Wie schreibt man eine „Inhaltsangabe“ zu poetischen Texten, zum Beispiel einem Gedicht? (Mat5539)

Worum es hier geht:

Inhaltsangaben sind einfach, wenn es eine überschaubare Handlung gibt – wie zum Beispiel in einer Ballade.

Was ist aber, wenn ein poetischer, also dichterischer Text (fast) nur aus Gedanken und Gefühlen besteht.

Wir verschaffen uns hier zunächst einen Überblick und geben dann auch Tipps und Hilfen.

Überblick:

  1. Die normale Inhaltsangabe kenn man ja – etwa bei einer Ballade: Man beschreibt das Objekt, nennt dabei Verfasser und Titel und vielleicht auch das Thema. Anschließend gibt man einen knappen Überblick über die Handlung und ihre Entwicklung.
  2. Auch bei einem Drama, einem Bühnenstück, kann man auf ähnliche Art und Weise den “Inhalt angeben”, weil auch dort Handlung vorhanden ist.

(Die Ballade war ja übrigens ein erzähltes Drama in Gedichtform – packte also alle drei Gattungen der Literatur (Epik = erzählende Literatur, Drama(tik) = auf der Bühne zu spielende Literatur und Lyrik = in Versform präsentierte Literatur) zusammen.

  1. Schwieriger wird es allerdings bei anderen Gedichten: Die meisten haben kaum oder gar keine Handlung. Und dann wird es eben spannend – wie “gibt” man einen “Inhalt” an, wenn es eigentlich keinen gibt?
  2. Wir werden darauf bald genauer eingehen – aber eins sei schon mal als Tipp verraten: Man muss einfach zwischen “Handlung” und “Inhalt” unterscheiden – wie das geht, zeigen wir demnächst.

Beispiel für die Inhaltsangabe einer Ballade:

(Auszug aus dem E-Book: „Keine Angst mehr vor Balladen und Inhaltsangaben“, zu finden zum Beispiel hier.)

In der Ballade „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller geht es um einen König Franz, der in Anwesenheit wichtiger Männer und Frauen seines Reiches ein Kampfspiel mit wilden Tieren veranstaltet. Beteiligt daran sind ein Löwe, ein Tiger und zwei Leoparden, die ihre Kampflust zeigen, aber nicht gleich übereinander herfallen.

Jetzt kommt eine gefährliche Stelle – denn jeder gute Geschichtenerzähler würde jetzt mit „Plötzlich“ oder „Auf einmal“ fortfahren, das muss man in einer Inhaltsangabe allerdings vermeiden, weil sie ja ganz sachlich angelegt sein soll:

 

In der Ballade „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller geht es um einen König Franz, der in Anwesenheit wichtiger Männer und Frauen seines Reiches ein Kampfspiel mit wilden Tieren veranstaltet. Beteiligt daran sind ein Löwe, ein Tiger und zwei Leoparden, die ihre Kampflust zeigen, aber nicht gleich übereinander herfallen. Die Spannung steigt, als ein Ritter von seiner Dame aufgefordert wird, ihr den Handschuh, den sie wohl absichtlich zwischen die wilden Tiere hat fallen lassen, wieder zurückzubringen.

Der Relativsatz nach „Handschuh“ ist jetzt natürlich schon eine Interpretation, denn das wird im Gedicht offengelassen – wenn man aber den weiteren Verlauf betrachtet, spricht alles dafür. Kommen wir nun zum Schluss, in dem es um das Verhalten des Ritters geht. Außerdem ist im Gedicht davon die Rede, dass Kunigunde „spottenderweis“ spricht, also weniger aus Angst um ihren Handschuh als mit der Absicht, den Ritter zu testen oder vorzuführen – und zwar völlig unnötigerweise.

In der Ballade „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller geht es um einen König Franz, der in Anwesenheit wichtiger Männer und Frauen seines Reiches ein Kampfspiel mit wilden Tieren veranstaltet. Beteiligt daran sind ein Löwe, ein Tiger und zwei Leoparden, die ihre Kampflust zeigen, aber nicht gleich übereinander herfallen. Die Spannung steigt, als ein Ritter von seiner Dame aufgefordert wird, ihr den Handschuh, den sie wohl absichtlich zwischen die wilden Tiere hat fallen lassen, wieder zurückzubringen. Nachdem er diesen Auftrag ganz ruhig erledigt hat und auch unbeschadet zurückgekommen ist, wirft er der Dame den Handschuh ins Gesicht und verlässt sie, weil er nicht so behandelt werden will.

Auch hier liegt am Ende ein bisschen Interpretation vor – aber ganz ohne geht es bei Gedichten auch nicht, denn die enthalten immer auch Lücken, deuten Dinge nur an. Hier dürfte aber ziemlich klar sein, dass dieser Ritter die Heldentat offensichtlich nicht vollbracht hat, weil er damit bei seiner Dame besser ankommen wollte, sondern weil das anscheinend zu seinem Verständnis von Rittertum gehört. Er hat aber durchaus begriffen, dass die Dame ihn „spottenderweis“ in diese Lage gebracht und sein Leben oder sein Ansehen gefährdet hat – und deshalb gibt er den „Schimpf“ (so nannte man das früher) zurück und verlässt sie.

Beispiel für die Inhaltsangabe eines Bühnenstücks (Drama)

In Dürrenmatts Stück „Der Besuch der alten Dame“ geht es um eine in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten Stadt namens Güllen, die sich viel von dem  Besuch einer ehemaligen Einwohnerin verspricht, die inzwischen zu Reichtum gelangt ist und sich als Wohltäterin präsentiert.

Die größten Hoffnungen setzt man auf den Kaufmann Alfred Ill, der früher mit der Milliardärin liiert war.

Bald stellt sich aber heraus, dass Claire damals von ihrem Geliebten im Stich gelassen worden ist und sich nun an ihm, aber auch den anderen Einwohner in der Stadt, die sich ebenfalls ihr gegenüber schlecht verhalten haben, rächen will.

Dafür nutzt sie ein Angebot, in dem sie der Stadt einzelnen 1 Milliarde schenken will, was an die Bedingung geknüpft wird, dass Ill stirbt.

Der anfängliche Widerstand gegen dieses unmoralische Angebot bröckelt im Laufe der Zeit immer mehr, der bedrohte Ill findet wieder beim Polizisten noch beim Bürgermeister Hilfe, der Pfarrer vertröstet ihn aufs Jenseits und rät ihm ansonsten nur zur Flucht.

Dazu kommt es aber nicht, auch weil Ill seine Schuld eingesehen hat und bereit ist, die Folgen zu tragen.

Allerdings lehnt er den ihm vorgeschlagenen Selbstmord ab, sondern will, dass seine Mitbürger eindeutig Stellung beziehen.

Am Ende tun sie das und verlangen in einer Versammlung Ills Tod, zu dem es dann auch kommt.

Anmerkung:

Man sieht hier deutlich, dass das Stück vorwiegend aus Handlung besteht, die man gut in einer Inhaltsangabe vorstellen kann.

Beispiel für die „Inhaltsangabe“ eines Gedichts

Theodor Storm

Die Stadt

  • Am grauen Strand, am grauen Meer
  • Und seitab liegt die Stadt;
  • Der Nebel drückt die Dächer schwer,
  • Und durch die Stille braust das Meer
  • Eintönig um die Stadt.

 

  • Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
  • Kein Vogel ohn Unterlaß;
  • Die Wandergans mit hartem Schrei
  • Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
  • Am Strande weht das Gras.

 

  • Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
  • Du graue Stadt am Meer;
  • Der Jugend Zauber für und für
  • Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
  • Du graue Stadt am Meer.

Dieses Gedicht ist ein gutes Beispiel dafür, dass es Gedichte gibt, die keine Handlung im normalen Sinne des Wortes präsentieren.

Stattdessen gibt es am Anfang die Beschreibung einer Situation, die in der zweiten Strophe noch fortgesetzt wird, bevor in der dritten schließlich Gefühle und Gedanken des sog. „lyrischen Ichs“, also des Sprechers im Gedicht deutlich werden.

Dementsprechend konzentriert man sich genau auf diese Elemente.

Eine „Inhaltsangabe“ könnte also so aussehen:

In dem Gedicht „Die Stadt“ von Theodor Storm wird in der ersten Strophe eine Stadt beschrieben, die sich in einer eintönigen Gegend befindet und viel Natur, aber wenig menschliches Leben präsentiert.

In der zweiten Strophe wird genauer auf verschiedene Naturphänomene eingegangen, wobei sich der Eindruck von Einsamkeit noch verstärkt.

Die dritte Strophe macht dann deutlich, dass der Sprecher die Stadt trotzdem liebt, weil sie ihn an seine als schön empfundene Jugend erinnert.

Sprung in die Kreativität – selbst ein Gedicht ohne Handlung schreiben

 

Man lehnt sich entspannt zurück, betrachtet die Umgebung und lässt sich dann drei bis fünf Dinge einfallen, die gerade das eigene Leben beschäftigen:

zum Beispiel:

  1. Noch ist ein schöner Tag
  2. Bald soll der Sommer vorbei sein.
  3. Wie wird es dann wohl wieder werden?
  4. Aber es gab doch im letzten Jahr im Herbst/Winter doch auch schöne Dinge.
  5. Und dann am Ende eine schlaue Lebensweisheit: Statt diesem verschwindenden Sommer hinterherzutrauern freue ich mich auf den „goldenen Herbst“

Das ist jetzt nicht besonders intelligent, aber es soll Mut machen, selbst locker Gedichte zu schreiben. Wichtig: Gedichte müssen sich nicht reimen, Reime behindern nur, weil sie zu „zweitklassigen“ Wörtern zwingen.

Aber Gedichte sollten ein bisschen Sprachmusik haben – und vielleicht auch ein paar schöne Wendungen.

Versuchen wir es mal für den ersten Punkt:

  • Wenn ich so rausschau
  • denke ich: Wow
  • So schön kann ein Tag sein
  • der mit Sonne pur beginnt
  • und mit einem Abendrot endet.

 

  • Aber wir haben September
  • und der wird leider gefolgt
  • von diesem schrecklichen Oktober

 

  • Aber heißt der nicht auch „golden“?
  • Stimmt: Schon steigt die Stimmung
  • Ich denke an all die Farben der
  • Bäume, für die auch ein bisschen
  • Sonne reicht, um sie zum Leuchten zu bringen.

usw.

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