Man braucht für Erfolg nicht nur Talent und Anstrengungsbereitschaft
Wir freuen uns immer, wenn wir auf Texte stoßen, die direkt schon etwas mit dem eigenen Leben zu tun haben können.
Hier hätten wir wieder mal so ein Beispiel: Da geht es um die Frage, wie man sich selbst im Hinblick auf die anderen – und auch die mögliche Konkurrenz positioniert.
Hier eine Vorschau und die Druckvorlage

Anders Freistein, Wer im Leben weiterkommen will, braucht vor allem Egotismus
Hier schon mal der Text zum direkten Lesen
Anders Freistein
Wer erfolgreich sein will, braucht der vielleicht auch „Egotismus“?
Nein, das ist kein Diktierfehler. Es ist auch kein Plädoyer für die rücksichtslose Ellbogenmentalität, die wir landläufig unter Egoismus verbuchen. Wenn wir heute über das Vorankommen sprechen, müssen wir eine Lanze brechen für einen Begriff, der oft zu Unrecht im Schatten seiner „hässlichen Geschwister“ steht: den Egotismus.
Hier muss zunächst eine klare Grenze gezogen werden. Der klassische Egoist wird oft als jemand wahrgenommen, der andere zum eigenen Vorteil ausnutzt. Das ist eine Sackgasse, eine „schlechte Liebe zu sich selbst“, wie Nietzsche es nannte, die letztlich in der Abhängigkeit von der Beute endet.
Der Egotist hingegen ist der Architekt seiner eigenen Ausstrahlung. Er nutzt das „Ich“ nicht als Waffe gegen andere, sondern als Ankerpunkt für seine Identität. In einer Welt, die uns ständig zur Selbstaufgabe im Namen eines falsch verstandenen Altruismus drängt, ist der Egotismus die notwendige Sauerstoffmaske. Wir müssen uns selbst zuerst das Bewusstsein für den eigenen Wert geben, bevor wir für andere handlungsfähig werden.
Wer im Leben weiterkommen will, braucht eine stabile Selbststützung. Der Egotismus hilft uns dabei, an der eigenen „Bühnenpräsenz“ zu arbeiten. Es geht um die bewusste Pflege des Punctum – um das, was uns unverwechselbar macht.
Egotismus ist vor allem auch die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen, wenn der Egoismus anderer versucht, unseren Raum zu besetzen.
Dabei ist allerdings folgende Abgrenzung wichtig. Während der pathologische Narzisst krampfhaft nach externer Bestätigung lechzt, um sein fragiles Selbstwertgefühl zu kitten, ruht der gesunde Egotist in sich selbst. Er „strahlt“, weil er sich selbst ein guter Freund ist – ganz im Sinne des Aristoteles.
Halten wir also abschließend fest: Egotismus bedeutet, das eigene „Ich“ so weit zu stärken, dass es nicht mehr kompensieren muss. Er ist die volle Autobatterie, die Starthilfe geben kann, ohne selbst liegen zu bleiben. Wer die Kunst beherrscht, sich selbst in den Mittelpunkt des eigenen Denkens zu stellen, ohne die Welt um sich herum zu entwerten, gewinnt eine Authentizität, die Türen öffnet.
Lassen wir also den Egoismus als destruktive Kraft hinter uns und kultivieren wir einen wachen, selbstbewussten Egotismus. Denn nur wer gelernt hat, sicher auf seinen eigenen Beinen zu stehen, kann auch Wege gehen, die andere inspirieren.
Aus: Durchblicke bis auf Widerruf – Online-Zeitschrift für Schule und Studium 1/2026
Aus: Durchblicke bis auf Widerruf – Online-Zeitschrift für Schule und Studium 1/2026
Weitere Infos, Tipps und Materialien
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