Sachtexte – eigentlich schön …
Das Schöne an Sachtexten: Dort wird meist schnell klar, worum es geht – und es geht um Dinge, die man nachvollziehen kann.
Aber leider werden sie meistens so präsentiert:

- Wie gesagt: ein interessantes Thema. Denn nicht immer hat man in der Schule das Gefühl, dass sie viel mit dem Leben zu tun hat.
— - Aber dann: diese Textwüste. Warum können die Autoren nicht ein bisschen an die Leser denken? Indem sie zum Beispiel einfach Zwischen-Überschriften einbauen,
— - Das gibt es zwar inzwischen häufiger, und auch Schulbücher haben zum Teil am Rand Hinweise, worum es in den Abschnitten geht.
— - Aber man muss eben auch mit solchen Texten klar kommen – und wir wollen hier zeigen, wie man schnell so genannte Sinnabschnitte erkennt – denn die sind gewissermaßen die Basis für die fehlenden Zwischenüberschriften.
Für alle, die sich das lieber im Video erklären lassen:
Wir haben alles auch in einem Video erklärt. Das kann hier abgerufen werden.
https://youtu.be/-Lt6t0y_YtI
Hier die Sprungmöglichkeiten direkt zu der Stelle im Video, die man sehen möchte:
0:00 Sachtexte analysieren: Kein Problem mit Sinnabschnitten 0:34 Die „Textwüste“: Orientierung im Dschungel der Worte 1:27 Was sind Sinnabschnitte? – Definition und Einleitung 2:54 Lernen im echten Leben: Praktikum und Zootiere 3:47 Beispiel Gitarrenunterricht: Lernen durch Zeigen und Nachahmen 4:40 Auswertung: Warum Input im Alltag funktioniert 5:16 Transfer zur Schule: Vom fragenden Entwickeln zum echten Input 6:50 Das Problem der künstlichen Einstiege (Referendariat & Bilderrätsel) 8:35 Zusammenfassung: Eigenaktivität durch klare Ausgangs-Infos 9:30 Analyse-Check: Die Sinnabschnitte im Überblick 13:22 Fazit und weiterführende Materialien auf der Website
Und hier gibt es auch die Dokumentation dazu.
Was ist eigentlich ein Sinnabschnitt?
Sinnabschnitte sind Teile eines Textes, die gemeinsam Sinn ergeben. Das heißt, sie sagen etwas aus im Sinne der Absicht des Textes.
Der Sinn des ersten Abschnittes hier liegt darin, zum Thema hinzuführen.
Kleiner Tipp: Das ist so ziemlich bei jedem Sachtext so, denn wie sollte es auch anders sein?
Allerdings gibt es natürlich verschiedene Varianten. Man kann direkt zum Thema kommen – oder erst mal Interesse erregen, etwa durch ein Beispiel. Das wertet man dann aus und kommt so zum Thema.
Was hält den ersten Abschnitt zusammen?
So ziemlich jeder kennt noch den Spruch: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“. Wir würden den Spruch ganz gerne mal etwas ändern: „Nicht von der Schule, sondern vom Leben lernen wir.“ Dabei denken wir an ein ganz besonderes Problem, nämlich die Art und Weise, wie die, die etwas noch nicht wissen und können, zu denen aufschließen, die da schon weiter sind.
- Hier wird ein bekannter Grundsatz aufgenommen und gleich im Sinne des Textes abgeändert.
- Jetzt geht es darum, dass die Schule auch vom Leben lernt.
- Und es geht um das Grundproblem der Schule: Da sind Lehrkräfte, die viel wissen, aber es eben auch an die Schülis herantragen müssen.
Sinnzusammenhang:
Hier wird zum Thema hingeführt – und am Ende wird deutlich gemacht, was jetzt wohl als nächstes kommen muss.
Es folgen Beispiele mit Auswertung
Nehmen wir zwei Fälle: Jeder, der während seiner Schulzeit ein Praktikum in einem Firma macht, kennt das: Er wird erst mal im Betrieb herumgeführt, dann einer Abteilung zugewiesen. Dort sucht man möglichst einfache Tätigkeiten für ihn, zeigt ihm, wie es geht, und lässt ihn dann machen – immer ein bisschen unter Aufsicht. Denn er soll ja keinen Schaden anrichten oder sich verletzen. Das könnte zum Beispiel in einem Zoo passieren, wenn er auf ganz eigene Art und Weise versucht, die Löwen zu füttern. In der Regel dauert es sehr lange, bis so ein Praktikant dann die Löwen besser versteht und behandeln kann als die erfahrenen Tierpfleger. Oder jemand möchte Gitarre lernen. Dann kommt er zu jemandem, der das schon kann. Der gibt ihm aber kein Instrument in die Hand und sagt dann: „Probiere es einfach mal aus – und dann schauen wir, was rauskommt.“ Es könnte nämlich sein, dass dabei so wenig rauskommt, dass der, der lernen wollte, irgendwann das ihm fremd gebliebene Gerät beiseitelegt und verschwindet. Vielmehr wird ihm alles gezeigt, damit er möglichst schnell erste Erfolge sieht und wiederkommt. Meistens ist es Lernen durch Zuhören und Abgucken. Halten wir also fest: Man lernt im wirklichen Leben am besten, wenn man genau denen zuhört, die schon etwas wissen und können – und dann wird es erst mal nachgeahmt. Wann und wie man dann auch schon mal was ganz selbstständig und neu machen kann, hängt von den Betreffenden ab.
- jetzt kommt ein etwas langer Abschnitt.Aber glücklicherweise verrät er gleich am Anfang, was da kommt.Es geht um Fälle, und das dürften in diesem Zusammenhang Beispiele sein.
— - Geschickt ist es natürlich dabei, dabei auf das Praktikum einzugehen. Denn das ist ja für viele Schüler und Schülerinnen die einzige Gelegenheit während der Schulzeit, mal das wirkliche Arbeitsleben kennen zu lernen.
— - Dann hat der Autor ein Beispiel genommen, bei dem es besonders wichtig ist, vorsichtig an die Arbeit ran zu gehen. Denn wer möchte schon einem Löwen als Frühstück dienen?
— - Weil aber viele Leute gar nicht in solche gefährlichen Situationen kommen, hat der Autor sich ein zweites Beispiel ausgedacht. Es geht darum, ein Instrument kennen zu lernen.Und da wird deutlich gemacht, dass man dort Schritt für Schritt vorgeht und dabei vor allem auf erste Erfolge achtet.
— - Am Ende dann die Auswertung – und wer ein bisschen Ahnung hat, merkt schon, dass es in der Schule zum Teil anders aussieht – denn da geht es ja selten um das Vormachen.
Sinnzusammenhang:
Was jetzt kommen musste, kommt auch. Es gibt Beispiele – glücklicherweise solche, die Schülis gut nachvollziehen können.
Und am Ende dann eine Auswertung, die direkt in Richtung Schule geht.
Man möchte jetzt wissen, was denn da verändert werden kann, wenn es eben nicht raus ins Leben geht, sondern im Klassenzimmer bleibt.
Was in der Schule besser geworden ist, aber noch nicht gut
Kommen wir nun zur Schule: Da hat sich seit einigen Jahren etwas durchgesetzt, was eigentlich sehr vernünftig ist: Die Lehrkräfte halten nicht mehr lange Monologe, nur durch kurze Hilfsfragen unterbrochen („Was ist noch mal ein Satz?“ – „Was ist das Wichtigste in einem Satz?“ – „Woran erkennt man es?“ usw.), sondern sie versuchen es mit etwas Input und dann dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst loslegen. Das Problem dabei ist nur, dass dabei vieles mühsam erkundet wird, was man auch genauso gut nachlesen könnte. Das kann durchaus sinnvoll sein: Wenn zum ersten Mal eine Kurzgeschichte besprochen wird, dann macht es mehr Spaß, sie mit einer Geschichte mit normalem Einstieg und abgerundetem Ende zu vergleichen als sich einfach einen Lexikonartikel durchzulesen. Aber was sollen zum Beispiel diese seltsamen Unterrichtseinstiege, bei denen die Klasse oder der Kurs raten soll, worum es an dem Tag im Unterricht gehen soll. Besonders die Refis sind immer heilfroh, wenn sie diese Klippe übersprungen haben. Häufig wird dabei sogar so etwas eingesetzt wie in der Sendung „Zimmer frei“, wo die Gäste ein sogenanntes Bilderrätsel lösen mussten: Da kam es nur darauf an, aus verschiedenen Dingen und Handlungen ein Wort zu erraten, zum Beispiel „Kugel-Schrei-Bär“ – das war weitgehend lustig, aber sinnfrei. Stattdessen könnte man doch lieber überzeugend erklären, warum man sich in dieser Stunde mit dem Kugelschreiber beschäftigen könnte – dann fühlen Schüler und Schülerinnen sich auch ernstgenommen, denn eine Alternative gibt es ja in der Regel nicht. Wenn dann das Problem klar ist, dann können sie meinetwegen auch herausfinden, ob man den Kugelschreiber auch mit einer essbaren Paste füllen kann – damit es kein Problem ist, wenn man so ein Teil mal vor Aufregung in den Mund steckt.
- Auch hier hat man eine sehr schöne Grenzmarkierung.Denn der Autor macht deutlich, dass es jetzt um einen neuen Sinnabschnitt geht, nämlich die Übertragung auf die Schule.
— - Zunächst einmal wird Fortschritt festgestellt. Früher gab es den so genannten „fragend entwickelnden Unterricht“ – Da wurde man durch mehr oder weniger geschickte Fragen langsam zum Ziel geführt. Das muss nicht verkehrt sein. Aber so etwas gibt es im Leben eher selten. Da wird einem etwas erklärt, und dann soll man es mal probieren.
— - Am Beispiel der Kurzgeschichten wird gezeigt, dass man auch anders an neue Phänomene heran führen kann, etwa durch einen Vergleich.
— - Als nächstes geht der Autor auf die Ausbildung von Lehrkräften an. Dort übertreibt man, seiner Meinung nach, manchmal mit den Ratespielen am Anfang. Häufig hat man das Gefühl, es kommt nur darauf an, dass man irgendwie die Leitfrage an die Tafel bekommt. Ganz gleich auf welchem Wege.
— - Statt irgendwelcher Bildrate-Spiele wird empfohlen: Einfach deutlich zu machen, worum es geht, warum es wichtig ist – und im Idealfall: warum es sogar interessant ist..
— - Etwas satirisch wird am Ende angedeutet, dass man sich dabei schon etwas einfallen lassen mussa. Aber dafür braucht man kein Bilderrätsel am Anfang. Vielleicht lieber überlegen, was es vorher nur gab und was beim Kugelschreiber der Fortschritt war.
Sinnzusammenhang
Hier wird jetzt ausführlich erklärt, was nach Meinung des Autors nicht optimal ist. Dazu kommen Vorschläge, wie man es besser machen kann.
Man merkt, dass der Text jetzt eigentlich am Ende angelangt ist. Jetzt könnte gut eine Zusammenfassung kommen, und die kommt dann auch.
Zusammenfassung mit Kompromissvorschlag
Langer Rede kurzer Sinn: Selbstständiges Lernen und überhaupt Eigenaktivitäten im Unterricht – eine wunderbare Verbesserung zu früheren Zeiten. Aber bitte die Schüler keine unnötigen Bilderrätsel am Anfang lösen lassen, sondern kurzer, anregender Input – und dann geht es an Aufgaben, die man umso besser lösen kann, je besser die Ausgangs-Infos waren. Man könnte es auch so formulieren: Ein fünfminütiger Lehrermonolog am Anfang mit noch fünf Minuten Fragen und Antworten ist zehnmal besser als eine halbe Stunde Herumstochern im Nebel mit wenig Ergebnis am Ende.
- Gleich am Anfang erkennt man hier, dass es um eine Art Zusammenfassung geht.
— - Das selbständige Lernen und mehr Eigenaktivitäten sollen als Fortschritt beibehalten werden.
— - Das bedeutet in der Praxis: wie im wirklichen Leben: so viel Input und Erklärung wie nötig – und dann ausprobieren und sich dabei mit entsprechender Hilfe immer mehr verbessern.
Sehenszusammenhang:
Hier wird noch mal deutlich, dass es nicht um eine Revolution in der Schule geht. Vielmehr soll man die gute Entwicklung beibehalten. Aber auch darüber nachdenken, ob das eine oder andere nicht noch mehr gehen könnte in die Richtung, die im Berufsleben ganz selbstverständlich ist.
Nämlich
so viel erklären, wie nötig,
dann machen lassen
und helfen bei der Optimierung.
Was man sich merken könnte:
- Ein normaler Sachtext esteht aus Sinnabschnitten.
- Die kann man finden, indem man jeweils schaut, wo ein neues Teilthema anfängt.
- Normalerweise beginnen Sachtexte mit einer Hinführung zum Thema.
- Und dann wird genauer darauf eingegangen.
- Die Grundstruktur ist häufig ein Doppelpunkt:
- Wo genau ist das Problem?
- Was müsste anders sein?
- Wie kann man es erreichen?
- Am Ende gibt es dann häufig noch einen sogenannten Ringschluss. Man geht zum Beispiel auf das Beispiel ein, das am Anfang noch negativ dargestellt wurde. Das kann man dann mit Hoffnung auf Besserung verbinden.
Die nächste Aufgabe: Die Aussagen des Textes:
- Wenn man kritisch mit einem solchen Sachtext umgehen soll, muss man in der Regel zunächst einmal zusammenfassen, welche Aufsagen er enthält.
— - Das geht am besten, indem man den Satz fortsetzt:
Der Text zeigt (oder bei Sachtexten kann man natürlich auch sagen: Insgesamt macht der Autor deutlich.- Dass in der Schule nicht nur für das Leben gelernt werden soll, sondern:
Die Schule kann sich einiges auch abschauen, was das Lernen im späteren Berufsleben angeht.
— - Das bedeutet, dass man, zum einen, möglichst schnell zur Aufgabe kommt.
- Die muss natürlich in einzelne Schritte zerlegt werden.Dann kann man erst mit den einfachen Dingen anfangen und schnell zu Erfolgserlebnissen kommen.
— - Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, Schüler und Schülerinnen auf etwas zu kommen. wofür die Menschheit lange Zeit gebraucht hat und was heute in jedem Handbuch steht.
—
Man könnte auch sagen: Man muss das Rad nicht erfinden, um seine Funktion zu verstehen und es gut nutzen zu können.
- Dass in der Schule nicht nur für das Leben gelernt werden soll, sondern:
Was hat es mit den sogenannten sprachlichen Mitteln bei Sachtexten auf sich?
- Im Unterschied zu Kurzgeschichten und besonders zu Gedichten.Geht es hier weniger um irgendwelche ausgefallenen Abweichungen vom normalen Sprachgebrauch?
- Natürlich spielen auch schöne Vergleiche, Gegensätze und Steigerungen eine Rolle.
- Viel wichtiger sind aber sogenannte rhetorische Mittel. Dazu gehört in der Regel das positive Hervorheben von allem, was der eigenen Meinung dient.
- Was die Gegenmeinung stärken könnte, wird entweder verschwiegen oder im Rahmen des Möglichen in ein negatives Licht gestellt.
- Am besten merkt man sich, dass es bei Sachtexten, vor allen Dingen, um Wirkung geht, weniger um eine schöne persönliche Wahrheit.
Tipps zur Stellungnahme
- Am besten verweist man am Anfang auf das, was einen in dem argumentativen Text überzeugt.
- Dann geht es um Dinge, die nicht genügend klar sind oder einfach auch nicht überzeugen.
- Am Ende ist es immer gut, wie in diesem Falle, wenn man aus These und Antithese eine Synthese macht. Das hat nicht unbedingt etwas mit einem Kompromiss zu tun. Vielmehr geht es um eine Idee, wie man am besten mit dem umgeht, was im Sachtext vorgeschlagen worden ist.
Was man jetzt tun könnte:
- Zu diesem Text gibt es auch eine Klausurvariante
https://textaussage.de/klausur-rolf-proben-was-die-schule-vom-leben-lernen-kann
— - Man könnte jetzt das, was wir hier gezeigt haben, mal an einem anderen Text ausprobieren.
Dort haben wir vor längerer Zeit auch mal versucht, das Ordnen der einzelnen Abschnitte am Beispiel eines Koffers zu erklären, den man angeschwemmt vorfindet.
https://textaussage.de/sinnabschnitte-basis-sachtextanalyse
— - Ein weiterer interessanter Text von Rolf Proben ist hier zu finden.
Rolf Proben, Glaube nichts, ohne …
https://schnell-durchblicken.de/rolf-proben-glaube-nichts-ohne
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Infos, Tipps und Materialien zum Thema „Sachtexte“
https://textaussage.de/thema-sachtexte-infos-tipps-und-materialien-themenseite
— - Übersicht: Lernkurs Umgang mit Sachtexten
https://textaussage.de/uebersicht-lernkurs-sachtexte
— - Sammlung von Sachtexten für Analyse- und Erörterungs-Übungen
https://textaussage.de/sammlung-sachtexte-deutschunterricht
— - Sachtexte zum Thema „Medien“
https://textaussage.de/sammlung-sachtexte-deutschunterricht-thema-medien
— - Sachtexte zum Thema „Künstliche Intelligenz“ – bsd. praktische Nutzung der neuen KI-Chat-Programme für Fragen des Deutschunterrichts:
https://textaussage.de/ki-mia-praktische-erprobung-der-kuenstlichen-intelligenz-fuer-aufgaben-des-deutschunterrichts
— - Youtube-Playlist
https://www.youtube.com/playlist?list=PLNeMBo_UQLv1bBiPiTy_JWGzGYKD9iBs3
— - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
https://textaussage.de/weitere-infos