Trakl, „In den Nachmittag geflüstert“ – die ganze Breite der Herbstgefühle mit Aktualisierungsangebot (Mat4729)

Worum es hier geht

Das Gedicht „In den Nachmittag geflüstert“ von Georg Trakl zeigt die Vielfalt der Gefühle und Gedanken im Herbst.

Kurzvorstellung des Gedichts

Thema

Thema des Gedichtes ist der Herbst mit den Gefühlen, die er auslöst und die vom Lyrischen Ich – wie der Titel es andeutet – in einer Art Selbstgespräch vor sich hin geflüstert werden.

Strophe 1

  • Sonne, herbstlich dünn und zag,
  • Und das Obst fällt von den Bäumen.
  • Stille wohnt in blauen Räumen
  • Einen langen Nachmittag.

Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der Situation im Herbst, die von abnehmendem Licht, fallendem Obst und großer Stille gekennzeichnet ist.

  • Sterbeklänge von Metall;
  • Und ein weißes Tier bricht nieder.
  • Brauner Mädchen rauhe Lieder
  • Sind verweht im Blätterfall.

Die zweite Strophe ist dann deutlich heftiger, weil sie den Tod thematisiert, der mit dem Herbst und dem aufkommenden Winter verbunden sein kann. Dieser extreme Bereich wird aber schnell wieder verlassen – stattdessen wendet sich das Lyrische Ich dem Gesang zu, den es vielleicht während der Erntearbeit gehört hat und der ihm jetzt fehlt.

Strophe 3

  • Stirne Gottes Farben träumt,
  • Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.
  • Schatten drehen sich am Hügel
  • Von Verwesung schwarz umsäumt.

Die dritte Strophe ist dann am schwersten zu interpretieren: Ohne klare grammatische Zuordnung werden eine Stirne, Gottes Farben und Träumen miteinander verbunden. Vielleicht soll gezeigt werden, was sich alles hinter der „Stirne“ eines Menschen oder auch speziell des Lyrischen Ichs abspielt: Auf der einen Seite der Traum von oder in Gottes Farben, wie sie der Herbst präsentiert. Auf der anderen Seite bereits der Wahnsinn, d.h. der Verlust klaren Denkens, allerdings durch „sanfte Flügel“ abgemildert. Am Ende der Strophe stehen dann wieder düstere Elemente, die wieder an den Tod erinnern.

Strophe 4

  • Dämmerung voll Ruh und Wein;
  • Traurige Guitarren rinnen.
  • Und zur milden Lampe drinnen
  • Kehrst du wie im Traume ein.

Die letzte Strophe zeigt dann wohl den Rückzug ins Haus: Dort gibt es nur noch „traurige Gitarren“ mit ihrer Musik, passend zur Jahreszeit, aber eben auch Ruhe, Licht und Wein. Die Gedanken und Gefühle von draußen aber werden mitgenommen, „wie im Träume“.

Klausurbedeutung

Klausurbedeutung: @@@@
(Die Anzahl der @-Zeichen macht unsere Einschätzung der Klausurbedeutung sichtbar – wie die Sternchen bei Hotel-Bewertungen!)

Das Gedicht kann für eine Klausur durchaus in Frage kommen – von der Länge her und von der Vielfalt der Signale und Bezüge zum Expressionismus. Schwierigkeiten dürfte aber die dritte Strophe machen – hier sollte im Unterricht vorher besprochen worden sein, wie man mit solchen Textstellen umgeht.

Anregungen

  1. Interessant könnte es sein, das stark assoziative, von Einfällen lebende und an Gefühlen orientierte Darstellungsverfahren des Gedichtes mal selbst auszuprobieren. Am besten nimmt man die Jahreszeit, die gerade ansteht, während man das Gedicht liest.
  2. Am besten schreibt man alles auf, was einem dazu einfällt, und ordnet es dann so an, dass zumindest zwei Verszeilen gut zueinander passen.
  3. Auf Reim sollte man verzichten, um das Projekt nicht unnötig zu erschweren.

Beispiel: Ein Nachmittag, an dem nach großer Hitze ein Gewitter kommt

Es geht hier nicht um irgendeine „große“ Lösung, sondern es soll gezeigt werden, wie man Gedanken und Empfindungen einfach in Verszeilen und Strophen verwandeln kann.

Morgens schon Fenster zu
In Erwartung erneuter Hitze
Laut Wetterbericht
sogar noch mit Steigerung.
Dann aber Rückzug der Sonne
zunächst nur kurzzeitig
dann aber immer mehr
und Aufzug dunkler Wolken

usw.

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