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Schlagwort: Umgang

Wie geht man in Geschichte mit Materialien um? Von Textquellen bis hin zu Diagrammen

Ganz einfach erklärt: Wie geht man mit Geschichtsmaterialien um?

Im Folgenden werden einige der wichtigsten Geschichtsmaterialien vorgestellt, mit denen man umgehen sollte. Wir konzentrieren uns dabei zunächst einmal vor allem auf solche Fälle, die in Klausuren und Prüfungen eine Rolle spielen. Später werden wir auch weitere Materialien mit einbeziehen wie zum Beispiel Tondokumente oder Dokumentar- und Spielfilme.

Die Darstellung folgt dem Modell des „Fünf-Satz-Statements“. Das heißt es wird versucht, die Infos und Tipps so zu konzentrieren, dass in fünf Schritten das Ziel erreicht wird. Der Vorteil ist einfach, dass man sich so viel noch einigermaßen gut merken kann , während 7, 9 oder gar 15 Punkte nur auf einem Zettel sicher aufbewahrt werden – und den hat man in Prüfungen in der Regel nicht zur Verfügung.

Am besten liest man sich die folgenden Hinweise durch und wendet sie dann auf Materialien aus dem eigenen Geschichtsbuch an. Später werden wir die einzelnen Bausteine noch mit Beispielen versehen.

1.     Wie analysiert man grundsätzlich in Geschichte Texte?

  1. Man liest sich die mit dem Text mitgelieferten Informationen durch und stellt fest, ob es sich um einen Primärtext oder um einen Sekundärtext handelt. Ein Beispiel für den ersten Fall wäre etwa eine Rede Hitlers, aber auch ein Zeitungsartikel auf der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Im zweiten Fall kann es ein Auszug aus einer wissenschaftlichen Abhandlung, aber auch ein aktueller Zeitungstext zu einem historischen Ereignis anlässlich eines Jubiläums sein.
  2. Im ersten Falle liegt zugleich eine Quelle vor, d.h. ein Original aus der Vergangenheit, das in einem „ursprünglichen Verwendungszusammenhang“ stand und sich nicht kritisch-wissenschaftlich um eine Optimierung des aktuellen Wissensstandes und des historischen Verständnisses bemüht. Das extremste Beispiel wäre ein Vertrag zwischen zwei Privatleuten oder auch zwischen zwei Ländern. Damit sollen ganz bestimmte Probleme der damaligen Zeit geregelt werden und der Blick in die Zukunft bezieht sich nur darauf, dass die Regelungen dieses Vertrages lange oder gar für immer gelten sollen.
  3. Im Unterschied zu einem solchen Primärtext, wie ihn eine Quelle darstellt, hat ein Sekundärtext nur eine einzige Funktion, nämlich das aktuelle Wissen über ein geschichtliches Thema zusammenzufassen und möglichst zu erweitern. Meistens ist er mit einer Sicht des Themas verbunden, die sich in einer oder in mehreren Thesen äußert.
  4. Ein besonderer Fall sind zum einen Memoiren u.ä.: Die werden zwar mit Blick auch auf die Nachwelt geschrieben, haben aber keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern sind selbst Objekt kritischer Betrachtung.
  5. Ein anderer Fall sind ältere wissenschaftliche Darstellungen: Je mehr sie einer früheren Zeit angehören, desto mehr verlieren sie an wissenschaftlicher Gültigkeit und werden selbst zu Quellen. Solchen „veralteten“ wissenschaftlichen Darstellungen kann man dann entnehmen, wie viel früher die Menschen gewusst und wie sie geschichtliche Themen und Fragen eingeschätzt haben.

2.      Wie analysiert man in Geschichte eine Textquelle?

  1. Weil Quellen in einem „ursprünglichen Verwendungszusammenhang“ stehen, muss dieser zunächst einmal rekonstruiert werden. Entweder bekommt man diese Informationen aus dem Inhalt der Quelle – oder aber sie werden zumindest teilweise mit den Vorab-Informationen zum Text mitgeliefert.
  2. Dabei geht es zum einen um die Klärung, wer sich mit welcher Textgattung an wen und in welcher Absicht wendet. Das könnte zum Beispiel der preußische König bei der Eröffnung des Vereinigten preußischen Landtags kurz vor der 1848er Revolution sein. Sein Ziel ist es, den Abgeordneten deutlich seine Vorstellungen mitzuteilen und vor allem die Grenzen ihres Handelns zu markieren. Am Ende steht ein Einleitungssatz, in dem die wesentlichen Angaben zur Gattung, zum Zeitpunkt, zum Verfasser und zu den Adressaten genannt werden. Außerdem sollte hier das Thema der Textquelle genannt werden.
  3. Der unmittelbare Handlungszusammenhang ist natürlich eingebettet in einen größeren Zeit- und Problemzusammenhang – in diesem Falle die politischen Verhältnisse in Deutschland und besonders Preußen und der Versuch, die demokratische Bewegung möglichst zu bändigen. Wichtig ist, dass man hier wirklich einen Zusammenhang zwischen dem Text und dem Kontext herstellt, d.h. nur auf Dinge eingeht, die für die Quelle Bedeutung haben. Im Idealfall steht am Ende der Klärung des Handlungszusammenhanges und des größeren Kontextes die Bestimmung des „Vorabquellenwerts“, d.h. die Frage, was kann man von dem Verfasser in dieser Situation an „Textproduktion“ erwarten. Wenn man sich das klarmacht (auch wenn man den Inhalt der Quelle schon kennt) hat man ein besseres Verständnis der Unterschiede zwischen dem, was der Verfasser eigentlich sagen sollte, und dem, was er wirklich sagt.
  4. Die eigentliche Analyse des Inhalts der Textquelle sollte möglichst systematisch und zugleich textorientiert sein. Damit ist gemeint, dass man nicht von einem Punkt zum anderen springt, sondern entweder den Text in Abschnitte einteilt und linear den Gedankengang nachzeichnet und dabei erklärt. Oder aber man greift aus dem Text die entscheidenden Aspekte heraus und erklärt sie in einer vernünftigen Reihenfolge, bei der möglichst das Wichtigste am Schluss steht. Mit „Textorientierung“ ist gemeint, dass man zum einen immer wieder auf den Text verweist (wo steht das, worüber ich gerade rede?), zum anderen ist es sinnvoll, entscheidende Wörter und Wendungen auch wirklich „zum Leuchten zu bringen“ bzw. zu beleuchten.
  5. Am Ende einer jeden Quellenanalyse steht die Auswertung: In der Regel wird es sich um eine Frage handeln, die schon mit den Aufgaben mitgeliefert wird. Im Falle unseres Beispiels könnte es die Frage sein, inwieweit die gegebene Quelle schon erklärt, warum die Revolution von 1848 gescheitert ist. Die ablehnende Haltung des preußischen Königs gegenüber jeder Art von verfassungsmäßigen Einschränkung seiner absoluten Rechte war nämlich ein entscheidender Grund dafür, dass bei der ganzen Revolution nichts Positives herauskam.

3.      Wie analysiert man in Geschichte einen Sekundärtext?

  1. Bei einem Sekundärtext weiß man in der Regel wenig über den Verfasser und den unmittelbaren Kontext, in dem er ihn verfasst hat (brauchte er Geld? Wollte er wissenschaftlich weiterkommen? o.ä.). Auch interessiert der historische Kontext in der Regel nicht, weil es sich ja um einen mehr oder weniger aktuellen Text handelt. Wichtig ist aber die Frage, alles auszuwerten, was man über die wissenschaftliche Richtung und die wissenschaftliche Qualität des Textes annehmen kann. So kann von einem „bekannten Historiker“ oder von einem „Sozialphilosophen“ die Rede sein. Daraus lässt sich schon etwas über die „Fachlichkeit“ des Textes vermuten. Wichtig ist zudem, wo und als was der Text veröffentlicht worden ist. Handelt es sich um einen Handbuchtext, kann man von höchster Qualität ausgehen. Ist es ein Zeitungstext, muss man sehen, ob dort ein Historiker nur etwas „populärwissenschaftlich“, aber auf der vollen Höhe seiner Kenntnisse schreibt – oder ob dort jemand mal eben als Journalist den Auftrag bekommen hat, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Auch hier steht am Ende ein Einleitungssatz, in dem Verfasser, Art des Textes, Erscheinungszeit und –ort und das Thema genannt werden.
  2. Im zweiten Schritt analysiert man dann den Text genauso wie einen Quellentext, d.h. man arbeitet entweder linear oder systematisch den Gedankengang und die Position heraus. Darüber hinaus achtet man aber in besonderer Weise auf die drei Beziehungsebenen des wissenschaftlichen Schreibens: Die einfachste ist das „Faktenreferat“, d.h. die einfache sachliche Darstellung dessen, was der Verfasser entweder selbst herausgefunden hat oder (zumindest teilweise) anderen Sekundärtexten entnommen hat.
  3. Zur einfachen Darstellung der Fakten kommen noch zwei Bewertungsebenen: Die eine ist die des Sachurteils, damit ist eine These gemeint, die den Sachverhalt genauer untersucht, einordnet oder auch einschätzt. Zum Beispiel könnte jemand die These aufstellen: „Bismarck war ein genialer Machtpolitiker, dessen Politik aber keine Zukunft gehabt hätte.“ Hier ist man natürlich gespannt auf die Argumente und kann auch sehr begründet anderer Meinung sein. Sachurteile lassen sich also überprüfen und ggf. widerlegen oder optimieren.
  4. Sehr viel problematischer wird es bei Werturteilen. Das sind Urteile, die sich aus einem vorgefassten Bewertungssystem ergeben. Dahinter stecken „Axiome“, also erste Gründe, die man braucht, um überhaupt eine Theorie aufzubauen und die man nicht hinterfragen, sondern nur übernehmen oder aber umstoßen kann. So kann man die These vertreten, dass Bismarck ein Verbrecher war, wenn man davon ausgeht, dass jeder Krieg ein Verbrechen ist und der preußische Ministerpräsident zwischen 1864 und 1870 jede Gelegenheit nutzte, Konkurrenten und Gegner auszumanövrieren und ggf. auch militärisch auszuschalten.
  5. Hat man den Gedankengang und die Position eines Sekundärtextes geklärt und auch geprüft, wie viel davon überzeugend vorgetragene Fakten sind (was ggf. auch verschwiegen wird), wie überzeugend die Sachurteile sind und ob man den Werturteilen folgen kann und mag, sollte man diese Position natürlich entweder selbst hinterfragen, sich damit auseinandersetzen oder sie mit anderen bekannten Positionen in Beziehung setzen. Dazu bekommt man entweder in der Aufgabenstellung bereits Hinweise – oder aber man muss selbst Vergleichspositionen heranziehen.

4.      Wie analysiert man in Geschichte eine Bildquelle?

  1. Bilder sind in einem Punkt völlig anders als Texte, sie sind nicht linear aufgebaut, sondern man nimmt sie auf einen Schlag wahr, allenfalls gesteuert durch entsprechend ins Bild aufgenommene Lenkimpulse: So macht ein Bild sofort einen düsteren Eindruck oder aber etwas sticht besonders heraus.
  2. Wichtig ist natürlich besonders der Unterschied zwischen einem Gemälde und einem Foto. Zumindest bei einem Schnappschuss bildet dieser einen Teil der Wirklichkeit zumindest zweidimensional „richtig“ ab, während bei einem Gemälde der Maler natürlich von vornherein viel stärker auf Manipulation aus ist, ggf. nicht das malt, was ist, sondern was, was seiner Meinung nach sein soll. Aber beide Bildarten können auch durcheinandergeraten, d.h. ein Gemälde kann ziemlich originalgetreu wiedergeben, wie eine Fabrik im 19. Jahrhundert aussah – während ein Foto „lügen kann wie gedruckt“. Man denke nur an einen Kinofilm, wo man nur das sehen soll, was der Regisseur einen sehen lassen will. Mit der ganzen Wirklichkeit – auch der am Set – hat das wenig zu tun. In den Zeiten von Digitalfotos weiß jedes Kind, wie man ein Bild nachträglich bearbeiten kann, so dass von „echter Abbildung der Wirklichkeit“ nur zum Teil die Rede sein kann.
  3. Auch bei einer Bildquelle kommt es also darauf an, zunächst zu klären, wer wann was für wen gemalt oder fotografiert hat. Auch hier sollte man in dem entsprechenden Einleitungssatz das Thema angeben.
  4. Anschließend steht man vor dem Problem, das wir am Anfang beschrieben haben: Man muss etwas, was gleichzeitig vor dem Auge des Menschen erscheint oder erscheinen kann, in ein zeitliches Nacheinander zerlegen. Hier bietet es sich an, in einem ersten Schritt erst mal allgemein auf die Aufteilung des Bildes und die Elemente einzugehen, bevor man sich dann geordnet zum Beispiel dem Vorder- und dem Hintergrund zuwendet. Wichtig ist, dass man möglichst viel schon erklärt – wie ein guter Reiseführer.
  5. In einem letzten Schritt fasst man alles zusammen und überlegt, welche Bedeutung das Bild hat, was es über die Vergangenheit und ggf. auch seinen Hersteller verrät. Hier kann es wie bei einer Textquelle wieder so sein, dass eine Fragestellung vorgegeben ist (Wie wird in einem Bild die Industrie des 19. Jahrhunderts dargestellt?) oder aber man muss selbst Fragen suchen, davon kann es durchaus mehrere geben.

5.      Wie wertet man in Geschichte Zahlenmaterial (Statistiken und Diagramme) aus?

  1. Während man im Erdkunde- und Politikunterricht ziemlich häufig mit Zahlen und ihrer Darstellung zu tun hat, tut man sich in Geschichte häufig schwer damit, einfach weil es seltener vorkommt. Zunächst einmal sind zwei Ebenen wichtig: Auf der untersten Ebene hat man das direkte Zahlenmaterial – meistens in Werten bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt: zum Beispiel die Zahl der Auswanderer aus Deutschland in verschiedenen Zeiträumen des 19. Jahrhunderts. Hier ist es dann wichtig festzustellen, ob es sich immer um die gleichen Zeitabstände handelt. Ebenfalls ist wichtig, in welcher Einheit die Zahlen präsentiert werden (in Tausend, in Millionen o.ä.)
  2. Anschließend geht es um die Auswertung: Hier kann es um besonders niedrige oder hohe Werte gehen, um Phasen des Anstiegs oder der Verminderung, besondere Ausschläge oder auch „Treppenstufen“. Wichtig ist auf jeden Fall methodische und sachliche Ordnung. Das heißt, man beginnt mit einer Beschreibung und versucht anschließend erst, die Zahlen auch zu erklären. Wichtig ist, dass man vor allem versucht, die Relationen der Zahlen festzustellen. Das heißt: Um wie viel Prozent oder um welchen Faktor wachsen sie in bestimmten Zeiträumen? Darin liegt erst einmal die Hauptaufgabe, wenn die Zahlen nicht aufbereitet sind.
  3. Sehr viel besser ist man dran, wenn einem nicht direktes Zahlenmaterial in Säulen oder Kolonnen präsentiert wird, sondern dieses bereits zu einem Diagramm verarbeitet worden ist. Dann sieht man nämlich sehr schnell, wie ein Anstieg sich abflacht oder beschleunigt, wo Tief- und Höhepunkte oder auch Sprünge sind. Ggf. sollte man also versuchen, bei nicht aufbereitetem Zahlenmaterial selbst schnell eine Säulen- oder Tortengrafik herzustellen. Die machen Zahlen nämlich sehr viel anschaulicher.
  4. Es ist natürlich klar, dass man auch bei Zahlen und Diagrammen die Vorstellung mit einem Einleitungssatz beginnt, in dem man sagt, worum es geht (Thema) und woher das Material stammt. Wie alt ist es, stammt es aus einer seriösen Quelle? Wie umfassend bzw. genau ist es? Gibt es Lücken?
  5. Wie bei jedem Material sollte auch am Ende der Untersuchung von Zahlenmaterial eine Auswertung stehen. Was macht es deutlich? Was kann man ihm an Erkenntnissen und Einsichten entnehmen? Womit lässt es sich vergleichen? Welche Anschlussfragen ergeben sich?

Wie „knackt“ man einen komplizierten Text? Beispiel: „Rolle der Dichtung in der Romantik“

Ausgangspunkt: Ein Textabsatz, der Schülern Schwierigkeiten macht

Auf der Seite

http://www.geocities.ws/orakeldelphi/die_epoche_der_romantik.html

gibt es interessante Informationen zur Epoche der Romantik.

Allerdings ist die Sprache zum Teil für Schüler nicht leicht verständlich.

Wir zeigen deshalb mal an einem Absatz, wie man mit so etwas klarkommt.

Hinweis auf zwei Videos zu diesem Projekt

Zunächst aber ein Hinweis auf zwei Videos, in der wir zeigen, wie wir den schwierigen Absatz „geknackt“ haben:

Da gibt es zum einen eine Basisvariante:

Hier auf Youtube zu finden:
https://youtu.be/xxKhpT6WtmM

Mat1842-BV- Schwierige Stellen Sachtexte-Romantik-Dichtung

Dann eine ausführlichere „Fortgeschrittenen-Variante“:

Hier auf Youtube zu finden:
https://youtu.be/0kLZsvKpNSo

Die Dokumentation dazu:
Mat1842-FV- Schwierige Stellen Sachtexte-Romantik-Dichtung

Übersicht über das Basisvideo (Timeline)

  • 0:00 Thema
  • 0:10 Text
  • 0:40 Überschrift/ Themen
  • 0:48 Naturpoesie –  Kunstpoesie
  • 1:30 Erklärungsversuche
  • 2:00 Dichtung als Teil einer Gesamtpoesie
  • 2:28 Abgrenzung  zur Aufklärung
  • 2:58 Abgrenzung zur Klassik
  • 3:25 Dichtung = Teil der idealen Welt
  • 3:38 Aufgabe der Dichtung
  • 4:18 Dichter als Priester
  • 4:37 scheinbarer Widerspruch
  • 4:58 Rückblick auf Gliederung
  • 6:00 Schaubild
  • 6:40 Auflösung des Widerspruchs
  • 7:17 Merkliste/Tipps
  • 8:45 Schaubild der Methode
  • 9:19 Dokumentation

Zerlegung als Basis für eine gute Analyse

Als erstes zerlegen wir den Absatz in seine Bestandteile:


  1. „Von der allgemeinen Poesie (auch „Naturpoesie“)
    • Auswertung: Für die Romantiker gibt es zunächst einmal die „allgemeine Poesie“, die auch als „Naturpoesie“ verstanden wird.
      Das versteht man erst, wenn man auch die andere Seite kennt, die jetzt kommt.
  2. unterschieden die Romantiker die Poesie im engeren Sinne, die „Kunstpoesie“,
    • Verständlicherweise gibt es neben der „allgemeinen Poesie“ auch noch eine „im engeren Sinne“, die als „Kunstpoesie“ betrachtet wird.
    • Hier muss man nun anfangen, das für sich ein bisschen mit Leben zu füllen:
      • Das bedeutet, dass man eine Art „Deutungshypothese“ entwickelt und damit die Lücken, die der Text offen lässt, füllt.
      • Allerdings lohnt es sich immer, noch ein bisschen weiter in den Text hineinzuschauen, denn zum Teil wird dann diese Hypothese erleichtert.
  3. wozu auch die Dichtung gehörte.
      • Und tatsächlich wird hier geklärt, dass zur „Kunstpoesie“ „auch die Dichtung gehörte“.
      • Die Deutungshypothese könnte also sein, dass die Romantiker zwischen der „Naturpoesie“ der Volkslieder etwa und der höheren Dichtung der kunstvollen Gedichte etwa unterschieden.
      • Hier war es hilfreich, wenn man wusste, dass die Romantiker sich sehr für Volkslieder interessierten.
      • Hier kann man eine Anmerkung zu heute machen: Da wird ja auch zwischen Trivialliteratur und einer darüber stehenden höheren Art von Literatur unterschieden. Nur mit dem Unterschied, dass das scheinbar Triviale der Volkslieder für die Romantiker einen hohen Wert hatte. Auch hier bezieht man Wissen von außen mit ein.
  1. Die Dichtung galt als Teil der allumfassenden Poesie.
  2. Sie war also im Unterschied zur Aufklärung kein bloßes Instrument
    • Jetzt geht es um die Abgrenzung der (hohen) Dichtung zum einen von der Aufklärung: Für die war Dichtung ein „bloßes Instrument“
    • und konnte deshalb auch nach festen Regeln verfasst werden. Man „hatte“ Genie, war also eine Art kunstvoller Handwerker. Auch hier wird wieder Wissen von außen herangezogen.
  3. und anders als in der Klassik
    1. kein Erziehungsmittel
    2. und keine Vorwegnahme der idealen Welt,
      • Es folgt die Abgrenzung zur Klassik (Goethe und Schiller), die wollte
        • zum einen erziehen (bilden)
        • zum anderen eine ideale Welt in der Dichtung vorwegnehmen.
        • Hier kann man etwa an Goethes Iphigenie denken, die er selbst als „verteufelt human“ bezeichnete. Auch hier wieder Außenwissen.
  4. sondern Teil der idealen Welt selbst.
    • Jetzt geht es endlich darum, was Dichtung für die Romantiker war, nämlich keine Vorwegnahme der idealen Welt (Klassik), sondern ein Teil von ihr.
  5. Trotzdem hatte sie eine Aufgabe. Die Dichtung sollte nämlich die verschüttete Welt der Poesie bewusst machen und aufdecken,
    • Hier wird jetzt eine Gemeinsamkeit mit der Klassik aufgemacht, nämlich der Aufgabencharakter.
    • Aber anscheinend weniger „erziehen“, als vielmehr „bewusst machen und aufdecken“.
  6. in der Hoffnung, dass sie einmal wieder zur Herrschaft gelange.
    • Gemeinsam ist den Romantikern offensichtlich die Erwartung einer besseren Welt.
    • Allerdings bleibt anscheinend ein Unterschied: Goethe und vor allem Schiller wollten eine reale bessere Welt,
    • während die Romantiker sich anscheinend mit der Welt der Dichtung begnügten.
  7. Der Dichter geriet dabei in die Rolle des Priesters einer neuen, noch verborgenen Religion.“
    • Am Ende geht es um die Rolle des Dichters
    • Er wird zum Priester
    • einer „neuen, noch verborgenen Religion“.
    • Hier bleibt die Frage offen, ob die Dichtung schon die neue Religion ist oder nur zu ihr hinführt.

Auswertung und Schaubild

Deutlich geworden sein sollte, dass man einen solchen Text natürlich umso besser versteht, je mehr man entweder schon etwas von der Sache weiß oder aber Verbindungen zu Dingen herstellt, die man selbst kennt.


Am Ende empfiehlt es sich, den Gedankengang und dann vor allem die Position des Textes auch grafisch darzustellen.

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