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Schlagwort: Frische

Agathe Keller, „Frische Blutwürste“ – Inhaltsangabe und Intentionalität

Inhaltsangabe der Kurzgeschichte „Frische Blutwürste“ von Agathe Keller

  1. In der Kurzgeschichte „Frische Blutwürste“ von Agathe Keller geht es um ein Mädchen namens Christine, das das erste Mal in den Ferien bei Verwandten ist, die einen Bauernhof betreiben  und bei denen an einem Donnerstag das Schlachten  einer Sau ansteht.
  2. Während sich alle auf das Ereignis zu freuen scheinen, hat Christine als Ich-Erzählerin Mitgefühl mit dem Tier, das zu einem Bottich geschleppt und dort erschossen wird.
  3. Im weiteren Verlauf muss das Mädchen sich dann auch noch am Säubern und später an der weiteren Verarbeitung des toten Tieres beteiligen.
  4. Als Christine schließlich von ihrem Onkel gefragt wird, wie ihr das Ganze gefallen hat, ist sie einfach nur traurig, weil hier ein Leben auf diese Weise beendet worden ist.
  5. Das Bild des toten Tieres verfolgt sie bis in den Schlaf hinein, es ist für sie ohne Kopf, weil der im Schaufenster der Metzgerei geschmückt ausgestellt worden ist.

Überlegungen zur Intentionalität und zur Bedeutung der Geschichte

  1. Die Geschichte zeigt den Gegensatz zwischen dem historisch gewachsenen und von den Beteiligten als natürlich empfundenen Umgang mit dem Schlachten von Tieren auf dem Land und dem Grauen und dem Mitleid, das wohl jeden Menschen befällt, der so einen Vorgang zum ersten Mal sieht.
  2. Damit ist ein guter Ausgangspunkt gegeben, um unseren heutigen Umgang mit Nutztieren zu hinterfragen. Dabei muss sicher unterschieden werden zwischen der Verletzung von Tierschutzgesetzen und einem Umgang mit solchen Tieren, der ihre Bestimmung akzeptiert, aber versucht, ihnen unnötiges Leiden bzw. Schmerz zu ersparen.

Wer noch mehr möchte … 

Eichendorff, „Frische Fahrt“- Zeile für Zeile erklärt

Anmerkungen zu Eichendorffs Gedicht „Frische Fahrt“

Bei älteren Gedichten gibt es schnell das Problem, dass einzelne Zeilen schwer zu verstehen sind. Deshalb präsentieren wir die Originalzeilen jeweils gleich mit einer Erklärung.

Am Ende gehen wir noch auf die Aussagen des Gedichtes ein.

Erläuterung des Inhalts

Joseph von Eichendorff,
Frische Fahrt
Der Titel deutet schon einen Wesenszug der Romantik an, nämlich das Unterwegssein. Als zweites Moment kommt hinzu, dass das mit „Frische“, also Aufbruch, Lebendigkeit verbunden wird.
Spannend bleibt die Frage, was denn genau diese Frische ausmacht.
  1. Laue Luft kommt blau geflossen,
    Das Gedicht beginnt damit, dass das lyrische Ich eine Situation beschreibt, in der warme Luft zu spüren ist und der Himmel eine blaue Farbe zeigt.
  2. Frühling, Frühling soll es sein!
    In der zweiten Zeile wird das bestätigt, was man schon vermutet hat, nämlich dass es sich um den Frühling handelt. Das lyrische Ich ist so begeistert, dass es gleich zweimal davon spricht und die Ahnung bestätigt.
  3. Waldwärts Hörnerklang geschossen,
    in der nächsten Zeile kommt ein neuer Eindruck hinzu, der wohl mit der Jagd zusammenhängt. Aus der Richtung des Waldes sind Hörner zu hören, Dass außerdem geschossen wird, ist etwas seltsam. Vielleicht werden hier die Jagdhörner und die Geräusche des Schießens einfach zusammengezogen.
  4. Mut’ger Augen lichter Schein,‘
    in dieser Zeile wird jetzt gezeigt, was diese Atmosphäre des Frühlings und der Jagd bei den Menschen auslöst, nämlich ein helles Blitzen in den Augen dazu kommt der Ausdruck von Mut.
  5. Und das Wirren bunt und bunter
    Jetzt kommt wieder ein neuer Impuls herein, nämlich der Hinweis auf eine Vielfalt von Eindrücken, die immer intensiver werden.
  6. Wird ein magisch wilder Fluss,
    Das geht dann soweit, dass das lyrische Ich das Gefühl hat, einem ganzen Fluss gegenüber zu stehen, der auf der einen Seite wild ist und auf der anderen Seite schon eine gewisse Magie verströmt, die das lyrische ich wahrscheinlich in seinen Bann zieht.
  7. In die schöne Welt hinunter
    und was eben schon vermutet wurde, wird jetzt vom lyrischen Ich direkt ausgedrückt, dass es sich nämlich in diese schöne Welt hinein gezogen fühlt.
  8. Lockt dich dieses Stromes Gruß.
  9. Und ich mag mich nicht bewahren!
    Weiter oben war schon von Mut die Rede, das wird jetzt vom lyrischen Ich sogar zu einer gewissen Risikobereitschaft, denn es ist bereit, alle Sicherheiten aufzugeben.
  10. Weit von Euch treibt mich der Wind,
  11. Auf dem Strome will ich fahren,
  12. Von dem Glanze selig blind!
    Sogar die wahrscheinlich angeredeten Freunde oder Verwandten werden verlassen, das lyrische Ich denkt nur noch an eine Fahrt in diese bunte Welt hinein. Es gibt dabei zu, dass ihr Glanz es sogar blind gemacht hat, D.h.: es achtet auf nichts anderes mehr, gibt sich ganz diesem Eindruck hin.
  13. Tausend Stimmen lockend schlagen,
    In dieser Doppelzeile wird die Verlockung der bunten Welt noch intensiviert, indem von 1000 Stimmen die Rede ist. Dabei bleibt offen, ob es sich um irgendwelche Lebewesen der wilden Natur handelt oder ob diese stimmt vielleicht sogar von innen, d.h. aus dem Herzen des Lyrischen Ichs ,kommen.
  14. Hoch Aurora flammend weht,
    Über allem steht Aurora, die Göttin der Morgenröte. Damit ist gemeint, dass ein neuer Tag beginnt. Für das lyrische ich ist es wohl sogar so etwas wie ein neues Leben.
  15. Fahre zu! ich mag nicht fragen,
  16. Wo die Fahrt zu Ende geht!
    Die letzten Zeilen machen abschließend deutlich, dass das lyrische ich sich selbst ermutigt, sich auf den Weg zu machen. Dabei fragte es sich nicht, wohin es eigentlich fahren will. Es ist also eine sehr romantische Situation, in der es einfach darauf ankommen, sich auf den Weg zu machen, eine fremde Welt zu entdecken, alle Sicherheiten hinter sich zu lassen. Ein klares Ziel gibt es dabei nicht.

Aussage(n) des Gedichtes

Insgesamt zeigt das Gedicht,
  1. die Wirkung des Frühlings
  2. seine Unterstützung durch eine magisch wirkende Natur
  3. die Bereitschaft des Lyrischen Ichs, sich diesen Eindrücken ganz hinzugeben,
  4. sich einfach auf einen Weg zu machen, dessen Ziel es nicht kennt und
  5. dabei auch alle Freunde oder Verwandten zu verlassen und damit alle Sicherheiten aufzugeben, gewissermaßen volles Risiko zu gehen.

Damit ist auch die Frage beantwortet, was das „Frische“ dieser Fahrt ist, nämlich der risikobereite, lustbetonte Aufbruch ins Unbekannte.

Vergleichsmöglichkeit

Dieses Gedicht lässt sich gut vergleichen mit Christian Morgensterns „auf dem Strome“: https://textaussage.de/morgenstern-auf-dem-strome

Weiterführende Hinweise

  • Eine Gesamtübersicht über Gedichte der Romantik, nach Themen geordnet, gibt es hier.
  • Ein alphabetisches Gesamtverzeichnis unserer Infos und Materialien gibt es hier.
  • Eine Übersicht über unsere Videos auf Youtube gibt es hier.

Was ist eine Deutungshypothese und wie geht man damit um? (Gedichtinterpretation)

Deutungshypothese: Kurzinfo:

Eine Deutungshypothese ist eine vorläufige Annahme, was zum Beispiel ein Gedicht aussagt und welche Bedeutung das zum Beispiel für das Leben allgemein o.ä. hat.
Die Hypothese muss dann am Text überprüft werden, ob sie ihm gerecht wird.

Ausführliche Erklärung

  1. Wenn man ein Gedicht interpretieren muss, taucht häufig der Begriff „Deutungshypothese“ auf – was ist damit gemeint und wie geht man damit am besten um?
  2. Zunächst einmal zeigen wir, dass so etwas durchaus zum Alltag gehört und nicht nur bei der Interpretation von Gedichten vorkommt.
  3. Hypothese bedeutet, dass es eine vorläufige Annahme ist, die man anschließend überprüfen muss. Stellen wir uns vor: Wir kommen zur Schule – und vor der Schule steht ein Feuerwehrfahrzeug. Schon fangen wir an, die Situation zu analysieren: Brennt es irgendwo? Werden Schläuche ausgerollt? Verlassen Leute in Panik die Schule? All das ist nicht gegeben – aber ein Feuerwehrmann erzählt uns, dass es einen Brand in einer Toilette gegeben hat – und man vermutet Brandstiftung
  4. Deutung bedeutet immer, dass man etwas, was man vorher analysiert hat, in größere Zusammenhänge stellt. Auf der Basis unserer Informationen fangen wir an, den Fall zu „deuten“. Das heißt: Wir stellen uns die Frage, was das für uns, die Schule, die Stadt und indirekt den Staat bedeutet, wenn Toiletten angezündet werden. Wer macht so etwas? Was kann man dagegen tun?
  5. Zurück zur Gedichtinterpretation: Auch hier muss erst analysiert werden – für eine Hypothese reicht es, das Gedicht einmal zu überfliegen und dann eine Vermutung anzustellen – zunächst über seine Aussage und anschließend darüber, worin die Bedeutung des Gedichtes liegen könnte.
  6. Wir zeigen das mal an einem Beispiel und nehmen dazu das Gedicht von Eichendorff: „Frische Fahrt“:

Beispiel: Eichendorff, „Frische Fahrt“

Joseph von Eichendorff

Frische Fahrt

Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mutger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.

Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! Ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!

7.    Das Gedicht zeigt bei der ersten Lektüre, dass da jemand im Frühling verlockt wird, in die schöne Welt hinauszufahren, um etwas zu erleben. Dabei nimmt das Lyrische Ich keine Rücksicht – weder auf andre noch auf sich.
8.    Dann stellt man das in größere Zusammenhänge und fragt nach möglichen Bedeutungen des Gedichtes: Die einen werden sagen: Da will einer sein Ding machen  und zieht das einfach durch. Andere werden sagen: Da folgt jemand seinen Gefühlen, ohne viel nachzudenken und mit vollem Risiko.
9.    Wenn man sich auf eine Deutungshypothese festlegen muss, könnte man die folgende vertreten und am Text überprüfen: Das Gedicht zeigt einen Menschen, der auf romantische Weise voll in seinen Gefühlen aufgeht und dabei „aufs Ganze geht“ – mit voller Risikobereitschaft. Man sieht hier, dass man vom Text ausgeht, aber schon Einschätzungen und ansatzweise auch Wertungen („ganz in seinen Gefühlen aufgeht“, „aufs Ganze geht“) hinzufügt – das ist genau der Übergangsbereich von der Analyse zur Interpretation.

10.    Diese Hypothese muss dann am Text überprüft werden – und wir sind guter Dinge, dass man sie „verifizieren“ kann. Das heißt: Aus der Hypothese wird eine begründete Ergebnisthese.

Beispiel: Storm, Die graue Stadt am Meer“

Die Stadt
Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.
Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn‘ Unterlass;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.
Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.
Bei dem folgenden Gedicht könnte man die folgende Deutungshypothese aufstellen:
Das Gedicht zeigt,
  • dass etwas, was scheinbar unansehnlich, ja fast hässlich erscheint,
  • auf Grund einer gemeinsamen Geschichte
  • doch als sehr schön empfunden werden kann.
Wenn man sich diese Anordnung anschaut, dann bekommt man ein allgemeines Muster, mit dessen Hilfe man leicht Deutungshypothesen aufstellen kann.
  1. Man beginnt mit dem Einleitungssatz: „Das Gedicht zeigt…“
  2. Dann nimmt man zentrale Aussagen des Textes auf: In diesem Falle beginnt man mit dem deutlichen Signalbündel in Richtung „unansehnlich“, „hässlich“
  3. Anschließend verweist man auf den entscheidenden Punkt, der zu einer anderen Sicht führt.
  4. Am Ende nennt man dann noch diese neue Sicht.
Je nach dem Umfang der Aussagen kann man die Einzelteile natürlich variieren.
 
 
Theodor Storm
 

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