Die Figuren im Roman „Heimsuchung“ – in Schaubildern (Mat8630-fig-sbv)

Figuren in „Heimsuchung“ – in Schaubildern

Variante 1 Die Figuren in ihren Epochen

Dieses Schaubild wurde nach intensivem Austausch mit NotebookLM von der KI nach unseren Vorgaben erstellt.

Anschließend hat das Programm das Schaubild so beschrieben und wir lassen das dann von MIA kommentieren.

  1. Aufbau: Der Rahmen von der Ewigkeit bis zum Augenblick

Die Grafik ist horizontal in drei große zeitliche Ebenen unterteilt, die den Kern des 20. Jahrhunderts abbilden.

  • Der Erzählrahmen: Ganz oben und ganz unten sehen wir den geologischen und baulichen Rahmen. Die Geschichte beginnt mit der Eiszeit (Prolog) und endet mit dem Abriss des Hauses (Epilog). Dies verdeutlicht, dass das menschliche Wirken im Vergleich zur Erdgeschichte nur ein flüchtiger Moment ist.
  • Die Zeitschichten: Die Mitte der Grafik zeigt das Haus in seinen drei Hauptphasen, die farblich voneinander abgehoben sind, um die unterschiedlichen politischen Systeme (NS-Staat, DDR, Wendezeit) zu markieren.
  1. Inhalt: Akteure und Motive der Epochen

Jede Ebene der Grafik ordnet den Epochen spezifische Akteure und zentrale Motive zu:

  • NS-Zeit & Holocaust (1930er/40er Jahre): Hier stehen der Großbauer Wurrach (Parzellierung) und der jüdische Tuchfabrikant (Vertreibung) im Fokus. Das Motiv ist die Zerstörung einer archaischen Ordnung durch die Arisierung.
  • DDR & Flucht (1950er–1980er Jahre): Diese Schicht zeigt den Architekten (Flucht in den Westen) und die Schriftstellerin (politisches Exil). Zentral ist hier der staatliche Zugriff auf das Eigentum und die Suche nach einer ideologischen Heimat.
    • Erstaunlicherweise fehlt hier die Frau des Architekten. Sie wird ja auch in gewisser Weise Opfer seiner Gestaltungsträume – und kann ihre eigenen Lebenspläne nicht verwirklichen – mit der Endstation Einsamkeit im Altersheim.
  • Wendezeit & Restitution (ab 1989): Die letzte Bewohnerin ist die unberechtigte Eigenbesitzerin. Das Motiv ist die Rückforderung (Restitution), die schließlich zum Leerstand und Verfall führt.
  1. Übergreifende Symbole und Aussage

Zwei Elemente am rechten Rand der Grafik sind für die Interpretation entscheidend:

  • Der Gärtner als zeitlose Konstante: Er steht rechts oben außerhalb der farbigen Schichten. Er spricht kaum, altert scheinbar nicht und pflegt die Natur unbeeindruckt von den politischen Systemen. Er symbolisiert die Beständigkeit gegenüber dem menschlichen Opportunismus.
  • Typisierte Charaktere: Die Grafik weist darauf hin, dass die meist namenlosen Figuren (wie „Der Architekt“) beispielhafte Schicksale ihrer Zeit repräsentieren.

Zusammenfassung:

Die zentrale Aussage der Grafik ist die Visualisierung der „Heimsuchung“: Das Haus fungiert als Gedächtnisspeicher, in dem sich privates Glück und die große, oft gewaltvolle Geschichte untrennbar überlagern. Es zeigt, dass Heimat angesichts der ständigen Umbrüche des 20. Jahrhunderts nie von Dauer ist.

Variante 2

Erklärung des Schaubildes durch NotebookLM,

Das Schaubild wurde entsprechend unseren Vorgaben von deer KI erstellt und so erklärt (in kursiver Schrift)

Wir fassen das hier mal in unserer Darstellung zusammen.

  1. Es geht um die Frage, wie stark Personen und Ereignisse der Familiengeschichte der Autorin in diesen Roman eingeflossen sind.
    Grundsätzlich ist es ganz normal, dass jemand, der einen Roman schreibt, aus unterschiedlichsten Quellen schöpft. Das können historische Quellen und Darstellungen sein, aber auch vieles, was er sich ausgedacht hat. Und das wiederum stammt aus dem, was er gehört, gelesen, erlebt hat. Es gibt ja den Satz, dass alle im Umkreis eines Schriftstellers damit rechnen müssen, dass sie auf irgendeine Art und Weise auch im Roman auftauchen.
  2. Eine gute Idee war es sicherlich, das Haus in die Mitte des Bildes zu stellen und links dann die Figuren mit Familienzusammenhang und rechts dann Figuren außerhalb dieses Kontextes, mehr oder weniger historisch, auf jeden Fall letztlich fiktiv in der Darstellung.
  3. Die wichtigste Familienrolle im Roman hat sicherlich Jenny Erpenbeck selbst. Sie entspricht der „unberechtigten Eigenbesitzerin“ – und in dieser Figur wird ja auch der Verlust der Heimat am anschaulichsten präsentiert.
  4. Die Großeltern der Autorin (selbst als Autoren in der DDR tätig), werden im Roman zur Schriftstellerin und ihrem Ehemann .
  5. Der Sohn dieser Großeltern ist Erpenbecks Vater – er wurde im sowjetischen Exil geboren, war später nur während der Ferien in dem Haus und freundete sich mit dem Gärtner an. Ansonsten musste er aus ideologischen Gründen in ein sozialistisches Kinderheim, wo er erzogen wurde.
  6. Die Besucherin entspricht der anderen Großmutter, der Autorin, die aus Masuren fliehen musste.
  7. Die jüdische Familie hat einen realen Hintergrund. Sie hat aber nichts mit der Familie der Autorin zu tun. Ihr Schicksal wurde aus den verfügbaren Quellen rekonstruiert.
  8. Der Architekt, der Rotarmist und der Unterpächter stehen als Typenfiguren für Karrierismus, Kriegsgewalt oder das Scheitern in der DDR stehen.
  9. Interessant ist, dass NotebookLM die Frau des Architekten völlig außen vor lässt. Sie gehört natürlich genauso zur rechten Seite, wäre aber eigentlich wichtig, weil sie ja ähnlich wie die Töchter des Großbauern in gewisser Weise auch ein Opfer früherer Geschlechterverhältnisse ist.
  10. Ebenfalls interessant ist beim Gärtner, dass er nur als überzeitliche Figur ins Schaubild aufgenommen worden ist. Seine Funktion als eine Art Stellvertreter der übermächtigen Natur wird nicht erfasst.

Nachtrag zur Frau des Architekten

Wir haben dann folgende Nachfrage an NordVogt LM gerichtet:

Interessant, dass hier gar nicht berücksichtigt wird, dass die Frau des Architekten in gewisser Weise auch ein Opfer früherer Geschlechterverhältnisse ist. Sie muss ihre Träume aufgeben und endet ja auch auf ziemlich erbärmliche Art und Weise.

NotebookLM hat dann das Folgende nachgeliefert (in kursiver Schrift)

Deine Beobachtung trifft einen wesentlichen Kern der Figur, der in der Tat oft hinter den großen historischen Umwälzungen zurücktritt. Die Frau des Architekten ist im Roman eine der tragischsten Gestalten, da ihre persönliche Freiheit und ihre Träume systematisch durch patriarchale Strukturen und die „Heimsuchungen“ der Geschichte zerstört werden.

Man kann ihre Opferrolle und ihr „erbärmliches“ Ende an mehreren Punkten festmachen:

  1. Unterdrückte Träume und Fremdbestimmung

Schon in ihrer Jugend wird sie mit den damaligen Geschlechterverhältnissen konfrontiert:

  • Berufswahl: Ursprünglich träumte sie von einem freien, exotischen Leben als Seiltänzerin oder Dompteurin. Ihr Vater jedoch entschied für sie, dass sie eine Ausbildung zur Stenotypistin machen müsse, was einen totalen Kontrast zu ihrem Freiheitsdrang darstellte.
  • Warten auf den Mann: In ihrer Beziehung zum Architekten nimmt sie jahrelang eine passive Rolle ein. Sie muss lange warten, bis er sich von seiner ersten Frau scheiden lässt, und verbringt diese Zeit oft weinend – ein krasser Gegensatz zu ihrem ursprünglichen Naturell des Lachens.
  1. Instrumentalisierung durch den Ehemann

Auch innerhalb der Ehe wird sie eher als Funktion oder Werkzeug denn als gleichberechtigte Partnerin wahrgenommen:

  • Rechtliches Schutzschild: Der Architekt lässt sie den Kaufvertrag für das Grundstück unterschreiben, nicht etwa aus Großzügigkeit, sondern aus Kalkül: Er wollte den Besitz bei einer möglichen Scheidung vor den Ansprüchen seiner ersten Frau und seines Sohnes schützen.
  • Gedrängte Kinderlosigkeit: Die Ehe bleibt bewusst kinderlos, wobei diese Entscheidung primär vom Ehemann ausging. Erst bei der Begegnung mit dem Rotarmisten, der sie mit „Mama“ anspricht, wird ihr die Schmerzhaftigkeit dieser erzwungenen Kinderlosigkeit voll bewusst.
  1. Das „erbärmliche“ Ende

Ihr Lebensweg mündet in eine zunehmende Isolation und den Verlust ihrer Identität:

  • Trauma als Wendepunkt: Das Ereignis am Kriegsende, das sie als „Loch in der Ewigkeit“ bezeichnet, zerstört ihre Lebenswahrnehmung radikal. Um einer kollektiven Vergewaltigung zu entgehen, liefert sie sich einem einzelnen Soldaten aus – ein Akt, den sie selbst als „zum Feind überlaufen“ empfindet.
  • Entfremdung und Tod: Nach dem Krieg entfremdet sich die Ehe immer mehr. Nach der Flucht in den Westen verliert sie den einzigen Ort, der ihr noch Heimat und Freiheit bedeutete (das Haus am See), und stirbt schließlich einsam in einem Altersheim.

Ein stiller Akt des Widerstands

Interessant ist jedoch, dass sie am Ende versucht, aus diesen patriarchalen Verhältnissen auszubrechen: Sie bestimmt, dass das Haus (das ihr rechtlich gehört) künftig nur noch an ihre Nichten und deren weibliche Nachkommen vererbt werden soll – ausdrücklich „keinem Mann“

Abschließens NotebookLM zur Bedeutung der Grafik

Die Infografik dient als Orientierungshilfe, um das „Amalgam aus Erinnertem und Imaginiertem“ aufzuschlüsseln. Sie leistet dabei Folgendes:

  1. Trennung von privater und öffentlicher Geschichte: Sie macht deutlich, dass der Roman nicht nur eine Familiensaga ist, sondern dass Erpenbeck die private Erinnerung durch die „Pluralisierung von Geschichten Anderer“ konterkariert.
  2. Identifikation der „Heimsuchungen“: Während die linke Seite den emotionalen Kern des Hauses (die Kindheitsidylle der Autorin) darstellt, bringt die rechte Seite die historischen Brüche und Tragödien (Arisierung, Shoah, Kriegsgewalt) ein, welche diese Idylle „korrigieren“.
  3. Verdeutlichung der Rechercheleistung: Besonders bei der jüdischen Familie und dem Architekten zeigt das Bild, dass Erpenbeck reale Schicksale aus Grundbüchern und Archiven wiederbelebt hat, um dem Haus eine lückenlose Geschichte zu geben, die über ihre eigene Familie hinausreicht.
  4. Symbolische Einordnung: Sie ordnet Figuren wie den Gärtner korrekt als rein literarische Konstrukte ein, die eine metaphysische Ebene (die Naturzeit) in das historische Geschehen einziehen.

Zusammenfassend zeigt das Bild, dass das Haus am Scharmützelsee eine Schnittstelle unterschiedlicher Schicksale ist. Es hilft zu verstehen, dass Erpenbeck ihre eigene Biografie als Rahmen nutzt, um darin die „große“ deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts exemplarisch abzubilden.

Unser Schaubild

Dieses Schaubild hat sich uns am besten eingeprägt, weil wir es komplett „händisch“ erstellt haben.
Beschrieben wird es auf dieser Seite:
https://schnell-durchblicken.de/die-figuren-im-roman-heimsuchung

Weitere Infos, Tipps und Materialien

Infos, Tipps und Materialien zum Roman „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck
https://schnell-durchblicken.de/themenseite-heimsuchung

Themenseite – Teil 1: Infos, Tipps und Materialien zum Einstieg:
Dazu sind vor allem die Videos hilfreich, die wir auf dieser Seite präsentieren.
https://schnell-durchblicken.de/roman-heimsuchung-tipps-und-hilfen-zum-einstieg

Themenseite – Teil 2: Materialien zu den Figuren mit ihren Themen
https://schnell-durchblicken.de/roman-heimsuchung-figuren-mit-ihren-themen

Themenseite – Teil 3: Materialien zu verschiedenen Aspekten der Interpration
https://schnell-durchblicken.de/roman-heimsuchung-aspekte-der-interpretation

Themenseite – Teil 4: Vorbereitung von Klausuren und Prüfungen
https://schnell-durchblicken.de/roman-heimsuchung-vorbereitung-klausuren

Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
https://textaussage.de/weitere-infos