Baustein: Kennzeichen der Literatur der Epoche des „Sturm und Drang“

 

Arbeitsliste: Kennzeichen des Sturm und Drang (ca. 1765–1785)

  1. Geniekult
    Das schöpferische Individuum gilt als höherer Maßstab als gesellschaftliche Regeln oder Konventionen.
  2. Gefühl vor Vernunft
    Emotion, Spontaneität und innere Wahrheit haben Vorrang vor rationaler Abwägung (Abgrenzung zur Aufklärung).
  3. Rebellion gegen Autoritäten
    Eltern, Kirche, Staat: alle äußeren Zwänge werden kritisch gesehen oder offen abgelehnt.
  4. Natur als Spiegel des Inneren
    Natur dient nicht der Beschreibung, sondern drückt innere Zustände und seelische Erregung aus – wild, dynamisch, ursprünglich.
  5. Leidenschaftlicher Ausdrucksstil
    Kraftvolle Sprache, Ausrufe, Ellipsen, starke Metaphorik – oft ungebändigt und drängend.
  6. Freiheitspathos
    Politisch wie seelisch wird Freiheit als Ideal beschworen. Der Einzelne soll sich „entfalten“ dürfen.
  7. Kritik an gesellschaftlichen Normen
    Ständegesellschaft, Heuchelei, Zwangsehen, Erziehungsmuster – vieles wird hinterfragt oder provokativ umgedreht.
  8. Jugendideal und Selbstfindung
    Junge Heldinnen und Helden sind typisch – im Kampf um Identität, Authentizität und Lebensentwürfe.
  9. Originalgenie statt Regelpoetik
    Ablehnung der poetischen Einrichtungen (z. B. der französischen Regelpoetik); Kunst soll „natürlich“ und subjektiv sein.
  10. Kraftmensch und intensives Erleben
    Figuren handeln extrem, oft grenzüberschreitend, weil sie ihr Leben in „Fülle“ und „Sturm“ gestalten wollen.
  11. Musikalität und Rhythmuswechsel(optional als Zusatzpunkt)
    Häufiger Wechsel zwischen ruhigen und eruptiven Passagen; auch in Gedichten spürbare emotionale „Dynamik“.