Anmerkungen zum Gedicht „morgenschauer“ von Nadja Küchenmeister

Überschrift

  • Die Überschrift ist ein Kompositum aus der Tageszeit und entweder einen kurz niedergehenden  Regen oder einem unangenehmen Gefühl, wobei beides durchaus zusammen auftreten kann.

Strophe 1

  • Das Gedicht beginnt mit dem Hinweis auf Nebel und der taucht in der Regel nicht zusammen mit einem Regenguss auf, so dass es hier wohl tatsächlich um dieses negative Gefühl gibt, das häufig mit Frösteln verbunden ist.
  • Es folgen dann zwei negative Tätigkeiten, die dem Nebel zugeschrieben werden. Zum einen überfällt er Berge, womit wohl vor allem das Einhüllen gemeint ist. Dann wird noch der Anfang des Prozesses beschrieben, der zur Ausbreitung des Nebels im Bereich von hohen Bäumen. Auch hier bleibt der Eindruck einer gewaltsamen Annäherung erhalten. Dass das mit „metallisch“ verbunden wird, ist wohl eine sehr subjektive Empfindung des lyrischen Ichs. Das Aggressive setzt sich dann fort im Hinblick auf die gesamte Beschreibung des Morgens. Nicht ganz überzeugend ist, dass der Tageszeit auch noch eine Auswirkung auf ein Straßenschild zugeschrieben wird.
  • Insgesamt stellt die erste Strophe eine zwar individuelle, aber beeindruckend anschauliche Schilderung eines speziellen Tagesbeginns dar.

Strophe 2

  • Die zweite Strophe wendet sich dann einer Person zu. Möglicherweise meint das lyrische Ich sich hier selbst, spricht sich also an.
  • Überraschenderweise wird dabei im Inneren ein Tier gesehen, das die Außenwelt wahrnimmt.
  • Das wird aber nicht weiter verfolgt, sondern es folgen zwei Wahrnehmungen aus der Perspektive des lyrischen Ichs.

Strophe 3

  • Überaus gewagt ist dann die Fortsetzung in dieser Strophe, weil davon ausgegangen wird, dass irgendjemand schon mal ein besonderes Geräusch, das beim Särge-Putzen entsteht, wahrgenommen hat – und dann auch noch aus der Ferne.
  • Man merkt hier deutlich, dass wie in vielen Gedichten des Expressionismus ziemlich willkürlich Elemente der Außenwelt mit inneren Gefühlen verbunden werden.
  • Unklar bleibt auch, was an alten Märchen dumpf sein könnte.
  • Dann wird wieder auf das Innere Tier zurückgegriffen, das offensichtlich sich auch auf aggressives Verhalten vorbereitet.

Strophe 4

  • Diese Strophe setzen sich die sehr individuellen Wahrnehmungen und Zuschreibungen fort, denn nicht jeder Leser verbindet mit feuchten Sommerreifen Trauer.
  • Überraschend wird dann übergeleitet zu einer Situation nach dem Schauer des Morgens, wenn die Luft klarer wird und sich bei dem einen oder anderen Betrachter so etwas wieder Heiterkeit einstellt, die im Gegensatz zu der vorher genannten Schwere steht.

Strophe 5

  • Hier wird noch einmal auf das innere Tier eingegangen, das jetzt müde ist, wovon auch immer.
  • Dass die Pappeln dann noch irgendetwas erzählen, bleibt völlig isoliert genauso wie der Hinweis auf die Königin der Nacht, die plötzlich aufblüht.

Gesamteindruck

Insgesamt ein Gedicht, das nicht sehr leserfreundlich ist, weil zu vieles sehr subjektiv und damit wenig nachvollziehbar erscheint.

Natürlich darf es auch solche Gedichte geben, aber so ist es weit entfernt von Beliebigkeit und dem Verdacht, dass man sich hier mehr geheimnisvoll geben möchte, als der Text es wirklich hergibt.

Übrigens wie schon angedeutet eine Gemeinsamkeit mit Gedichten des Expressionismus, bei denen man häufig auch das Gefühl hat, dass sie vorwiegend aus Provokation bestehen, d.h. aus einem sehr subjektiven Ausbruch von Gefühlen, die dann mit irgendwelchen Elementen der Außenwelt zusammengeklebt werden. Die Interpretation muss sich dann damit begnügen, dem nachzuspüren, was als Gefühl sich dann auf irgendeine Weise sprachlich nach außen gedrängt hat.

Aussagen / Intentionalität

In diesem Fall zeigt das Lied

  • das, was im Titel schon angedeutet wird, nämlich einen speziellen Schauer, den jemand am Morgen verspüren kann,
  • dass Nebel und Tau zu dieser Tageszeit nicht als schön empfunden werden, sondern als Bedrohung.
  • dass am Ende doch der Sonnenschein kommt – und damit das Geschenk eines neuen Tages, auch wenn der das innere „Tier“ wahrscheinlich nur für einige Zeit aus dem Verkehr zieht.

Weiterführende Hinweise