Künstlerische oder sprachliche Mittel in einer Ballade finden: „Gorm Grymme“ (Mat4596)

Im Folgenden wollen wir an einer Ballade einfach mal zeigen, wie man künstlerische, sprachliche oder rhetorische Mittel findet.
Man muss nur auf Stellen achten, die künstlerisch gestaltet sind:

Noch kurz zu den verschiedenen Begriffen:

  • künstlerische Mittel – umfasst alles, was ein Schriftsteller einsetzt, um einen Inhalt und seine Aussage mit entsprechenden Mitteln zu unterstreichen. Alles, was also nicht normalsprachlich ist, ist demnach „künstlerisch“.
  • sprachliche Mittel – Teilbereich der künstlerischen Mittel, bei dem es eben um eindeutig sprachliche Elemente geht. Zum Beispiel: „Die Sichel des Mondes hängt am Himmel“ = ein sprachliches Bild, eine Metapher. Oder: „Er kam, sah und fiel auf die Nase.“ Steigerung, die am Ende ironisch verändert wird im Vergleich zu Cäsars Feststellung: „Ich kam, sah und siegte“.
  • rhetorische Mittel – Mittel, die vor allem in Reden (oder auch in der Werbung) eingesetzt werden, wenn man also einen anderen von etwas überzeugen oder zu etwas überreden will.
    Zum Beispiel: „Das ist heute die letzte Chance“: Zuspitzung, ggf. Übertreibung, das Gegenüber wird unter Druck gesetzt.

 

Thedor Fontane

Gorm Grymme

 

König Gorm herrscht über Dänemark,

Er herrscht die dreißig Jahr,

Sein Sinn ist fest, seine Hand ist stark, !!! ´Parallelismus = gleicher Satzaufbau

Weiß worden ist nur sein Haar,

Weiß worden sind nur seine buschigen Brau’n, !!! Hier merkt man den gleichen Zeilenanfang: Anapher; unterstützt die Aussage, um was für einen starken König es sich hier handelt.

Die machten manchen stumm,

In Grimme liebt er drein zu schaun, –

Gorm Grymme heißt er drum.

 

Und die Jarls kamen zum Feste des Jul,

Gorm Grymme sitzt im Saal,

Und neben ihm sitzt, auf beinernem Stuhl,

Thyra Danebod, sein Gemahl;

Sie reichen einander still die Hand

Und blicken sich an zugleich,

Ein Lächeln in beider Auge stand –

Gorm Grymme, was macht dich so weich? !!! Frage des Sprechers im Gedicht = bsd. Mittel = macht den Leser nachdenklich bzw. aufmerksam auf die gleich deutlich werdende Liebe zu seinem Sohn.

 

Den Saal hinunter, in offner Hall‘,

Da fliegt es wie Locken im Wind,

Jung-Harald spielt mit dem Federball,

Jung-Harald, ihr einziges Kind, !!! Wieder eine Anapher. Auch hier wird wieder ein Akzent gesetzt.

Sein Wuchs ist schlank, blond ist sein Haar,

Blau-golden ist sein Kleid,

Jung-Harald ist heut fünfzehn Jahr,

Und sie lieben ihn allbeid‘.

 

Sie lieben ihn beid‘; eine Ahnung bang

Kommt über die Königin,

Gorm Grymme aber den Saal entlang

Auf Jung-Harald deutet er hin,

Und er hebt sich zum Sprechen – sein Mantel rot

Gleitet nieder auf den Grund:

»Wer je mir spräche ›er ist tot‹,

Der müßte sterben zur Stund‘!«

 

Und Monde gehn. Es schmolz der Schnee,

Der Sommer kam zu Gast,

Dreihundert Schiffe fahren in See,

Jung-Harald steht am Mast,

Er steht am Mast, er singt ein Lied, !!! Wiederholung „steht am Mast“ – verstärkt das, zeigt den Blick des Vaters, der sich nicht lösen kann.

Bis sich’s im Winde brach,

Das letzte Segel, es schwand, es schied –

Gorm Grymme schaut ihm nach.

 

Und wieder Monde. Grau-Herbstestag

Liegt über Sund und Meer,

Drei Schiffe mit mattem Ruderschlag

Rudern heimwärts drüber her;

Schwarz hängen die Wimpel; auf Brömsebro-Moor

Jung-Harald liegt im Blut –

Wer bringt die Kunde vor Königs Ohr? !!! Wieder eine Frage des Sprechers im Gedicht, die auf ein Problem – und zwar das Kernproblem – hinweist. Der König hat ja gesagt, dass er denjenigen umbringen will, der ihm vom Tod des Sohnes berichtet. Deshalb auch die folgende Zeile.

Keiner hat den Mut.

 

Thyra Danebod schreitet hinab an den Strand,

Sie hatte die Segel gesehn;

Sie spricht: »Und bangt sich euer Mund, !!! Wieder eine Anapher, Wortwiederholung am Satzanfang, Hervorhebung der Bedeutung der Königin.

Ich meld‘ ihm, was geschehn.«

Ab legt sie ihr rotes Korallengeschmeid‘

Und die Gemme von Opal,

Sie kleidet sich in ein schwarzes Kleid

Und tritt in Hall‘ und Saal.

 

In Hall‘ und Saal. An Pfeiler und Wand

Goldteppiche ziehen sich hin,

Schwarze Teppiche nun mit eigener Hand

Hängt drüber die Königin,

Und sie zündet zwölf Kerzen, ihr flackernd Licht,

 

Es gab einen trüben Schein,

Und sie legt ein Gewebe, schwarz und dicht,

Auf den Stuhl von Elfenbein.

 

Ein tritt Gorm Grymme. Es zittert sein Gang, !!! Inversion, Satzumstellung, das Wichtigste kommt am Schluss.

Er schreitet wie im Traum,

Er starrt die schwarze Hall‘ entlang, = Wieder Anapher, man konzentriert sich auf den Mann als Person.

Die Lichter, er sieht sie kaum,

Er spricht: »Es weht wie Schwüle hier,

Ich will an Meer und Strand,

Reich meinen rot-goldenen Mantel mir

Und reiche mir deine Hand.«

 

Sie gab ihm um einen Mantel dicht,

Der war nicht golden, nicht rot,

Gorm Grymme sprach: »Was niemand spricht,

Ich sprech‘ es: er ist tot.«

Er setzte sich nieder, wo er stand,

Ein Windstoß fuhr durchs Haus,

Die Königin hielt des Königs Hand,

Die Lichter loschen aus. !!! Symbol für die Situation

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