Hesse, Ode an Hölderlin (Mat646)

Hesses „Ode an Hölderlin“

ist ein wunderbares Beispiel für den Umgang mit Vergangenheit in schwierigen Zeiten.

Da das Gedicht wie alle anderen Werke Hesses noch einige Zeit urheberrechtlich geschützt sind, verweisen wir hier nur kurz auf einen Ort, wo man es finden kann, und wenden uns dann lieber direkt dem zu, was an diesem Gedicht beeindruckt.

Das Gedicht nennt Hölderlin gleich am Anfang „Freund“ und verweist darauf, dass es „Manchen Abend“ „voll Dankbarkeit“ zu ihm zurückkehrt. Schon in der ersten Strophe wird deutlich, dass das in einer romantischen Umgebung bzw. Situation geschieht.
Die zweite Strophe macht deutlich, wie sehr sich fast alle von diesem Dichter der ganz eigenen Wiederbelebung der antiken griechischen Kultur sich „von Griechenlands stillen Zaubern“ entfernt haben.
Das traurige Ergebnis:
„Ohne Gebet und entgöttert
Wandelt nüchtern das Volk im Staub.“
Die dritte Strophe wendet sich dann der „heimlichen Schar innig Versunkener“ zu, „Denen der Gott die Seele mit Sehnsucht schlug“ – hier wird deutlich, wie sehr dieses Gedicht Romantik atmet.
Diese „Schar“ kann die „die Lieder / Deiner göttlichen Harfe noch heut“ genießen.
Die vierte Strophe nimmt ein anderes Motiv der Romantik auf, nämlich den Gegensatz zwischen der Betriebsamkeit des Tages und der Erholung in der Nacht, „beschattet mit goldenem Traum“. Alle Hitze und Hetze sind vorbei – jetzt beginnt eine Erholung, die mehr ist als Schlaf.
Den Schluss bildet dann das konkrete Ziel einer neu entbrannten Sehnsucht, nämlich „nach der Vorzeit seligem Land“, konkret bezogen auf die Griechen der Antike. Wenn hier „ewiges Heimweh“ angesprochen wird, haben wir ein weiteres Motiv der Romantik, nämlich, das Gefühl, in der aktuellen Wirklichkeit nicht zu Hause zu sein, auch wenn das hier nicht christlich ausgestaltet wird.
Insgesamt ein Gedicht, das nach Flucht aus der Gegenwart aussieht, die aber vor dem Hintergrund der „Ahnen-Losigkeit“ (so nennen wir das mal) der Gegenwart gesehen werden muss. Gemeint ist der Verlust bzw. die Preisgabe all dessen, was die Vorfahren an kulturellen Werten geschaffen haben. Gemeint sind damit sicherlich noch vorhandene Lieder großer Künstler, wie Hölderlin einer war.
Aber viel wichtiger ist, dass man sich auch von den „stillern Zaubern entfernt“ hat, nicht mehr „beschattet“ ist „mit goldenem Traum.“

Hesses Gedicht und die Anklänge an die Romantik

Im folgenden Schaubild haben wir einfach mal versucht zu zeigen, an welchen Stellen sich welche Kennzeichen romantischen Denkens und Fühlens finden.
Davon gibt es erstaunlich viel.Wer sich übrigens etwas genauer beschäftigen will mit der Romantik in Hesses Werk, findet hier interessante Hinweise.

Weitere Infos, Tipps und Materialien

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