Sibylle Berg, „Hauptsache weit“ (Mat7046)

  • Hier zunächst eine kurze Übersicht.
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  • Das Besondere bei uns: Wir versuchen, bei den Texten immer deutlich zu machen:
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    • wie man sie schnell versteht
    • und was man mit ihnen anfangen kann.

Ganz kurz zum Namen der Autorin: Sibylle – mit i nach dem S und y in der Mitte. Wir verheddern uns da selbst immer wieder und bitten vorsorglich um Nachsicht, falls irgendwo doch mal eine falsche Variante auftaucht.

Alles auf einen Blick

  • Spannend: Endlich die Schule hinter sich, endlich weit weg – und dann stellt sich heraus, dass die große Freiheit sich ziemlich einsam anfühlt.
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  • Die Idee der Kurzgeschichte: Ein 18-Jähriger bricht nach dem Schulabschluss zu einer Rucksackreise nach Asien auf, um der Enge und Langeweile zu Hause zu entkommen.
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  • Entwicklung: Statt Abenteuer und Coolness erlebt er ein fensterloses Pensionszimmer, Magenprobleme, Sonnenbrand und vor allem Einsamkeit.
  • Nicht einmal der Fernseher hilft: Dort tauchen keine bekannten Gesichter auf, an denen er sich festhalten könnte.
  • Weil ihn niemand kennt und niemand nach ihm fragt, hat er schließlich das Gefühl, gar nicht mehr zu existieren.
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  • Wendepunkt: Ein Internet-Café rettet ihn – per E-Mail ist er plötzlich wieder mit seinen Freunden zu Hause verbunden.
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  • Was zeigt die Geschichte: Große Entfernung allein bringt noch keine Erfahrung – wer sich auf das Fremde nicht einlässt, bleibt innerlich zu Hause und draußen allein.
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  • Diskussionsfrage: Ist das Internet-Café für ihn eine echte Rettung – oder eher eine Flucht, die ihn die fremde Welt gar nicht erst kennenlernen lässt?

Nun zu den Details:

Worum es geht

In dieser Kurzgeschichte geht es um einen Jungen, der die Freiheit nach dem Ende der Schulzeit für eine Erlebnis-Fernreise nutzt. Seine hochgespannten Hoffnungen werden allerdings völlig enttäuscht. Aus der Einsamkeit rettet ihn schließlich ein Internet-Café, von dem aus er wieder mit der „Heimat“ Kontakt aufnehmen und sich austauschen kann. Es bleibt offen, ob das das Ende der Reise ist.

Kurz gesagt: Halbe oder auch ganze Enttäuschung eines Fernwehs nach der Schule, das in irgendeiner billigen Absteige zur Besinnung kommt. Die Erfahrungen waren weit entfernt von den Träumen – dann kommt noch Einsamkeit hinzu, aus der der Junge sich schließlich in eine E-Mail-Kommunikation mit seinen Freunden in der Heimat rettet.

Inhaltsangabe

Die Geschichte beginnt mit den Träumen, die viele Jugendliche haben, wenn sie mit der Schule fertig sind und erst mal einige Zeit die Welt erleben wollen. Der 18-jährige Protagonist will der Enge und Langeweile zu Hause entkommen und stellt sich die Reise sehr romantisch vor: entspannt, cool, voller neuer Bekanntschaften.

Die Realität sieht dann aber viel langweiliger und teils auch anstrengender aus, als er es sich gedacht hat: ein fensterloses, hässliches Pensionszimmer mit Neonlicht, Hitze, Magenprobleme durch das ungewohnte Essen. Auch der Fernseher im Zimmer kann nicht helfen, weil dort keine bekannten Gesichter auftauchen. Schließlich zieht er eine bittere Bilanz beim Vergleich von dem, was er hier in der Fremde erlebt, und dem, was er sich an Abenteuern vorgestellt hat – bis hin zu dem Gefühl, gar nicht mehr zu existieren, weil ihn hier niemand kennt.

Was ihn dann zumindest kurzzeitig rettet, ist ein Internet-Café, in dem er endlich wieder mit seinen Freunden Kontakt aufnehmen und sich mit ihnen austauschen kann. Für einige Stunden taucht er ganz in den Bildschirm ein – die fremde Umgebung verliert ihren Schrecken.

Was zeigt die Geschichte?

  • Die Geschichte zeigt sehr deutlich die Fernweh-Träume junger Menschen, die bisher in die Schule eingebunden waren und nun die unendlichen Möglichkeiten des Lebens vor sich haben. Wichtig ist ihnen, zunächst mal die Welt kennenzulernen und dort Spaß zu haben.
  • Sie zeigt aber auch, dass dieser Spaß nicht von selbst kommt. Eine solche Backpacker-Reise ist mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden und bringt vor allem erst mal Einsamkeit mit sich, wenn man nicht in der Lage oder gewillt ist, sich tief auf fremde Kulturen einzulassen.
  • Deutlich wird auch, wie sehr die eigene Identität an Vertrautem hängt – an Sprache, Medien, bekannten Gesichtern. Fällt das alles weg, gerät das Selbstbild ins Wanken.
  • Interessant ist das Ende, weil dort das rein virtuelle Wieder-Zusammenkommen mit der Heimatwelt den Protagonisten richtig glücklich macht. Es bleibt offen, welche Aussage damit verbunden ist: Gab es nur falsche Erwartungen und eine zu geringe Bereitschaft, sich auf Fremdes einzulassen? Oder ist „Heimat“ in einem durchaus modernen Sinne doch ein so hoher Wert, dass man ihn nicht so locker mal eben aufgeben sollte?
  • Das Internet spielt dabei eine doppelte Rolle: Es schafft eine tröstliche Verbindung nach Hause – verhindert aber zugleich, dass er sich wirklich auf die fremde Welt einlässt. Man ist zwar weit weg, aber innerlich gar nicht angekommen.

Schaubild mit Anmerkungen

  1. Links steht der junge Mann, der gerade die Schule geschafft hat und jetzt voller Hoffnung bzw. Erwartung ist, was die weite Welt angeht.
  2. Dann kommt der Absturz in die Realität einer fremden Welt, verbunden mit Verlust- und Einsamkeitsgefühlen.
  3. Aus ihr wird er herausgerissen durch den Austausch mit den Menschen in seiner Heimat. Dabei gibt es zwei Varianten der möglichen weiteren Entwicklung:
    • a) Entweder gönnt er sich jetzt regelmäßig den „Austausch aus der Fremde“, schreibt zum Beispiel einen Blog oder bleibt auf andere Weise im engen Kontakt mit Zuhause –
    • b) oder aber es handelt sich um eine Art letzten Austausch vor der Heimkehr – d. h. er kehrt letztlich gescheitert oder auch geläutert zurück. Dafür spricht, dass er offensichtlich überhaupt keinen Zugang zu den fremden Kulturen findet, sondern ganz am Alten, Gewohnten hängt.

Erzähltechnik und sprachliche Mittel

  • Personaler Er-Erzähler: Erzählt wird ganz aus der Sicht des Jungen. Seine Gedanken und Gefühle werden unmittelbar wiedergegeben, oft in erlebter Rede – dadurch spürt man seine Überforderung direkt mit.
  • Kurze Sätze und Ellipsen: Die alltagsnahe Sprache mit vielen knappen, teils unvollständigen Sätzen spiegelt die Ernüchterung und die suchende, ratlose Denkweise des 18-Jährigen.
  • Räume als Spiegel des Inneren: Das fensterlose Zimmer, das Neonlicht und die drückende Hitze wirken beklemmend – sie zeigen, wie eingeschlossen und verloren er sich fühlt.
  • Bilder für Halt und Geborgenheit: Vertraute Fernsehgesichter aus der Heimat erscheinen als „Geländer zum Festhalten“, der Bildschirm im Internet-Café wird mit einem weichen Bett verglichen. Beides zeigt, wie sehr er in der Fremde nach etwas Vertrautem sucht, das ihm Sicherheit gibt.

Inwiefern handelt es sich um eine Kurzgeschichte?

  • Direkter Einstieg: Die Geschichte beginnt ohne Vorrede mitten in den Gedanken des Protagonisten nach dem Schulabschluss.
  • Namenlose Hauptfigur: „Der Junge“ bleibt ohne Namen und steht damit stellvertretend für viele Jugendliche in dieser Lebensphase.
  • Ausschnitt statt Reisebericht: Erzählt wird nicht die ganze Reise, sondern eine einzelne Krisensituation.
  • Moment der Erkenntnis / Wendepunkt: Die bittere Bilanz und die Entdeckung des Internet-Cafés führen von der hilflosen Isolation zur (virtuellen) Rückverbindung nach Hause.
  • Offenes Ende: Man weiß nicht, welche Konsequenzen der Protagonist aus seiner Erfahrung zieht – ob er weiterreist oder vorzeitig nach Hause zurückkehrt.

Einsatz in Klassenarbeit und Unterricht

Klassenarbeit: Die Geschichte ist gut als Klassenarbeit geeignet. Allerdings sollte sichergestellt sein, dass die Schülerinnen und Schüler eine Ahnung haben von der Aufbruchsstimmung derer, die die Schule gerade hinter sich haben.

Ideen für den Unterricht: Man könnte die Geschichte nach der Besprechung gut herunterbrechen auf die Erfahrungswelt auch jüngerer Schüler, die im negativen, aber auch im positiven Sinne eine Enttäuschung erleben. Zum Beispiel könnte es ein Backstage-Besuch bei einem Star sein, bei dem man feststellt, dass sich keineswegs das erträumte vertrauliche Zusammensein ergibt, das man sich erhofft hatte.

Natürlich gibt es auch viele Möglichkeiten, bei denen es um Heimat und Reiseträume geht, die näher an Sibylle Bergs Geschichte sind. Möglich wären etwa auch ganz eigene Reisemobil-Erlebnisse, die weit entfernt sind von dem Traum, einmal an einem schönen Strand zu stehen – während dann zum Beispiel die Polizei mit dem Strafzettel anrückt.

Wo man die Geschichte findet

  • Erfahrene Erfindungen. Deutschsprachige Kurzgeschichten seit 1989, ausgewählt und mit Materialien versehen von Sabine Grunow, Ernst Klett Schulbuchverlag, Leipzig 2014, S. 11/12.
  • Als Aufgabe im Rahmen einer europäischen Abiturprüfung (2012) ist die Kurzgeschichte auch im Internet zu finden:
    http://www.ee-strasbourg.eu/IMG/pdf/abitur_2012-de-lii.pdf

Weitere Infos, Tipps und Materialien

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