Brecht, Entdeckung an einer jungen Frau (Mat4192)

Worum es hier geht:

Das Gedicht von Brecht mit dem Titel „Entdeckung an einer jungen Frau“ löst mindestens widersprüchliche Reaktionen aus. Wenn man es oberflächlich betrachtet, hat es etwas vom Carpe- Diem-Gedanken des Barock – allerdings in einem ganz anderen Sinne.

Bei Brecht geht es um die maximal mögliche Ausnutzung einer Beziehung zu einer Frau, die dabei nur als Objekt erscheint.

Zu finden ist der Text z.B. hier:

https://www.deutschelyrik.de/entdeckung-an-einer-jungen-frau.html

Anmerkungen zu Strophe 1

  • Die erste Strophe präsentiert drei Entwicklungsschritte eines Abschieds von einer Frau, mit der das lyrische Ich wohl die Nacht gemeinsam verbracht hat.
  • Schritt eins: ein nüchterner Abschied, bei dem man sich noch einmal kühl betrachtet.
  • Schritt zwei: die Entdeckung einer grauen Strähne im Haar und damit des beginnenden Alters.
  • Schritt drei: kein Entschluss mehr zu gehen
  • Anmerkung: als Leser erwartet man hier unter Umständen so etwas wie Mitgefühl.

Anmerkungen zu Strophe 2

  • Zu Beginn der zweiten Strophe eine Art Zuwendung des lyrischen Ichs
  • Es folgt die Frage der Frau nach dem Grund des Zögerns.
  • Nachträglicher Hinweis:
    Das lyrische Ich ist nur eine Nacht Gast gewesen und es war verabredet, dass sie morgens auseinandergehen, also eine Art One Night Stand.
  • Am Ende dann die Ankündigung der Erklärung durch das lyrische Ich.
  • Das ist natürlich ein absoluter Cliffhanger, denn jetzt ist man gespannt, was da kommt, in Fortführung der ersten Strophe.

Anmerkungen zu Strophe 3

  • Die dritte Strophe präsentiert dann kein Mitgefühl, sondern die Forderung, die Zeit zu nutzen
  • Dabei ergibt sich sogar ein vorwurfsvollen Ton.
  • Wenn man als Leser den Schluss des Gedichtes noch nicht kennt, ist man doch gespannt, was jetzt kommt. Vielleicht ahnt man aber auch schon etwas, denn es ging ja in dieser Nacht wohl um Sex.

Anmerkungen zu Strophe 4

  • Die letzte Strophe präsentierte eine Ungeheuerlichkeit. Das lyrische Ich will nicht mehr lange reden,
  • sondern konfrontiert die Frau auf brutalstmögliche Weise mit der eigenen Vergänglichkeit.
  • Nicht einmal im Ansatz bezieht das lyrische Ich hier sich selbst ein.
  • Am Ende ist das lyrische Ich so von der eigenen Begierde hingerissen, dass es regelrecht ins Stottern gerät.

Zusammenfassung

  • Insgesamt ist man als Leser fassungslos angesichts dieses Umgangs mit einem Menschen.
  • Die Frau wird hier reduziert auf ein wirkliches Objekt der Begierde, das in keiner Weise als Person präsent ist.
  • Das wirft ein sehr schlechtes Licht auf dieses lyrische Ich.
  • Man kann sich nur fragen, was Brecht mit diesem Gedicht bezweckt. Auch wenn es ein fiktiver Text ist, muss er sich das Schreiben des Textes doch anrechnen lassen und man fragt sich, ob auch biografisch das seine Haltung gegenüber Frauen war, sie gewissermaßen als zeitliches Verbrauchsmaterial zu betrachten. Denn es gibt im gesamten Gedicht kein einziges Signal auf kritische Distanzierung davon.

Kritik und Kreativität

  • Dieses Gedicht schreit geradezu nach einer weiblichen Antwort – zum Beispiel, nachdem das lyrische Ich im Bett versagt hat.

Vergleich mit einem anderen Gedicht:

Nicht viel besser, in gewisser Weise sogar noch schlimmer ist das Verhalten des lyrischen Ichs in Brechts „Sonett Nr. 19“. Dort tut es am Anfang noch so, als sei es auf das Gegenüber angewiesen, wolle aber auch selbst im Gegenzug etwas tun.

Dann wird selbst das mit egoistischen Hintergedanken verbunden – und am Ende nur noch überhebliche Forderungen im Befehlston:
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-bertolt-brecht-sonett-nr-19

Möglichkeiten der Recherche

Eine Prüfung von Literatur zum Thema: „Brecht und die Frauen“
https://www.deutschlandfunk.de/brechts-frauen-100.html

Ein Artikel aus der „Welt“
https://www.welt.de/kultur/article235175/Erbarmen-mit-den-Frauen.html

Weitere Infos, Tipps und Materialien 

https://textaussage.de/weitere-infos