Wer wenig Zeit hat: : das Wichtigste!
1. Die Besonderheit pragmatischer Texte
- In der Klausur geht es wahrscheinlich um die Analyse und Auswertung eines pragmatischen Textes.
Darunter versteht man Texte, die eine Meinung zu einem Sachverhalt enthalten.
Sie enthalten also Thesen und dann natürlich auch Argumente, Beispiele.
Und vor allem versuchen sie, etwas zu erreichen, was zwischen „überzeugen“ und „überreden“ liegt.- Überzeugen: man hat wirklich etwas in der Hand und versucht, es argumentativ rüberzubringen, sodass man das nachvollziehen kann.
- Überreden: man setzt nur oder auch Mittel ein, die dazu führen, dass der Leser die Meinung übernimmt. Man hebt alles hervor, was dafür spricht. Man stuft herab oder blendet aus. Was dagegen spricht. Man arbeitet stark mit einzelnen Beispielen und mit Emotionen.
Beispiele dienen immer nur der Veranschaulichung, sie sind keine Argumente.
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2. Wie man den Text zeitsparend liest
- Wenn man in der Klausur einen Text bekommt, liest man ihn sich am besten einmal durch und hält auf einem zweiten Zettel rechts daneben in vier Spalten das fest, was wichtig ist.
- Die erste Spalte beschreibt den Aufbau des Textes, wie die Gedanken angeordnet werden.
- In der zweiten Spalte kann man sich die Vermutung notieren, worauf das Ganze hinausläuft. Was sollen wir am Ende wissen/glauben?
- In der zweiten Spalte kann man sich mit Abkürzungen schon mal sprachliche Mittel notieren, damit man hinterher auf einen Blick sofort sieht, wie viele Metaphern es gibt. Viel wichtiger sind bei diesen pragmatischen Texten aber eigentlich die so genannten rhetorischen Mittel. Das sind zum Beispiel Übertreibungen, die ein Problem besonders groß darstellen sollen. Man erzeugt über Beispiele einseitige Gefühle. Man blendet Dinge aus oder macht sie lächerlich, die gegen die eigene Meinung stehen.
3. Der Einleitungssatz – mit „Verzögerung“
- Dann kann man schon die Einleitung schreiben, den Titel, den Verfasser und den Erscheinungsort nennen.
- Das Thema und gegebenenfalls auch eine Zusammenfassung der Position lässt man erst mal offen. Das kann man nämlich erst beschreiben, wenn man den Text komplett verstanden hat, und das ist manchmal erst am Ende der Klausur so. Wichtig ist, sich einen Erinnerungszettel hinzulegen, dass man die freigelassenen Zeilen hinterher noch füllt.
4. Klärung des Aufbaus des Textes
- Wichtig ist, sich nach dem Lesen den Aufbau des Textes klar zu machen.
- Wer hier nämlich Übersicht zeigt, hat sofort mehr Punkte.
- Pragmatische Texte haben immer erst mal einen sogenannten Argumentationsansatz. Damit ist ein Ausgangspunkt gemeint. Häufig ist das ein Problem. Im nächsten Punkt werden die Ursachen geklärt.Und am Ende kommen Vorschläge oder Ideen zur Lösung.
- In dem beschreibenden Text, den wir weiter unten vorstellen, sieht das zum Beispiel so aus:
- Am Anfang werden die positiven Hoffnungen beschrieben, die mit dem Aufkommen der sozialen Medien verbunden waren: mehr Leute konnten sich zu Wort melden.
- Dann wird auf die damit verbundenen negativen Phänomene verwiesen, wie eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Je mehr Meinungen es gibt, desto mehr Streit ist auch möglich.
- Dann wird genauer auf die Ursachen eingegangen, die sich im Umfeld der sozialen Medien auswirken.
- Am Ende werden Überlegungen angestellt, was man tun kann..
5. Zusammenfassende Auswertungen des Textes
- Zunächst geht es darum, den Inhalt und seine Richtung zusammenzufassen. Am besten geht das, wenn man den Satz fortsetzt: Der Text macht deutlich. Wichtig ist, dass man dann möglichst mehrere Aussagen ermittelt und sich nicht auf eine beschränkt.
— - Dann geht es um die Frage, welche sprachlichen und vor allen Dingen rhetorischen Mittel verwendet werden.
Etwas wird dadurch zu einem Mittel, das Wirkung erzeugt und das heißt, in diesem Falle die Aussage des Textes unterstützt
Im Unterschied zu Gedichten wird man normalerweise in einem pragmatischen Text nicht so viele ausgeklügelte Mittel finden. Am besten fragt man sich: Was macht bei diesem Text Eindruck, und wodurch kommt das? Das können vor allen Dingen Übertreibungen sein. Emotional wirksame Bilder, Gegensätze. Vor allem alles, was die eigene Meinung hervorhebt und gegen Meinungen eher herabstuft. Am schwierigsten zu erkennen ist das, was bewusst ausgeblendet wird. Aber das sollte man nicht vergessen, und dabei ist natürlich hilfreich, wenn man sich bei dem Thema einigermaßen auskennt.
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Im Falle des unten besprochenen Textes ist das vor allem die Frage, ob nicht auch die, die in Medien und der Politik das Sagen haben, auch allerlei Tricks anwenden, die der eigenen Meinung dienen. Die einzelnen Nutzer sind hier vielleicht manchmal mehr Opfer als Täter, wenn es um Einseitigkeiten geht oder im Extremfall sogar persönlicher Herabwürdigungen. (Sogenannte „Ad-personam-Argumente“: Beispiel: „Ein typisches Beispiel für die Ahnungslosigkeit von …“) Oder: „So ist das eben, wenn man seine persönlichen Interessen ins Spiel bringt.“) Das sind typische Andeutungen, die gegen eine Person gehen und selbst noch nicht viel besagen.
6. Exkurs: Zum größeren Rahmen der Meinungsbildung heute
Das Folgende ist nur unser Versuch, das Thema der Meinungsbildung heute „beyond the books“ zu sehen – also auch darüber hinaus, was in allen Schulbüchern zu finden und im Unterricht gelehrt wird.
Auf der folgenden Seite
https://textaussage.de/aktuelle-herausforderungen-fuer-die-demokratie
Beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Faktoren auch in einer Demokratie die Meinung beeinflussen und im Einzelfall sogar steuern können?
Siehe, wir sind erst vor Kurzem durch den Hinweis auf Michel Foucault darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich jeder Mensch in einem ganz bestimmten Meinungskontext bewegt, der ihn viel stärker festlegt, als er selbst denkt.
Außerdem geht es dabei um die besonderen Schwierigkeiten, die Forderung von Immanuel Kant zu erfüllen, „Sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“ (das geht ja noch), aber ohne die Hilfe – und wir ergänzen: den Einfluss anderer, die eben in einer Gesellschaft das Sagen haben.
7. Stellungnahme zum Text
- Hier ist es immer sinnvoll, am Anfang hervorzuheben, was der Text leistet. Das Minimum ist, dass er ein wichtiges Thema anspricht.
- Dann geht man die Aussagen durch und prüft, inwieweit sie überzeugen und wo sie das auch nicht tun.
- Vor allem ist wichtig, auf Dinge einzugehen, die entweder zu wenig ausgeführt werden oder gar nicht auftauchen.
- In diesem Zusammenhang sollte man auf jeden Fall auch ansprechen, inwieweit der Text eher sachlich bleibt oder mit Emotionalisierungen arbeitet. Im Extremfall kann er sogar demagogisch sein, also das Ziel haben, Leute in eine schlechte Richtung zu führen.
- Sehr schön ist natürlich, wenn man selbst auch noch eine Idee einbringen kann.
So weit unser Versuch einer Kurzfassung. Ab hier gehen wir jetzt genauer auf einzelne Aspekte ein und zeigen auch am Beispiel eines Textes, wie Analyse und Stellungnahme aussehen können.
Nun zu den Details: Was sind „pragmatische“ Texte?
- Pragmatische Texte sind das Normalste von der Welt.
- Denn bei Sprache geht es weniger um Wahrheit als um Wirkung.
- Also immer, wenn ein Text in einer bestimmten Situation etwas erreichen soll, ist das ein pragmatischer Text.
- Man kann sich das merken: mit Doppelpunkt, gehen wir das doch mal ganz pragmatisch an. Gemeint ist damit: so, wie es in der Praxis gut funktioniert und wirkt.
—- Eins der extremsten Beispiele für pragmatische Texte ist das Wort „Ja“ als Antwort auf die entsprechende Frage des Standesbeamten.
Einordnung in das System der Textsorten im Deutschunterricht
- Im Deutschunterricht unterscheidet man verschiedene Textsorten. Im Kopf hat man meistens die drei Varianten im Kopf.
- Die epische Variante bezieht sich auf erzählende Texte, kurzgeschichten, Romane und Ähnliches
— - Bei der lyrischen Variante geht es um Gedichte.
— - Und die Dramatik steht in Theaterspielen im Vordergrund. Da geht es mehr oder weniger immer um einen Konflikt.
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- Die epische Variante bezieht sich auf erzählende Texte, kurzgeschichten, Romane und Ähnliches
- Diese und ähnliche Texte kann man insgesamt als literarisch bezeichnen. Das Besondere an ihnen ist, dass sie gewissermaßen spielerisch eine eigene Welt schaffen. Dazu gehört vor allem, dass man den Autor nicht gleichsetzen darf mit dem Erzähler oder dem lyrischen Ich.
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Pragmatische Texte
- In der normalen Welt spielen literarische Texte nur eine Nebenrolle. Man denke etwa an Gedichte bei Hochzeiten.
- Aber wenn es da humorvolle Verse gibt, die sich konkret auf das Brautpaar beziehen, handelt es sich zwar weiterhin um ein Gedicht, aber eigentlich ist es vom Wirklichkeitsbezug her ein sogenannter Sachtext.
- Das sind nämlich Texte, die nicht sachlich sein müssen, sich aber auf einen Sachverhalt beziehen.
— - Und wenn es schlecht läuft in einer geschlossenen Ehe, dann wird einer der Partner irgendwann von folgendem Sachtext erschreckt: „Also guck mal, jetzt reicht es mir. Das ist das Schlimmste, was mir ein Mensch jemals angetan hat. Ich denke, wir sollten uns trennen.“ Hier sieht man deutlich, dass der Text emotional ist, sich aber eindeutig auf den Sachverhalt der gemeinsamen Beziehung und die aktuelle Situation bezieht.
— - Solche Texte, in denender Kontext und die Absicht eine zentrale Rolle spielen, nennt man pragmatisch. Dieses Wort bezieht sich auf Handlungen zwischen Menschen. Entsprechende Äußerungen werden auch als Sprechakt bezeichnet. Diese Wortverbindung macht ganz deutlich, dass man eben auch durch Sprechen handeln kann. Die kürzeste Form eines solchen Sprechaktes ist das „Ja“ vom Traualtar.
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- In der Germanistik und Textlinguistik befasst sich die Teildisziplin der Pragmatik explizit mit der Dimension der Sprache, bei der es um das konkrete Handeln, die Sprecherabsicht (Intention) und die situativen Rahmenbedingungen (Kontext) geht.
— - In Abgrenzung zu fiktionalen (literarischen) Texten zeichnen sich pragmatische Texte dadurch aus, dass sie eine direkte Funktion in der Realität erfüllen – sie wollen informieren, überzeugen, argumentieren oder den Leser zu einer Handlung bewegen. Genau diese Textform steht im Fokus der zentralen Klausur 2026.
Claude.ai: Was sind denn dann „Sachtexte“?
Sachtext ist der weitere Begriff. Er meint alle Texte, die sich mit der Wirklichkeit befassen – also nicht fiktional sind. Darunter fallen Beschreibungen, Berichte, Lexikonartikel, aber auch Kommentare und Reden.
Pragmatischer Text betont dagegen die Handlungsabsicht. Der Begriff kommt von griechisch pragma (Handlung, Tat). Ein pragmatischer Text will etwas bewirken – er ist auf eine konkrete Wirkung in der Welt ausgerichtet.
Das folgende Beispiel trifft das gut:
- Eine Beschreibung („Der Wald besteht aus Buchen und Eichen“) ist ein Sachtext, aber wenig pragmatisch – sie informiert, ohne eine Reaktion zu fordern.
- Ein Appell („Schützt den Wald!“) ist hochgradig pragmatisch – er will das Verhalten des Lesers verändern.
Man könnte also sagen: Alle pragmatischen Texte sind Sachtexte, aber nicht alle Sachtexte sind pragmatisch. Der Pragmatische hat immer ein Ziel jenseits der reinen Information.
Interessant wird es bei Zwischenfällen – etwa einem sachlich formulierten Bericht, der durch Auswahl und Gewichtung der Fakten dennoch unterschwellig appelliert. Da verschwimmt die Grenze, was für die Textanalyse im Deutschunterricht natürlich besonders fruchtbar ist.
Claude.ai Zum Thema Sachlichkeit von Sachtexten
„Sachlichkeit“ suggeriert einen Ton, eine Haltung, eine emotionale Neutralität. Das führt im Unterricht zu dem Missverständnis, ein Sachtext dürfe nicht werten, nicht appellieren, nicht emotional sein. Dabei ist ein flammender Zeitungskommentar genauso ein Sachtext wie ein Lexikoneintrag – er bezieht sich eben auf reale Sachverhalte.
„Sachbezogenheit“ dagegen beschreibt das Entscheidende: Der Text hat einen Bezug zur Wirklichkeit, er ist nicht erfunden. Über wie er das tut – sachlich, emotional, ironisch, appellativ – sagt das noch gar nichts.
Das hätte auch praktische Konsequenzen für den Unterricht:
- Schüler würden aufhören, Wertung und Emotion als „unsachlich“ abzustempeln
- Die Textsortenanalyse würde differenzierter, weil Ton und Funktion sauber getrennt werden
- Der Übergang zu Rhetorik und Manipulation wird viel leichter erklärbar
Gemini-Ratschläge zu dem, was man wissen u. können soll
1. Inhaltliche & Analytische Kompetenzen (Was muss verstanden werden?)
Bei einer Sachtextanalyse verlangt das ministerielle Bewertungsraster im Kern folgende Fähigkeiten:
- Textsorte und Kontext bestimmen: Der Schüler muss die Sachtextart (z. B. Kommentar, Essay, Glosse oder wissenschaftlicher Artikel) fehlerfrei identifizieren, den Autor nennen und den medialen Kontext einordnen.
— - Den Argumentationsgang sezieren: Er muss den gedanklichen Aufbau des Textes lückenlos darlegen können. Es reicht nicht, Zeile für Zeile zusammenzufassen; er muss die Funktion der Textabschnitte benennen (z. B. „Der Autor leitet seine Argumentation mit einem persönlichen Paradoxon ein, um im folgenden Abschnitt These X aufzustellen…“).
— - Leserlenkung und Intention entschlüsseln: Der Schüler muss erkennen, was der Autor bezweckt (Intention) und mit welchen strategischen Mitteln er den Leser beeinflussen will (z. B. durch Ironie, das Erzeugen von Wir-Gefühlen oder emotionale Appelle).
— - Sprachliche Analyse: Rhetorische Mittel (Metaphern, rhetorische Fragen, Syntax wie Hypotaxen/Parataxen) müssen nicht nur plump benannt, sondern immer in ihrer Wirkung auf den Inhalt bezogen werden.
— - Mediale Dimension (Inhaltsfeld Medien): Da es 2026 um mediale Informationsdarbietung geht, muss der Schüler Geltungsansprüche prüfen können (Unterscheidet der Text sauber zwischen Fakt und Meinung? Welche Verantwortung trägt der Verfasser?).
2. Darstellerische Kompetenzen (Wie muss es geschrieben werden?)
Das „Wie“ macht im Erwartungshorizont der ZKE fast die Hälfte der Punkte aus (Teilnote Sprache). Hier greift das systematische Handwerk:
- Präzise Textarbeit (Zitiertechnik): Der korrekte Umgang mit direkten und indirekten Zitaten inklusive exakter Zeilenangaben ($Vgl.\;Z.\;12-14$) muss im Schlaf beherrscht werden.
— - Distanzierte Textwiedergabe (Konjunktiv): Bei der Wiedergabe von Autorenmeinungen ist der konsequente und korrekte Einsatz von Konjunktiv I („Der Autor behauptet, die Digitalisierung berge Gefahren…“) absolute Pflicht, um die nötige analytische Distanz zu wahren.
— - Verwendung der Operatoren: Der Schüler muss genau wissen, was die Operatoren verlangen:
- Analysieren/Untersuchen: Kriterienorientiertes Zerlegen des Textes (Inhalt, Form, Sprache) und Verknüpfen der Elemente.
- Erläutern/Erklären: Zusammenhänge durch zusätzliche Informationen verständlicher machen.
- Beurteilen/Stellung nehmen: Ein begründetes, sachliches eigenes Urteil fällen (falls ein weiterführender Schreibauftrag gestellt wird).
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- Strukturelle Klarheit (Lokale und globale Kohärenz): Der Aufsatz braucht einen absolut roten Faden. Einleitung (TATTE-Satz), strukturierter Hauptteil mit sinnvollen Absätzen und Überleitungen sowie ein Fazit, das die Analyseergebnisse bündelt.
Zum Umgang mit der TATTE-Satz-Forderung
TATTE steht für die Pflichtinformationen des Einleitungssatzes einer Sachtextanalyse:
- T – Textsorte (Kommentar, Essay, Glosse, Reportage …)
- A – Autor (Name, ggf. kurze Einordnung)
- T – Titel des Textes
- T – Thema – worum geht es?
- E – Erscheinungsdatum/-ort (Zeitung, Zeitschrift, Online-Medium, Jahr)
Ein ausformuliertes Beispiel würde so klingen:
„In seinem Kommentar (Textsorte) „Digitalisierung ohne Kompass“ (Titel) vom 14. März 2025 (Erscheinungsdatum), erschienen in den Klarfurter Nachrichten (Erscheinungsort), setzt sich der Journalist Anders Freistein (Autor) mit der Frage auseinander, ob der gesellschaftliche Umgang mit KI verantwortungsvoll genug ist (Thema).“
Manche Schulen / Lehrkräfte ergänzen noch ein sechstes Element:
- A – Absicht/Intention des Autors → dann wird daraus TATTEA oder ähnliche Varianten.
Da das in NRW nicht einheitlich geregelt ist, sollte man es gegebenenfalls sicherheitshalber einfügen.
- Unser Experte Anders Freistein empfiehlt:
Gleich am Anfang alles hinschreiben, was sich von selbst ergibt und im Prinzip keine besondere Denkarbeit erfordert, denn es ist ja alles mehr oder weniger angegeben.
Thema und Intention lässt man erst mal frei, weil man das erst füllen kann, wenn man den Text verstanden hat.
—- Aber man muss sich einen Zettel hinlegen, damit man das am Ende nicht vergisst, denn es steht ja am Anfang der Klausur und das guckt sich nicht mehr jeder an.
- Hier also das, was man gleich schreiben kann:
„Bei dem vorliegenden Text aus den klar vorhandenen Nachrichten mit dem Titel „Digitalisierung: nicht schimpfen, sondern intelligent nutzen“ handelt es sich um einen pragmatischen Sachtext.“
—- Und hier das, was man am besten später schreibt, wenn man den Text verstanden hat, aber man darf es nicht vergessen. Also etwas Platz lassen.
Das Thema ist die Frage:
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—- Die Intention des Autors und seines Textes läuft darauf hinaus:
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Zeit sparen durch 4-Spalten-Technik
Wir empfehlen ja schon seit langem, beim ersten Lesen eines Textes sich stichwortartige Notizen zu machen, die man spaltenartig anordnet. Am besten legt man sich ein zweites Blatt neben den Aufgabentext. Dort legt man ungefähr vier Spalten an.
- Spalte 1: Hier notiert man sich den Gedankengang des Textes, auch Argumentationsgang genannt.
— - Spalte 2: Hier notiert man sich die Aussagerichtungen, die im Text deutlich werden. Die erweitern sich natürlich, je weiter man im Text liest.
— - Spalte 3: Hier notiert man sich am besten mit Abkürzungen sprachliche Mittel. Dann sieht man am Ende sofort, wie viele B-Elemente man hat, das kann zum Beispiel für Bilder stehen. Dazu kommen dann Gegensätze und mehr. Insgesamt sollte man bei diesen Texten natürlich berücksichtigen, dass es sich hier mehr um rhetorische Mittel geht, wie zum Beispiel Auseinandersetzungen mit einem Einwand, Beispiel u.ä.
— - Spalte 4: hier kann man sich Notizen machen zur Stellungnahme zu dem Text. Zum Beispiel könnte einem irgendwo Einseitigkeit auffallen – oder auch Elemente wie Aufwertung, Abwertung oder Verschweigen bzw. Ausblenden.
Beispiel: Übungstext aus einem Arbeitsheft
Was dabei herauskommen kann, zeigen wir am Beispiel eines Textes, der in einem Übungsheft des Cornelsen-Verlages zu finden ist.
Texte, Themen und Strukturen – Zentrale Klausur Einführungsphase 2026 Nordrhein-Westfalen – Arbeitsheft mit Lösungen – Hrsg. von Andrea Wagener, Erarbeitet von Christoph Fischer.
ISBN: 978-3-06 -062112-5
Wir präsentieren hier im Folgenden natürlich nicht den Originaltext, sondern zeigen nur, wie wir einem Schüler geholfen haben, damit optimal umzugehen.
TATTE-A Einleitungssatz
TATTE-A: Bei dem Text mit der Überschrift „Zwischen Fortschritt und Empörungsspiralen“: Meinungsbildung in sozialen Medien“ handelt es sich um einen informierenden Sachtext, der in einem Übungsheft des Cornelsen-Verlages zur Vorbereitung der zentralen Klausur im Fach Deutsch in NRW 2026 wahrscheinlich vom Autor des Werkes, Christoph Fischer, erstellt worden ist.
MIA: das sind die Elemente, die man gleich am Anfang in den Einleitungssatz schreiben kann. In diesem Fall kann oder muss man sogar Überlegungen anstellen, von wem dieser Textteil stammt.
Thema des Textes sind die Vorteile, Probleme der Meinungsbildung in sozialen Medien und Tipps zum optimalen Umgang damit.
MIA: Das kann man natürlich erst hinschreiben, wenn man den Text komplett gelesen hat. Also lässt man, wie oben vorgeschlagen, am Anfang ein paar Zeilen frei und fügt das nachträglich ein.
Das Gleiche gilt für die Herausarbeitung der Aussagen.
Die zentralen Aussagen sind zum einen die großen Möglichkeiten der sozialen Medien, um sich eine Meinung zu bilden, aber auch die realen Einschränkungen besonders durch Unkenntnis, Einseitigkeit und Empörungsphänomene und die sich daraus ergebende Notwendigkeit besonderer Aufmerksamkeit und Verantwortung.
Argumentativer Aufbau des Textes
1-14 Der Ausgangspunkt der Argumentation
- Jeder Text, wer etwas bewirken will, braucht erst mal einen Aufhänger. Bei argumentativen Texten hat sich der Begriff „Argumentationsansatz“ eingebürgert. Das heißt, wie der Name es schon ausdrückt: Wo setzt die Argumentation an?
- In den Zeilen 1 bis 14 geht dieser Text von den großen Hoffnungen aus, die mit der Entstehung der sozialen Medien verbunden waren. Dabei geht es vor allen Dingen darum, dass jetzt endlich auch Leute außerhalb des medialen und politischen Profibereichs sich äußern können. Früher hatte man nur die Möglichkeit, etwa einen Leserbrief zu schreiben. Ansonsten bestimmte die Zeitung, worüber berichtet wurde und wie es kommentiert wird. Die Meinungsbildung wurde im Wesentlichen übernommen von den Medien im weitesten Sinne. Und an diese Medien kam man als normaler Mensch nicht einfach ran.
- Die sozialen Medien ermöglichen es jetzt nun jedem, sich öffentlich bemerkbar zu machen. Und es gibt ja auch viele Fälle, in denen Leute innerhalb kürzester Zeit dadurch mit ihrer Meinung bekannt geworden sind.
- Verstärkt wird es natürlich, wenn es sich hier nicht um einzelne Leute handelt, sondern um Gruppen, die sich zum Beispiel für die Interessen bestimmte Minderheiten einsetzen.
15-24 Von der guten Nachricht zum Problem
- Typisch für einen Meinungstext kommt ab Zeile 15 dann die kritische Prüfung des guten Ausgangspunktes.
- In diesem Falle wird darauf hingewiesen, dass tatsächlich vor allem Minderheiten größere Möglichkeiten hatten, sich auch entsprechend in der Öffentlichkeit bemerkbar zu machen.
- Ab Zeile 20 wird dann allerdings darauf hingewiesen, dass das verständlicherweise auch zu einer größeren Spaltung des Meinungsbildes geführt hat. Denn wenn jemand stark für etwas eintritt, was möglicherweise zu Zugeständnissen anderer führen kann, dann gibt es entsprechend auch Gegenwind.
25-36: Versuch der Erklärung des Problems der Spaltung
- Grundsätzlich richtig ist zunächst einmal, dass die stärkere Beteiligung von Leuten im Nicht-Profi-Bereich natürlich dazu führt, dass es weniger Professionalität gibt.
- Die Redakteure von Zeitungen kennen natürlich die Problemzonen, die sie möglichst vermeiden. Da wird genau geprüft, ob etwas stimmt, bevor es gemeldet wird. Und bei den Kommentaren versucht man möglichst auch, viele zu erreichen und nicht zu einseitig zu sein.
- Richtig ist auch, dass es natürlich eine Zunahme von Falschmeldungen und Übertreibungen gibt. Man denke etwa an den Titel von YouTube-Videos, bei denen häufig der Inhalt nicht so ganz dem entspricht, was einen in der Überschrift aufgeregt hat.
- Grundsätzlich richtig ist auch, dass es heute natürlich mehr Komplexität gibt als früher. Aber natürlich gibt es dafür heute auch größere Informations- und Austauschmöglichkeiten unter den Experten.
- Wer ein bisschen Ahnung hat von der Entwicklung der öffentlichen Diskussion, weiß, dass es heutzutage auch so etwas gibt wie einen Meinungskorridor. Forscher müssen zum Beispiel Rücksicht nehmen auf Firmen und Institutionen, die der Universität Gelder zur Verfügung stellen.
- Ob Laien dabei eher die Verursacher von Falschmeldungen sind oder ob sie eher Opfer werden davon, ist eine schwierige Frage.
- Ganz klar ist auf jeden Fall, dass die, die das Sagen haben, immer in der Versuchung sind, die Realität so darzustellen, wie es ihren Interessen entspricht.
36-68 Probleme im Umfeld der sozialen Medien
- Ab Zeile 37 wird dann hervorgehoben, dass wir Menschen dazu neigen, unser Wissen und unsere Urteile zu überschätzen.
- Dem kann man aber entgegensetzen, was Immanuel Kant in seiner Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung?“ gefordert hat: Man soll sich trotzdem seines eigenen Verstandes bedienen. Denn das, was er „Hilfe eines anderen“ nennt, bedeutet, dass man zum Opfer fremder Interessen werden kann.
- Hier kann man als Schüler gut das Phänomen des Mobbings einbringen. Hier muss man selbst prüfen, ob an Behauptungen etwas dran ist oder nicht.
— - Ganz wichtig ist der Hinweis ab Zeile 44, dass wir Menschen dazu neigen, das eher zu glauben, was unseren Vor-Urteilen entspricht.
— - Was das Problem des Einbruchs des Moralischen in das Faktische angeht, so ist das ganz klar ein Problem. Aber das ist auch ein ganz normales Mittel der Werbung – und die reicht natürlich auch in die Politik hinein.
Auch hier kann die Lösung nur darin bestehen, dass der Empfänger von Nachrichten und Meinungen berücksichtigt, ob er gegebenenfalls gefühlsmäßig hier manipuliert wird.
— - Ein interessantes Beispiel ist das Schicksal dieses Wals in der Ostsee, wobei das Mitgefühl wohl kaum dadurch erzeugt worden ist, dass irgendwelche Menschen den Kampf dieses Tieres persönlich erlebt und gesehen haben. Gleichzeitig sind höchstwahrscheinlich in bestimmten Gegenden der Welt Menschen verhungert oder Opfer von irgendwelchen Katastrophen geworden, und niemand hat das bei uns interessiert.
— - Auch was das Phänomen Feind angeht, gibt es genügend Beispiele aus der Geschichte, dass das eher ein Problem der politischen Einwirkung war, als das es direkt von den einfachen Menschen ausging. Es gibt wohl kaum einen Krieg der Vergangenheit, bei dem die entsprechenden Regierungen auch ein großes Interesse daran hatten, die andere Seite zu dämonisieren.
69-85: Wie kann der Umgang mit sozialen Medien optimiert werden?
- Der Schluss des Textes dürfte wohl der schwächste Teil sein. Denn die Idee der Lenkung von oben berücksichtigt zu wenig, dass die wohl interessengelenkt sein dürfte.
- Die Demokratie lebt doch gerade davon, dass jeder im Rahmen der Gesetze seine Meinung sagen darf und auf Probleme hinweisen. Diejenigen, die aktuell in der Verantwortung stehen, sind in der großen Gefahr, sich Kritik auch dadurch vom Leibe zu halten, dass man sie verlangsamt oder auf andere Art und Weise verstummen lässt – womit man direkt wieder zum Ausgangspunkt des Textes zurückkehrt.
- Interessant ist dafür der Ansatz am Schluss: dabei geht es nicht nur um Netiquette, sondern vor allem um die „gesunde Skepsis im Umgang mit Informationen“ und auch im Hinblick auf sich selbst.
- Die im Text angesprochenen Probleme und Gefahren bei der eigenen Meinungsbildung müssten eine viel größere Rolle im Schulunterricht spielen.
- Was den letzten Satz angeht, würde man sich wünschen, dass die Medien häufiger darauf achten, dass nicht nur, wie man so schön im Volksmund sagt, eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, sondern hinterher auch darüber berichtet wird, was daraus geworden ist.
- Jeder kann mal selbst darüber nachdenken, welche Aufreger in den letzten Jahren an uns herangetragen worden sind, die dann aber bald durch einen anderen abgelöst wurden. Dass wir Menschen aber das nicht stärker einfordern, dass so etwas auch hinterher noch geklärt wird, ist allerdings wieder in unserer eigenen Verantwortung.