Tandems als Chance
Viele Ideen für Unterrichtsveränderungen scheitern nicht an mangelnder Einsicht, sondern an der Frage: Wie soll das im Alltag gehen?
Zeitdruck, Heterogenität, Korrekturen, organisatorische Zwänge – all das kennen Lehrkräfte nur zu gut. Umso wichtiger sind Modelle, die nicht zusätzlich belasten, sondern Arbeit neu verteilen, ohne Verantwortung abzugeben.
Die hier vorgestellte Seite knüpft an eine konkrete Unterrichtssituation an: an die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit, materialgestütztem Schreiben – und der Frage, wie Schülerinnen und Schüler stärker in Lernprozesse eingebunden werden können, ohne dass der Unterricht an Struktur verliert. Ausgangspunkt ist kein theoretisches Konzept, sondern ein schulnahes Szenario, das zeigt, wie kooperative Arbeitsformen, feste Tandems oder Kleingruppen und klar verteilte Zuständigkeiten entlastend wirken können – für Lernende und Lehrkräfte.
Im Zentrum steht dabei nicht die Abschaffung der Lehrkraft, sondern eine veränderte Rolle: weg von der permanenten Steuerung, hin zur gezielten Begleitung. Die Beispiele und Materialien auf dieser Seite laden dazu ein, über realistische Schritte nachzudenken – klein genug für den Alltag, groß genug, um Wirkung zu entfalten.

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Und nun der „Klartext“
Endlich Tandems im Unterricht – oder noch mehr?
Es liegt an uns! Macht mit!
Ein unerwarteter Moment in der Schulkonferenz
Schulkonferenzen sind für uns Schülervertreter meistens
ein eher unangenehmer Termin. Man sitzt mit vielen
Erwachsenen zusammen und hört sich Dinge an,
zu denen einem kaum etwas einfällt: Haushaltsfragen,
organisatorische Beschlüsse, Termine.
Am letzten Donnerstag war das anders. Da ging es um ein Thema, das uns direkt betrifft: Mehrsprachigkeit. Also um die Frage, wie Schülerinnen und Schüler, für die Deutsch nicht die erste Sprache ist, an unserer Schule besser einbezogen und gefördert werden können.
Peter, unser Schulsprecher, stellte dazu einen kurzen Bericht vor, den wir vorbereitet hatten. Darin ging es unter anderem um die Idee, in Klassen und Kursen häufiger mit Tandems oder kleinen Lerngruppen zu arbeiten, die sich gegenseitig unterstützen. Nicht als Zwangs-Gruppenarbeit, sondern als echtes gemeinsames Arbeiten an sinnvollen Aufgaben.
Kaum war Peter mit seinem Vortrag fertig, meldete sich ein Elternvertreter, Herr Wonzack, zu Wort – mit einem Zettel in der Hand und offenbar gut vorbereitet. In einem kurzen, aber sehr engagierten Beitrag schlug er vor, diese Idee nicht nur auf das Thema Mehrsprachigkeit zu beschränken. Stattdessen solle man generell darüber nachdenken, wie Schülerinnen und Schüler stärker in Lernprozesse eingebunden werden könnten.
Konkret regte er an, in Klassen feste Kleingruppen zu bilden, die nicht nur gemeinsam arbeiten, sondern sich auch gegenseitig unterstützen – zum Beispiel, wenn jemand krank war und Unterrichtsstoff verpasst hat. Außerdem brachte er die Idee ein, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler bewusst so auf die Gruppen zu verteilen, dass Fragen zunächst innerhalb der Gruppe geklärt werden können, bevor die Lehrkraft eingreifen muss.
Ihr glaubt gar nicht, was dann los war. Mia legte mal wieder los und war kaum noch zu bremsen: „Endlich eine Idee“ – sie sei es so leid, den ganzen Tag da rumzusitzen und auf die nächste Frage der Lehrkraft oder ihren Aufgabenzettel zu warten.
Wir haben manchmal echt andere Ideen, was wir mit einem Gedicht zum Beispiel machen können – und wenn einer Gruppe nichts einfällt – nimmt man eben Kontakt zur Nachbargruppe auf.
Am der Stelle griff die Schulleiterin ein und wies darauf hin, dass dies über das eigentliche Thema der Sitzung hinausgehe. Aber es entwickelte sich daraus dann doch noch ein konstruktiver Vorschlag: Die Idee soll in den Fachkonferenzen und in der Schülerschaft weiter diskutiert werden, um sie gegebenenfalls in einer der nächsten Schulkonferenzen erneut aufzugreifen.
Wir vom Klarblick finden diesen Ansatz spannend. Lernen könnte dadurch abwechslungsreicher werden – gerade an langen Vormittagen – und man hätte zwischendurch auch einmal das Gefühl, selbst ein Stück Verantwortung zu übernehmen, statt nur auf die nächste Aufgabe zu warten.
Wenn ihr eigene Ideen dazu habt, meldet euch gern bei uns. Wir sind gespannt, was sich daraus entwickeln lässt.
Jens Schormack – für die Redaktion
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