Schiller, Wilhelm Tell, Akt III, Inhalt-Zitate-mp3 (Mat 8012)

Was wir mit „hören-lesen-verstehen“ anbieten

Wir stellen hier im Folgenden den III. Akt von Schillers Drama „Wilhelm Tell“ zusammenfassend vor.
Dabei geht es uns darum,
  • dass jeder schnell versteht, worum es geht,
  • die wichtigsten Textstellen kennt – und möglichst auch in der eigenen Ausgabe anstreichen kann,
  • was dadurch unterstützt wird, dass wir eine begleitende mp3-Datei bereitstellen, die man sich „auf die Ohren legen“ kann. Dann hat man die Augen und die Hände frei für den eigenen Text,
  • man sich klar darüber wird, welche Bedeutung diese Szene hat
  • und manchmal auch, was man mit dieser Szene machen könnte.

Übersicht über den kompletten Akt III : Höhe- und Wendepunkt

Das Folgende gibt es auch als mp3-Datei, die kann man sich direkt auf die Ohren legen und dann im eigenen Text die wichtigen Textstellen anstreichen.

mp3-Zusammenfassung Akt III

Voraussetzungen des III. Aktes: Welche Momente aus den ersten beiden Akten spielen im dritten eine Rolle?
Dazu muss man sich zunächst den Inhalt klar machen, denn davon hängt ab, was aus früheren Szenen in diesem Akt eine Rolle spielt
Inhalt des III. Aktes in Kurzform:
  • Szene 1: Gespräch zwischen Tell und seiner Frau: Die ist nicht glücklich mit den zum Teil waghalsigen Aktionen ihres Mannes und möchte auch nicht, dass er nach Altdorf, gewissermaßen in die Höhe des Löwen geht und dabei auch noch einen Sohn mitnimmt. Tell dagegen zeigt wie immer viel Wagemut und Selbst- bzw. Gottvertrauen.
  • Szene 2: Rudenz und Berta haben im Rahmen eines Jagdausflugs die Gelegenheit, sich endlich mal unter vier Augen auszusprechen. Dabei wird deutlich, dass Rudenz völlig falsch lag, wenn er glaubte, nur auf der Seite Österreichs an diese Frau heranzukommen. Ganz im Gegenteil, er wird sogar von ihr deswegen kritisiert. Dann aber klärt sich alles und gemeinsam wollen sie jetzt an die Seite der bedrängten Schweizer treten.
  • Szene 3: Hier kommt es zum Showdown zwischen Tell und dem Vogt, weil der Hüt nicht gegrüßt wurde. Um einer Strafe zu entgehen, muss Tell einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Das gelingt, aber er wird trotzdem verhaftet, weil er dem Vogt auf seine Frage wahrheitsgemäß sagt, dass er ihn im Falle eines Fehlschusses mit einem zweiten Pfeil getötet hätte.
Voraussetzungen:
  • Tell hat schon in der ersten Szene seinen Mut bewiesen und einen Flüchtling vor österreichischer Verfolgung gerettet.
  • Er will aber nicht an den Aufstandsvorbereitungen teilnehmen, ist aber bereit zum Mitmachen, wenn er für eine Tat gebraucht wird.
  • Rudenz hat sich in einem Streitgespräch mit seinem Onkel ganz eindeutig für Österreich entschieden, um Berta zu gewinnen.
  • Berta wiederum hat nach einem Unglücksfall beim Bau einer Zwingburg ein Herz für die Unterdrückten bewiesen, ist vom Volk aber zurückgewiesen worden, weil sie als Vertreterin Österreichs gilt.

Überblick mit Infos und Schlüsselzitaten – Szene 1

1.) Info: Tell und seine Frau haben unterschiedliche Meinungen zum Thema Gefahr.
Tell ist an seinem Haus mit der Reparatur eines Tores beschäftigt, während seine beiden Söhne mit kleinen Armbrustwaffen spielen.
Deutlich werden die unterschiedlichen Auffassungen, was den Umgang mit Gefahren angeht.

Dazu erklärt Tell 1486ff:

Zum Hirten hat Natur mich nicht gebildet,
Rastlos muss ich ein flüchtig Ziel verfolgen,
Dann erst genieß ich meines Lebens recht,

Wenn ich mirs jeden Tag aufs neu erbeute.
 
Daraufhin seine Frau 1491ff:
Und an die Angst der Hausfrau denkst du nicht,
Die sich indessen, deiner wartend, härmt,
Denn mich erfüllts mit Grausen, was die Knechte
Von euren Wagefahrten sich erzählen.
Bei jedem Abschied zittert mir das Herz,
Dass du mir nimmer werdest wiederkehren.
Tell daraufhin wiederum ab 1509:
Wer frisch umherspäht mit gesunden Sinnen,
Auf Gott vertraut und die gelenke Kraft,
Der ringt sich leicht aus jeder Fahr und Not,
Den schreckt der Berg nicht, der darauf geboren.

2.) Info: Tell will nach Altdorf, seine Frau fürchtet, dass es da zum Zusammenstoß mit dem Vogt kommt.

Die Sorgen von Hedwig, Tells Frau, werden noch konkreter, als der nach Fertigstellung des Tors seinen Hut nimmt und aufbrechen will. Auf Nachfrage erklärt er, dass er nach Altdorf will, um dort seinen Schwiegervater zu besuchen. Hedwig ist voller Sorge, dass Tell dort bei der Aktion der Rütli-Verschwörer mitmachen wird.

TELL.
Ich war nicht mit dabei – doch werd ich mich
Dem Lande nicht entziehen, wenn es ruft.
HEDWIG.
Sie werden dich hinstellen, wo Gefahr ist,
Das Schwerste wird dein Anteil sein, wie immer.
TELL.
Ein jeder wird besteuert nach Vermögen.

3.) Info:
Was den Vogt angeht, so hat Tell vor ihm keine Angst, weil er ihn im Gebirge mal verschont hat. Hedwig sieht gerade darin eine Gefahr:
1571ff: HEDWIG.
Er hat vor dir gezittert – Wehe dir!
Dass du ihn schwach gesehn, vergibt er nie.
TELL.

Drum meid ich ihn, und er wird mich nicht suchen.
Am Ende nimmt Tell sogar – zum Entsetzen seiner Frau – noch seinen älteren Sohn Walther mit.

Überblick mit Infos und Schlüsselzitaten – Szene 2

Info: Rudenz und Bertha lernen sich endlich wirklich kennen und möchten eine gemeinsame Zukunft

Rudenz und Bertha sind endlich mal auf einer Jagdpartie in den Bergen allein und können miteinander reden.
Der Mann möchte seine Liebe gestehen, Bertha allerdings übt Kritik an ihm (1601ff)

BERTHA ernst und streng.
Dürft Ihr von Liebe reden und von Treue,
Der treulos wird an seinen nächsten Pflichten?
Rudenz tritt zurück.
Der Sklave Österreichs, der sich dem Fremdling
Verkauft, dem Unterdrücker seines Volks?
RUDENZ.
Als Rudenz dann ganz erstaunt ist, das von einer österreichischen Adligen zu hören, erklärt Bertha ihm 1662ff:
Hofft nicht, durch Östreichs Gunst mich zu erringen,
Nach meinem Erbe strecken sie die Hand,
Das will man mit dem großen Erb vereinen.
Dieselbe Ländergier, die Eure Freiheit
Verschlingen will, sie drohet auch der meinen!
– O Freund, zum Opfer bin ich ausersehn,
Vielleicht um einen Günstling zu belohnen –
Dort wo die Falschheit und die Ränke wohnen,
Hin an den Kaiserhof will man mich ziehn,
Dort harren mein verhaßter Ehe Ketten,
Die Liebe nur – die Eure kann mich retten!
Daraufhin RUDENZ 1723ff:
Doch wie mich retten – wie die Schlinge lösen
Die ich mir töricht selbst ums Haupt gelegt?
BERTA.
Zerreiße sie mit männlichem Entschluß!
Was auch draus werde – Steh zu deinem Volk,
Es ist dein angeborner Platz.
[…] Kämpfe
Fürs Vaterland, du kämpfst für deine Liebe!
Es ist ein Feind, vor dem wir alle zittern,
Und eine Freiheit macht uns alle frei!

Überblick mit Infos und Schlüsselzitaten – Szene 3

1. Info:
Friesshardt und Leuthold, zwei Soldaten des Vogts halten Wache am Hut und finden erst mal keinen, den sie verhaften können.
Dann taucht Tell mit seinem Sohn auf und der ruft aus (1815ff)
WALTER.
Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange.
TELL.
Was kümmert uns der Hut? Komm, lass uns gehen.
Hier weiß man nicht genau, ob Tell wirklich keine Ahnung hat oder eben doch glaubt, da einfach so vorbeigehen zu können. Tatsächlich wäre das wieder ein Beweis, wie wenig der Mann manchmal nachdenkt für einen Helden. Aber er ist wohl mehr nicht, eben kein Anführer, der auch Situationen analysiert und Pläne schmiedet.
2. Info:
Tell soll verhaftet werden, die Schweizer drumherum wollen das verhindern. Schließlich erscheint der Vogt, der jetzt eine Gelegenheit sieht, seine Macht zu zeigen: 1865ff:

GESSLER nach einer Pause.
Verachtest du so deinen Kaiser, Tell,
Und mich, der hier an seiner Statt gebietet,
Dass du die Ehr versagst dem Hut, den ich
Zur Prüfung des Gehorsams aufgehangen?
Dein böses Trachten hast du mir verraten.
TELL.
Verzeiht mir, lieber Herr! Aus Unbedacht,
Nicht aus Verachtung Eurer ists geschehn,
Wär ich besonnen, hieß ich nicht der Tell,

Ich bitt um Gnad, es soll nicht mehr begegnen.
Tell bestätigt hier genau das, was wir vermutet haben. Er ist kein großer Planer, handelt gerne aus dem Moment oder auch aus dem Gefühl heraus.
3. Info:
Der Vogt kommt dann auf die Idee, Tell ein Meisterstück mit der Armbrust abzuverlangen – und sein Sohn liefert auch noch die Idee mit dem Apfel als Ziel. Daraus macht dann der Vogt den teuflischen Plan, einen Vater auf sein Kind schießen zu lassen (1882ff). Wir präsentieren hier eine längere Textstelle, weil dann erst richtig deutlich macht, was für Vorstellungen und Gefühle hier aufeinanderprallen. Das hat maximale Sadistenqualität.
GESSLER.
Nun, Tell! weil du den Apfel triffst vom Baume
Auf hundert Schritte, so wirst du deine Kunst
Vor mir bewähren müssen – Nimm die Armbrust –[979]
Du hast sie gleich zur Hand – und mach dich fertig,
Einen Apfel von des Knaben Kopf zu schießen –
Doch will ich raten, ziele gut, daß du
Den Apfel treffest auf den ersten Schuß,
Denn fehlst du ihn, so ist dein Kopf verloren.
Alle geben Zeichen des Schreckens.
TELL.
Herr – Welches Ungeheure sinnet Ihr
Mir an – Ich soll vom Haupte meines Kindes –
– Nein, nein doch, lieber Herr, das kömmt Euch nicht
Zu Sinn – Verhüts der gnädge Gott – das könnt Ihr
Im Ernst von einem Vater nicht begehren!
GESSLER.
Du wirst den Apfel schießen von dem Kopf
Des Knaben – Ich begehrs und wills.
TELL.
Ich soll
Mit meiner Armbrust auf das liebe Haupt
Des eignen Kindes zielen – Eher sterb ich!
GESSLER.
Du schießest oder stirbst mit deinem Knaben.
4. Info:
Alle Versuche, den Vogt umzustimmen, bringen nichts. Während Rudenz offen für Tell und die Schweizer eintritt, schafft Tell es, den Apfel wirklich zu treffen.
Eigentlich ist Tell jetzt frei, aber es kommt abschließend doch noch zu einem Gespräch, in dem Tell sich um Kopf und Kragen redet, offen und ehrlich wie er ist. Es geht darum, warum Tell vor seinem Schuss noch einen zweiten Pfeil zu sich gesteckt hat.
2052: TELL verlegen.
Herr, das ist also bräuchlich bei den Schützen.
GESSLER.
Nein, Tell, die Antwort lass ich dir nicht gelten,
Es wird was anders wohl bedeutet haben.
Sag mir die Wahrheit frisch und fröhlich, Tell,
Was es auch sei, dein Leben sichr ich dir.
Wozu der zweite Pfeil?
TELL.
Wohlan, o Herr,
Weil Ihr mich meines Lebens habt gesichert,
So will ich Euch die Wahrheit gründlich sagen.
Er zieht den Pfeil aus dem Goller und sieht den Landvogt mit einem furchtbaren Blick an.
Mit diesem zweiten Pfeil durchschoss ich – Euch,
Wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte,
Und Eurer – wahrlich! hätt ich nicht gefehlt.
GESSLER.
Wohl, Tell! Des Lebens hab ich dich gesichert,
Ich gab mein Ritterwort, das will ich halten –
Doch weil ich deinen bösen Sinn erkannt,
Will ich dich führen lassen und verwahren,
Wo weder Mond noch Sonne dich bescheint,
Damit ich sicher sei vor deinen Pfeilen.
Ergreift ihn, Knechte! Bindet ihn!
Als man den Vogt darauf hinweist, dass das gegen die Freiheitsrechte verstößt, die die Schweizer vom Kaiser bekommen haben, erhalten sie nur die Antwort, der neue Kaiser habe sie ja noch gar nicht bestätigt.
Als Tell dann wirklich Richtung Gefängnis weggeschafft wird, sind alle ziemlich verzweifelt.
Stauffacher erklärt in 2091

O nun ist alles, alles hin! Mit Euch
Sind wir gefesselt alle und gebunden!
LANDLEUTE umringen den Tell.
Mit Euch geht unser letzter Trost dahin!“

Dramatische Situation am Ende des III. Aktes

  1. Wilhelm Tell ist mal wieder richtig unbedacht und bringt sich und seinen Sohn Walther in eine lebensgefährliche Situation, als er gegen den Rat seiner Frau nach Altdorf geht und dort den Hut des Vogtes nicht grüßt.
  2. Das führt allerdings zum Höhe- und Wendepunkt des Dramas, weil der Vertreter des Kaisers sich zu einer abscheulichen Forderung hinreißen lässt, die Tell zwar erfüllt, die ihn aber jetzt erstmals dazu bringt, einen Plan, nämlich die Ermordung des Vogtes,  zu entwickeln.
  3. Ein zweiter Höhe- und Wendepunkt ist mit Rudenz verbunden, der endlich erfährt, wie Bertha wirklich denkt. Dies führt dazu, dass er zu den Schweizern übergeht und ihren Freiheitskampf unterstützt.

Unser Video: Konflikt-Entwicklung im III. Akt

Das Video ist auf Youtube unter  der folgenden Adresse zu finden:

Video-Dokumentation

Mat1561VidBegl-Beispiel-dramatische-Analyse-Wilhelm-Tell-Akt-III

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