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Schlagwort: Marquise

Vergleich „Sommerhaus später“ und „Die Marquise von O….“

Was „Die Marquise von O….“ und „Sommerhaus, später“ verbindet

Wenn zwei Werke wie die moderne Kurzgeschichte oder Novelle „Sommerhaus später“ und die etwa 200 Jahre ältere Novelle „Die Marquise von O….“ gemeinsam im Stoffplan für das Abitur auftauchen, dann bietet sich natürlich ein Vergleich an.

Überlegungen zu möglichen Vergleichen

Im Folgenden wollen wir einfach mal ein paar Überlegungen anstellen, unter welchen Fragestellungen und mit welchen Ergebnissen man die beiden Werke vergleichen kann:

  1. [Persönliche Nutzung von Spielräumen durch die Hauptfiguren in Richtung Autonomie]
    In Kleists Novelle gelingt der Marquise ja im Laufe der Zeit der Schritt in die Autonomie. Sie ist der überhaupt sehr aktiv, was ja für die Hauptfiguren von Sommerhaus später überhaupt nicht zutrifft.
    Das wäre schon mal ein wichtiger Vergleichspunkt.

  2. Dann ist natürlich das gesellschaftliche Umfeld auch sehr unterschiedlich.
    1. In Kleists Novelle sind die Figuren in äußere Zwänge gepresst, aus denen sich die Marquise nur mühsam befreien kann, am Ende auch unterstützt von ihrer Mutter.
      Der Vater ist demgegenüber ein Ausbund an autoritärem Verhalten, wie es heute kaum noch vorstellbar ist – zumindest nicht in dieser überdeutlichen Form.

    2. In „Sommerhaus später“ sind die Hauptfiguren weniger durch gesellschaftliche Zwänge eingeschränkt als durch die Freiheit, die sie haben und auch nutzen. Man hat den Eindruck, sie haben kaum etwas zu tun, müssen ihren Lebensunterhalt nicht verdienen, können in den Tag hineinleben.
      Wenn es ihnen in den Sinn kommt, belästigen sie auch gerne mal andere Leute, die ihr Leben wahrscheinlich mehr ernst nehmen müssen.
      Die Figuren sind entweder durch Ziellosigkeit oder durch Planlosigkeit gekennzeichnet. Es reicht schließlich nicht, irgendwie ein Sommerhaus renovieren zu wollen, man muss es auch kommunizieren, es also in Zusammenhänge stellen, statt nur so vor sich hin zu werkeln.

  3. Überhaupt ist die Kommunikation ein wichtiger Unterschied:
    1. In Kleists Novelle wird viel geredet, aber nicht genügend über das Wesentliche, was wiederum mit den gesellschaftlichen Zwängen zusammenhängt.
    2. In „Sommerhaus später“ gibt es eine Unfähigkeit zur echten Kommunikation, die möglicherweise mit mangelndem Eigen-Bewusstsein, vor allem aber auch mit zu wenig Be-Achtung des Gegenübers zusammenhängt.
  4. Damit ist man beim Unterschied in der Beziehung
    1. In Kleists Novelle eine unter schwierigsten Bedingungen am Ende doch gelingende
    2. in „Sommerhaus später“ eine aus nicht ganz klaren Gründen nicht gelingende. Möglicherweise liegt eine besondere Form von Wohlstandsverwahrlosung vor, die es unmöglich oder schwer macht, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Wenn von einem nichts wirklich verlangt wird, dann gibt es eben auch kein Verlangen und damit kein Gelingen.

  5. Ein spezieller Punkt ist noch der Aspekt Familie
    1. In der „Marquise von O….“ steht die junge Witwe zu ihren Kindern, kämpft geradezu darum.
    2. In „Sommerhaus später“ bedeuten Kinder eine besondere Verantwortung – ein Ding der Unmöglichkeit für die beiden Hauptfiguren – vielleicht sogar der entscheidende Punkt, an eine feste Beziehung nicht zu denken.
    3. Siehe dazu das folgende Video:
      „Sommerhaus, später“ – Das Kind als Hauptfigur

      Videolink

Weiterführende Hinweise

 

Was ist das für ein Typ? Charakteristik des Grafen in Kleists „Die Marquise von O“

Vorüberlegungen zur literarischen Charakteristik allgemein
Eine literarische Charakteristik wird häufig mit einer Art Personenbeschreibung verwechselt.
Das merkt man daran, dass vor allem auch auf Punkte eingegangen wird, zu denen man nichts sagen kann.
Das hängt damit zusammen, dass in einem literarischen Werk, zum Beispiel der Novelle „Die Marquise von O….“, keine real existierende Person beschrieben wird, sondern es um eine fiktive Gestalt geht, die der Autor sich ausgedacht hat und den Erzähler vortragen lässt.
Dementsprechend sind wir der Meinung, dass man auch den Fortgang dieses Erzählprozesses mit in die Charakteristik einbauen kann, denn eine Figur ist ja in der Regel auch nicht statisch, sondern verändert sich im Laufe der Darstellung.
Außerdem ist eine literarische Charakteristik immer Teil der Interpretation.

Was bedeutet das für eine Charakteristik des Grafen F.?

Bei der zweiten Hauptfigur von Kleist Novelle, den Grafen F, macht es also nicht viel Sinn, im Einzelnen aufzuführen, was man da so an Elementen der äußeren Erscheinung und seiner Verhältnisse findet. Es ist ähnlich wie bei den künstlerischen Mitteln in einem Gedicht, diese Mittel müssen immer im Zusammenhang mit der Aussage-Absicht gesehen werden. Ähnlich ist es auch bei der Charakteristik. Spielen wir das im folgenden einfach mal durch.

Aufbau einer (literarischen) Charakteristik des Grafen F.

 

Einstieg mit dem Engel-Teufel-Motiv

Am Anfang geht es vor allem darum, den Gegensatz herauszuarbeiten zwischen dem Engel und dem Teufel. Damit nimmt man schon gleich ein Leitmotiv der ganzen Novelle auf und nutzt es für die konkrete Aufgabe.

Zum Engel-Teufel-Problem kommen noch Führungsschwächen als Offizier

Was vom Erzähler auch noch hervorgehoben wird, ist der aufopferungsvolle, aber auch ein bisschen unüberlegte Einsatz des Grafen beim Löschen des Feuers in der Zitadelle. Denn die Aufgabe eines Befehlshabers ist es nicht, sich selbst direkt in die Reihe zu stellen, sondern den Überblick zu behalten.
Wie wenig dieser Offizier wirklich eine Führungsfigur ist, zeigt sich dann auch an der nächsten Stelle, nämlich seiner Beantwortung der Frage des Oberbefehlshabers nach dem Vorfall. Hier wirkt der Graf völlig verstört und macht überhaupt keinen großen Eindruck. Man könnte natürlich auch ein bisschen übertrieben sagen: Wer so mit Wasserschleppen beschäftigt war, hatte keine Zeit, sich die Antwort auf eine naheliegende Frage vorher zurechtzulegen.

Egomanie und mangelhafte Empathie bei seinem plötzlichen Auftauchen mit Heiratsantrag

Noch weniger souverän erscheint der Graf dann bei seinem ersten größeren Auftreten im Text, nämlich seiner überraschenden Werbung um die Marquise. Auch hier zeigt sich, dass dieser Mann sehr mit sich, seinen Gefühlen und Wünschen beschäftigt ist, weniger dabei auch die Situation anderer Menschen mit einbezieht. Man könnte auch sagen: In Sachen Empathie, also Einfühlungsmöglichkeit im Hinblick auf andere und ihre Situation und Interessen ist sein Verhalten einfach ungenügend. Das sollte man jetzt nicht unbedingt in einer Klausur so schreiben, weil da natürlich auch eigene Emotionen des Schreibers durchklingen. Aber die Diskussion im Unterricht wird dadurch sicher beflügelt 😉
Mit seinen Vorstellungen von den Pflichten als Offizier ist es auch nicht weit her. Er ist schnell bereit, seinen Auftrag einfach zurückgehen zu lassen. Um die Folgen macht er sich nicht viel Gedanken.
Interessant auch, dass er mit seinem Auftreten die anderen ziemlich nervt: Das merkt man am besten am Schluss der Episode, als er – auf der Basis eines klugen Gedankens der Mutter – dann doch noch nach Neapel aufbricht.
Wichtig ist noch, was er vor seiner Abreise bei der Abendtafel erzählt, hier taucht nämlich ein Traum von ihm auf, in dem er die Marquise mit einem Schwan gleichsetzt, den er in seiner Jugend mal mit Kot beworfen hat. Deutlich werden an dem Traum zudem die Reinheit des Schwans/der Marquise und ihre Unzugänglichkeit. Am Ende dann die peinliche Situation, dass er wieder in ein Liebesgeständnis ausbricht.
S. 16

Nach der Rückkehr aus Neapel wieder übergriffiges Verhalten und Scheitern

Nach der Rückkehr des Grafen erscheint er dem Fortmeister „seiner Sinne völlig beraubt“ (S. 29), weil er die verstoßene Marquise ohne Bedenken heiraten will. Das ist verständlich im Rahmen seines Wiedergutmachungsplans. Aber „dass sie mehr wert wäre, als die ganze Welt, die sie verachtete“, erscheint doch etwas übertrieben – er kennt diese Frau doch fast gar nicht. Das ist wohl ein ganz zentrales Problem. Ständig wird von ihm Liebe nur behauptet und auch gefühlsselig-übergriffig praktiziert, so was wie echte innere Gemeinsamkeit wird aber nicht sichtbar.
Fast schon im Stil der Trivialliteratur geht es dann weiter, als der Graf in das Haus der Marquise eindringt und schon wieder übergriffig wird. Er muss fast schon mit Gewalt zurückgestoßen werden. Heute würde man so was als Stalking bezeichnen. (S. 30f)
Es ist dann die Annonce der Marquise, die den Grafen auf den Gedanken bringt, seinerseits auch per Annonce zu antworten und damit Klarheit zu schaffen. Es ist natürlich die Frage, warum er das nicht vorher schon getan hat. Die Marquise hätte ihm sicher zugehört, wenn er ihr zugerufen hätte, dass er der Vater sei. Aber das hätte Kleist natürlich seinen schönen Doppel-Annoncen-Effekt kaputt gemacht. Und so muss man wohl um der Schönheit der literarischen Fiktion auch einige Unstimmigkeiten in der Handlung in Kauf nehmen.

Die gute Idee der Antwort-Annonce wird zum fast vernichtenden Schlag

Interessant, wie sich der Auftritt abspielt, als der Graf zum Täter-Termin erscheint: Besonders die Mutter macht deutlich, dass man sich das doch eigentlich hätte denken müssen. Auch ist sie gleich bereit, alles zu vergeben und zu vergessen. Die Marquise verhält sich demgegenüber sehr viel angemessener, indem sie den Mann, der ihr Engel war, jetzt als Teufel betrachtet und nicht mehr heiraten will. Immerhin ist der Graf jetzt wie „vernichtet“.

Mutter und Vater finden eine pragmatische Lösung zu Lasten des Grafen

Erstaunlich, wie schnell sich auch der Vater auf die Linie der Mutter begibt – nach der Tochter und ihren Gefühlen wird nicht groß gefragt. Der Graf tritt bei diesen Entscheidungen in den Hintergrund, spielt eigentlich nur mit. Was seine Tränen bei der Unterschrift unter den Hochzeitskontrakt beweinen, wird nicht geklärt.
Er muss es dann hinnehmen, dass er auch öffentlich noch kein vollwertiger Bräutigam ist. Er darf sich erst unmittelbar vor der Kirche der Familie anschließen. Bei der Zeremonie schaut die Marquise ihn nicht mal an. Nach der Trauer bietet er eine recht schlechte Figur.

Happy End mit Hilfe anständigen Betragens und ein bisschen Zeichen der Liebe am Ende

Schließlich muss er sich regelrecht an seine Frau ranrobben, wird aber von den Eltern der Marquise unterstützt. Auch hier weiter kein Eingehen auf eine innere Bindung. Erst viel später, als er sie fragt, warum sie ihn damals als Teufel bezeichnet hat, bekommt er eine Antwort und eine Umarmung.

Vorläufige Zusammenfassung

Der Graf verhält sich von Anfang an nicht wie ein Offizier, der gute Eindruck, den er macht, wird mehr behauptet als überzeugend erzählt.
Sein Verhalten gegenüber der Familie und besonders gegenüber der Marquise ist egomanisch, ohne Verständnis für die andere Seite und wird schließlich fast gewalttätig.
Was die Entwicklung zum Guten angeht, hat er zwar eine passende Idee mit der 2. Annonce, aber auch hier zeigt sich bei ihm kein wirkliches Verständnis für sein Opfer.
Am Ende verdankt er sein Glück wohl nur den Spielregeln der Zeit, nach denen die eheliche Versorgung der Tochter für ihre Eltern den höchsten Stellenwert hat.
Insgesamt hat man den Eindruck, dass es sich bei dem Grafen um einen Getriebenen handelt, dessen wirkliche Liebes-Gefühle für die Marquise nirgendwo deutlich werden.
Auch am Ende wird das Glück nach dem 2. Ja-Wort mehr behauptet als erzählerisch dargestellt, es sei denn, der Hinweis auf die fröhliche Nachkommenschaft und ein einziges offenes partnerschaftliches Gespräch reichen dem Leser dafür aus.

Essay statt Charakteristik: Ein Versuch zum Grafen F. in Kleists „Marquise von O….“

Was ist das überhaupt – ein Essay?

Unter einem Essay versteht man die Auseinandersetzung mit einem Problem oder einer Frage, wobei es nicht nur auf Sachlichkeit ankommt, sondern auch auf eine ansprechende Darstellung. Der Verfasser eines Essay will also nicht nur zeigen, dass er denken kann, sondern es soll auch deutlich werden, dass er schön schreiben kann.

Außerdem darf man ernstnehmen, was „essais“ im Französischen eigentlich heißt: Versuche. Es geht also mehr um einen vorläufigen Ansatz, der dann in der Auseinandersetzung mit anderen Leuten geprüft und optimiert werden kann.

Berühmte Beispiele für Essays sind zum Beispiel

Von Lessing, „Laokoon oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie aus dem Jahre 1766″

Darin geht es um die grundsätzlichen Unterschiede zwischen der sog. „bildenden“ Kunst – in diesem Falle einer vom Bildhauer geschaffenen Skulptur und einer literarischen Verarbeitung des Stoffes.
http://www.zeno.org/Literatur/M/Lessing,+Gotthold+Ephraim/%C3%84sthetische+Schriften/Laokoon
Interessant ist, wie Lessing beginnt: Er stellt sich nämlich drei verschiedene Menschen vor, die Malerei und Poesie vergleichen. Der erste ist ein Liebhaber, der zweite ein Philosoph und der dritte ein „Kunstrichter“, also jemand, der künstlerische Werke einschätzt und bewertet.
Wer mehr wissen will, kann hier die Details lesen:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Lessing,+Gotthold+Ephraim/%C3%84sthetische+Schriften/Laokoon?hl=lessing+laokoon

 

Von Nietzsche, Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne aus dem Sommer 1873

Hier geht es um die Frage, inwieweit die normale Sprache überhaupt in der Lage ist, eine Wahrheit auszusprechen.
http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/%C3%9Cber+Wahrheit+und+L%C3%BCge+im+au%C3%9Fermoralischen+Sinn?hl=nietzsche+luge
Interessant ist, wie Nietzsche hier beginnt:
„In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der »Weltgeschichte«; aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. “
entnommen: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/%C3%9Cber+Wahrheit+und+L%C3%BCge+im+au%C3%9Fermoralischen+Sinn

Essays heute

Dass auch aktuell noch Essays geschrieben werden, kann man an der folgenden Sammlung sehen:

http://www.reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Reporterpreis_2011/Essay/Reader_Essay_2011.pdf

Essays in der Schule

Es ist klar, dass der damit verbundene Anspruch in der Schule nicht ohne weiteres von Schülern geleistet werden kann. Dennoch kann es sehr reizvoll sein, mal nicht etwas nur zu analysieren oder im strengen Sinne zu erörtern, sondern den eigenen Gedanken, aber auch den Gefühlen etwas Freiheit zu gewähren – und vor allem – wie schon gesagt – zur Diskussion anzuregen.

  1. Deshalb kommt es uns für die Schule darauf an, dass man sich auch wirklich mal „aufregen“ kann und soll. Gemeint ist damit, dass man auch schon als Schüler eine Idee haben kann, dass da etwas mal genauer geprüft werden sollte.
    Wir haben uns zum Beispiel über den Grafen F. in Kleists Novelle „Die Marquise von O….“ aufgeregt. Irgendwie schien sein Verhalten nicht zu einem Ehrenmann zu passen, wirkte auch ein bisschen kindisch-unüberlegt – und auch seine angebliche Liebe konnte uns nicht so ganz überzeugen.
  2. Daraus entsteht dann ein Thema, dass man möglichst präzise als Fragestellung oder als Idee einer möglichen These (Hypothese) formulieren sollte: Unsere Hypothese war/ist, dass es sich um eine sehr problematische Figur handelt mit einem sehr fragwürdigen Verständnis von Liebe
  3. Natürlich muss man dann auch hart an der Sache arbeiten, darf dabei aber immer auch ein bisschen zuspitzen, gewissermaßen provozieren.
    1. Was den Ehrenmann angeht, hat es uns geholfen, erst mal davon auszugehen, dass da ein Verbrecher bei dem Vater seines Opfers um dessen Hand anhält.
    2. Unglaublich fanden wir auch, dass er die Marquise heiraten wollte, ohne seine Schuld zuzugeben und um Verzeihung zu bitten.
    3. Außerdem nervte uns das leidenschaftliche Getue, das uns in erster Linie egoistisch vorkam, zum Teil richtig zudringlich und fast schon übergriffig.
  4. Dabei sollte irgendwann auch eine Idee für einen Einstieg kommen, der deutlich macht, dass es sich lohnt, sich mit der Frage zu beschäftigen.
    So könnte man etwa mit der Szene beginnen, in der der scheinbar von den Toten auferstandene Offizier sich als Ehrenmann ausgibt und eigentlich ein Verbrecher ist. Außerdem gibt er sich in dieser Szene nicht viel Mühe mit seinem Antrag – der kommt so ganz nebenbei.
  5. Am Ende steht für uns das, was einen guten Essay in der Schule ausmacht, nämlich die Zusammenfassung dessen, was man für sich als sicher festgestellt hat. Dazu gehören aber auch offene Fragen, denn jede gute Suche nach Antworten ruft auch neue Fragen hervor. Wenn man das wieder ein bisschen zuspitzt, hat man auch schon gute Diskussionsanregungen.
  6. Für die Schule ganz wichtig ist dann, dass ein Essay nicht einfach abgegeben und ggf. nur vorgetragen wird, sondern dass es dann auch tatsächlich eine kritische Prüfung der Ergebnisse gibt, eine echte Auseinandersetzung in der Sache. Am Ende sollten alle „schlauer“ sein – und die Dankbarkeit sich auf alle erstrecken, die sich daran beteiligt haben, in erster Linie natürlich auf den, der die Ergebnisse mit seinen Vorüberlegungen und Vorarbeiten möglich gemacht hat.

Unser Versuch im Hinblick auf die Figur des Grafen F….

Wir wollen das mal am Beispiel des Grafen F…. in Kleists Novelle „Die Marquise von O….“ zeigen. Normalerweise nähert man sich in der Schule solchen Figuren nur über eine strenge Charakteristik, bei der alles mit Zitaten belegt werden muss. Wir versuchen das, wie oben beschrieben jetzt mal anders.

Wer eine „normale“ Charakteristik der Figur sucht, wird hier fündig:
https://schnell-durchblicken4.de/marquise-charakteristik-des-grafen-f

Der Ausgangspunkt für einen Essay – Aufregung

Das Schöne am Essay ist, dass man nicht etwas sagen muss (wie bei den normalen Deutsch-Aufgaben), sondern etwas zu sagen hat.

Bei uns war das so, dass wir uns – je länger wir uns mit dieser Figur des Grafen F. beschäftigt haben – umso mehr aufgeregt haben. Daraus entwickelte sich schließlich eine Hypothese, nämlich, dass es sich um eine sehr problematische Figur handelt mit einem sehr fragwürdigen Verständnis von Liebe.

Zur Aufregung gehört ein „aufreizender“ Einstieg

Für den Anfang eines Essays braucht man natürlich erst einmal einen aufreizenden Gedanken. Bei uns war es eine zunehmende Infragestellung dieses Mannes. Wir fanden es ziemlich peinlich, dass er sich gegenüber dem Vater seines Opfers, das er auch noch heiraten will, als Ehrenmann bezeichnet und auch noch gut ankommt.

Peinlich fanden wir auch, wie der Mann sich präsentiert, als er nach seinem angeblichen Tod endlich Gelegenheit hat, sich der Familie und vor allem der Marquise zu erklären.

Der Versuch einer Infragestellung des Ehrenmanns

Schauen wir uns deshalb diesen selbsternannten Ehrenmann einmal genauer an:

Das ganze Drama um diese Marquise beginnt ja damit, dass dieser Graf als russischer Offizier die bedrohte Dame vor der Vergewaltigung durch Soldaten schützt, dann aber nichts Besseres zu tun hat, als sie bei der ersten günstigen Stelle (er ist mit ihr allein und sie ist ohnmächtig) selbst zu vergewaltigen, sich anschließend den Hut aufzusetzen und dann wieder ins Geschehen einzugreifen. Interessant dabei ist, dass ein angeblich so fähiger Offizier seine Aufgabe darin sieht, sich selbst zur Lösung des Brandes in die Reihe der Wasserträger zu stellen, statt den Überblick zu behalten und alles zu organisieren.

Infragestellung der Führungsqualitäten des Grafen

Damit sind wir schon bei einem zweiten Punkt, nämlich der Frage, wie es um die Führungsqualitäten dieses Offiziers aussieht, der ja immerhin schon Orden bekommen hat und anscheinend hochangesehen ist.

Als er jedenfalls vom Befehlshaber der russischen Truppen nach näheren Einzelheiten des Geschehens um die Marquise befragt wird, stottert und eiert er nur herum. Anscheinend reicht sein Verstand nicht soweit, die Folgen seiner Tat beziehungsweise des Vorfalls zu bedenken. Vielleicht ahnt er aber auch, dass er ja eigentlich genauso bestraft werden müsste wie die einfachen Soldaten, auch wenn er als Offizier gewisse Privilegien genießt.

Infragestellung der moralischen Qualitäten des Grafen

Spannend wird es, als der Graf nach seinem angeblichen Tod bei der Familie auftaucht und jetzt die Gelegenheit wäre, Klarheit zu schaffen. Tatsächlich fragt er kurz nach dem Wohlergehen der Marquise. Als es anscheinend keine Probleme gibt, ist diese ganze Vergewaltigungsgeschichte für ihn ganz offensichtlich erledigt. Er glaubt, wenn er die Marquise jetzt heiratet, sei alles in Ordnung. Anscheinend hat er keine Probleme bei dem Gedanken, mit dieser Frau ein Leben lang zusammen zu sein, ohne ihr die Wahrheit zu sagen.

Noch schlimmer wird es, als er nach seiner Rückkehr aus Neapel die angeblich Geliebte regelrecht bedrängt, wobei es zu Szenen kommt, die man aus einfachen Trivialromanen kennt. Es ist einfach peinlich, wie dieser Kriminelle auf die adlige Dame losgeht, die ihn schließlich regelrecht von sich stoßen muss. Er überlegt tatsächlich, ob er irgendwo durch ein Fenster steigen könnte, um sein Ziel zu erreichen, „es koste, was es wolle“. Man mag sich nicht ausdenken, was dieser Vergewaltiger in seiner Gefühlsnot hier vielleicht noch für Mittel eingesetzt hätte.

Der Graf als Nutznießer fremder Intelligenz

Der Graf hat dann einfach nur Glück, dass die Eltern der Marquise so sehr an einem geregelten Familienleben interessiert sind, dass sie für ihn ein Arrangement finden. Er zeigt sich dann finanziell und testamentarisch recht großzügig. Ansonsten ist aber nur davon die Rede, dass er sich jetzt einigermaßen anständig gegenüber der Marquise verhält und auf diese Art und Weise für sie zumindest akzeptabel wird.

Die Frage nach der Liebe

Dass die beiden sich dann zunehmend gut verstehen und auch fröhlich einige Kinder in die Welt setzen, ist ja ganz schön. Man vermisst nur in der gesamten Novelle allerdings völlig irgendetwas, was über reine Leidenschaft hinausgeht und wirklich nach Liebe aussieht.

Schluss:

Insgesamt erscheint der Graf als eine über aus gefühlvolle und über den direkten Augenblick kaum hinaus denkende Figur, die so etwas wie Wiedergutmachung sehr eigenwillig interpretiert. Es zeigt sich bei ihm eigentlich nur auf sich selbst gezogene Leidenschaft und nur in Ansätzen so etwas Verantwortung gegenüber einem Menschen, den man angeblich liebt. Damit hat sich unsere Ausgangshypothese bestätigt, dass es sich um eine sehr problematische, ich-bezogene und wenig nachdenkliche Person handelt.

All das ändert nichts daran, dass Kleist eine wunderbare Novelle geschrieben hat, in der er sich eine „unerhörte Begebenheit“ aus wirken lässt. Letztlich interessierten ihn die beiden Frauengestalten wohl sehr viel mehr, die immerhin auf für die Verhältnisse der Zeit sehr weitreichende Weise für sich Autonomie erkämpften.

Noch eine kleine Ergänzung: Vergleich mit Ferdinand in „Kabale und Liebe“

Das egomanische Verhalten des Grafen F…. hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem adligen Ferdinand in Schillers Drama „Kabale und Liebe“.

Der „liebt“ seine Luise, eine Bürgerliche, auch vor allem, um sich etwas zu beweisen, nämlich dass er Standesgrenzen überspringen kann.

Und dieses spezielle Interesse an einer Sache führt dann zu einem erstaunlichen Desinteresse an einer Person, nämlich seiner Geliebten.

Letztlich läuft das darauf hinaus, dass er vorbeischaut und sich nur für sich interessiert. Für Luises Sorgen und Probleme hat er keinen Blick.
Entlarvend ist das kurze Statement Ferdinands:
“ Ich fliege nur her, will sehn, ob du heiter bist, und gehn und es auch sein – du bists nicht.“
Und anschließend macht er ihr Ärger, weil sie seinen Vorstellungen nicht entspricht.
http://www.zeno.org/Literatur/M/Schiller,+Friedrich/Dramen/Kabale+und+Liebe/1.+Akt/4.+Szene

Das passt sehr gut zu der Gesundheitsfrage am Anfang des ersten Heiratsantrags des Grafen F….

Essays auf unseren Seiten

Weiterführende Hinweise

Edit „Essay statt Charakteristik: Ein Versuch zum Grafen F. in Kleists „Marquise von O….““

Weiterführende Hinweise

Klausur: Vergleich des Umgangs mit dem Rauswurf aus der Familie bei der Marquise von O…. und Effi Briest

Vergleichsmöglichkeit: Marquise von O…. und Effi Briest

Klausurvorschlag und Video mit Erklärungen

Im Folgenden präsentieren wir einen Auszug aus Fontanes Roman „Effi Briest“, den man gut vergleichen kann mit Kleists „Die Marquise von O….“

Unten kann man sich Text und Aufgabenstellung herunterladen – und es selbst mal probieren.

Wichtige Infos zum Vergleich ganz allgemein gibt es in einem Video, auf das wir weiter unten auch verweisen.

Sollte es Fragen oder Anmerkungen zur Lösung geben, können die gerne an uns geschickt werden.

Am besten verwendet man diese Adresse:

https://www.schnell-durchblicken.de/kontakt/

Information zum Kontext der Textvorlage

Theodor Fontane

Effi Briest (Anfang des 31. Kapitels)

Effi Briest hat sich jung mit dem deutlich älteren Innstetten verheiraten lassen und fühlt sich im Laufe der Zeit nicht mehr wohl in der Ehe. Dies führt schließlich dazu, dass sie sich mit einem Offizier namens Crampas einlässt.

Die Affäre wird dann aber beendet, als das Paar aus der Provinz nach Berlin umzieht.

Während Effi sich zur Kur in Bad Ems aufhält, entdeckt ihr Mann  alte Briefe, die sie mit Crampas ausgetauscht hat, fordert den Mann zum Duell und erschießt ihn dabei.

Effi wird über all das durch einen Brief ihrer Eltern informiert und ist beim ersten Lesen ohnmächtig zusammengebrochen.

Textvorlage für die Klausurübung

Minuten vergingen. Als Effi sich wieder erholt hatte, setzte sie sich auf einen am Fenster stehenden Stuhl und sah auf die stille Straße hinaus. Wenn da doch Lärm und Streit gewesen wäre; aber nur der Sonnenschein lag auf dem chaussierten Wege und dazwischen die Schatten, die das Gitter und die Bäume warfen. Das Gefühl des Alleinseins in der Welt überkam sie mit seiner ganzen Schwere. Vor einer Stunde noch eine glückliche Frau, Liebling aller, die sie kannten, und nun ausgestoßen. Sie hatte nur erst den Anfang des Briefes gelesen, aber genug, um ihre Lage klar vor Augen zu haben. Wohin? Sie hatte keine Antwort darauf, und doch war sie voll tiefer Sehnsucht, aus dem herauszukommen, was sie hier umgab, also fort von dieser Geheimrätin, der das alles bloß ein „interessanter Fall“ war und deren Teilnahme, wenn etwas davon existierte, sicher an das Maß ihrer Neugier nicht heranreichte.

„Wohin?“

Auf dem Tische vor ihr lag der Brief; aber ihr fehlte der Mut, weiterzulesen. Endlich sagte sie „Wovor bange ich mich noch? Was kann noch gesagt werden, das ich mir nicht schon selber sagte? Der, um den all dies kam, ist tot, eine Rückkehr in mein Haus gibt es nicht, in ein paar Wochen wird die Scheidung ausgesprochen sein, und das Kind wird man dem Vater lassen. Natürlich. Ich bin schuldig, und eine Schuldige kann ihr Kind nicht erziehen. Und wovon auch? Mich selbst werde ich wohl durchbringen. Ich will sehen, was die Mama darüber schreibt, wie sie sich mein Leben denkt.“

Und unter diesen Worten nahm sie den Brief wieder, um auch den Schluß zu lesen.

„… Und nun Deine Zukunft, meine liebe Effi. Du wirst Dich auf Dich selbst stellen müssen und darfst dabei, soweit äußere Mittel mitsprechen, unserer Unterstützung sicher sein. Du wirst am besten in Berlin leben (in einer großen Stadt vertut sich dergleichen am besten) und wirst da zu den vielen gehören, die sich um freie Luft und lichte Sonne gebracht haben. Du wirst einsam leben und, wenn Du das nicht willst, wahrscheinlich aus Deiner Sphäre herabsteigen müssen. Die Welt, in der Du gelebt hast, wird Dir verschlossen sein. Und was das traurigste für uns und für Dich ist (auch für Dich, wie wir Dich zu kennen vermeinen) – auch das elterliche Haus wird Dir verschlossen sein; wir können Dir keinen stillen Platz in Hohen-Cremmen anbieten, keine Zuflucht in unserem Hause, denn es hieße das, dies Haus von aller Welt abschließen, und das zu tun, sind wir entschieden nicht geneigt. Nicht weil wir zu sehr an der Welt hin gen und ein Abschiednehmen von dem, was sich ‚Gesellschaft‘ nennt, uns als etwas unbedingt Unerträgliches erschiene; nein, nicht deshalb, sondern einfach, weil wir Farbe bekennen und vor aller Welt, ich kann Dir das Wort nicht ersparen, unsere Verurteilung Deines Tuns, des Tuns unseres einzigen und von uns so sehr geliebten Kindes, aussprechen wollen…“

Effi konnte nicht weiterlesen; ihre Augen füllten sich mit Tränen, und nachdem sie vergeblich dagegen angekämpft hatte, brach sie zuletzt in ein heftiges Schluchzen und Weinen aus, darin sich ihr Herz erleichterte.

Der Text des Auszugs aus dem Roman ist zum Beispiel hier zu finden:

http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Romane/Effi+Briest/31.+Kapitel

Aufgabenstellung:

  1. Analysieren Sie den Textauszug im Hinblick auf die Maßnahmen, denen Effi sich ausgesetzt sieht, und ihre Reaktion darauf.
  2. Beschreiben Sie differenziert die Intentionalität des Textauszugs und zeigen Sie auf, wie sie durch erzählerische und sprachliche Mittel unterstützt wird.
  3. Vergleichen Sie Effis Situation mit der der Marquise, als sie das Elternhaus verlassen muss, und berücksichtigen Sie dabei besonders die Frage des Umgangs mit dem Kind bzw. den Kindern.

Textauszug mit Aufgabenstellung als PDF-Download

Mat1244 Effi Briest Tochter weggenommen HP

Video zum Vergleich von „Marquise von O….“ und „Effi Briest“

Auf Youtube hier zu finden:

Download der Dokumentation zum Video VidBegl5 Vergleich Marquise Effi Briest Mat1255 VidBegl5 Vergleich Marquise Effi Briest

Weiterführende Hinweise:

Weitere Hilfen, Tipps und Übungen zum schriftlichen Abitur finden sich hier:
https://schnell-durchblicken3.de/index.php/schnell-durchblicken-kurse/vorbereitung-des-schriftlichen-abiturs-in-deutsch

Eine alphabetische Gesamtübersicht über unsere Tipps und Materialien gibt es hier:
https://schnell-durchblicken3.de/index.php/uebersichten/alphabetische-uebersicht-ueber-die-infos-und-materialien

Edit „Klausur: Vergleich des Umgangs mit dem Rauswurf aus der Familie bei der Marquise von O…. und Effi Briest“

Marquise von O…., Auswertung der Infos und Thesen aus einer Biografie (Günter Blamberger)

Was kann eine Schriftsteller-Biografie für die Interpretation zum Beispiel einer Novelle leisten?

  1. Wenn man im Unterricht ein literarisches Werk bespricht, dann sollte man zunächst einmal versuchen, sich ihm als Leser einfach so (d.h. ohne fremde Hilfe) zu nähern, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Jedes literarische Werk richtet sich ja auch ganz einfach an Leser und nicht in erster Linie an Literaturwissenschaftler.
  2. In einem zweiten Schritt ist es natürlich sehr sinnvoll, auch deren Untersuchungsergebnisse und Einschätzungen aufzunehmen, um den eigenen Blick zu erweitern.
  3. In der Regel greift man da auf Informationen zurück, wie sie die Schulbuchverlage und andere Bildungslieferanten speziell für den Unterricht bereitstellen.
  4. Es lohnt sich aber immer wieder auch mal, darüber hinauszugehen und in Darstellungen zu schauen, die über dieses allgemein Bekannte hinausgehen. Das können spezielle Untersuchungen zu einzelnen Themen sein oder aber auch Gesamt-Beschreibungen des Lebens und des Werkes von Schriftstellern. Die haben den großen Vorteil, dass es sich um Spezialisten handelt, bei denen man ein Lebenswerk eingeordnet bekommt und zwar in den gesamten Zusammenhang des Lebens und des Schaffens eines Schriftstellers.
  5. Letztlich greifen natürlich auch die Schulbuchverlage auf solche Informationsquellen zurück, aber man findet immer wieder auch Originelles und über das Bekannte hinausgehendes.

Unser Beispiel: „Die Marquise von O….“ in Günter Blumbergers Kleist-Biografie

Wir zeigen das im folgenden mal am Beispiel einer Kleistbiografie von Günter Blamberger Heinrich von Kleist. Biographie. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2011 ISBN 978-3-10-007111-8 (Fischer Taschenbuch Verlag, 2012 ISBN 978-3-596-15346-6) Er geht in einem Kapitel auch ganz explizit auf die Marquise von O…. ein. Da interessieren uns zwei Dinge:

  • Zum einen: Worauf geht er überhaupt ein
  • und zum zweiten: Welche speziellen Ergebnisse werden präsentiert, die man nicht so ohne weiteres in allen anderen Informationsschriften findet.

Dabei ist uns Folgendes aufgefallen:

1. Der Zeitpunkt der Entstehung

Gleich am Anfang geht es um einen Punkt, der jetzt für den Unterricht nicht besonders wichtig ist, wohl aber interessant. Denn in fast allen Interpretation liest man, dass die Novelle 1808 oder kurz davor entstanden sein soll, 1808 wurde sie erstmals veröffentlicht. Hier erfährt man jetzt von einem Experten für die Lebensgeschichte Kleists, dass dieser diese Novelle wohl bereits 1805/06  geschrieben hat. Er musste dann wohl warten, bis er endlich eine eigene Zeitschrift („Phöbus“) aufgemacht hatte, in der diese – für die damalige Zeit skandalöse Geschichte – erscheinen konnte.

2. Gleich eine Einordnung in den Werkzusammenhang

Als nächstes erfolgt eine Einordnung in das Gesamtwerk – und zwar nicht zeitlich oder thematisch, als „Ausnahme von der Regel“. Das wird dann im Folgenden näher ausgeführt: „Am Ende wird geheiratet, zwei Liebende versöhnen sich und gründen eine Familie, Idealismus pur“. Man ahnt schon, dass es ansonsten so positiv-harmonisch in Kleists Werk nicht zugeht. Wenn man dann etwas Seite zurückblättert in der Biografie, wird klar, wovon die „Marquise von O….“ eine Ausnahme zu sein scheint: Da geht es nämlich um eine andere Novelle mit dem Titel „Der Findling“, die in der Schule wohl eher unbekannt ist – und das auch wohl zu Recht. Denn es handelt sich um eine ziemlich wilde Geschichte, in der der Händler Antonio Piachi nach dem Tod seines Todes einen anderen Jungen, der die Pestepidemie überstanden hat, adoptiert. Dieser Nicolo hat später viele Affären, u.a. versucht er auch in Verkleidung seine Stiefmutter zu verführen. Er wird dann von Piachi umgebracht, der anschließend hingerichtet wird, ohne vorher die Absolution anzunehmen – weil er Nicolo auch noch in der Hölle verfolgen will. In den Ausführungen Blambergers wird dann deutlich, was für ihn bei Kleist der Normalfall ist, nämlich eine Ausnahmesituation, die dann ein Handeln auslöst, was schließlich mehr oder weniger zur Katastrophe führt. Kurz vor dem Einstieg in die „Marquise von O….“ wird dann Kleists Erzählansatz wie folgt zusammengefasst: „Radikal destruktiv ist er dabei, unfähig zur heiteren Distanz angesichts der Scheinhaftigkeit und Affektverfallenheit allen menschlichen Handelns. Der Grund dafür liegt nahe. Hinter Kleist Moralistik steckt letztlich nichts anderes als enttäuschter Idealismus.“ Passend dazu wird die Entwicklung des „Findlings“ so im Hinblick auf Kleist ausgewertet: „Bildungsromane kann er nicht schreiben, aber Antibildungsgeschichten wie den Findling.“ Es ist kein Wunder, dass Blamberger dann nach dem Schein des Anfangs gleich auf die Vergewaltigungskatastrophe verweist, die einen komplizierten Anstrengungs- und Bewährungsprozess erfordert, bevor es am Ende zum zweiten, glücklicheren Eheschluss kommen kann.

3. Erweiterte Hinweise auf das Novellen-Verständnis des 19. Jahrhunderts

Was die Novelle im 19. Jahrhundert angeht, kann man fast überall lesen, dass Goethe eine „unerhörte Begebenheit“ als zentralen Gegenstand angegeben hat und Theodor Storm die Novelle als „kleine Schwester des Dramas“ betrachtet. Blamberger verweist auf „Novellendefinitionen des 19. Jahrhunderts“

  1. „denen zufolge Novellen Sonder- und Ausnahmsfälle darstellen, die ‚hinter dem Rücken der bürgerlichen Auffassungen‘ vorgefallen sind, so August Wilhelm Schlegel, [Das kann man nun wirklich sagen, wenn man an die Ausgangstat des Grafen F…. gegenüber der Marquise denkt.]
  2. oder über das ‚gesetzliche Maas hinweg‘ schreiten und ‚Seltsamkeiten‘ präsentieren, ‚die nicht mit dem moralischen Sinn, mit Convenienz oder Sitte unmittelbar in Harmonie stehn‘, so Ludwig Tieck. [Auch das trifft auf die „Marquise von O….“ zu. Der Graf zeigt sich am Anfang tatsächlich als Rechtsbrecher – und seltsam ist sein Verhalten für das eines Retters auch. Und der Vergleich mit Moral und Sitte ist überaus schonend formuliert.]
  3. Paul Heyse vergleicht die Tätigkeit eines Novellisten mit der eines Chemikers, der die ‚Wirkung gewisser Elemente, ihren Kampf um das endliche Ergebniß isolieren muß‘, also mit Explosivstoffen handelt und dabei zeigt, welche Triebkräfte Figuren in Grenzsituationen bewegen.“ [Das ist wahrscheinlich die interessanteste Formulierung und passt am besten zu Kleist, der tatsächlich in der „Marquise von O….“ eine Ausgangssituation schafft mit mehreren Beteiligten, die sich dann explosiv entwickelt. Ähnliches gilt übrigens für die Novelle „Michael Kohlhaas“, wo auch aus einer scheinbaren Kleinigkeit etwas Ungeheures sich konsequent entwickelt.]

4. Die besondere Situation des Erzählers

Wer sich ein bisschen mit der Novelle beschäftigt hat, kennt auch die Bedeutung dieses Gedankenstrichs, der für die Situation steht, in der es zwischen Graf und Marquise zur Sache geht. Interessant fanden wir den Hinweis, dass der Erzähler sich hier ja in einer schwierigen Situation befindet, weil er etwas irgendwie erzählen muss, worüber die Beteiligten nicht reden können beziehungsweise wollen. Denn schon so war die ganze Geschichte ja skandalös genug und wurde ja auch einige Zeit durch staatliche Zensur gewissermaßen aus der Öffentlichkeit entfernt.

5. Die Geschichte mit dem Schwan

Es gibt eine Stelle in der Novelle, die leicht überlesen wird. Als der Graf gefragt wird, wie er denn von den Toten gewissermaßen wieder auferstehen konnte, erzählt er eine schon ziemlich wilde Traumgeschichte. Unser Kleistbiograf geht hier so weit, sogar die These zu vertreten, dass der Graf sich doch eigentlich verrät, wenn er erzählt, „er habe im Traum die Marquise mit einem Schwan verwechselt, diesen Schwan mit Kot beworfen, der jedoch rein aus dem Wasser wieder aufgetaucht sei. Der Schwanentraum begeistert Freudianer, weil er das Unbe- wusste, die sexuellen Triebkräfte, bewusst macht, wie es sich Psychoanalytiker von Traumerzählungen erhoffen.“ Hochinteressant sind die Anmerkungen des Autors, der dabei ein zeitgenössisches Lexikon auswertet:Er stellt dabei fest, dass der „Vergleich der Marquise mit einem Schwan, der, schlägt man in Zedlers Universal- Lexicon nach, ein zweideutiges Sinnbild ist, ein Sinnbild der Unschuld und der Frömmigkeit, weil er mitten in faulen Wassern dennoch seine Weisse behält , jedoch auch der Falschheit, weil er ein schwarzes Fleisch mit weissen Federn decket, und also auswendig anders als inwendig beschaffen ist .“ Der Autor zieht dann noch Kleists berühmten nachträglichen Hinweis in Form eines Distichons hinzu, die Marquise habe sich bei der sogenannten Vergewaltigung nur die Augen zugehalten und stellt dann fest: „Mittels des Distichons und des Schwanenbildes, als außerhalb und innerhalb der Novelle, wird dem Leser eine Lektüreanwei- sung gegeben, dass die Marquise ebenso wie der russische Graf eine Kippfigur sein könnte, die gemeinhin Getrenntes vereint. Der Graf ist Engel und Teufel zugleich, die Marquise vielleicht wie der Schwan ein Vexierbild von Unschuld und Falschheit. „

6. Auswertung der sogenannten „Falkentheorie“

Gemeint ist damit ja, dass – ausgehend von einer Novelle aus der berühmten Sammlung des Boccaccio – jede Novelle einen Falken haben müsse, ein Dingsymbol, das den Kern der Erzählung in einem Bild zusammenfasst. Hier ist der Verfasser eher zurückhaltend, er hält ein solches Symbol nicht für unbedingt nötig. In diesem Zusammenhang verweist er auch darauf, dass der Novellenbegriff im heutigen Sinne zu Kleists Zeiten noch ungebräuchlich war. Stattdessen wollte dieser eine entsprechende Sammlung ursprünglich „Moralische Erzählungen“ nennen. Wir sind der Meinung, dass der Schwan schon das Zeug zum „Falken“-Symbol hätte, wenn er denn eine zentrale Rolle in der Geschichte spielen würde. Aber wenn man ihn mit dem Engel-Teufel-Gegensatz in Verbindung sieht, erscheint das durchaus brauchbar. Denn der passt zum einen zur der Schwan-Traum-Geschichte, zum anderen zu dem mehrfach erwähnten Teufelsmotiv.

7. Mögliche Quellen der Novelle

Die Hinweise des Kleist-Biografen erscheinen sehr interessant. Zunächst wird erst mal festgestellt, dass man darüber nur spekulieren könne. Erwähnt wird dann Erwähnt wird dann Miguel de Cervantes‘ Erzählung Lafuerza de la sangre (Die Macht des Blutes), die sich interessanterweise  in seinen Novelas ejemplares (Exemplarische Novellen, 1613) findet. Das passt gut zu der ursprünglichen Sammlungstitel-Idee von Kleist. Entscheidende Vergleichspunkte sind dabei. Wir greifen hier auf die Zusammenfassung des Biografen zurück:

  1. „ein Ritter namens Rodolfo,
  2. der in Toledo die schöne Leocadia, ein sechzehnjähriges Mädchen,
  3. überfällt, der Ohnmächtigen die Augen verbindet, sie zu sich nach Hause entführt, vergewaltigt und dann wieder freisetzt.
  4. Leocadia behält zwei Erinnerungen davon, ein silbernes Kruzifix, das sie heimlich aus der Kammer ihres Peinigers entwendet hat,
  5. und einen Sohn namens Luis,
  6. der sieben Jahre später bei einem Wettreiten durch Zufall verletzt
  7. und von Rodolfos Vater aufgefunden und versorgt wird.
  8. Leocadia findet den Knaben in der Kammer wieder, in der sie vergewaltigt wurde,
  9. zeigt Rodolfos empörten Eltern zum Beweis das Kruzifix,
  10. diese konfrontieren den liederlichen Sohn mit seinem Opfer,
  11. und das Wunder geschieht: Die beiden verlieben sich auf den ersten Blick – bei der traumatischen Begegnung Jahre zuvor hatte Leocadia Rodolfoja nicht sehen können.“
  12. Der Kleistbiograf hält das für eine „abstruse Geschichte, in der das glückliche Ende zunächst durch eine göttliche Fügung, versinnbildlicht durch das Kruzifix, und durch die Ähnlichkeit von Luis und Rodolfo besorgt wird, letztlich aber durch Leocadias Wahrnehmung von Identität und Differenz des Liebhabers.“
  13. Was Kleists Novelle angeht, führt für den Biografen nicht ein Kruzifix, sondern die Annonce zum Auffinden des Täters.
  14. Der zweite Vergleichspunkt ist dann: „Geheiratet wird dann, aber nicht aus Liebe. Der Bräutigam war bekannt, der Augenschein trügerisch, er kann seinen Wandel nicht mehr garantieren, der Ehemann wird in praxi ein Jahr getestet, die zweite Hochzeit ist das Ergebnis einer Bewährungsprobe, ob aus dem Teufel jetzt wirklich ein Engel, aus dem Vergewaltiger ein Liebender geworden ist.“
  15. Insgesamt ist der Biograf hier aber nicht so ausführlich und differenziert wie zum Beispiel Dirk Jürgens, der in dem entsprechenden Band der Königs Erläuterungen auf ca. 10 Seiten  diesen Aspekt des Themas abhandelt. (Textanalyse und Interpretation zu Heinrich von Kleist, Die Marquise von O…, Jürgens, Dirk. – Hollfeld : Bange Verlag, 2. Auflage, 2018, S. 24-33)

8. Zur Frage der Sexualität und die Grundfrage des Werkes

  • Hier geht der Autor zunächst auf den berühmten Zweizeiler ein, den Kleist kurz nach der Veröffentlichung der Novelle hinterhergeschoben hat und zwar in der Phöbus-Ausgabe vom April/Mai 1808: „Dieser Roman ist nicht für dich, meine Tochter. In Ohnmacht’/Schamlose Posse! Sie hielt, weiß ich, die Augen bloß zu.“ Was die möglichen Motive dieser Ungeheuerlichkeit einer Art Erweiterung des fiktiven Textes auf seltsamem Weg angeht, so werden genannt: a. ein Sich-lustig-Machen über pikierte Leser der Novelle b. oder aber auch ernsthafter eine Diskreditierung der scheinbar so moralischen Figur.
  • Sehr viel ausführlicher geht er dann auf das seltsame Verhalten des Vaters gegenüber der Tochter ein, die er nach der Versöhnung wie eine Geliebte behandelt.
  • Der Schlussakzent der Interpretation widmet sich der moralischen Grundfrage, die in Kleists Worten so zitiert wird: „Was heißt das auch, etwas Böses thun, der Wirkung nach? Was ist böse? Absolut böse? Tausendfältig verknüpft u verschlungen sind die Dinge der Welt, jede Handlung ist die Mutter von Millionen andern, u oft die schlechteste erzeugt die beßten – Sage mir, wer auf dieser Erde hat schon etwas Böses gethan? Etwas, das böse wäre in alle Ewigkeit fort -?“ (Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. 4 Bde. Hg. von Ilse-Marie Barth, Klaus Müller-Salget, Stefan Ormanns und Hinrich C. Seeba. Frankfurt/M. 1987-1997, Band IV, 26f)

Weiterführende Hinweise

Die Themenseite zur „Marquise von O….“ findet sich hier: https://schnell-durchblicken3.de/index.php/themen/die-marquise-von-o Eine Übersicht unserer Infos und Materialien zur „Marquise“ findet sich hier: https://schnell-durchblicken3.de/index.php/themen/die-marquise-von-o/224-000-themenseite-marquise Ein alphabetisches Gesamtregister aller Infos und Materialien gibt es hier https://schnell-durchblicken3.de/index.php/uebersichten/alphabetische-uebersicht-ueber-die-infos-und-materialien

Video: Die Marquise von O…., Menschen zwischen Engel und Teufel

Im Video wird auf die Beziehung zwischen dem Grafen und der Marquise genauer eingegangen.

Zu finden ist das Video auf Youtube unter:
Die Dokumentation kann hier heruntergeladen werden:
Mat803 VidBeglBlatt Marquise Engel Teufel
Worum geht es?

  1. “Die Marquise von O….” ist eine Novelle, behandelt also eine “unerhörte Begebenheit”
  2. Verhinderte Vergewaltigung – und dann doch eine durch den Retter?
  3. Doch der versucht, alles wieder gut zu machen, stößt aber zunächst auf Ablehnung.
  4. Als die Marquise dann am Ende dem Grafen doch verzeiht, spricht sie davon, dass er ihr erst als Engel, dann als Teufel erschienen sei – das habe sie erst mal verkraften müssen.
  5. Aber es gibt auch Indizien dafür, dass die Marquise doch nicht so unbeteiligt war am “unerhörten” Geschehen. Auch Kleist selbst äußert sich dazu ziemlich eindeutig.
  6. War nur der Graf kurzzeitig ein “Teufel”? Oder war die Marquise mehr als nur körperlich dabei?

Stufe 1 der Klärung: Ausgangssituation

  1.  “eine Dame von vortrefflichem Ruf, und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern”
  2.  “wo sie eben, unter den schändlichsten Mißhandlungen, zu Boden sinken wollte, als, von dem Zetergeschrei der Dame herbeigerufen”
  3.  “ein russischer Offizier (…) Der Marquise schien er ein Engel des Himmels zu sein.”
  4.  “wo sie auch völlig bewußtlos niedersank. Hier – traf er, da bald darauf ihre erschrockenen Frauen erschienen, Anstalten, einen Arzt zu rufen; versicherte, indem er sich den Hut aufsetzte, dass sie sich bald erholen würde; und kehrte in den Kampf zurück.”

Stufe 2: Problem der Schwangerschaft

  1.  Nach der Diagnose des Doktors: “Sie durchlief, gegen sich selbst mißtrauisch, alle Momente des verflossenen Jahres, und hielt sich für verrückt, wenn sie an den letzten dachte.”
  2.  Zur Mutter: “Eher, antwortete die Marquise, daß die Gräber befruchtet werden, und sich dem Schoße der Leichen eine Geburt entwickeln wird!”
  3.  Zur Hebamme: “Nein, nein, antwortete die Marquise, sie habe wissentlich empfangen, sie wolle nur im allgemeinen wissen, ob diese Erscheinung im Reiche der Natur sei?”
  4.  Beim Besuch des Grafen in V: “der Graf; doch von Ihrer Unschuld völlig überzeugt”: Marquise: “Ich will nichts wissen, versetzte die Marquise, stieß ihn heftig vor die Brust zurück, eilte auf die Rampe, und verschwand”
  5.  Bernd Ogan, Reclam-Lektüreschlüssel 2018: “. 1808 macht Kleist sich geradezu in einem Heft der Zeitschrift ‘Phöbus’ lustig über die Vorstellung der Schwängerung einer Ohnmächtigen: ‘In Ohnmacht1 Schamlose Posse! Sie hielt, weiß ich, die Augen bloß zu.’
  6.  Inka Mülder-Bach: “Geschichte eines nicht-gewußten weiblichen Wunsches nach der Flutung oder Überflutung durch den göttlichen Vater.
Grosses vollständiges Universal-Lexikon, herausgegeben 1740 von Johann Heinrich Zedler: Es gibt Stufen, bei denen der Betroffene zwar nicht mehr reagieren kann, wohl aber noch bei Bewusstsein ist.
“Entsprechend verliert die oder der Betroffene im Fall des ersten Typs nicht vollständig das Bewusstsein”
Cécile Ellwanger, Dissertation 2011
Stufe 3:
Warum lehnt die Marquise das Heiratsangebot des Grafen zunächst ab?
1. Eigentlich positiv: Klärung ihrer Unschuld und das Kind bekommt einen Vater
2. Stattdessen bezeichnet sie den Grafen als “Teufel”: “gehn Sie! gehn Sie! gehn Sie! rief sie, indem sie aufstand; auf einen Lasterhaften war ich gefasst, aber auf keinen – Teufel!”
3. Bernd Ogan erklärt ihr Verhalten im Reclam Lektüreschlüssel mit “Projektion”: Versuch der Zuschreibung eines Problems an eine fremde Person – in dunkelsten Farben, dient der eigenen Entlastung.
Stufe 4: Happy End mit Anstrengung
1. Zunächst gibt es nur eine “halbe” Hochzeit – ohne Rechte für den Grafen
2. Er verdankt es nur seinem “zarten, würdigen und völlig musterhaften Betragen”, dass er bei der Taufe dabei sein darf.
3. Schenkung und Testament zeigen sein Engagement – er bleibt ein “halber” Vater
4. Marquise musste sich besinnen; verzeiht ihm “um der gebrechlichen Einrichtung der Welt willen” – Frage, ob das nicht auch für sie gilt.
5. Beantwortet die Frage des Grafen: Er wurde für sie zum Teufel, weil er anfangs als Engel erschienen war.
6. Bernd Ogan: “doppelter Erkenntnisprozess”
mit sich selbste, mit der Welt; auch sie ein Mensch zwischen Engel und Teufel: Ende der Verdrängung; Anerkennung ihrer Weiblichkeit

Stufe 4: Happy End mit Anstrengung

  1. Zunächst gibt es nur eine “halbe” Hochzeit – ohne Rechte für den Grafen
  2. Er verdankt es nur seinem “zarten, würdigen und völlig musterhaften Betragen”, dass er bei der Taufe dabei sein darf.
  3. Schenkung und Testament zeigen sein Engagement – er bleibt ein “halber” Vater
  4. Marquise musste sich besinnen; verzeiht ihm “um der gebrechlichen Einrichtung der Welt willen” – Frage, ob das nicht auch für sie gilt.
  5. Beantwortet die Frage des Grafen: Er wurde für sie zum Teufel, weil er anfangs als Engel erschienen war.
  6. Bernd Ogan: “doppelter Erkenntnisprozess”mit sich selbste, mit der Welt; auch sie ein Mensch zwischen Engel und Teufel: Ende der Verdrängung; Anerkennung ihrer Weiblichkeit
Nachtrag: Der Trick der Mutter
  • Jemand hat in einem Kommentar zum Video die Frage gestellt, ob nicht die Tatsache, dass die Marquise den Test der Mutter besteht, für ihre Unschuld steht. Schauen wir uns das mal an.
  • Auf Seite 36 der E-Book-Reclam-Ausgabe geht es los:
    Die Mutter behauptet, der Vater habe sich bei ihr schon auf die Anzeige hin gemeldet.
  • Die Marquise soll jetzt erraten, wer es war.
  • Angedeutet wird, dass er von „niedrigem Stande“ sei.
  • Dann sagt sie es doch, wer es angeblich gewesen sei, nämlich Leopardo der Jäger.
  • Die Marquise reagiert „mit dem Ausdruck der Verzweiflung“. Sie ist verwirrt und fragt nach dem Wann, Wo und Wie.
  • Das will der Jäger der Marquise nur selbst anvertrauen.
  • Der Marquise fällt dann ein, dass sie mal in der Mittagshitze eingeschlummert sei und den Jäger von sich gehen sa, als sie aufwachte.
  • Kommentar: Das ist natürlich äußerst unwahrscheinlich, dass ein Bediensteter am hellichten Tag über eine Marquise herfällt – in keiner Weise mit der besonderen Kriegssituation zu vergleichen. Auch eine Ohnmacht ist was anderes als ein leichter Schlaf.
  • Als die Marquise sich dann ganz ihrer Scham hingibt, erlöst die Mutter sie und wertet das so für sich aus, dass die Marquise wirklich nicht weiß, wer der Vater ist.
  • Fazit: Es bleibt am wahrscheinlichsten, dass die Marquise entweder wirklich nichts während ihrer Ohnmacht mitbekommen hat – oder sie verdrängt es eben.
  • Und vor dem Hintergrund ist ihr Verhalten hier durchaus nachvollziehbar – ohne damit ein Geschehenlassen in Hilflosigkeit, vielleicht auch Dankbarkeit gegenüber dem Retter völlig auszuschließen.
  • Nach wie vor spielt die Stelle auf S. 21 eine Rolle, wo die Marquise alle Möglichkeiten durchgeht und sich „für verrückt“ hält, „wenn sie an den letzten“ denkt.
  • Dazu kommt die wilde Szene, als der Graf die Marquise in V. besucht. Da wehrt sie sich nicht nur gegen seine Übergriffe, sondern sagt auch ganz deutlich: „Ich will nichts wissen.“
  • Halten wir also fest, dass die Mutter-Test-Lösung für die Marquise kein Ausweg aus möglicher Mitverantwortung bedeutet, dass sie die Möglichkeit aber als Chance sieht, ihre Unschuld gegenüber den Eltern zu beweisen, was ganz in ihrem Interesse sein muss.
  • Andererseits ist da ihre „Verzweiflung“, als der Name des Jägers genannt wird. Heißt das, dass sie unter der Peinlichkeit dieser unstandesgemäßen Situation leidet? Sie kann ja nicht wissen, ob der Graf auf die Anzeige reagieren wird – und dann hätte sie sicher ein Problem.
  • Letztlich bleibt alles in einer literarischen Zwischenzone, die Kleist bewusst geschaffen oder zugelassen hat.
Was man sich merken sollte
  1.  “Unerhörte Begebenheit”: Retter wird zum Vergewaltiger
  2.  Oder nur zum Teil? Dafür spricht, dass Ohnmacht nicht Bewusstlosigkeit bedeuten muss
  3.  Hierfür spricht auch eine Bemerkung des Autors
  4.  Seltsam auch, dass sie keine Spuren der Vergewaltigung an sich entdeckt hat
  5.  Möglichkeit; dass es eine halbe Hingabe an den rettenden Engel sein kann, der Durchbruch natürlicher Weiblichkeit in einer besonderen Situation
  6.  dass sie viele Zeichen des Verdrängens zeigt, nicht zu viel wissen will
  7.  Die radikale Zurückweisung des Grafen als “Teufel” kann “Projektion” sein – Abschiebung von Verantwortung
  8.  Hinweis auf die “gebrechliche Einrichtung der Welt”
  9.  Happy End – nach Klärung bleibt nichts zurück
  10.  Insgesamt Präsentation von Figuren, die mehr oder wenig schuldig werden, daraus aber Kraft und Autonomie entwickeln, bsd. die Marquise, auch ihre Mutter, z.T. der Graf.
Informationsquellen
  1. Bernd Ogan, Heinrich von Kleist, Die Marquise von O…., Lektüreschlüssel, Reclam: Ditzingen 2006/2013/2018
    Genauere Vorstellung des Lektüreschlüssels:
    https://www.schnell-durchblicken2.de/marquise-materialien
  2. Cécile Ellwanger, „Zwischen Stabilität und Konflikt:
    „Ohnmächtige Frauen in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts“, ‚Dissertation Ellwangen 2011
  3. INKA MÜLDER-BACH, „Die »Feuerprobe der Wahrheit«. Fall-Studien zur weiblichen Ohnmacht“

Kleist, „Die Marquise von O“ – Abitur-Check

Abiturcheck: Kleist, Die Marquise von O

Wir beginnen mit einem Schaubild, das zeigt, wie man sich einen Überblick über den Inhalt verschaffen kann. Man muss es nur noch fortsetzen.

Übersicht über die verschiedenen Aspekte der Novelle, auf die man im Unterricht oder natürlich auch in einer Prüfung eingehen könnte. Man kann jeweils mit Hilfe der Suche zu dem entsprechenden Punkt springen.

  1. Entstehungszeit der Novelle
  2. Besonderheiten von Novellen (Gattung)
    (siehe auch Vergleich mit dem Drama, weiter unten)
  3. Thema der Novelle
  4. Funktion der Abkürzungen
  5. Historischer Ort der Handlung
  6. Aufnahme des Werkes, Rezeption
  7. Inhalt und Handlung – wo ist der Unterschied?
  8. . Erster Teil der Novelle. Bis zum ersten Heiratsantrag des Grafen F.
  9. Zweiter Teil der Novelle: Schwangerschaftsskandal während der Abwesenheit des Grafen
  10.  Dritter Teil der Novelle: Entwicklung nach der Rückkehr des Grafen
  11. Vierter Teil der Novelle: Das Geständnis des Grafen und die eingeschränkte Heirat
  12. Fünfter Teil der Novelle: Langsame Annäherung, normale Ehe und Klärung des Verhaltens der Marquise nach dem Bekenntnis des Grafen
  13.  Thematische Aspekte
    3.1 Charakterisierung der Figuren

    1. Marquise
    2. Mutter
    3. Vater
    4. Graf F.
Wir setzen das fort!
Die Seitenangaben beziehen sich auf das E-Book:
„Die Marquise von O.: Reclam XL – Text und Kontext“ von Heinrich von Kleist, Wolfgang Pütz
ISBN des E-Books: 978-3-15-960276-9
ISBN der Buchausgabe:  978-3-15-019127-9

1.    Allgemeines zum Werk

•    1.1. Entstehungszeit des Werkes:
•    1.2. Besonderheit von Novellen:
o    Kurze Erzählung, länger als eine Kurzgeschichte
o    Darstellung bzw. Durchspielen eines besonderen Falles (Goethe: „Unerhörte Begebenheit“, gemeint ist damit eine noch nicht gehörte, also neue Begebenheit, vgl. Novelle, was ja von „novus“ = neu kommt und auch als Bezeichnung für die Neufassung eines Gesetzes verwendet wird
o    Ähnlichkeit mit dem Drama: Konflikt
o    Häufig ein Dingsymbol
•    1.3. Thema des Werkes
  • Umgang mit einem besonderen Fall von Vergewaltigung, in der der Retter zum Vergewaltiger wird und dann versucht, durch Heirat alles wieder gutzumachen, in dem Zusammenhang auch die Frage der Autonomie von Frauen
•    1.4. Funktion und Bedeutung der Abkürzungen, wie sie schon im Titel auftauchen
o    Scheinbarer Schutz von Personen und Orten

o    Damit Eindruck von Authenzität, Frage der Auswirkung auf die Fiktionalität

•    1.5. Historischer Ort der Handlung
o    Einer der Kriege der napoleonischen Zeit, in der sich Russen und Österreicher gegenüberstehen.
o    Oberitalien
•    1.6. Aufnahme des Werkes (Rezeption)
o    Zensur zum einen wegen des Themas Vergewaltigung einer adligen Frau
o    Dann wegen der Täterschaft eines Adligen

o    Aber auch wegen der familiären Konflikte, bei der der Vater als Oberhaupt phasenweise nicht besonders gut wegkommt

2.    Inhalt / Handlung

•    2.1. Unterschied zwischen Inhalt und Handlung
o    Inhalt umfasst alles, auch mehr oder weniger ausführliche Beschreibungen oder Kommentare

o    Handlung dagegen umfasst wirklich Aktivitäten (oder auch mal Nicht-Aktivitäten), die zum Beispiel einen Konflikt in einem Drama oder auch in einer Novelle voranbringen.

•    2.2. Erster Teil der Novelle. Bis zum ersten Heiratsantrag des Grafen F.
o    Besonderer Einstieg über eine Zeitungsannonce, in der die Marquise den Vater ihres Kindes sucht (Vorgriff auf späteren Handlungsschritt) (S3)
o    Kurzes Eingehen auf die Situation der Marquise zu Beginn der eigentlichen Geschichte: Witwe mit Kindern (S.3)
o    Dann Präsentation der Geschehnisse, die zu der Anzeige geführt haben: (S. 3ff)
o    Eroberung der Festung, deren Kommandant der Vater der Marquise ist (S. 3)
o    Gefahr der Vergewaltigung durch russische Soldaten; „Rettung“ durch einen Offizier, den Grafen F. (S. 3/4); Hinrichtung der betroffenen Soldaten (S. 6/7)
o    Die aus der Ohnmacht erwachte Marquise erfährt, dass Graf F. schon abreisen musste. (S. 7)
o    Angeblich soll er kurz darauf den Tod gefunden haben, er erscheint aber nach einiger Zeit ganz überraschend und will die Marquise auch möglichst schnell heiraten. (S. 9ff)

o    Von der Bereitschaft, seine militärischen Pflichten, die ihn nach Neapel führen würden, zu vernachlässigen, kann der Graf nur abgehalten werden, indem ihm zugesichert wird, dass die Marquise während seiner Abwesenheit keine andere Verbindung eingeht.

•    2.3. Zweiter Teil der Novelle: Schwangerschaftsskandal während der Abwesenheit des Grafen
o    Nur sehr zögernd gesteht sich die Marquise ein, dass ihre gesundheitlichen Probleme Ausdruck einer Schwangerschaft sind.
o    Von ihrem Vater wird sie aus dem Haus geworfen.

o    Sie wählt dann den Weg der Anzeige – siehe den Vorgriff am Anfang der Novelle

•    2.4 Dritter Teil der Novelle: Entwicklung nach der Rückkehr des Grafen
o    Sein erneuter Heiratsantrag wird durch die Marquise zurückgewiesen
o    Erscheinen einer zweiten Annonce, in der der noch anonyme Vater sein Erscheinen an einem bestimmten Tag ankündigt
o    Mutter nutzt das, um ihrer Tochter einen Angestellten als angeblichen Vater zu präsentieren; die Reaktion der Tochter (ist entsetzt) zeigt, dass sie nicht weiß, wer der wirkliche Vater ist

o    Mutter und dann auch Vater entschuldigen sich bei der Tochter und nehmen sie wieder auf

•    2.5 Vierter Teil der Novelle: Das Geständnis des Grafen und die eingeschränkte Heirat
o    Am besagten Tag überrascht der Graf die Familie mit seinem Bekenntnis
o    Die Eltern sehen die Vorteile einer Vermählung, die Tochter ist strikt dagegen

o    Lässt sich dann aber auf eine eingeschränkte Heirat ein (alle Pflichten, keine Rechte)

•    2.6 Fünfter Teil der Novelle: Langsame Annäherung, normale Ehe und Klärung des Verhaltens der Marquise nach dem Bekenntnis des Grafen
o    Graf wohl in der Nachbarschaft, darf wegen guten Verhaltens bei der Taufe des Kindes dabei sein; Schenkung und Erbschaft
o    Zunehmende Annäherung und schließlich normale Eheführung

o    Jahre später: Erklärung der Zurückweisung des Grafen durch die Marquise am Tag seines Bekenntnisses: Vom Engel zum Teufel – und dann wieder Rehabilitation

3.    Thematische Aspekte
3.1 Charakterisierung der Figuren
3.1.1. Marquise
  • Hochangesehene adlige Witwe
  • Zwischen Anpassung und später Widerstand bzw. Bemühen um Autonomie
  • Wächst über sich hinaus, entwickelt ein eigenes Lebenskonzept, in das sie den Grafen F. erst nach seiner Bewährung aufnimmt
  • Vorher allerdings eine Künstlerin der Verdrängung bis hin zur Frage, ob sie nicht bei der „Vergewaltigung“ zumindest „mitgespielt“ hat
  • Ist einem Erkenntnisprozess ausgesetzt, was die Verfasstheit des Menschen und der Welt angeht
3.1.2. Mutter
  • Insgesamt vermittelnde Position – zunächst Teilnahme an der väterlichen Strenge, dann aber auf einen gütliche Regelung auss
  • Wobei sie sich mit ihrem Test sehr geschickt verhält
3.13.  Vater
    • Lebt in zwei Welten: Militär und Familie, die verhängnisvoll bei der Eroberung der Zitadelle zusammenfallen
    • Patriarchalisch denkend und hart gegenüber der Tochter, solange er sie für schuldig hält
    • Akzeptiert aber letztlich ihre Weigerung, die Kinder ihm zu überlassen
    • Insgesamt überspannt er den Bogen der Ablehnung der Tochter und muss dafür schließlich einen weiten und intensiven Weg zurückgehen
    • Bei der Versöhnung kommt es allerdings zu regelrechten Gefühlsexzessen
    • Anschließend zeigt er sich aber wieder als geschickter Regeler der Heiratsfrage
3.1.2. Graf F.
  • Verdienstvoller Offizier, der sich in einer kritischen Situation auf die Seite der bedrohten Frau stellt,
  • Sich dann aber selbst mehr oder weniger an ihr vergeht,
  • Dann aber auch versucht, das im Rahmen des Möglichen wieder gutzumachen und
  • Dabei bis an die Grenze der Selbstachtung und des totalen Risikos geht
3.2. Bedeutung des Schlusses der Novelle
  • •    Auf die Frage des Grafen, warum die Marquise ihn bei seinem Geständnis so zurückgewiesen hat
    •    Er sei ihr anfangs wie ein Engel vorgekommen und dann wie ein Teufel (Fallhöhe)
3.3..    Inwieweit spielt die Frage der Selbstbestimmung – vor allem von Frauen – eine Rolle in der Novelle?
•    Beide Frauen beginnen angepasst, ja fast unterwürfig – bsd. die Mutter
•    Dann aber nehmen sie das Heft des Handelns in die Hand, die Tochter, indem sie aus der Vertreibung aus dem elterlichen Haus eine Zuflucht macht und ein eigenes Lebenskonzept entwickelt
•    Gegenüber dem reumütigen Grafen zunächst einmal hart bleibt
•    Dann aber doch einlenkt
•    Die Mutter anfangs besonders unterwürfig, hintergeht ihren Mann und findet eine gute Lösung, die zur Versöhnung der Familie führt.

3.4..    Kennzeichen einer Novelle im Unterschied zu Kurzgeschichte und Roman
•    Auf einen wesentlichen Punkt konzentrierte Geschichte: „unerhörte Begebenheit“
•    Die straff durcherzählt wird – mit Ähnlichkeit zum Drama
•    Zum Teil Dingsymbol

3.5.    Frage des Dingsymbols? (Schwangerschaft/Kind und/oder Engel-Teufel)
•    Schwangerschaft, weil sie das Geschehen ständig begleitet: Von der Vergewaltigung bis zur In-die-Welt-Setzung junger Russen
•    Die Einsicht in die Mehrfachnatur der Menschen ist schmerzlich und wird in dem Gegensatz gut ausgedrückt
 
3.6..    Intentionalität: Die Novelle zeigt …
•    Die Brüchigkeit der Welt und des Menschen– bsd. im Verhalten des Grafen
•    Die Auflösung alter patriarchalischer Gesellschaftsnormen
•    Die Möglichkeit individueller Lösungen mit Happy Ends
3.7.    Das Besondere der „Erzählkunst“ Kleists in dieser Novelle
•    Dramatischer, spannungsgeladener Erzählstil
•    Häufigkeit von Zeitadverbien wie „nachdem“, „plötzlich“
•    Verzicht auf ausführliche Beschreibungen
•    Trick mit dem Gedankenstrich, bevor der Graf den Arzt rufen lässt
•    Lange, verschachtelte Sätze
•    Meistens indirekte Rede
•    Besondere Bedeutung der Körpersprache
•    Weitgehende Beschränkung des Erzählers auf Berichterstattung
•    Trick der scheinbaren Nicht-Fiktionalität
•    Kein auktorialer Erzähler, sondern einer, der mit den Figuren in der Situation steckt: Unterscheidung zwischen „atmosphärischen“ Wertungen: „in einer verwirrten Rede“: Hier wird etwas gesagt, was alle empfinden könnten, die dabei gewesen sind, aber nur der Erzähler kann es weitergeben, deshalb ist er hier scheinbar kommentierend, in Wirklichkeit nur „illustrierend“.
Anders „schöne Anstrengung“: Hier bringt der Erzähler seine Meinung ein.
•    Wertungen erfolgen in der Regel in der Perspektive der Figuren
3.8..    Modernität der Novelle
•    „Gebrechlichkeit der Welt“
•    Verzicht auf auktorialen Erzähler
•    Kunst nicht wie in der Klassik Medium der Welterkenntnis und der persönlichen Bildung
•    Leser muss sich selbst ein Urteil bilden, Erzählungen = „provokante Experimente“
3.9. Kleist und sein Standort in der deutschen Literaturgeschichte
  • steht etwas außerhalb der Abfolge: Sturm und Drang – Klassik – Romantik – Vormärz, aber es gibt enge Bezüge zur Romantik, die Rüdiger Safranski in seinem Buch über die Romantik besonders herausgearbeitet hat
  • http://www.relevantia.de/safranski-romantik
  • Hier einige Anmerkungen zu einzelnen Seiten:
  • 187: Hass auf Napoleon
  • 188ff: „Als einer der größten Hasser zeigt sich Heinrich von Kleist“ …
  • 190: Kleists Tötungsfantasien
  • 191/192: Versuch einer psychologischen Erklärung: „Heinrich von Kleist ging an dieser Ungeliebtheit zu Grunde“ (Nietzsche).177: Die Idee der Kulturnation – noch ohne Abgrenzung gegenüber anderen Nationen – bei Fichte wird das dann anders.
  • Die Novelle „Michael Kohlhaas“ beginnt sehr realistisch mit gesellschaftskritischen Momenten und endet dann im Stil der Romantik

3.10. Die Rezeption der Novelle, d.h.: Wie wurde sie von den Zeitgenossen und dann auch später aufgenommen?

Hinweis auf unsere spezielle Themenseite zur „Marquise von O….“

Auf unserer speziellen Themenseite zur „Marquise von O….“ stellen wir Infos und Materialien zu diesem Thema zusammen:

Kleist, „Die Marquise von O….“ – Infos, Tipps und Materialien

Kleists Novelle „Die Marquise von O….“: Übersicht über unsere Infos und Materialien

Wir beginnen hier mit einem Schaubild, das zu dem weiter unten genannten „Abiturcheck“ gehört.

Uns machen solche Schaubilder viel Freude, weil man sich dann einzelne Punkte viel besser im Zusammenhang merken kann.

 

Weiterführende Hinweise

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