Worum es hier geht
- Was hier entsteht, ist im Grunde die Dokumentation eines eigenen kleinen Forschungsfeldes: die genaue Beobachtung, wie ein Austausch zwischen einem Menschen und einer künstlichen Intelligenz tatsächlich abläuft, wenn beide gemeinsam an einem Thema arbeiten.
— - Das Bild, das sich dafür am besten eignet, ist das der Spirale. Sie beginnt an einem Punkt – einer einzigen Frage, einem einzigen persönlichen Interesse – und windet sich von dort aus immer weiter nach oben.
— - Jede neue Runde baut auf der vorherigen auf, bleibt aber mit ihr verbunden, so wie eine Spirale nie den Kontakt zu ihrem Ausgangspunkt verliert, auch wenn sie sich immer weiter von ihm entfernt. Genau das lässt sich beobachten, wenn aus einer ersten Frage zu Schopenhauer am Ende ein Bogen bis zu Aristoteles und Kant entsteht.
Das Grundmuster
- Im Normalfall läuft dieser Austausch nach einem einfachen Grundmuster ab:
Der Mensch stellt eine Frage, die künstliche Intelligenz antwortet darauf.
— - Und dann folgt der eigentlich interessante Moment, denn hier zeigen sich zwei ganz unterschiedliche Varianten der menschlichen Reaktion.
—- Die erste Variante: Die KI bietet etwas an, worauf man selbst nie gekommen wäre, ein Element, das komplett von außen kommt und das eigene Denken erweitert.
- Genau das ist bei der indischen Formel „Tat twam asi“ passiert – ein Gedanke aus einer fremden Kultur, den man ohne die KI vermutlich nie in Verbindung mit Schopenhauer gebracht hätte.
— - Die zweite Variante ist die, die bei mir eigentlich häufiger vorkommt: Aus der eigenen Lebenswelterfahrung, in meinem Fall als Lehrkraft, entstehen über die eigenen Synapsen Verbindungen, auf die ein Außenstehender vermutlich gar nicht kommen würde.
- Genau das war der Fall bei Lessing, bei Goethe, bei Immanuel Kant und auch bei der attischen Demokratie – Verknüpfungen, die aus jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesen Themen im Deutsch- und Geschichtsunterricht entstehen und die die KI dann prüft, bestätigt oder erweitert, aber eben nicht selbst hervorbringt.
Fazit
- Damit ergibt sich ein doppelter Antrieb für diese Spirale:
von außen durch die KI,
von innen durch die eigene Bildungsbiografie. - Und genau dieses Wechselspiel möchte ich auf dieser Seite systematisch festhalten.
— - Und ich freue mich natürlich über Kommentare, so dass sich dabei auch ein Austausch zwischen Mensch und Mensch ergeben kann.
Die Fabel vom Blinden und vom Lahmen
- Wir wissen nicht mehr so ganz genau, was unsere Synapsen da mit uns gemacht haben.
- Aber auf jeden Fall haben sie uns an eine Fabel erinnert, in der zwei Menschen jeweils etwas einbringen, was der Partner nicht hat.
- Und gemeinsam erreichen sie dann mehr.
- Und wer das für den Austausch zwischen Mensch und KI-Maschine nicht so ganz nachvollziehen kann:
Der mag sich mit dem Hinweis trösten:
Auch ein hinkender Vergleich hat seinen Wert. 😉
https://schnell-durchblicken.de/gellert-der-blinde-und-der-lahme
Beispiele für dokumentierte Austausch-Aktivitäten
- Freistein, „Ich bin zwar kein Experte, aber“ – drei Dinge finde ich beim Philosophen Schopenhauer schon sehr interessant.
https://textaussage.de/freistein-zwar-kein-experte-aber-schopenhauer
— - Freisteins KI-Eskapaden: Von der vergleichenden Literaturwissenschaft bis zur Kombi aus Wirtschaft und Kultur
https://textaussage.de/freisteins-ki-eskapaden-brotlose-uni-kunst-hat-doch-chance
— - Freisteins Eskapaden: Hölderlin ein Expressionist?
https://textaussage.de/freistein-eskapade-hoelderlin-als-expressionist
— - Ein älteres Beispiel aus unseren Anfangszeiten beim Austausch mit der KI
https://schnell-durchblicken.de/ist-auch-der-zerbrochene-krug-ein-beweis-fuer-kleists-kant-krise-d-h-seine-skepsis-gegenueber-sprache-und-wahrheit
— - Oder Verständigung über die Grenzen eines Gedichtes von Schiller
https://schnell-durchblicken.de/kuenstliche-intelligenz-verstaendnisvoller-als-wir-menschen-beispiel-diskussion-um-ein-schiller-gedicht
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Beispiel für die Auswertung eines Austausches
Das bezieht sich auf den Austausch, ausgehend von Schopenhauer.
Am Ende haben wir claude.ai gebeten, diesen Austausch mal zu prüfen,
Was zum einen, die beiden Austauschpartner jeweils eingebracht haben – und wie zum anderen sich die Übergänge ergeben haben.
Claude hat dann so geantwortet und mich dabei angesprochen:
Ich habe mir den kompletten Seiteninhalt durchgesehen – inklusive der beiden neuen Abschnitte, die ich vorher noch nicht kannte (Minderheitenschutz in Athen, Kant-Kritik). Damit haben wir jetzt sieben Austauschrunden. Hier die Systematisierung, die du dir wünschst:
Menschliche Einflussfaktoren (MIA) – nach Häufigkeit
- Am häufigsten war die spontane assoziative Querverbindung – du hast bei vier von sieben Runden einen anderen Denker oder ein anderes Werk mit reingebracht, das dir gerade einfiel (Lessing, Goethe, Aristoteles, Kant).
- Das scheint dein zentraler „Motor“ zu sein: nicht neues Material suchen, sondern Verbindungen zwischen bereits vorhandenem Wissen ziehen.
— - Zweithäufigster Faktor ist das eigene Vorwissen bzw. die eigene Erinnerung – etwa der erinnerte Fachvortrag zur attischen Demokratie oder die gehörte Hörbiografie zu Schopenhauer, die den Ausgangsimpuls für das ganze Video lieferte.
— - Einmalig, aber wichtig: das Bedürfnis nach Primärquelle (der Exkurs, bei dem du nicht bei der KI-Zusammenfassung bleiben wolltest, sondern das Originalzitat wolltest)
— - und die kritische Positionierung – bei Kant zum ersten Mal nicht nur Verbindungen ziehen, sondern explizit Stellung beziehen und eine Denkfigur ablehnen.
KI-Einflussfaktoren (NLM) – nach Häufigkeit
- Am häufigsten: Bestätigen und Ausbauen einer von dir vermuteten Verbindung – das passiert in praktisch jeder Runde außer der allerersten. Die KI bekommt eine Vermutung oder Assoziation von dir und liefert die Systematik dazu (in Runde 2, 3, 5 und 6 jeweils in Form von 2-4 nummerierten Punkten).
— - Zweithäufigster Beitrag ist das Einführen von Fachbegriffen, die dir vorher nicht geläufig waren – „Tat twam asi“, „principium individuationis“, „epieikeia“, „eleos“, „argumentum ad misericordiam“. Bemerkenswert: Diese Begriffsdichte nimmt im Zeitverlauf zu, die späteren Runden (Aristoteles, Athen) sind fachsprachlich dichter als die früheren.
— - Einmalig: die Lieferung eines wörtlichen Originalzitats (Exkurs) und die Brückenbildung zwischen mehreren Denkern gleichzeitig – zum Beispiel wenn Schopenhauer explizit als Bindeglied zwischen Barthes, Goethe und der indischen Philosophie dargestellt wird.
Was sich im Zeitverlauf neu ergeben hat
- Die Reihe beginnt bei einem einzelnen persönlichen „Punktum“ zu einem einzelnen Philosophen und wächst zu einem Netz von Querbezügen über zweieinhalbtausend Jahre (Antike bis Kant).
— - Ab der Aristoteles-Runde kommt ein neuer Ton dazu: nicht mehr nur „was berührt mich“, sondern auch „was überzeugt mich nicht“ – die Kant-Kritik ist die erste Stelle, an der du dich klar gegen eine Position stellst statt nur Verbindungen zu sammeln.
— - Und die Athen-Runde zeigt einen neuen Typ von Impuls: nicht KI-generierte Assoziation, sondern eine von dir erinnerte Fachmeinung (der Vortrag), die du der KI zur Prüfung vorlegst – das ist eine Umkehrung der bisherigen Richtung, denn hier prüft die KI eine menschliche These, statt eine menschliche Vermutung zu bestätigen.