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Schlagwort: Goethe

Erklärung von Zitaten mit Berücksichtigung des Kontextes: Beispiel Goethe, „Faust“

Aufgabe: Klärung der Aussage und der Bedeutung von Textzitaten

Eine interessante „Fingerübung“ beim Umgang mit Lektüren ist die Klärung der Aussage und der Bedeutung eines Zitates unter Berücksichtigung des Kontextes.

Wir zeigen das mal am Beispiel von Goethes „Faust“:

Beispiel: Osterspaziergang – Auferstehung

„Sie feiern die Auferstehung des Herrn, / Denn sie sind selber auferstanden“

Kleiner Tipp: Wenn man so eine Stelle schnell finden kann, kann man einfach googeln nach

zeno goethe faust textstelle

Dann kommt man zum Beispiel zu dieser Seite:

http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Dramen/Faust.+Eine+Trag%C3%B6die/Faust.+Der+Trag%C3%B6die+erster+Teil/Vor+dem+Tor

Dort kann man dann einfach im Browser nach „Auferstehung“ suchen und hat das Zitat.

Anschließend schaut man sich den Kontext an – entweder im Internet – oder noch besser – in der eigenen Textausgabe. Da wird man das Zitat in der Szene schon finden.

Nun zur Aussage des Zitates im Kontext:

  1. Zunächst muss man feststellen, dass es eine Textstelle aus der Szene „Vor dem Tor“ ist. Dort erholt sich Faust zusammen mit Wagner von seinen intensiven und zuletzt lebensgefährlichen Erlebnissen bei der Suche nach Wahrheit und einem echten Leben.
  2. Der konkrete Kontext ist das Hinausströmen der Menschen an einem sonnigen Ostermorgen.
  3. Dann muss man sich das Umfeld dieses Zitates genauer anschauen, soweit es etwas zum Verständnis des Mini-Zitates beiträgt:
    • Aus dem hohlen finstern Tor
      Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

      • Hier geht es um den Gegensatz zwischen der Enge der dunklen mittelalterlichen Stadt
      • und der Vorfreude auf einen sonnigen Festtag, die sich schon in der Kleidung zeigt.
    • Jeder sonnt sich heute so gern.
      Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
      Denn sie sind selber auferstanden,
      Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
      Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
      Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
      Aus der Straßen quetschender Enge,
      Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
      Sind sie alle ans Licht gebracht.

      • Die große religiöse Auferstehung
      • wird hier runterreduziert auf die Veränderung von Ort und Atmosphäre.
      • Fünf Beispiele werden genannt – alle sind sie überwunden durch das „Licht“.
    • Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
      Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
      Wie der Fluss, in Breit‘ und Länge,
      So manchen lustigen Nachen bewegt,

      • Hier merkt man, wie die Menschen aufatmen, sich in Bewegung setzen
      • sich in die Natur hinausbewegen, dort Kraft und Lebensfreude schöpfen.
    • Und bis zum Sinken überladen
      Entfernt sich dieser letzte Kahn.
      Selbst von des Berges fernen Pfaden
      Blinken uns farbige Kleider an.

      • Hier wird verdeutlicht, wie das ganze Land von dieser Veränderung ergriffen ist.
      • Noch einmal wird das Festliche und Bunte, Lebensfrohe hervorgehoben.
    • Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
      Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
      Zufrieden jauchzet groß und klein;
      Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“

      • All das ergreift auch Faust, bei dem sich eine frohe Erwartung auf noch mehr Schönes herausbildet.
      • Deutlich wird, dass hier das wahre Leben der Menschen stattfindet.
      • Alle sind glücklich
      • und Faust betont, dass er selbst hier auch erst zum Menschen im vollen Sinne des Wortes wird bzw. sein darf.
      • Die letzten drei Wörter zeigen so etwas wie Ehrfurcht vor Höherem und Dankbarkeit.

Weiterführende Hinweise

 

 

 

Goethe, „Der Erlkönig“ – Klassenarbeit

Aufgabenstellung zu Goethes Ballade „Der Erlkönig“

  1. Stelle das unten abgedruckte Gedicht zunächst allgemein vor (Textsorte, Titel, Autor, Thema) und beschreibe dann seine äußere Form (Strophenform, Reimschema und Versmaß/Metrum)
  2. Verfasse eine Inhaltsangabe zu dem Gedicht.
  3. Erkläre, inwiefern und inwieweit es sich um eine Ballade handelt.
  4. Stelle kurz und begründet dar, wie dir diese Ballade im Vergleich zu den anderen Beispielen gefällt, die wir im Unterricht behandelt haben.

Text der Ballade

Johann Wolfgang Goethe

Erlkönig

01 Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
02 Es ist der Vater mit seinem Kind;
03 Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
04 Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

05 Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
06 Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
07 Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? –
08 Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

09 »Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
10 Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
11 Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
12 Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«

13 Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
14 Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
15 Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
16 In dürren Blättern säuselt der Wind. –

17 »Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
18 Meine Töchter sollen dich warten schön;
19 Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
20 Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«

21 Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
22 Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
23 Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
24 Es scheinen die alten Weiden so grau. –

25 »Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
26 Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.«
27 Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
28 Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

29 Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
30 Er hält in den Armen das ächzende Kind,
31 Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
32 In seinen Armen das Kind war tot.

Hinweise zur Lösung

  1. Stelle das unten abgedruckte Gedicht zunächst allgemein vor (Textsorte, Titel, Autor, Thema) und beschreibe dann seine äußere Form (Strophenform, Reimschema und Versmaß/Metrum)
    • Ballade von Goethe mit dem Titel „Erlkönig“
    • Thema: Tod eines Kindes in schauriger Umgebung
    • 8 Strophen mit jeweils 4 Zeilen
    • Lauter Paarreime
    • Kein einheitliches Versmaß, sowohl daktylische Elemente wie auch Abwechslung von betonten und unbetonten Silben

  2. Verfasse eine Inhaltsangabe zu dem Gedicht.
    • In dem Gedicht geht es um einen Jungen, der im Arm des Vaters nach Hause reitet und sich vor mysteriösen Erscheinungen fürchtet.
    • Er hat das Gefühl, von einem Erlkönig gelockt zu werden, ihm zu folgen.
    • Der Vater sieht aber nur reale Dinge und reagiert mit entsprechenden Bemerkungen.
    • Umso erschrockener muss er sein, als er am Ende tatsächlich ein totes Kind im Arm hält, das ihn kurz vor seinem Ende noch darauf hingewiesen hat, dass dieser Erlkönig auch zur Gewaltanwendung bereit ist.

  3. Erkläre, inwiefern und inwieweit es sich um eine Ballade handelt.
    • Es handelt sich zunächst einmal um ein Gedicht.
    • Außerdem wird eine Geschichte erzählt,
    • die zudem dramatisch ist.
    • Damit zeigt sich, dass eine Ballade alle drei Hauptgattungen der Literatur enthält.

  4. Stelle kurz und begründet dar, wie dir diese Ballade im Vergleich zu den anderen Beispielen gefällt, die wir im Unterricht behandelt haben.
    • Hier gibt es natürlich keine Musterlösung.
    • Alles hängt davon ab, welche Balladen vorher behandelt worden sind – günstig wäre natürlich „Der Knabe im Moor“ u.ä.
    • Die Frage des „Gefallens“ kann sich auf inhaltliche Dinge beziehen („Ich stehe mehr auf reale Dinge!“) aber natürlich auch das Verhalten des Vaters thematisieren oder auch die Darstellung.

Alternative Aufgabe:
Wie wird in der Ballade die Angst des Kindes deutlich gemacht:

  • Es beginnt in Zeile 6 mit der einfachen Frage. Der Sohn will damit erreichen, dass der Vater sich auch mit dem beschäftigt, was ihn ängstigt.
  • Ab Zeile 13 intensiviert sich das dann, indem der Junge deutlich macht, dass er sich vom Erlkönig angesprochen fühlt, allerdings hier noch „leise“ und mit schönen Angeboten.
  • In Zeile 22 ist dann allerdings schon von einem „düstern Ort“ die Rede.
  • In den Zeilen 27 und 28 dann der direkte Aufschrei mit einem Übergang zu Gewalt und entsprechender Angst.
  • Insgesamt bleibt das einige Zeit auf dem gleichen Level: Unsicherheit, aber eben von vornherein Bangigkeit, steigert sich dann langsam ins eindeutig Negative und überrascht den Leser sehr plötzlich mit etwas, was er so schnell nicht erwartet hat.

Alternative Aufgabe:
Was geschieht mit dem Jungen?

  • Von vornherein ist ja von Bangigkeit, also Angst die Rede. Wahrscheinlich hat der Junge Schauergeschichten gehört und überträgt sie jetzt auf die Umgebung.
  • Wichtig ist, dass dieser Junge sich gelockt fühlt – von einer fremden Macht, die zwar schöne Worte macht, aber letztlich sich an einem „düstern Ort“ befindet.
  • Ebenso wichtig ist, dass dieser Vater dem Jungen keinen Schutz gewährt, ihn nicht ernst nimmt, sondern einfach nur oberflächlich beschwichtigt.
  • Das Anfassen des Erlkönigs mit tödlichem Ausgang ist wohl eine innere Reaktion des Jungen. Er stirbt wahrscheinlich an Schrecken, der zu realen Schmerzen führt („das ächzende Kind“), die das Kind schließlich nicht mehr ertragen kann.

Weiterführende Hinweise

 

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