedicht gut mit Kafkas Parabel „Heimkehr“ vergleichen, aber auch mit „Der Nachbar“, weil sich hier auch ein Kommunikationsproblem zeigt, das möglicherweise erst größere Probleme auslöst.
      https://www.schnell-durchblicken2.de/eichendorff-rueckkehr
  • „In der Fremde“, Eichendorff
  • Schlegel, Friedrich, „Irrlichter“
    • Insgesamt ein Gedicht, das ziemlich von oben herab und auch gehässig über eine schriftstellerische Konkurrenz „spricht“, die für Schlegel nicht genügend Qualität besitzt
    • Einstieg: Es geht um „Ungeziefer“ bzw. „Gesindel“, dem zwei Dinge vorgeworfen werden: „Nagt der Geister Ruhm“ und „Nascht vom Heiligtum“.
    • In der 2. Strophe wird es dann konkreter: Was das Lyrische Ich und wohl auch den Autor ärgert, ist ein gewisser Wankelmut, eine zu geringe Festigkeit im Bereich des Urteils.
    • Beklagt wird auch, dass das „Geheimnis“ eine zu geringe Rolle spielt, stattdessen gibt es zu viel „Schwatzen“.
    • Dazu kommt in der vierten Strophe der Vorwurf der Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit beim Umgang mit anspruchsvollen Themen.
    • Statt „die starke Rede / Von dem Kampf des Lichts“ zu führen, „vergöttern“ sie „jede Ausgeburt des Nichts“.
    • So entsteht eine Massenkultur, die auch ein entsprechendes Massenpublikum findet.
    • Am Ende dann das Urteil, dass diese Autoren auf jeden aktuellen Trend schnell aufspringen und für sie gilt: „Sind sie schon von Anfang fertig, / Schreiben Buch auf Buch.“
  • Tieck, „Melancholie“
    • Negativer Rückblick auf das Leben schon im Hinblick auf die Geburt
    • „Gram“, „Qualen“, „Grausamkeit“ als zentrale Bestandteile des Lebens
    • Einsamkeit: „Dich spricht kein Wesen freundlich an.“
    • „Die Liebe sei auf ewig dir versagt“
    • Im Tod „Begrüßt voll Mitleid dich das erste Glück“
  • Joseph von Eichendorff, „Nachtzauber“
    • Dies Gedicht hat vor allem vom Schluss her etwas mit der dunklen Seite zu tun. Wir präsentieren hier die komplette Vorstellung, rücken aber die Zeilen ein, die nur zum Thema hinführen.
      • Auch hier zunächst einmal – ähnlich wie bei Brentanos Brunnengedicht die Aufforderung zum Hinhören
      • Dann die Angabe einer Reihe von Sehnsuchtszielen: „Stein und Blumen“, „weit“, „stillen Waldesseen“, „Marmorbilder“, „schönen Einsamkeit“
      • Ergänzt wird das dann durch die „uralten Lieder“, die die „wunderbare Nacht“ weckt.
      • Daraus enstehen Erinnerungen an Traumbilder.
      • In der zweiten Strophe dann folgt die Frage nach der Blume, „entsprossen / In dem mondbeglänzten Grund“
      • Gesehen wird sie als „Knospe“, aus der „Junge Glieder blühend sprossen“, sie wird also als Lebenskraft gesehen.
      • Das wird dann im Folgenden vermenschlicht, wenn „Weiße Arme, roter Mund“ als Zeichen für Weiblichkeit hinzugefügt werden.
    • Das leitet über zu den Nachtigallen und zu einem traurigen Lied unerfüllter Liebe, die sogar „todeswund“ ist.
    • Inhalt der Klage sind Lieder „Von versunknen schönen Tagen“.
    • Das Gedicht endet dann mit einer erneuten Aufforderung, „zum stillen Grund“ zu kommen.
    • Der Schluss des Gedichtes lässt viel in der Schwebe: Sollen die Angesprochenen in die gleiche Situation unerfüllter Liebe und Klage kommen – kann man den Ort dann schon wirklich als „stillen Grund“ bezeichnen? Oder ist das dann ein Aufgehen in der Situation, dem Tode ähnlich, der ja vorher schon angesprochen wurde.

 

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