Oleolegua, „Man sieht es den Leuten doch an“ (Mat4169-msa)

  • Die Dramatik der Kurzgeschichte „Oleolegua Man sieht es den Leuten doch an“ entwickelt sich durch eine gezielte Steigerung von Vorurteilen hin zu einer aggressiven kollektiven Ablehnung, die am Ende durch eine unerwartete Wendung aufgelöst wird.
  • Hier ist ein Überblick über die entscheidenden Erzählschritte:
  • Die Exposition mit ihrem Vorurteil: Die Handlung beginnt in einer Bäckerei, in der ein 14-jähriger Junge aufgrund seines Aussehens sofort als Außenseiter markiert wird.
  • Die wartende Menge denkt unmittelbar: „Sicher kein Deutscher“.
  • Die Spannung wird durch den vor der Tür wartenden Mercedes mit laufendem Motor verstärkt, was als Provokation empfunden wird.
  • Die scheinbare Bestätigung von Klischees:
    Als der Junge die Bäckerei verlässt, entladen sich die Vorurteile der Umstehenden in Pauschalisierungen über Ausländer, die angeblich „von der Sozialhilfe leben und mit dicken Autos rumfahren“.
  • Sogar der Ich-Erzähler ertappt sich bei ähnlichen Gedanken.
  • Der vermeintliche Konflikt (Steigerung):
    Die Situation eskaliert dramatisch, als der Junge zurückkehrt und behauptet: „Sie haben mir falsch rausgegeben“.
    Die Menge vermutet sofort einen Betrugsversuch („der gute alte Wechselgeldtrick“) und die Stimmung schlägt in offene Aggression um:
    Man ist bereit, den Jungen oder seinen Vater sogar zu „verprügeln“.
  • Die kollektive Frontbildung:
    Es bildet sich eine Gemeinschaft gegen den Jungen.
  • Ein Mann im Overall behauptet fälschlicherweise, alles sei korrekt gelaufen, während eine ältere Dame von einer „Betrügerbande“ spricht.
  • Die Dramatik erreicht ihren Höhepunkt in verbalen Vertreibungsrufen wie: „Sieh zu, dass Du Land gewinnst!“ und rassistischen Anfeindungen.
  • Der Wendepunkt und die moralische Auflösung:
    Die Spannung entlädt sich in einem völlig unerwarteten Moment der Ehrlichkeit.
  • Der Junge klärt auf, dass er zu viel Wechselgeld erhalten hat: „Sie haben auf 100 Euro rausgegeben, ich habe aber nur mit einem 50er bezahlt“.
  • Dieser Satz entlarvt die moralische Überlegenheit der Umstehenden als blindes Vorurteil.
  • Diese Schritte zeigen eindrucksvoll, wie schnell eine Alltagssituation durch rassistische Denkmuster an Gefährlichkeit gewinnen kann.
  • Man kann sich allerdings fragen, wie realistisch dieses Ausmaß an Ausländerfeindlichkeit heute noch in Deutschland ist. Wir hoffen natürlich, dass sich hier einiges zum Positiven hin geändert hat.
    Interessant, dass der Verfasser dieser Geschichte es so darstellt, dass sie auf einem realen Vorfall beruht.
    https://www.leselupe.de/lw/titel-Vorurteile-121965.htm
  • Man kann aber auch von anderen Situationen ausgehen, in denen man auf eine ähnliche Art und Weise im positiven Sinne enttäuscht worden ist, komme also von einem Vorurteil befreit worden.
    Zum Beispiel könnte man einen Streit gehabt haben. Bei der nächsten Gelegenheit kommt der andere wieder auf einen zu. Man nimmt instinktiv eine Abwehrhaltung ein. Dann stellt sich heraus, dass der andere sich entschuldigen will.