Im Folgenden stellen wir Kurzgeschichten vor, die unter dem Aspekt der Kommunikation interessant sind.
Wenn irgendmöglich, verweisen wir dann auch auf passende Seiten, auf denen die jeweilige Kurzgeschichte genauer vorgestellt wird.

Aktuell haben wir die Reihenfolge umgestellt, so dass Kurzgeschichten weiter vorne stehen, die unserer Meinung nach zum Thema mehr bringen als andere. Die können z.B. bestimmte Aspekte stärker deutlich machen.

  • Krüsand, Lars, „Untergrundarbeit“
    https://www.schnell-durchblicken2.de/kg-kruesand-untergrundarbeit
    In der Geschichte geht es um einen Schüler, der in einer Vertretungsstunde mit dem Lehrer ein richtiges rhetorisches Ping-Pong-Spiel betreibt.
    Die Geschichte ist besonders gut als Einstieg in das Thema „Kommunikation in Kurzgeschichten“ geeignet, weil sie an die Lebenswelt der Schüler anknüpft.
  • Kehlmann, Daniel, „Kritik“
    Eine Kurzgeschichte, die auf extreme Art und Weise zeigt, wie weit man die Kombination von scheinbarer Höflichkeit unmd realer Frechheit in der Kommunikation treiben kann.
    Es geht um einen Schauspieler und Moderator, der von seinem Sitznachbarn im Flugzeug auf zunehmend derbe Art im Hinblick auf seine Fähigkeiten und Leistungen heruntergemacht wird. Am Ende zeigt sich, dass dieser extrem unsympathische Zeitgenosse an der gleichen Flugangst leidet wie der Schauspieler. Allerdings wird das vom Autor nicht genutzt, um die Geschichte eindeutig harmonisch enden zu lassen. Der Schluss scheint ein schlechtes Beispiel für Leserlenkung zu sein. Es werden nämlich sehr heterogene und fragmentarische Signale gesetzt, die eher verwirren als beim Verständnis helfen.
    http://schnell-durchblicken3.de/index.php/faq/86-kg-kehlmann-kritik
  • Bichsel, Peter, „Die Tochter“
    In dieser Geschichte geht es um das nicht gelingende Familienleben im Übergangsfeld des langsamen Auszugs von Zuhause. Eine große Rolle spielt dabei eine überaus sperrige Kommunikation.

  • Brett, Lily, „Vater“
    https://www.schnell-durchblicken2.de/kg-lily-brett-vater
    In der Geschichte ruft eine besorgte Tochter ihren alten Vater unter einer falschen Nummer an und gerät dabei an jemanden, dem es deutlich schlechter geht. Aus ihrer wachsenden Panik wird sie von ihrem Mann gerettet, der das Missverständnis merkt. Am Ende ist die Tochter beim Gespräch mit ihrem richtigen Vater nicht nur erleichtert, sondern kann ihm noch mehr als sonst deutlich machen, wie sehr sie ihn liebt.
  • Hemingway, „Ein Tag warten“ (hier geht es vor allem um sprachliche bzw. kulturelle Kommunikation)
    In der Geschichte geht es um einen 9jährigen Jungen, der in Amerika Fieber bekommt, das in Fahrenheit gemessen wird, und es mit Celsius verwechselt. Er glaubt deshalb einen ganzen Tag lang, dass er mit 102 Grad (Fahrenheit) nicht überleben wird, weil er in Frankreich gehört hat, dass er mit 44 Grad (Celsius) nicht überleben könne. Die Geschichte ist vor allem brauchbar, um die Bedeutung sprachlicher und kultureller Unterschiede deutlich zu machen. Ansonsten wirkt sie etwas wie eine etwas lang gezogene (in diesem Falle familienbezogene) Anekdote und weniger wie eine normale Kurzgeschichte.
    Die Geschichte ist Teil einer Hamburger Prüfungsaufgabe.
  • Lars Krüsand, Den Stier bei den Hörnern packen
    In dieser Geschichte geht es um eine sehr einseitige Kommunikation, nämlich die mit dem Publikum, das zwar nicht antwortet, dessen Reaktion der Redner aber bereits antizipiert und damit einbezieht. Es geht um einen Schüler, der gegen sein Image als Dauerschweiger plötzlich ankämpfen muss, weil sonst die Versetzung gefährdet ist. Und wie er das macht, das lohnt eine genauere Betrachtung.
    https://www.einfach-gezeigt.de/themenseite-kreativ-sein-im-deutschunterricht
  • Max Bolliger, „Sonntag“
    Probleme einer Tochter, die als Scheidungskind an einem Sonntag nacheinander mit dem Vater, der Mutter und abends mit dem Freund zu tun hat. Vor allem ist dabei für sie die Frage interessant, ob sie es in ihrer Beziehung später besser machen wird. Hierauf gibt es von ihrem Freund nur eine kurze positive Antwort. Offen bleibt die Frage, wieviel dahintersteckt.
    https://textaussage.de/5-minuten-tipps-max-bolliger-sonntag
  • Jagoda Marinić, „Ausgestochen“ – eine Kurzgeschichte mit einem riesigen Missverständnis
    Ein Mann schwärmt so lange von einer tollen Frau, bis sein Gegenüber geht. Es bleibt dem Leser überlassen, worauf die Geschichte hinausläuft. Am überzeugendsten erscheint uns die Idee, dass die Gesprächspartnerin des Mannes eigentlich gemeint war. Allerdings erscheint der Vorlauf dafür doch etwas sehr ausführlich. Aber es ist sicher eine gute Idee, dass jemand, der nicht viel von sich selbst hält, mal ein ganz anderes Bild von sich präsentiert bekommt.
    https://textaussage.de/5-min-tipp-marinic-ausgestochen
  • 5-Min-Tipp zur Kurzgeschichte „Ente Orange“ von Burkhard Spinnen
    Ein Mann ist gerade wegen der aktuellen Wirtschaftskrise entlassen worden, geht aber trotzdem abends wie geplant zu seinem Kochkurs. Dort arbeitet er mit einer jungen Frau zusammen, die genau auf der anderen Seite steht, nämlich erfolgreich Firmen saniert – auch mit Entlassung von Mitarbeitern. Die Kommunikation zwischen den beiden Menschen läuft am Ende auch entsprechend ihrer jeweiligen Situation ab.
    https://textaussage.de/5-min-tipp-zur-kurzgeschichte-ente-orange-von-burkhard-spinnen
  • Bichsel, Peter, „Der Milchmann“
    https://textaussage.de/bichsel-milchmann-kreativer-umgang

    • In Peter Bichsels Kurzgeschichte „Der Milchmann“ geht es um zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zueinanderfinden.
    • Da ist der Mann aus dem Titel, der jeden Morgen einer Frau Blum die Milch vor die Tür stellt, sich mit ihr aber nur schriftlich und nur über das Nötigste austauscht. Besonders am Schluss wird deutlich, wie wenig er darüber hinaus von ihr wissen will.
    • Auf der anderen Seite ist da diese Frau Blum, die sich schon für diesen Mann interessiert, nicht von vornherein positiv, sondern einfach nur, weil sie ihn kennenlernen will.
    • Die Kurzgeschichte belässt es bei diesen völlig gegensätzlichen Positionen – ein guter Grund zu überlegen, wie diese beiden Menschen doch zueinanderkommen könnten. Oder wie es Frau Blum gelingen könnte, diesen Mann zumindest kennenzulernen. Auch wenn das nicht weit über das hinausreicht, was der Leser vom Erzähler schon erfährt – und das verheißt erst mal nichts Gutes.
    • Auf der genannten Seite wird gezeigt, wie man kreativ mit dieser Geschichte umgehen kann, indem man zum Beispiel Frau Blum einen Brief schreiben lässt.
  • Böll, Heinrich, „Mein teures Bein“
    Ein Soldat, der ein Bein verloren hat, möchte eine höhere Rente. Der Beamte rechnet ihm vor, was das kosten würde. Darauf macht der Soldat eine Gegenrechnung auf, indem er die Geschichte seiner Verwundung erzählt: Er hat so lange ausgehalten (und ist dabei verwundet worden), bis höhere Offiziere, die viel mehr Rente kosten, sich retten konnten. Das bringt ihm zwar bei dem desinteressierten Beamten keine höhere Rente ein, aber er kann zumindest hocherhobenen Hauptes den Raum verlassen und hat sich Luft gemacht.
    Die Geschichte haben wir zum Beispiel hier gefunden.
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    Borchert, „Das Holz für morgen“
    Eine wunderbare Kurzgeschichte, die zeigt, wie jemand, der sich schon auf seinen Selbstmord vorbereitet, ins Leben zurückkommen kann.
    Was das mit Kommunikation zu tun hat: Offensichtlich wird zunächst in dieser Familie zu wenig kommuniziert. Dann aber findet eine sehr seltsame Kommunikation statt  – denn der Selbstmordkandidat hört nur etwas, aber etwas, was ihn ins Leben zurückbringt.
    https://textaussage.de/borchert-das-holz-fuer-morgen
  • Keret, Etgar, „Der höfliche Junge“
    (abgedruckt im Cornelsen Deutschbuch, Klasse 8, Gymnasium G9, NRW,)
    https://www.cornelsen.de/produkte/deutschbuch-gymnasium-schuelerbuch-als-e-book-8-schuljahr-9783062052194
    In der Kurzgeschichte geht es um Sinn und Unsinn von Höflichkeit im Sinne von Unterdrückung von Gefühlen. Bei den sich streitenden Eltern wäre eine gewisse Selbstkontrolle wohl angebracht, während der Junge stark normiert wirkt und letztlich die Chance verspielt, in eine echte Kommunikation und den entsprechenden Austausch einzusteigen.
    https://www.einfach-gezeigt.de/keret-der-höfliche-junge
  • Kohn, Andrea, „Gut vorbereitet“
    Sehr humorvoll wird in der Kurzgeschichte „Gut vorbereitet“ von Andrea Kohn geschildert, wie bei einem übereifrigen Studenten die Aufregung letztlich in eine kuriose Situation mündet. Ein Vortrag über Gehölzpflege im Garten kommt bei Senioren, die sich für Gesundheitsfragen interessieren, nicht so gut an.
    https://www.endlich-durchblick.de/die-besten-kurzgeschichten-kurz-vorgestellt/kohn-andrea-gut-vorbereitet/

  • Kafka, Franz, „Der Nachbar“
    Zunehmende Angstvisionen eines Mannes, der seinen neuen Nachbarn nie richtig gesehen hat, sich aber ausdenkt, der könnte alles mithören, was er am Telefon bespricht, und ihm entgegenarbeiten. Letztlich geht es in dieser Geschichte um die Folgen von Nicht-Kommunikation.
  • Mohl, Nils, „Tanzen gehen“
    EinFach-Deutsch-Unterrichtsmodelle-Kurzgeschichte-Jahrhundert, S. 64-65
    In dieser Kurzgeschichte geht es um ein älteres Ehepaar, das sich zwischen Kommunikationsproblemen und Versuchen der gemeinsamen Lebensbewältigung bewegt. Der Mann hat gesundheitliche Probleme, die Frau studiert gerne Todesanzeigen. Über ihre Gefühle können sie nicht offen reden, wohl aber finden sie in einem Wohnzimmertanz zu gemeinsamem Lachen. Am Ende haben den Mann seine gesundheitichen Sorgen aber wieder eingeholt. Offen bleibt, was er seiner Frau im Moment der Öffnung sagen wollte.
  • Selim Özdogan, „Zuerst den Linken“
    Eine Geschichte über ein Missverständnis – jemand macht mit 2 Schuhen Lärm und verspricht dann Besserung – dann gibt es nur noch einen Schlag – und banges Warten bei dem anderen. Am nächsten Morgen stellt sich dann heraus: Das Problem war nicht der ausbleibende zweite Knall, sondern der erste. Nachdem ist nämlich dem Betreffenden sein Versprechen wieder eingefallen und er hat sofort aufgehört. Beim „Opfer“ des Lärms ist das genau falsch angekommen. Also: Lieber gleich nachfragen, als sich lange ärgern.
    https://www.einfach-gezeigt.de/özdogan-zuerst-den-linken
  • Tivag, Anders, „Unausgewogen“
    https://textaussage.de/anders-tivag-unausgewogen
    Eine Geschichte, in der es darum geht, dass die eine Seite sich mehr und vor allem schnellere Kommunikation wünscht, als die andere Seite geben will oder kann.
    Am Ende läuft es auf eine besondere Form von „Toleranz“ hinaus – aber die hat sicher auch Grenzen.
    Von daher ist diese Geschichte gut geeignet als Anregung über ein Gespräch über Unterschiede in den Kommunikationsbedürfnissen und im entsprechenden Verhalten.
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  • Wohmann, Gabriele, „Der Rivale“
    https://www.einfach-gezeigt.de/wohmann-der-rivale
    Ein etwas altertümlich wirkendes Geschehen an einer Bushaltestelle – mit leicht klischeehaften Vorstellungen. Deutlich wird aber, wie hier verschiedene Interessen unterschwellig nebeneinander herlaufen.
    Sie möchte eine feste Bindung und ist bereit, dafür auch einiges zu erfinden. Er reagiert sehr zurückhaltend.
    Gute Möglichkeit, dazu auch innere Monologe zu erfinden  – auf der Webseite gibt es dafür Beispiele.


Hinweise auf weitere Infos und Tipps: