Worum es hier geht:
Die Kurzgeschichte „Schöne Ferien“ von Gabriele Wohmann zeigt die Befreiung und den Kontrasts zwischen einer repressiven früheren Beziehung (mit Asmus) und einer neu gewonnenen, unbeschwerten Existenz während der Ferien (durch die Abwesenheit Asmus‘ und die Anwesenheit Nelsons).
Die Geschichte haben wir hier gefunden:
Deutsch in der Oberstufe. Ein Arbeits- und Methodenbuch, Hrsg. von Peter Kohrs, Schöningh Verlag 2007 – ISBN 978-3-14-028240-6, S. 75
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Die Abwesenheit Asmus‘ und die gewonnene Freiheit
Die Erzählerin genießt zum ersten Mal seit Beginn ihrer Beziehung mit Asmus wieder „Schöne Ferien“. Die gesamte Urlaubserfahrung ist definiert durch die Abwesenheit von Konflikt und Zwang. Die anfänglich erwartete Auseinandersetzung – die üblichen Zankereien mit den Cousinen oder Asmus‘ Streit mit Lutz wegen dessen lauten Radios oder des Nicht-Badens – findet nicht statt. Der erreichte Zustand, den sie „immer angestrebt“ hat, ist eingetreten, aber sie korrigiert sich selbst sofort: Asmus ist nicht ausgeglichener geworden, „Asmus war ja diesen Sommer nicht mit“.
Die neu gewonnene Freiheit äußert sich in bewussten Akten der „Unvernunft“:
- Die Erzählerin genießt das Waten im Wasser.
- Sie lässt ihr Haar jeden Tag in der Bucht nass werden, ohne Rücksicht auf Asmus‘ „Kommandos“.
- Sie läuft barfuß bei kaltem Wetter, und ihre rotgefrorenen Zehen lassen sie daran denken, wie sehr Asmus jetzt darüber in Wut geraten würde.
- Sie schneidet sich häufig die Fingernägel, was sie an Asmus erinnert. Ihr Frieden nimmt zu, weil er nicht über ihre „verkorksten Fingernägel schimpfen“ kann.
Asmus wird in der Erinnerung als eine zürnende und kontrollierende Figur dargestellt, deren „erhobene, nicht hotelmäßige Stimme“ nur noch im Gedächtnis existiert. Er überprüfte ihr Haar und hatte nichts für Launen übrig.
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Nelson als Katalysator der Ruhe
Anstelle von Asmus verbringt die Erzählerin die Zeit mit Heinz Pfitzner, genannt Nelson, den der Zufall in dasselbe Hotel verschlagen hat. Nelson dient als Gegenpol zu Asmus und als Quelle der Entspannung.
Charakteristik Nelsons:
- Ruhe und Gelassenheit: Von Nelson geht „Ruhe“ aus. Die Erzählerin nimmt sich vor, so ruhig zu sein wie er.
- Liebenswürdigkeit und Zugänglichkeit: Er ist „liebenswürdig“ und zeigte sich der Familie gegenüber „zugänglich“. Er geht auf alles ein.
- Harmonie mit der Familie: Er integriert sich vollständig und sorgt für einen „allgemeinen Einklang“. Er schnitt den Cousinen die Haare, rasierte dem Großvater den Nacken und unterhielt sich geduldig mit der Großmutter über ihre Passion, die Triebwelt der Ameisen.
- Förderung der Jüngeren: Nelson unterhält sich gern mit Jüngeren und bringt Lutz, der sonst nur seine Schlager hat, dazu, „aus sich herauszugehen“.
Die Liebe zu Nelson wird von der Erzählerin als kaum anstrengend empfunden, was den Kontrast zur Beziehung mit Asmus verdeutlicht. Nelson verwöhnt sie und nennt sie liebevoll „meine Erfindung“.
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Die Ambivalenz und die Schatten der Vergangenheit
Obwohl die Erzählerin die wirkliche Freiheit ohne schlechtes Gewissen genießt und sich erholen will, ist die Figur Asmus weiterhin präsent und löst Angst aus.
- Verinnerlichte Angst: Manchmal erschrickt die Erzählerin „aus heiterem Himmel“ und muss sich sagen: „dreh dich nicht um, […] Asmus steht hinter dir“. Sie hält den Atem an und wartet ab.
- Die Erinnerung als Zwang: Die Familie, die nicht wie Asmus über ihre Launen lacht, ruft ihn scherzhaft herbei, um sie aufzuwecken: „Hallo Asmus, kümmere dich gefälligst mal um deine Frau, weck sie auf, los!“.
Zusammenfassung
Diese Passagen zeigen, dass die unterdrückte Spannung und die Befehlsstruktur der Beziehung zu Asmus in ihrem Unterbewusstsein nachwirkt, obwohl sie physisch frei ist. Der Frieden, den sie nun erlebt, ist ein aktives Programm, zu dem auch das „Gelassen zuhören“ bei törichten Äußerungen der Großeltern gehört – Dinge, gegen die Asmus sofort protestiert hätte.
Die Erzählerin versucht aktiv, die Ruhe Nelsons zu imitieren („So ruhig sein wie Nelson, das war mein Programm“), während sie gleichzeitig das Fehlen der Konflikte, die Asmus stets verursachte, zutiefst genießt. Der Urlaub ist somit eine zeitlich begrenzte Auszeit von einer als repressiv empfundenen Lebensrealität, da sie sich bewusst ist, dass sie schon nächsten Sommer wieder auf Asmus‘ Kommandos Rücksicht nehmen muss.
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