Lars Krüsand

Anders – wo?

Wär ich gern anderswo?
Wohl eher nicht.
Allein die Suche nach dem rechten Ort
Bringt Stress, macht müde, manchmal krank.

Was können Orte mir denn bieten,
Die nur für Fotos taugen,
Die man mitnimmt und
dann nicht mehr schaut.

Und hat man mal etwas gefunden,
An das man gerne sich erinnert,
So ist es doch nur virtuell im Kopf,
Lässt sich nicht fassen nicht berühren
Um Neues zu erfahren, noch
Tiefer in die Dinge einzudringen
Bis sie dann werden zu‘nem Teil von uns.

Ganz anders ein Spaziergang auf gewohnten Bahnen.
Dort trifft man überall bekannte Dinge
Mit denen man bekannter werden kann.

Am Ende hat man um sich rum
Ganz vieles, was man
Immer wieder wecken kann

Denn es ist wirklich so:
Es schläft ein Lied in allen Dingen!
Das wusste Eichendorf
Und ich erfahr es jedes Mal,
Wenn ich mich Ihnen näh’re im vertrauten Kreis,
Statt Stunden meines Lebens zu verlieren
Nur auf dem Weg zum anderswo,
Wo ich zur Laufkundschaft nur werde,
Schon bald mich wieder trennen muss.

Die Autobahn, die überlasse ich allen andern,
Auch bleibt ein Platz in Zug und Flieger frei.
Die andren mögen eigene Wege finden.
Ich gönn‘ von Herzen ihnen dieses Anderswo.

Was hätte ich davon, wenn sie
Genau da wären, wo ich gerade bin.

So bleibe ich mir selber treu und meinen Freunden,
die täglich ich besuchen kann,
Die mir nicht widersprechen, aber doch viel sagen.

(2020)

Anmerkungen zu diesem Gedicht folgen noch!

(…)

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