Worum es hier geht:

In dieser Ausgabe unserer „Anstoßtexte“ diskutieren wir einen Fall, der sich nach dem EM-Spiel zwischen Portugal und Österreich am 18.6.2016 zugetragen hat. Einem sog. „Flitzer“ gelang es, das Spielfeld zu betreten und bis zu dem berühmten Ronaldo vorzudringen.

Dieser nahm sich eine Menge Zeit, bis der Mann sein Selfie mit ihm „im Kasten“ hatte.

Da ergeben sich natürlich Fragen, auf die unser Text eingeht.

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Mat264 Klarsprecher Nr_ 3 Frage Flitzer belohnen

Text-Fassung:

Star-Selfies mit Stadion-Flitzern?
(Klarfurt, 18.06.2016 – Eig.Ber.) Die Szene wird einige Zeit im Gedächtnis bleiben. Da haben
sich Österreich und Portugal mit einem 0:0 aus einem Gruppenspiel der Europameisterschaft
in Frankreich verabschiedet, als es passiert: Während die Spieler noch Kontakt mit ihren Fans
halten oder auch schon Interviews geben, läuft einer dieser sog. Flitzer aufs Spielfeld – an
allen Ordnern und sonstigen Sicherheitsmaßnahmen vorbei – und schafft es tatsächlich bis zu
Ronaldo, dem portugiesischen Superstar. Statt Abstand zu halten – man weiß ja nie – und es
gab ja genügend Terrorsorgen bei dieser EM, lässt er ihn ein Selfie mit ihm zusammen
machen. Und er muss noch mehr tun, er muss auch noch Geduld haben, denn in der StressSituation funktioniert natürlich auch das Handy des Fremden nicht sofort. Der große Star
zeigt nicht nur Geduld, sondern wehrt auch noch mit all seiner VIP-Autorität die Ordner ab,
die den Mann abführen wollen. Endlich ist das Bild im Kasten – Ronaldo lässt sich auch noch
kurz umarmen, dann landet der Flitzer in den Armen der Polizei.
Kurz darauf dann noch das Studiogespräch der ARD-Sport-Experten. Dort wird das kleine
Ereignis sehr wohlwollend kommentiert, im Sinne von: Der große Ronaldo, der doch häufig
ziemliche Star-Allüren zeigt, habe hier seine Menschlichkeit gezeigt. Dementsprechend
werden auch mit Stirnrunzeln erste Nachrichten diskutiert, die Ordner hätten dem Mann sein
Handy weggenommen und dann das Foto gelöscht.
Was aber wäre gewesen, wenn dieser Mann Böses im Sinn gehabt hätte – die Vereine
betrachten mit großer Sorge die Unsitte, aufs Spielfeld zu stürmen und dort für Unruhe oder
auch noch mehr zu sorgen.
Man muss nicht lange googeln, um im Internet Berichte zu finden, in denen von saftigen
Strafen für solche Flitzer-Aktionen die Rede ist. Im Jahre 2003 waren das mal im Falle des
FC Hansa Rostock 20.000 Euro, die drei ungebetene Spielfeld-Besucher übernehmen sollten
– nachdem dem Verein diese Strafe vom Fußballverband auferlegt worden war.1
Erscheint vor diesem Hintergrund die „Menschlichkeit“ des großen Ronaldo nicht doch ein
wenig in einem anderen Licht? Soll man tatsächlich demnächst alle die belohnen, die
Absperrungen überwinden? Wird das nicht noch mehr Leute auf den Gedanken bringen?
Auch hier wieder die Frage, ob manches, was sehr menschlich aussieht, vielleicht gar nicht so
menschlich ist, wenn man nur ein bisschen weiterdenkt. Schauen wir mal, was Ronaldo
macht, wenn zehn Leute auf ihn zuflitzen. Er wird kaum in Ruhe abwarten, bis sie eine
Schlange gebildet haben und jeder sein Bild im Kasten hat.

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