Anders Freistein, Wenn Vertrauen zur Schwachstelle wird (Mat1833-vas)

Anders Freistein

Wenn Vertrauen zur Schwachstelle wird

Letztens in irgendeinem sozialen Netzwerk im Internet etwas gelesen, was zeigt, wo man sogar bei der Liebe vorsichtig sein muss. Irgendein Gymnasium: Die Klasse arbeitet im Computerraum. Plötzlich ein Schüler quer durch den Raum: „Kira, stimmt das? Muss dein Vater jetzt in den Knast?“ Alle Augen richten sich auf das Mädchen, das erst blass wird und dann ziemlich erschüttert den Raum verlässt, begleitet von einer Freundin.

Hinterher stellt sich raus, dass dieser Junge der Ex-Freund von Kira war. Deshalb wusste er von dieser traurigen Geschichte. Kiras Vater hatte sich nach einem Unfall wohl in Panik falsch verhalten, jemanden wenn auch nur leicht verletzt, zurückgelassen. Dann das schlechte Gewissen, sogar Rückkehr zum Unfallort aber da wartete schon die Polizei. Was folgte, war ein Prozess, der die ganze Familie ganz schön mitnahm. Bevor der abgeschlossen war, war auch die Beziehung zu Ende. Aber der Junge wusste genug, um jetzt seiner Ex-Freundin einen der schlimmsten Momente ihres Lebens zu bereiten. Keine Ahnung, was draus geworden ist. Aber die Mahnung bleibt. Nicht zu viel erzählen. Man macht sich nur verletzlich.  

Was man mit dieser Geschichte anfangen kann

Anregung zur Diskussion:

Wenn man Glück hat, bekommt man diese Geschichte einfach im Unterricht präsentiert. Dann ist man wahrscheinlich erschrocken und fragt sich: wo habe ich jemandem vielleicht zu viel verraten?

Andererseits macht ein Leben ohne echten Austausch auch nicht so viel Spaß. Oder etwas ernsthafter: man hat weniger Chancen, in offenen Gesprächen auch klüger zu werden.

Von daher also eine gute Gelegenheit, dieses Problem mal in der Klasse oder im Kursraum zu diskutieren.

Natürlich kann man sich auch selbst mal Gedanken machen und an die folgende Aufgabe herangehen.

Schreibaufgabe: Die Stellungnahme / Lineare Erörterung

Die Leitfrage:

„Der Junge nutzt ein privates Geheimnis als Waffe im Schulalltag. Beurteile das Fehlverhalten des Jungen im Vergleich zum Fehlverhalten des Vaters. Wo liegen die Grenzen der Offenheit in einer Beziehung?“

  • Unser Tipp:
    Achte darauf, bei der Erörterung die beiden Ebenen strikt zu trennen: Die rechtliche Ebene des Vaters (Panik/Fahrerflucht) und die moralisch-soziale Ebene des Jungen (Verrat/Bloßstellung im Computerraum).

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