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Schlagwort: Natur

Gedichte der Romantik zum Thema „Natur“

Gedichte der Romantik zum Thema „Natur“

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  • Eichendorff, „Winternacht“
    • Strophe 1: Feststellung, dass alles verschneit ist, und Traurigkeit des Lyrischen Ichs (anscheinend gibt es einen Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Welt); dann noch die Verbindung, indem ein Baum so gezeigt wird, wie das Lyrische Ich sich fühlt.
    • Strophe 2: Bewegung kommt in diese traurige Szenerie durch den Wind, und der eröffnet dann auch eine Art Traumperspektive
    • Strophe 3: Die bezieht sich auf den kommenden Frühling und damit einer Jahreszeitenwelt, die das Lob Gottes als des Herrn einer auch menschenfreundlichen Schöpfung zeigt.
    • Der Wald als Ort Gottes und des „Gedankens Macht“
    • Freude auch an den Blitzen in der Waldesnatur
    • Aber auch Dankbarkeit für das „Rauschen sanfter Quellen“
    • Entspannung vom „Kampf der starken Triebe“ im „Drang des Lebens aus der Fülle“
    • Impulse für Poesie: „Schöpferischer Lüfte Wehen / Fühlt man durch die Seele gehen.“
    • Am Ende ein Ausgleich zwischen dem Wilden und dem Geordneten: „Freigegeben alle Zügel / Schwingt sich des Gedankens Macht / Hört in Lüften ohne Grausen / Den Gesang der Geister brausen.“
  • Tieck, „Wonne der Einsamkeit“:
    • Natur als wundervolle Gegenwelt zur Grabwelt der Städte
    • Natur als Potenzial auch von Tier-Freundschaften
    • Natur als großer Raum, in den man hineinfliehen kann
  • Eichendorff, Abschied
    • In der ersten Strophe der Gegensatz zwischen der wunderbaren Welt des Waldes und der der geschäftigen Welt
    • 2. Strophe: Fast schon in Goethes Werther-Stil eine Beschreibung der erwachenden Natur
    • 3. Strophe: Der Wald als Ort moralischer Grundierung: Dort bekommt man ‚“ein stilles, ernstes Wort“ gesagt, das einem verhilft zu „rechtem Tun und Lieben“
    • 4. Strophe: Der Abschied von dieser schönen Welt steht bevor, man muss „Fremd in der Fremde gehn“, aber: „Und mitten in dem Leben / Wird deines Ernsts Gewalt / Mich Einsamen erheben, / So wird mein Herz nicht alt.“
    • Zu diesem Gedicht gibt es auf der angegebenen Seiteauch noch ein Gegengedicht aus heutiger Zeit.

Weiterführende Hinweise

Bertolt Brecht, „Das Schiff“

  1. Das Gedicht „Das Schiff“ von Bertolt Brecht ist 1927 entstanden und thematisiert die Auflösung einer individuellen Existenz im „klaren Wasser […] vieler Meere“ (1).
  2. In der ersten Strophe ist vom Aufbruch die Rede, der aber schnell von der Feststellung begleitet wird „mein Holz fault und die Segel schlissen“ (4). Und „die Seile modern, die am Strand mich rissen“ (5).
  3. So kann er am Schluss dieser Strophe nur noch feststellen: „Ist entfernter mir und bleicher auch mein Horizont“.
  4. Als Leser erfährt man nichts von den Hintergründen und Ursachen und auch nichts von den näheren Umständen einer Reise.
  5. In der 2. Strophe folgt dann auch die Erkenntnis, ‚“daß ich vergehen soll“ (9) – und zwar „ohne mich zu wehren“ und „ohne Groll“ – ein sehr ungewöhnliches Verhalten für einen Menschen, der normalerweise weiterleben möchte und darum auch kämpft.
    Halt, Vorsicht: Wir lassen das hier mal bewusst stehen, weil uns tatsächlich gerade erst eingefallen ist, dass – vom Titel ausgehend – hier wohl das Schiff selbst als lyrisches Ich spricht.
    Aber es bleibt der Eindruck einer starken Vermenschlichung.
  6. Die 3. Strophe beschreibt dann auf etwas drastische Weise, wie das offensichtlich untergegangene Schiff gewissermaßen in die Tierwelt eingeht – mit positivem Ergebnis: „und in fremden Wänden freundeten sich Tier und Tier“ (15).
    Hier könnte sich eine Deutungshypothese herausbilden, dass der Untergang des von Menschen gebauten Schiffes der natürlichen Welt der Tiere wieder mehr Raum zum Leben gibt.
  7. Die vierte Strophe erweitert das nur zeitlich und betont dabei noch einmal – sehr menschlich gedacht – „ohne viel zu leiden“ (23)
  8. Die fünfte Strophe widmet sich dann vor allem dem Motiv der „Ruhestätte“. Das lyrische Ich bietet sie den Tieren und möchte auch selbst, „daß es enden soll“ (30).
  9. Die sechste Strophe bringt dann eine Außenperspektive. „Fremde Fischer“ haben das gesehen, was von diesem Schiff und seinem Anhang noch übrig geblieben ist. Es hat seine Konturen verloren, sieht auch nicht schön aus, aber es fährt „auf den erbleichten Himmel los“ (36).
  10. Insgesamt präsentiert
    1. das Gedicht das Ende und auch den Untergang eines Schiffes,
    2. der in jeder Hinsicht in einem natürlichen Umfeld stattfindet:
    3. Das Schiff selbst hat ihn nötig,
    4. was übrig bleibt, wird von anderen Lebewesen genutzt –
    5. und am Ende zieht man einem „erbleichten  Himmel“ zu, in dem man genauso verlöschen kann.
    6. Auf jeden Fall kehrt hier etwas von Menschen Gemachtes, das die Natur vielleicht häufig gestört oder gar verletzt hat, in sie zurück und wird ein Teil von ihr.
    7. Inwieweit sich das auf den Menschen übertragen lässt, der ja an vielen Stellen zumindest indirekt präsent zu sein scheint, bleibt offen.

Man kann das Gedicht von Brecht mit „Hinter dem Horizont“ von Loerke vergleichen:
http://textaussage.de/loerke-hinter-dem-horizont

Dabei fällt auf, dass es dort wohl eindeutig um einen Menschen geht, der für sich jede Zeit der äußeren Aktivität als vergangen ansieht und darüber hinaus das Vergehen ganzer Völker feststellt. Aber für dieses lyrische Ich gibt es noch etwas „was da gilt“ – und zwar das, was „in der Einsamkeit“ geschaffen wird.

Wenn man Brechts Gedicht als Gleichnis für das Leben eines Menschen ansieht, so geht es dort nicht mehr um Aktivitäten, um das Schaffen. Diese Zeit ist nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich vorbei. Es gibt nur noch die großen Zusammenhänge der Natur, auf die man sich „ohne Groll“ einlässt und in denen man am Ende aufgeht.

Wer noch mehr möchte … 

 

Justinus Kerner, „Im Eisenbahnhofe“

Allgemeines

Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Inhalt von Gedichten – mit dem Ziel, ihre Aussage(n) feststellen zu können. Damit ist nicht gemeint, was der „Dichter mit dem Gedicht sagen wollte“, denn er kann auch was ganz anderes gemeint haben, aber es kam nicht richtig rüber.

Vielmehr geht es um die Zielrichtung  des Gedichtes.

Und die ermitteln wir, indem wir uns die einzelnen Aussagen des Lyrischen Ichs ansehen und dabei vor allem auf Signale achten, die sich wiederholen und damit gegenseitig verstärken.

Das heißt:

  1. Wir gehen erst die Details des Gedichtes durch …
  2. und formulieren am Ende auf dieser Basis die „Aussagen“ des Textes .

Zu diesem Gedicht von Justinus Kerner

Im Folgenden zeigen wir, wie man die Textaussage bei dem folgenden Gedicht feststellen kann:

Justinus Kerner

Im Eisenbahnhofe

  • Die Überschrift macht schon ungefähr klar, worum es geht, nämlich um die Eisenbahn. Interessant ist dann allerdings,  dass durch den Wortbestandteil „Hof“ nicht die Bewegung in den Blick genommen wird, sondern das Stehen.
  • Hier darf der Leser gespannt sein, was das Gedicht zu diesem speziellen Aspekt des Eisenbahnwesens zu sagen hat.

Hört ihr den Pfiff, den wilden, grellen,
Es schnaubt, es rüstet sich das Tier,
Das eiserne, zum Zug, zum schnellen,
Her braust’s wie ein Gewitter schier.

  • Die erste Strophe wendet sich mit einer Frage an die Leser oder fiktive Zuschauer und bezieht sich genau auf die Übergangssituation vom Stehen zur Bewegung.
  • Bezeichnend ist der Vergleich mit einem wohl als mächtig zu verstehenden Tier, dem die Lokomotive zugeordnet wird und das insgesamt vorgestellt wird, als ginge es zur Schlacht.

In seinem Bauche schafft ein Feuer,
Das schwarzen Qualm zum Himmel treibt;
Ein Bild scheint’s von dem Ungeheuer,
Von dem die Offenbarung schreibt.

  • Die zweite Strophe wendet sich dann vom Akustischen dem Visuellen zu und hebt die Elemente Feuer und Qualm hervor, die für den Antrieb einer Dampflokmotive ja charakteristisch sind.
  • Der zweite Teil der Strophe hebt dann das Phänomen der gleich startenden Lokomotive ins Apokalyptische – mit Bezug zum letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes,. Da geht es um den Untergang der Welt am Ende aller Zeiten.

Jetzt welch ein Rennen, welch Getümmel,
Bis sich gefüllt der Wagen Raum!
Drauf »Fertig!« schreit’s, und Erd und Himmel
Hinfliegen, ein dämonscher Traum.

  • Die dritte Strophe wendet sich der nächsten Phase einer Zugfahrt zu, nämlich dem Zusteigen der Passagiere. Hier werden die Elemente Hektik und Durcheinander hervorgehoben.
  • Das endet mit einem abschließenden und zusammenfassenden Schrei wohl des Schaffners, des Zugführers oder eines anderen Bahnbeamten, bevor noch hingewiesen wird auf die Unatürlichkeit der Eindrücke, die man beim Fahren im Zug hat. Auch hier noch mal eine Verstärkung des Eindrucks der Rastlosigkeit, die ein zentrales Kennzeichen der Moderne ist.
  • Am Ende dann wieder eine Kennzeichnung des Ganzen als „dämonischer Traum“, was wohl nicht weit von Albtraum entfernt ist und an die oben angesprochene Apokalypse anschließt.

Dampfschnaubend Tier! Seit du geboren,
Die Poesie des Reisens flieht;
Zu Ross mit Mantelsack und Sporen
Keine Kaufherr mehr zur Messe zieht.

  • Diese Strophe wendet sich jetzt direkt an die Lokmotive, die immer noch als Tier angesehen wird.
  • Was eben nur vom Laser vermutet werden konnte, wird jetzt ausdrücklich hervorgehoben, nämlich der Verlust der „Poesie des Reisens“.
  • Interessant, welches Gegenbild aus früheren Zeiten in den letzten zwei Zeilen der Strophe vorgestellt wird, nämlich die Reise eines Kaufmanns mit dem Pferd.
  • Inwieweit das sehr viel mühsamer und möglicherweise auch gefährlicher gewesen ist, darauf wird in keiner Weise eingegangen.
  • Man merkt deutlich, dass die Vergangenheit verklärt wird, während die Gegenwart dämonisiert wird.

Kein Handwerksbursche bald die Straße
Mehr wandert froh in Regen, Wind,
Legt müd sich hin und träumt im Grase
Von seiner Heimat schönem Kind.

  • Diese Strophe setzt noch einen drauf in Richtung eine sehr einseitige, beschönigende Vorstellung von der Vergangenheit.
  • Bezeichnend ist, dass als schöner Begleitumstand früherer Wanderungen von Handwerksburschen Regen und Wind hervorgehoben werden. Das dürften die wirklich so Reisenden anders gesehen haben.
  • Ähnliches gilt für die Vorstellung, dass diese Handwerksburschen sich dann abends einfach ins Gras gelegt haben und glücklich gewesen sind. Von Rheuma bei entsprechender Feuchtigkeit des Untergrundes keine Rede.
  • In die gleiche Richtung geht auch die letzte Zeile, wo es um den Traum von einem schönen Kind geht, das dieser Handwerksbursche möglicherweise als junger Vater in seiner Heimat zurücklassen musste. So etwas wie Trennungsschmerz oder Heimweh taucht nicht einmal in Ansätzen auf.

Kein Postzug nimmt mit lustgem Knallen‘
Bald durch die Stadt mehr seinen Lauf
Und wecket mit des Posthorns Schallen
Zum Mondenschein den Städter auf.

  • Im gleichen Stil geht es weiter, wenn in dieser Strophe die Schönheit des Reisens mit der Postkutsche gepriesen wird. Dabei wird völlig vergessen worden, was dieses Reisen konkret bedeutete – einschließlich häufiger Unfälle und natürlich sehr viel größerer Beschwerlichkeit im Vergleich zum Fahren mit der Eisenbahn.

Auch bald kein trautes Paar die Straße
Gemütlich fährt im Wagen mehr,
Aus dem der Mann steigt und vom Grase
Der Frau holt eine Blume her.

  • Die nächste Strophe wendet sich dem privaten Bereich zu. Hier wird so getan, als ob Ehepaare in der damaligen Zeit vorwiegend im Kutschwagen unterwegs gewesen sind und der Mann vor allem damit beschäftigt gewesen ist, der Frau eine Blume zu pflücken.

Kein Wandrer bald auf hoher Stelle,
Zu schauen Gottes Welt, mehr weilt,
Bald alles mit des Blitzes Schnelle
An der Natur vorübereilt.

  • Etwas besser wird es in dieser Strophe, weil dort völlig zu Recht die verminderte Wahrnehmung der Wirklichkeit und vor allem der Natur angesprochen wird.

Ich klage: Mensch, mit deinen Künsten
Wie machst du Erd und Himmel kalt!
Wär ich, eh du gespielt mit Dünsten,
Geboren doch im wildsten Wald!

  • Diese Strophe enthält eine allgemeine Anklage gegenüber dem Menschen, der hier vor allen Dingen als Betreiber von Technikgläubigkeit gesehen wird.
  • Zum einen wird als Folge die Abkühlung von „Erd und Himmel“ angesprochen.
  • Zum anderen wird die Kritik verbunden mit dem etwas seltsam klingenden Wunsch, lieber im „wildsten Wald“ geboren zu sein als in einer solchen Welt.
  • Auch hier noch einmal wieder in einer Art Zusammenfassung eine völlig beschönigende Sicht eines solchen Lebens außerhalb der Zivilisation.

Fahr zu, o Mensch! Treib’s auf die Spitze,
Vom Dampfschiff bis zum Schiff der Luft!
Flieg mit dem Aar, flieg mit dem Blitze!
Kommst weiter nicht als bis zur Gruft.

  • Die letzte Strophe geht dann noch einen Schritt weiter und ermuntert den Menschen in drastischer und natürlich nicht ernst gemeinter Weise, den eingeschlagenen Weg der Technisierung und des Verlustes der natürlich keit weiter zu gehen.
  • Mit dem Übergang vom Dampfschiff bis zum „Schiff der Luft“ wird schon in eine Zukunft geblickt, die allerdings erst einige Jahre später eingetreten ist.
  • Hier könnte man mal genauer recherchieren, wie sich die Entwicklung der Luftfahrt von den Gebrüdern Mongolfiere bis zu den Brüdern Wright entwickelt hat.
  • Drastisch ist dann die Schlussperspektive, die deutlich macht, dass der Versuch des Menschen, sich auch in die Lüfte zu erheben, am Ende doch nur zu einem Grab führt.
  • Hier wird man an die antike sage von Ikarus erinnert, der versucht, mit künstlichen Flügeln sich der Sonne zu nähern, und dann abstürzt.

Das Gedicht zeigt:

  1. … eine sehr einseitige Sicht sowohl auf die Gegenwart als auch auf die Vergangenheit.
  2. Während man im Hinblick auf die Gegenwart einen gewissen Realismus durchaus erkennen kann, denn natürlich bedeutet Geschwindigkeit auch einen Verlust von Nähe,
  3. ist die Vorstellung von dem angeblich schöneren früheren Leben des Unterwegsseins einfach nur lächerlich, weil alles ausgeblendet wird, was an Unschönem damit auch verbunden gewesen ist. Außerdem wird im Falle des Ehepaares, bei dem der Mann der Frau eine Blume unterwegs pflückt, ein seltener Einzelfall zur Regel gemacht.
  4. Was auffällt, ist die Dämonisierung der Veränderung, die sich aus historischen Quellen ja auch belegen lässt. Mit der neuen Eisenbahn werden alle möglichen gesundheitlichen Gefahren verbunden.
  5. Spannend ist die Frage, inwieweit dieses Gedicht typisch ist für den poetischen Realismus, denn hier wird ja nicht der Akzent auf realistische Beschreibung mit etwas Beschönigung und Verklärung gerichtet. Vielmehr sind im Ansatz ja fast schon expressionistische Ansätze erkennbar (negative Sicht der Technik, Entfernung von der Natürlichkeit, Vermassung der Menschen, die Perspektive der Apokalypse).

Mat1720 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

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