Sartre in 60 Minuten – Auswertung eines Youtube-Videos von Walther Ziegler (Mat8704-s60)

Wer sich mit dem Philosophen Sartre beschäftigen will oder muss, wird sich bestimmt über dieses Video freuen.

Es wird von dem bekannten Hochschullehrer Dr. Walther Ziegler präsentiert – und er präsentiert den Philosophen auf zugleich lehrreiche und unterhaltsame Weise.

Zu finden ist das Video hier:
https://youtu.be/TJjM4EiSdDg?si=vQjMrXzecBAYz8Du

Wir geben hier einen Überblick mit den Positionen auf der Timeline. Dann kann man sich gezielt mit den entsprechenden Passagen beschäftigen.

Unsere Anmerkungen beziehen sich nur auf die Darstellung Sartres im Video – und sie sind bewusst provozierend gestaltet, um die Diskussion anzuregen.

Hierzu kann man unsere Kommentarseite nutzen.

Nun zu der Gliederung des Videos:

  1. Einleitung: Sartre als Popstar der Philosophie
  • 0:00 – Begrüßung und Einordnung Sartres als eines der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts.
  • 0:27 – Beschreibung der existenzialistischen Jugendbewegung (schwarze Kleidung, Hornbrillen) und deren Motto der absoluten Selbstbestimmung.
  1. Das Fundament: Existenz vor Essenz
  • 1:18 – Erklärung des ersten Prinzips: Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht.
    • Mia („Menschliche Intelligenz in Aktion):
      Das erscheint uns als völlige Überschätzung des Menschen und seiner Möglichkeiten.
    • Das Schicksal des Menschen hängt auch von vielen Zufällen ab – wie häufig wird ein Mensch auch in eine bestimmte Richtung geschoben.
  • 2:20 – Herleitung des Begriffs: Beim Menschen geht die Existenz der Essenz voraus – es gibt keinen vorgegebenen Plan oder Schöpfer.
    • Mia: Woher will Sartre das wissen?
    • Gerade als Philosoph sollte er sich der Grenzen seiner Erkenntnis bewusst sein.
    • Er musste doch eigentlich schon wissen, dass wir Menschen ein Produkt der Evolution sind – angepasst an eine entsprechende Umwelt.
    • Wieder mal ein Beispiel, dass ein Philosoph so sehr in seine Privatoffenbarung verliebt ist, dass er gar nicht reflektiert, warum er auf gerade diesen Gedanken gekommen ist.
  1. Die Last der Freiheit: Verlassenheit und Verantwortung
  • 4:10 – Die Konsequenz der Gottlosigkeit: Der Mensch ist „verlassen“, da es keine objektiven Werte außerhalb seiner selbst gibt.
    • Mia: Das sieht ein Großteil der Menschheit anders.
    • Problematisch wird es, wenn Sartre hier einem Werte-Relativismus das Wort redet.
  • 6:45 – Der Mensch ist „zur Freiheit verurteilt“: Er hat seine Existenz nicht selbst gewählt, trägt aber die totale Verantwortung für jede Tat.
    • Auch hier wieder eine Behauptung, die einfach übergriffig ist.
    • Sartre erzeugt hier genau die Schuldgefühle, vor denen er die Menschen doch befreien wollte – indem er jede Transzendenz ablehnte.
  1. Angst und Schwindel als Zeichen der Freiheit
  • 10:15 – Definition der Angst: Sie ist nicht Furcht vor einem Objekt, sondern die schwindelerregende Erkenntnis der eigenen Möglichkeiten.
    • Auch hier wieder hilft Konkretisierung gegenüber diesen Behauptungen.
    • Wenn jemand nachts durch eine gefährliche Gegend gehen muss, wird er kaum an die („eigenen“) Möglichkeiten denken, die Sartre hier vollmundig herbeiredet.
    • Es geht wohl eher um die Möglichkeiten anderer Menschen, die sich hier ergeben. Sartre scheint keine Ahnung von Kriminalität zu haben.
  • 15:30 – Das Beispiel des Abgrunds: Die Angst davor, dass man sich theoretisch selbst hinunterstürzen könnte, weil nichts einen daran hindert.
    • Das dürfte ein sehr spezielles Problem sein, das z.B. schwindelfreie Menschen nicht betrifft.
  1. Kritik an der „Unaufrichtigkeit“ (Mauvaise Foi)
  • 22:00 – Die Flucht vor der Verantwortung: Menschen lügen sich oft an, indem sie behaupten, sie „müssten“ so handeln (Determinismus).
    • Da ist sicher etwas dran – im Einzelnen.
    • Es kann aber gerade auch Verantwortung bedeuten, wenn man eine schwerwiegende Entscheidung unter dem Druck der Umstände trifft.
    • Es ist unglaublich, wie leichtfertig hier Behauptungen gegenüber allen Menschen geäußert werden.
  • 28:45 – Das Beispiel des Kellners: Jemand, der seine Rolle so perfekt spielt, dass er vergisst, dass er jederzeit auch etwas anderes sein könnte.
    • Ob Sartre jemals mit einem Kellner über dessen alternative Möglichkeiten gesprochen hat?
  1. Die soziale Dimension: Der Blick des Anderen
  • 35:10 – „Die Hölle, das sind die anderen“: Wie der Blick der Mitmenschen uns zum Objekt macht und unsere Freiheit einschränkt.
    • Da ist sicher etwas dran – aber ist das nicht ziemlich undifferenziert?

Wir setzen das hier noch fort.

  • 45:20 – Der Übergang zum politischen Engagement: Wahre Freiheit verwirklicht sich erst im Einsatz für die Freiheit aller.
  1. Fazit: Ein Appell zur Unbescheidenheit
  • 1:01:10 – Zusammenfassung der Kernbotschaft: Herkunft oder finanzielle Grenzen sind keine unüberwindbaren Hindernisse.
  • 1:01:50 – Abschließender Wunsch: Die Zuhörer sollen „unbescheiden“ sein und sich keine zu engen Grenzen setzen lassen.

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