Dies ist Teil 2 des Lesetagebuchs zu „Terror“ von Ferdinand von Schirach – er schließt an Kapitel 18 aus Teil 1 an. Wer direkt hier eingestiegen ist: Teil 1 (Vorbemerkungen bis Kapitel 18) gibt es hier.
Terror. Von Ferdinand von Schirach, gesprochen von Burghart Klaußner u.a. Erscheinungsdatum 11.10.2016. ISBN: 978-3-8445-2447-5
Teil III: Zeugin und Plädoyers
Kapitel 19–21 – Die Zeugin
- 19 Die Frau, die vorher aus dem Saal gelaufen ist, tritt nun als Zeugin auf.
- 19 / 1:30 Ihr Mann saß in dem Flugzeug und ist gestorben.
- 19 / 2:50 Er hat noch eine SMS schicken können: Die Passagiere wollen das Cockpit stürmen. Sie soll keine Angst haben.
- 21 Sie zeigt den linken Schuh ihres Mannes – das Einzige, was von ihm geblieben ist.
Kapitel 21–24 – Plädoyer der Staatsanwältin
- 21 / 2:41 Die Staatsanwältin beginnt ihr Plädoyer.
- 22 / 1:26 Sie bringt den Weichensteller-Fall (1951): Darf man sich über das Gesetz stellen, um Schlimmeres zu verhindern?
- 22 / 2:25 Erweiterung durch eine amerikanische Rechtsphilosophin.
- 23 Der dicke Mann auf der Brücke: Man müsste ihn eigenhändig töten, damit er fallend einen Güterwagen stoppt. Das würden wir alle ablehnen.
- 23 / 0:55 Die Staatsanwältin folgert: Wir brauchen Prinzipien – und das Recht ist ein solches Prinzip.
- ▸ Wenn das so gemeint ist, spricht sie dem Recht eine nahezu absolute Bedeutung zu. Man denkt an den Schweizer Grenzhauptmann, der gegen das Gesetz verstoßen hat – und dabei Menschen gerettet hat. Sein Fall ist allerdings insofern anders, als er niemanden töten musste.
- 23 / 1:15 Recht und Moral sind streng zu trennen – sagt die Staatsanwältin. Dabei läuft sie in genau das Dilemma, das sie vermeiden will.
- 23 / 1:50 Sie verweist auf eine Lücke in der Verfassung und verbindet sie mit dem Widerstandsrecht.
- ▸ Was die Staatsanwältin nicht berücksichtigt: Auch ein Verfassungsgericht ist eine menschliche Institution. Es sollte sich hüten, alle Fälle über einen Kamm zu scheren.
- 23 / 2:30 Sie beruft sich auf Kant: Das Wesen des Menschen entscheide sich an den Gesetzen.
- ▸ Die Berufung auf Kant ist die größte Schwachstelle des Plädoyers. Kant denkt in Prinzipien – er klammert den Einzelfall systematisch aus. Seine Moralphilosophie hat kein Gefühl für die Verantwortung, die aus einer konkreten Situation erwächst. Es ist eine mechanistische Vorstellung.
- 23 / Ende Der Höhepunkt des Plädoyers: Über einen Menschen darf nicht verfügt werden.
- ▸ Wie ist das im Krieg? Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Kriege nicht im Interesse der kämpfenden Menschen geführt wurden – und werden.
- 24 / Ende Die Verfassung ist klüger als wir.
- ▸ Das ist insofern problematisch, als die Verfassung gerade nicht den Einzelfall regelt. Sie gibt einen Rahmen – die konkrete Entscheidung liegt beim Gesetz, und die Frage ist, ob man auch über das Gesetz hinausgehen darf. Was jedenfalls klar ist: Auch in einem solchen Fall trägt der Täter Verantwortung. Aber er muss deswegen nicht wie ein normaler Krimineller behandelt werden.
Kapitel 25–27 – Plädoyer des Verteidigers
- 25 Der Verteidiger beginnt sein Plädoyer. Er bezieht sich auf Prinzipien – und stellt ihnen entgegen, was er für richtig hält.
- ▸ Das ist eine riskante Haltung: Wer Prinzipien mit persönlicher Überzeugung kontert, begibt sich auf dünnes Eis.
- 25 / 1:10 Der Verteidiger zieht Kant die Zähne: Er bringt das berühmte Lügen-Beispiel, das die Absolutheit eines Prinzips zeigt – und stellt es dem Leben vieler Menschen gegenüber.
- 26 Der Verteidiger macht einen entscheidenden Punkt: Das Verfassungsgericht hat nur ein Gesetz für verfassungswidrig erklärt – es hat nicht über die Strafbarkeit des Einzelfalls entschieden.
- 26 / 1:00 Das Prinzip des geringeren Übels.
- 26 / 1:10 Der Fall des amerikanischen Matrosen: Er wirft Teile der Insassen eines überfüllten Rettungsboots ins Meer, um das Boot zu retten.
- 26 / 1:40 Der Fall der siamesischen Zwillinge: Einer muss geopfert werden, damit der andere leben kann.
- 27 Der Verteidiger spielt Würde gegen Vernunft aus – Prinzip gegen Realität.
- 27 / 1:10 Der Weg des Verfassungsgerichtes ermöglicht gerade Terroristen, ihr Werk durchzuführen.
- ▸ Das ist der entscheidende Punkt – und er lässt sich mit Kants Lügen-Beispiel verbinden: Wer das Prinzip absolut setzt, gibt dem Täter ein Werkzeug in die Hand.
- 27 / 2:00 Wir müssen begreifen, dass wir im Krieg sind.
- ▸ Ein ganz wichtiger Punkt: Das Verfassungsgericht hat zu wenig berücksichtigt, dass seine Sicht im Kriegsfall nicht mehr gilt. Der Verteidiger argumentiert, dass es Situationen im Inneren gibt, die dem Krieg entsprechen. Wer Soldaten in den Krieg schickt, muss akzeptieren, dass dort andere Regeln gelten.
- 27 / 2:30 Koch gibt kein letztes Wort ab. Er schließt sich den Ausführungen seines Verteidigers an.
- 27 / 3:00 Die Zuschauer – im Stück und im Publikum – sollen entscheiden.
Teil IV: Das Urteil
Kapitel 27–29 – Urteilsbegründung und Freispruch
- 27 / 3:25 Das Urteil wird angekündigt – zunächst klingt es nach Verurteilung.
- 28 / 2:00 Bei Koch fehle das sogenannte Näheverhältnis: Ein Vater darf sein Kind schützen, auch wenn ein anderer dabei zu Schaden kommt. Koch kannte die Passagiere nicht.
- 28 / 2:25 Die Frage des übergesetzlichen Notstands.
- ▸ Wurde nicht auch in der Corona-Zeit Leben gegen Leben abgewogen – etwa bei Impfentscheidungen mit Risikoprofilen? Auch dort gab es keine einfache Antwort.
- 29 Verkündung des Freispruchs – begründet mit dem Hinweis des Verteidigers: Das Verfassungsgericht hat nur das Gesetz beanstandet, aber nichts über die individuelle Strafbarkeit gesagt.
- 29 / 4:20 Schlussbemerkung: Nicht jeder Fall kann widerspruchsfrei gelöst werden.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Zurück zum Teil 1 des Lese-Tagebuchs
https://schnell-durchblicken.de/schirach-terror-lesetagebuch-teil-1
Der Anfang des Prozesses – falls du direkt hier bei Teil 2 eingestiegen bist.
— - Gesamtübersicht über Infos, Tipps und Materialien zum Theaterstück „Terror“
https://textaussage.de/schirach-terror-infos-tipps-und-materialien-themenseite