Die Voraussetzungen dieses Kapitels – Zusammenfassung des Prologs
Um den ersten Tag und die weitere Handlung zu verstehen, sind folgende Informationen aus dem Prolog zentral: Die 15-jährige Kim Papen wuchs in einer wohlhabenden, aber emotional distanzierten Patchwork-Familie in Köln-Hahnwald auf. Nachdem sie ihren bevorzugten Halbbruder Geoffrey bei einem Grillfest aus Impuls mit Brennspiritus bespritzt und angezündet hatte, verbrachte sie sechs Wochen in der Jugendpsychiatrie. Da ihr Stiefvater Heiko sie danach nicht mehr im Haus haben wollte, wurde sie von ihrer Mutter für die Sommerferien zu ihrem leiblichen Vater Ronald Papen nach Duisburg abgeschoben, während der Rest der Familie nach Miami flog. Kim hatte Ronald seit 13 Jahren nicht gesehen und sich ein idealisiertes Bild von ihm als erfolgreichem Geschäftsmann im Anzug erschaffen. Der Prolog endet mit dem Schock am Duisburger Bahnhof, wo sie statt des erwarteten Topmanagers einem kleinen, eher „heruntergekommen“ wirkenden Mann gegenübersteht.
Hier ist ein Überblick über die Ereignisse und Erkenntnisse von Tag 1:
Die Begegnung: Enttäuschung und Ähnlichkeit
- Kim ist beim ersten Anblick ihres Vaters tief enttäuscht, da er das Gegenteil ihrer Erwartungen verkörpert: Er ist klein, zart und trägt unmodische, abgetragene Kleidung.
- Gleichzeitig stellt sie eine verblüffende physische Ähnlichkeit fest; Ronald wirkt wie eine 30 Jahre ältere, männliche Inkarnation ihrer selbst (Mund, Wangenknochen, hellblaue Augen).
Das neue Zuhause: Die Lagerhalle
- Ronald holt Kim in einer „Schrottkiste“, dem sogenannten „Pap-mobil“, ab und bringt sie in ein deprimierendes Duisburger Gewerbegebiet.
- Sein Wohnort ist eine Lagerhalle, in der Kim ein fensterloses, mit Werkzeug vollgestopftes Zimmer beziehen muss. Die prekäre Lebenssituation ihres Vaters löst in Kim Verzweiflung, Wut und sofortige Fluchtpläne aus.
Konfrontation mit der Vergangenheit
- Beim gemeinsamen Grillen – eine für Kim traumatisch besetzte Situation – sprechen sie über den Vorfall mit Geoffrey.
- Auf Kims zentrale Frage, warum er 13 Jahre lang keinen Kontakt suchte, erklärt Ronald vage, er habe früher „richtig großen Mist“ gebaut. Er könne sich selbst nicht verzeihen und habe deshalb beschlossen zu gehen, um der Familie nicht weiter zu schaden.
Der „Markisenmann“: Ein bizarres Geschäftsmodell
- Ronald führt Kim in den hinteren Teil der Halle, wo er 3.406 Markisen aus DDR-Beständen lagert, die er nach der Wende aufgekauft hat.
- Er arbeitet als Direktvertreter und versucht, diese Markisen mit ihren „abstrusen“ Mustern (z. B. braun-gelb-orange Verläufe oder Neongrün) an Haustüren im Ruhrgebiet zu verkaufen.
Kim erkennt die wirtschaftliche Ausweglosigkeit: In 14 Jahren hat er erst etwa 200 Stück verkauft, was einem Schnitt von nur 14 Markisen pro Jahr entspricht