Liste der Fachbegriffe des Deutschunterrichts

Wir bauen diese Liste hier erst auf. Wichtig ist uns dabei, dass ein Begriff möglichst so erklärt wird, dass man echten „Durchblick“ bekommt und ihn sich und seine Bedeutung möglichst gut merken kann.

Anapher

„Ich kam.
Ich sah.
Ich siegte.“

Das Besondere ist hier, dass nicht nur eine Steigerung vorliegt, sondern eben auch die Anfänge der drei Sätze gleich aussehen.

Damit ergibt sich das Gefühl einer gewissen Zwangsläufigkeit der Entwicklung.

In einem Gespräch könnte die Anapher zum Beispiel so eingesetzt werden:

„Die Frau zu ihrem Mann:
‚Als ich dich kennenlernte, dachte ich: Wow, ein interessantes Wesen.
Als ich dich kennenlernte, dachte ich: Mit dir zusammen kann man im Leben was erreichen.
Was ich jetzt neben mir sitze, ist jemand, von dem absolut nichts mehr ausgeht und mit dem ich irgendwie keinen Schritt weiterkomme.“

Die Anapher macht hier deutlich, wieviele Hoffnungen beim Kennenlernen noch vorhanden waren – und wie sie nach und nach alle verlorengegangen sind.“

Erörterung – lineare, dialektische, aspektorientierte

Was ist eine Erörterung?

  • Unter einer Erörterung versteht man die Klärung einer Sachfrage. Wenn man vom Begriff ausgeht, dann wird gewissermaßen der „Ort“ der Frage, das heißt, ihr Umfeld, erkundet. Das soll dann zu einem Ergebnis führen, das einem selbst hilft und andere überzeugt.

Die lineare Erörterung

  • Bei einer linearen Erörterung geht es um eine Frage, die nur in eine Richtung geht:
    Wie kann man erreichen, dass Schüler in der Schule Selbstständigkeit lernen?
    Dann zeigt man am Anfang in der Einleitung erst mal, warum Selbstständigkeit schon bei Schülern eine große Rolle spielen sollte.
    Dann spielt man verschiedene Möglichkeiten durch, wie man das erreichen kann.

    • Zum Beispiel bei der Wahl einer Lektüre
    • Durch Wochenplanarbeit, bei der die Schüler selbst die Reihenfolge der Erledigung der Aufgaben bestimmen können.
    • Durch das Angebot etwa im Deutsch- oder Geschichtsunterricht, eine unangenehme Aufgabe durch eine andere, mindestens gleichwertige zu umgehen:
      Statt Auswendiglernen eines Gedichtes Schreiben eines Gegengedichtes
      Vgl. das Video:
      https://youtu.be/vRf7JDA1pjE

Die „aspektorientierte“ Erörterung, die eigentlich eine echt dialektische ist

  • Hier merkt man aber schon, dass bei den Möglichkeiten häufig auch Probleme auftauchen können:
    • Wenn man zum Beispiel schreibt, dass Arbeiten von zuhause aus die Selbstständigkeit fördert, muss man  bedenken, dass das nicht bei allen Schülern und in allen Situationen in gleicher Weise gelingt. Das bedeutet, man muss auch die Einwände mitbedenken.
    • So was nennt man „dialektisch“:
      • Das Pro-Argument ist: „Lernen von zuhaus aus kann die Selbstständigkeit fördern.“
      • Das Contra-Argument dazu lautet: „Aber viele Schüler lassen sich zu Hause schnell ablenken.“
      • Und dann versucht man, dieses Contra-Argument möglichst zu entkräften durch eine „Synthese“, die zwischen den beiden Positionen vermittelt:
        „Die Gefahr, dass Schüler sich zu Hause schnell ablenken lassen, kann durch intensivere Betreuung ausgeglichen werden. Größere Aufgaben werden zum Beispiel in Teilaufgaben zerlegt, die zu bestimmten Zeiten abgegeben werden müssen.“
    • Wir nennen eine solche Erörterung „aspektorientiert“, weil da wirklich der Aspekt „Lernen von zu Hause aus“ so weit im Pro und Contra geklärt wird, bis man weiß, was diese Möglichkeit wert ist.
    • Denn der Hinweis auf die „intensivere Betreuung“ kann zum Beispiel dadurch wieder in Frage gestellt werden,
      • dass als Gegenargument kommt: So viel Betreuung kann ein Lehrer gar nicht leisten.“
      • Dem kann wieder begegnet werden, dass das ja auch nicht bei allen Schülern nötig ist. Außerdem kann man Lerngemeinschaften  bilden, bei denen Schüler für einander Verantwortung übernehmen.
    • Am Ende einer „aspektorientierten“ Erörterung gewichtet man die einzelnen Aspekte, je nachdem, wie gut sie im Pro und Contra am Ende dastanden.
    • Das fasst man dann zusammen, aber eben nicht durch einfaches Zählen, sondern durch Gewichten. Gut ist natürlich, wenn man am Ende noch ein besonders starkes Argument fast zum „Killer-Argument“ machen kann.  Zum Beispiel: „Selbstständigkeit ist so wichtig, dass man auch Risiken in Kauf nehmen muss. Die kann man am besten ausgleichen durch Verantwortungsgemeinschaften. Dort entwickelt sich nämlich eine doppelte Selbstständigkeit, die individuelle und die der Gruppe.

Was leider in der Schule als „dialektische“ Erörterung gelehrt wird

  • Auf jeden Fall geht es hier um eine Frage, die man mit „Ja“ und mit „Nein“ beantworten kann:
    Zum Beispiel die berühmte Frage: „Sollen Schuluniformen eingeführt werden?“
  • Dann soll man sich eine Meinung bilden und mit den Argumenten dagegen beginnen. Das hat nämlich den Vorteil, dass am Ende die eigenen Argumente auftauchen.
  • Dabei wird aber völlig übersehen, dass eine Erörterung keine Rede ist, bei der man gewinnen will oder muss, sondern eine umfassende Klärung aller Dinge, die eine Rolle spielen.
  • Das Schema sieht auf jeden Fall so aus:
    1. Ich bilde mir zu der Ja-Nein-Frage eine Meinung.
    2. Ich beginne mit den Argumenten der Gegenmeinung – und zwar dem stärksten.
    3. Dann kommen immer schwächere Argumente, so dass man am Ende das Gefühl hat, diese Meinung muss schon ziemlich ärmlich sein. Man merkt, es geht hier nicht um die Sache, sondern darum, mit der eigenen Meinung gut darzustehen.
    4. Dann geht man über zu den Argumenten für die eigene Meinung. Man beginnt umgekehrt mit dem schwächsten
    5. und bringt dann immer stärkere Argumente,
    6. so dass am Schluss das stärkste Argument für die eigene Meinung sichtbar wird.
    7. Dann muss man nur noch sagen: Wegen dieses tollen Arguments plus einiger anderer bin ich dieser Meinung.
  • Wie gesagt, das ist mehr was für eine politische Rede, mit der man Mehrheiten gewinnen will, als echte offene Auseinandersetzung mit einer Sachfrage.