Worum es hier geht …

Im folgenden sammeln wir Gedichte zum Thema „Stadt“ und stellen sie kurz vor. Dann kann jeder selbst schauen, welche dieser Gedichte zum Beispiel in einer Klassenarbeit oder Klausur interessant sein könnte. Auf jeden Fall kann man sich so leicht in das Thema einarbeiten und gewinnt einen guten Überblick.

Informationsquellen

Ausgewertet im Hinblick auf den Einsatz in der Schule haben wir zum Beispiel:

Alphabetisch sortierte Übersicht – nach Autoren geordnet

Das hat den Vorteil, dass man gezielt mit Gedichten bestimmter Autoren üben kann. Außerdem sieht man dann auch, ob ihr Blick auf das Phänomen Stadt mehr oder weniger gleich bleibt oder auch verschiedene Teil-Perspektiven aufweist.

Die Gedichte haben wir zunächst einmal in alphabetischer Folge nach den Autorennamen aufgelistet.

Paul Boldt, „Auf der Terrasse des Café Josty“

    • Ein Gedicht, das eher für die Oberstufe geeignet ist, wenn die Kennzeichen des Expressionismus bekannt sind.
    • Ein Gedicht, das schon auf provozierende Weise die Stadt negativ darstellt, so dass man sich fragt, werden hier nicht einfach Erwartungen bedient?
    • Jedenfalls hat uns das zu einem Gegengedicht „verleitet“ 😉
      Lars Krüsand, “ Das Café Josty, von unten  betrachtet“
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Max Brot, „Steine; nicht Menschen“ (RUB, Seite 76)

    • Weniger für eine Klassenarbeit oder Klausur geeignet als für eigene kreative Übungen, die einen originellen subjektiven Blick auf Elemente der Stadt präsentieren können.
    • Eine sehr persönliche Sicht auf die Stadt, die das lyrische ich nicht nur beruhigt, sondern auch glücklich erscheinen lässt.
    • Sogar die Pflastersteine werden mit Freskogemälden verglichen, die Straßen erscheinen als „hingelegte Bilder“.
    • Ganz offensichtlich werden die im Titel angesprochenen Steine als Ersatz für den Kontakt mit Menschen angesehen, die zumindest teilweise anscheinend für das lyrische ich „Feinde des Lichts“ sind.

Richard Dehmel „Predigt ans Großstadtvolk“ (RUB, Seite 61/62)

    • Ab Klasse zehn
    • Das Gedicht beginnt mit dem Hinweis darauf, dass die Großstadt die Menschen klein macht in der Masse.
    • Kritisiert werden die Menschen, die sich nicht dagegen wehren.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Georg Heym, „Der Gott der Stadt

    • Das Gedicht wird immer wieder gerne in der Klasse neun oder zehn in Klassenarbeiten eingesetzt.
    • Eines der berühmtesten Gedichte aus der Zeit des Expressionismus, in denen die moderne städtische Zivilisation von irgendeiner über irdischen, auf jeden Fall zerstörerischen Instanz bedroht wird.
    • Eine Besonderheit ist die Hinfälligkeit, mit der auch große Städte sich vor diesem Gott hin knien.
    • Das Gedicht endet mit einer apokalyptischen Vernichtungsvision, die allerdings räumlich und zeitlich begrenzt zu sein scheint.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Georg Heym, „Die Stadt“

    • Am Anfang gibt es noch Ansätze von fast romantischer Schönheit, dann erfolgt ein Übergang zur Beschreibung der Massengesellschaft mit einem eintönigen Leben zwischen Geburt und Tod. Hinzu kommt am Ende noch ein Gefühl der Bedrohung.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Hugo von Hofmannsthal, „Siehst du die Stadt?“ (RUB, S.52)

    • Ab Klasse 9
    • Geschildert werden die Eindrücke von einer Stadt im silbernen Licht des Mondes, die ambivalente Gefühle hervorrufen, Aber auf jeden Fall zu einer engen Beziehung zwischen der Stadt und dem lyrischen Ich führen.
    • Z.B. hier zu finden.

Franz Lichtenstein, Städter in der Landschaft

    • Durchaus schon in Klasse 8 verwendbar, vor allem im Zusammenhang mit Humor bzw. Satire.
    • Leicht satirischer Blick auf Städter, die sich gar nicht oder nur ungern auch mal in eine andere Landschaft hinein begeben, möglichst im Hotel bleiben und sich schnell nach einer Großstadt wie Berlin wieder zurücksehnen.
      U.a. hier zu finden:
      https://textaussage.de/franz-lichtenstein-staedter-in-der-landschaft

Alfred Lichtenstein, „Die Stadt“

    • Es gibt in diesem Gedicht keine Harmonie mehr zwischen Himmel und Erde (Stadt), alles sieht nach Alter und Verfall aus. Dann wird ein Irrer präsentiert, der wohl stellvertretend auch für die Gesunden den Verlust der Liebe beklagt. Er wird dafür verspottet.
      Am Ende erscheinen die Welt und das Leben als sinnloses Spiel mit der Andeutung eines „sanft verweinten Gottes“. Das Überirdisch-Sinnliche ist damit auch keine Rettung.
    • U.a. hier zu finden.

Detlef von Liliencron, „in einer großen Stadt“ (RUB, S.50)

https://textaussage.de/detlev-von-liliencron-in-einer-grossen-stadt

    • ab Klasse 8, gegebenenfalls auch erst ab Klasse 9
    • Das dreistrophige Gedicht betrachtet die Menschen, denen man begegnet, als Elemente im „Meer der Stadt“, auf dem Weg in ein „Meer das Nichts“. In der dritten Strophe ist dann schon von einem „Leichenzug“ die Rede, der auch „meinen Sarg“ einschließt.
    • Ergänzt werden alle drei Strophen durch einen „Orgeldreher“, der „sein Lied“ dreht Wohl ein Hinweis auf das Einerlei einer begrenzten menschlichen Existenz.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Oskar Loerke, „Blauer Abend in Berlin“  (RUB, Seite 81/82)

    • Auch dieses Gedicht wird immer wieder gerne in den Klassen neun und zehn als Klassenarbeit eingesetzt.
    • Sonett
    • Seine Besonderheit ist zunächst einmal der Vergleich der Stadt und ihrer Straßen und Gebäude mit einer Art Venedig.
    • In diesem Zusammenhang werden die Menschen zu einer Art Wasserpflanze, die von übergeordneten Kräften gelenkt werden.
    • Letztlich sind sie nichts als „grober bunter Sand“ im Spiel einer „großen Wellenhand“.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Christian Morgenstern, „Berlin“

    • Wegen der romantischen Ansätze wohl eher im literaturgeschichtlichen Zusammenhang interessant und daher eher für die Oberstufe geeignet
    • Das Gedicht beginnt mit einer Liebeserklärung an die Stadt,
    • wobei die Zeit der Nacht hervorgehoben wird.
    • Die macht das Wüste des Tages zum Rätsel und lässt eine „Einheit“ der sonst im Vordergrund stehenden Vielfalt zumindest ahnen.
    • Deutlich wird hier eine Haltung, die zur Romantik passt.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Börries von Münchhausen, „Straßenbild“ (RUB, S. 59/60)

    • Sehr gut für den Einsatz im Unterricht geeignet, um das vielfältige Angebot im Straßenbild einer Großstadt deutlich werden zu lassen, Für eine Klassenarbeit oder Klausur zu sehr auf einen Aspekt reduziert.
    • Ausführlich und fast schon ein bisschen ermüdend wird auf die Vielfalt des Straßenbildes eingegangen.
    • Unterschwellig angesprochen wird der Gegensatz zwischen denen, die sich hier vielfältigen Konsum und entsprechende Unterhaltung leisten können, und denen, die in den Fabriken der Vorstädte arbeiten müssen.
    • Den Schluss bildet der Hinweis auf das „Wort unserer Tage“, das den Stress ausdrückt, der mit der Betriebsamkeit in einer großen Stadt verbunden ist: „Ich hab keine Zeit!“
    • U.a. hier zu finden.

Peter Schneider, Auf der Straße

https://textaussage.de/peter-schneider-auf-der-strasse
Das Gedicht zeigt:

    • den Eindruck einer Welt, in der die Menschen zumindest auf der Straße keinen Kontakt zueinander aufnehmen und es damit auch zu keinem Austausch kommt.
    • Das lyrische Ich vergleicht diese Leute mit Menschen, die unterirdisch leben und zuletzt bei einem Kindergeburtstag froh gewesen sind.
    • Die Vermutungen gehen  dann sogar noch einen Schritt weiter und  enden im Vergleich  der Situation dieser Menschen mit Leuten, die jedes Mal einen elektrischen Schlag befürchten müssen, wenn sie sich auch nur ein bisschen aus der normalen oder vorgeschriebenen Bahn hinausbewegen.
    • In einem dritten Schritt vergleicht das lyrische Ich  die Menschen auf der Straße sogar mit solchen in einer Kriegssituation, die sich ganz auf sich selbst konzentrieren und allenfalls darauf warten, dass irgendwann die Entwarnung kommt und man sich dann wieder frei bewegen kann.Peter Schneider, „Auf der Straße“

Olaf n. Schwanke, „Fußgängerzone“

Auf der folgenden Seite geht es um eine kritische Sicht auf eine beschränkt wirkende Perspektive.

https://textaussage.de/olaf-schwanke-fussgaengerzone

Inhaltlich geht es um um die Empfindungen und Gedanken eines lyrischen Ichs am Ende eines Einkaufstages.

Da das alles ins Negative geht und auch nicht sehr konkret wird, bietet es sich geradezu an, dazu ein Gegengedicht zu schreiben. Natürlich kann man dem Autor auch eine Nachricht zukommen lassen. Vielleicht freut sich auch der Schulbuchverlag über eine Reaktion aus Schüler- und Schülerinnenkreisen.

Cassandra Steen und Adel Tawil, „Stadt“ – Song von 2009

https://textaussage.de/steen-tawil-stadt-song-2009

  • Insgesamt ein Song, der die bestehenden Lebensverhältnisse kritisiert und Ihnen positive Möglichkeit gegenüberstellt.
  • Ein Problem ist, dass die Vorstellungen relativ allgemein sind. Das hat aber den Vorteil, dass jeder Hörer des Songs beziehungsweise Leser der Zeilen sich selbst etwas darunter vorstellen kann
  • Man könnte sich also überlegen, welche Zeilen man konkret, mit menschlichen Erfahrungen anreichern könnte.
  • Spannend ist die Frage, welche Bedeutung so ein Song für die Hörer hat oder zumindest haben kann. Auf jeden Fall wird deutlich, dass entsprechend formulierte Texte etwas leisten, im Idealfall drücken sie etwas besonders gut aus, was viele Menschen fühlen, was sie selbst aber nicht so klar ausdrücken können.
  • Ebenfalls spannend im Vergleich zu einem Gedicht ist natürlich auch die Rolle der Musik. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall gibt es auch so etwas wie Sprachmusik, zum Beispiel einen Rhythmus, der auch mehr leistet als nur die Ansammlung der Wörter.
  • Anregung: Auch das könnte man mal ausprobieren: Kann man durch einen entsprechenden Vortrag zumindest etwas von dem überbringen, was der Song mit seiner Musik leistet.

Theodor Storm, „Die Stadt“

    • Gut einsetzbar ab Klasse 8
    • Interessante Kombination von scheinbarer Ödnis und zauberhafter Jugenderinnerung
    • Erklärungsbedürftig ist eine rhythmische Störstelle bei „ohn Unterlass“
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Orhan Veli, „Ich höre Istanbul“

  • Das Gedicht ist besonders interessant, weil es zunächst seinem Titel zu widersprechen scheint: Vieles, was dem lyrischen Ich in den Kopf kommt, kann nämlich gar nicht oder nur schwer gehört werden.
  • Man kann das Gedicht erst verstehen und als Kunst als akzeptieren, wenn man von einem inneren Hören ausgeht, das sich eher auf Erinnerungen bezieht als nur auf echte Akustik.
  • Damit gehört dieses Gedicht auch zu denen, bei denen die Lyrikarbeit von Autoren als eine Art Versteckspiel daherkommt. Ob das nötig ist oder sich die Aussagen des Gedichtes auch einfacher präsentieren ließen, kann man gut diskutieren.
  • Näher vorgestellt wird das Gedicht hier:
    https://textaussage.de/orhan-veli-istanbul
  • Den Text des Gedichtes sowie Beispiele für Parallelgedichte von Schülern und Schülerinnen kann man hier einsehen:
    https://kaiser-karls-gymnasium.de/attachments/article/303/Klasse%208%20-%20Parallelgedichte.pdf

Alfred Wolfenstein, „Städter“

    • Das Gedicht gehört zu den großen Favoriten und ist ab Klasse 8 für Klassenarbeiten geeignet.
    • Das Gedicht beschreibt vor allem die Enge einer Großstadt
    • und den Gegensatz zwischen des Eng-Beieinanderseins
    • und der großen Distanz zwischen dem Inneren der Menschen.
    • Auf der genannten Seite wird versucht, einen sicheren Weg zur Interpretation zu beschreiten.
    • Das Gedicht ist zum Beispiel hier zu finden.

Zweig, Stefan, „Sonnenaufgang in Venedig“

  • Ein Gedicht, dass auf sehr eigenwillige und an einigen Stellen auch etwas fragwürdige Weise den Sonnenaufgang in einer berühmten Stadt beschreibt.
  • Es ist besonders gut geeignet, um darüber zu streiten, ob wirklich alle Stellen in diesem Gedicht überzeugen können.
  • Damit wird sichergestellt, dass nicht unreflektierte Bewunderung eine wirkliche Auseinandersetzung mit einem Text verhindert.
  • Für den Deutschunterricht besonders wertvoll, weil es deutlich macht, dass nicht von vornherein alles gelungen sein muss, was von einem berühmten Dichter stammt.
  • Unabhängig  davon könnte es reizvoll sein, diese sehr individuelle Wahrnehmung der Außenwelt auch mal selbst an einem Beispiel auszuprobieren.

https://textaussage.de/stefan-zweig-sonnenaufgang-in-venedig

Weiterführende Hinweise