Schnell erkennen, worum es geht ...

Schlagwort: Gewalt

Wie fasst man den Inhalt eines Sachtextes kurz zusammen?

Das Problem der Zusammenfassung längerer Sachtexte (Inhaltsangabe)

Vor allem bei längeren Sachtexten – etwa einem Artikel aus einer Zeitung oder Zeitschrift – kann es schwierig sein, sich einen Überblick über den Aufbau zu verschaffen. Das aber ist eine wichtige Voraussetzung, um eine Inhaltsangabe zu verfassen.

Der Beispiel-Artikel

Wir zeigen mal am Beispiel eines Artikels aus zeit.de/online, wie man das machen kann.

Den Artikel präsentieren wir aus urheberrechtlichen Gründen nicht. Er ist aber hier zu finden.

Der erste Schritt: Zusammenfassung der einzelnen Absätze und Klärung ihrer Funktion

In einem ersten Schritt liest man sich den Artikel durch und versucht bei den einzelnen Absätzen jeweils herauszufinden, worum es jeweils geht und welche Funktion er hat.

Anschließend versucht man, die einzelnen Absätze zu größeren Einheiten zusammenzufassen.

Das sieht dann bei uns so aus – wir präsentieren hier gleich die Fassung, bei der wir einzelne Absätze einfach untergeordnet und dementsprechend eingerückt haben:

  1. Einstieg und Vorstellung des Projekts und seiner Entstehung
    1. Direkter Einstieg mit der Schilderung einer Kampfsituation während des Boxtrainings
    2. Darstellung des Hintergrunds: Kurzvorstellung des Projekts und seines Macher
    3. Einschätzung des Projekts und seiner Bedeutung durch den Verfasser
    4. Ausgangspunkt des Projekts
  2. Der Macher, sein Hintergrund und sein Ansatz
    1. Genaueres Eingehen auf den Macher und seine Motivation sowie deren Bedeutung
    2. Lob des Projekts durch die Lehrerin und Hinweis auf den Besuch eines WM-Boxkampfes als besondere, ergänzende Veranstaltung
  3. Bedeutung des Projekts
    1. [Seite 2 im Internet
      Vorstellung eines einzelnen Jungen, bei dem sich das Boxtraining gut auswirkt
    2. [Hinweis auf die Bedeutung des Projekts für den Stadtteil ]
    3. Kritischer Vergleich des Projekts mit der Position Roland Kochs (Rückgriff auf eine Bemerkung im Vorspann des eigentlichen Artikels)
    4. Positive Gegenwirkung der Wahlkampfposition Kochs
  4. Probleme und Perspektiven
    1. Bedeutung der Öffentlichkeit angesichts ungewisser Zukunft des Projekts
    2. Zu geringe Unterstützung durch den Staat
    3. [Seite 3 im Internet
      Hinweis auf ein zweites Projekt und die zu geringe Bezahlung der Betreuer
  5. Positiver Abschluss / Werbung für das Projekt
    1. Die Kurse – Pflichtprogramm mit Wahlmöglichkeit, Attraktivität des Box-Kurses
    2. Bereitschaft der Schüler, sich hier zu quälen – anders als im normalen Sportunterricht
    3. Abschluss: Hinweis auf ein Parallelprojekt an einer anderen Schule, zu dem der Trainer wegen Öffentlichkeitsarbeit zu spät kommt und schon sehnsüchtig erwartet wird.

Formulierung eines Einleitungssatzes mit Angabe des Themas

Das Folgende ist so formuliert, dass man das wie ein Formular leicht auf einen anderen Artikel übertragen kann.

  • Bei dem Text
  • handelt es sich um eine Reportage
  • von Steffen Dobbert,
  • die am 17.1.2008
  • in Zeit online
  • erschienen ist
  • und sich mit einem Aspekt aus dem Bereich der Jugendkriminalität beschäftigt
  • und zwar geht es um die Frage, wie man – in diesem Falle mit einem Boxprojekt – Jugendlichen helfen kann, mit Aggressivität umzugehen.

Zusammenfassung der Abschnitte zu einer Inhaltsangabe

  • Typisch für eine Reportage wird in der Einleitung eine typische Boxübung präsentiert, bevor zu dem Leiter des Projekts und seiner Entstehung übergeleitet wird.
  • Es geht um den Sportwissenschaftler Christian Görisch, einem Boxlehrer, der im Hamburger Stadtteil Veddel 12jährigen Kindern beibringt, wie man sportlich seine Aggressionen unter Kontrolle bekommen kann.
  • Das Projekt läuft seit August 2007 an vier Schulen mit Schülern der 6. Klasse.
  • Ausgangspunkt ist die persönliche Erfahrung, dass es Kindern in dem Alter an Sport und Selbstbewusstsein fehlt.
  • In Abstimmung mit Wissenschaftlern und dem Hamburger Senat ist dann dieses Projekt entstanden.
  • Im weiteren Verlauf wird dann am Beispiel eines Jungen beschrieben, wie sich das positiv auswirkt, was auch von einer Lehrerin bestätigt wird.
  • Eine große Rolle spielt in dem Artikel dann die zu geringe Unterstützung der Politik, die die Zukunft des Projekts gefährdet.
  • Dementsprechend wird am Ende des Artikels dann noch einmal auf die Bereitschaft der Schüler, sich auch mal für ein gutes Ziel zu quälen, und die Begeisterung, mit der sie bei der Sache sind, hingewiesen.

 

Georg Heym, „Die Dampfer auf der Havel“

Allgemeines

Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Inhalt von Gedichten – mit dem Ziel, ihre Aussage(n) feststellen zu können. Damit ist nicht gemeint, was der „Dichter mit dem Gedicht sagen wollte“, denn er kann auch was ganz anderes gemeint haben, aber es kam nicht richtig rüber.

Vielmehr geht es um die Zielrichtung  des Gedichtes.

Und die ermitteln wir, indem wir uns die einzelnen Aussagen des Lyrischen Ichs ansehen und dabei vor allem auf Signale achten, die sich wiederholen und damit gegenseitig verstärken.

Das heißt:

  1. Wir gehen erst die Details des Gedichtes durch …
  2. und formulieren am Ende auf dieser Basis die „Aussagen“ des Textes .

Heym, „Die Dampfer auf der Havel“

Heym, Georg:

Die Dampfer auf der Havel

  • Zwei Akzente: Dampfer und Havel
  • Man könnte an Ausflugsdampfer denken

 

01 Der Dampfer weißer Leib. Die Kiele schlagen
02 Die Seen weit in Furchen, rot wie Blut.
03 Ein großes Abendrot. In seiner Glut
04 Zittert Musik, vom Wind davongetragen.

  • Vergleich mit Lebewesen („Leib“)
  • Ansätze von Gewalt („schlagen“, „rot“)
  • Doppeldeutigkeit von „zittert“, auch bei Gewalt
  • Expressionistische Tendenzen

05 Nun drängt das Ufer an der Schiffe Wände
06 Die langsam unter dunklem Laubdach ziehn.
07 Kastanien schütten all ihr weißes Blühn
08 Wie Silberregen aus in Kinderhände.

  • Interessante Umkehrung der Perspektive, was Schiffe und Ufer angeht
  • Entspannung am Ende – so eine Art Geschenk

09 Und wieder weit hinaus. Wo Dämmrung legt
10 Den schwarzen Kranz um einen Inselwald,
11 Und in das Röhricht dumpf die Woge schlägt.

  • Erweiterung der Reise
  • Farbe Schwarz und „dumpf“ sowie „schlägt“ schaffen eine eher unheimliche Atmosphäre.

12 Im leeren Westen, der wie Mondlicht kalt,
13 Bleibt noch der Rauch, wie matt und kaum bewegt
14 Der Toten Zug in fahle Himmel wallt.

  • Erweiterung des Unheimlichen durch „leer“, „kalt“
  • Schließlich Verbindung des Rauchs der Schiffe mit „Der Toten Zug“
  • unterstützt durch das Wort „fahl“ = bleich, düster, farblos

Fazit:

Das Gedicht zeigt …

  1. einen sehr eigenständigen, originellen Blick auf die Fahrt der Dampfer auf der Havel
    das ist typisch für den Expressionismus
  2. eine Vorliebe für Wörter, die etwas mit Gewalt und Tod zu tun haben
  3. eine zunehmende Veränderung der Atmosphäre in Richtung des Unheimlichen
  4. schließlich am Ende eine eindeutige Hinwendung zum Motiv des Todes
  5. Bezeichnend: Es ist nirgendwo von Menschen die Rede.

Wer noch mehr möchte … 

 

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