Kleiner Test – Fragen zum Thema „Mehrsprachigkeit“ (mit Lösungen)

Die folgenden 20 Fragen dienten in einem Abitur-Grundkurs zur Wiederholung der Kenntnisse im Bereich der Sprache allgemein und speziell der Mehrsprachigkeit.

Voraussetzungen sind allgemeine Kenntnisse im Bereich Sprache-Denken-Wirklichkeit sowie die Lektüre der Wikipedia-Artikel zu den Themen „Mehrsprachigkeit“, „Übersetzungsschwierigkeiten“ und „Übersetzungsprobleme.

  1. Nenne drei Vorteile der Mehrsprachigkeit
    • Relativierung des eigenen Sprachhorizons und damit zugleich dessen Erweiterung
    • Berufsvorteile im Rahmen der Globalisierung
    • Vertieftes Verständnis für andere Kulturen
  2. Worin liegt die Bedeutung der Sprache für die Identität von Menschen(-Gruppen)
    • die Sprache speichert die Geschichte und die kulturelle Entwicklung einer Sprachgemeinschaft, dient damit auch deren Zusammenhalt und dem besseren gegenseitigen Verständnis
  3. Warum reicht es nicht, Tapas bestellen zu können, um „mehrsprachig“ zu sein?
    • Dieser Vorgang liegt auf der Ebene der Alltagspraxis und bedeutet noch nicht, dass man sich intensiver mit der Sprache und damit auch der Kultur eines anderen Landes beschäftigt.
  4. Worin besteht der Unterschied zwischen „Code-Switching“ und „Code-Mixing“ (mit Beispielen)
    • Im ersteren Fall wird bewusst und mit dem Ziel einer vertieften Erkenntnis in eine andere Sprache hineingewechselt, zum Beispiel, wenn man ein entsprechendes Sprichwort verwendet.
    • Im zweiten Fall geht es eher um den Ausgleich eines sprachlichen Defizits: Man weiß nicht, wie etwas in der gewünschten Sprache ausgedrückt wird, also wechselt man in eine andere, meistens in die eigene.
    • Beispiel 1: Du musst dir nicht viele Gedanken machen, denn es gilt auch hier: „Nobody is Perfect“.
    • Beispiel 2: Bei der Reparatur eines Fahrrads: “Can you please give me the Schlüssel, oh sorry, but it is not a key.”
  5. Was hat das Wort „Unkraut“ mit dem Thema „Mehrsprachigkeit“ zu tun?
    • Es zeigt, dass im deutschen Sprache Raum längere Zeit eine sehr enge Vorstellung von der Nützlichkeit von Kräutern vorherrschte. Was nicht direkt dem menschlichen Verzehr oder dem Schmuck diente, wurde „gejätet.“
  6. Was wird deutlich, wenn eine Ministerin in Frankreich mit „Madame le ministre“ angesprochen wird?
    • Hier wird die weibliche Höflichkeitsanrede mit einer Amtsbezeichnung verbunden, die zu der Zeit im allgemeinen Bewusstsein noch Männern vorbehalten war. Heute ist das Beispiel vor allem interessant, weil man an ihm gut den Übergang zwischen verschiedenen Epochen sehen kann.
  7. Was meint der Linguist Whorf, wenn er von einem „sprachlichen Relativitätsprinzip“ spricht?
    • Er will damit ausdrücken, dass die Beziehung der Menschen zur Welt beziehungsweise ihr Verständnis von ihr auch durch die Sprache beeinflusst wird, also relativ zu ihr ist.
  8. Wieso kann Whorf in seiner „sprachlichen Relativitätstheorie“ davon sprechen, dass wir einem „Kaleidoskop von Eindrücken“ ausgesetzt sind?
    • Gemeint ist damit, dass unsere Sinne jederzeit mit einer Flut von Eindrücken beschäftigt sind, die erst einmal geordnet werden müssen, bevor unser Verstand sie weiterverarbeiten kann.
  9. Wie kann man leicht nachweisen, dass das, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, nicht „die“ Wirklichkeit ist?
    • Man denke nur an den Spaziergang mit einem Hund, der viel mehr mit seinem Geruchssinn wahrnimmt als der Mensch. Ähnliches gilt für einen Bereich des Farbspektrums, der nur mit Geräten sichtbar gemacht werden kann. Man kann auch an einen Geigerzähler denken, der uns vor Dingen warnt, die wir nicht wahrnehmen können.
  10. Welche Filter durchläuft die Wirklichkeit, bevor wir etwas sprachlich auf den Begriff bringen?
    • Da gibt es zunächst die Ebene der Sinne,
    • dann die Ebene unseres Verstandes, der zum Beispiel an die Kategorien von Raum, Zeit und Ursache gebunden ist
    • Dann kommt die Sprache hinzu, die sich von der andere Menschen unterscheiden kann
    • Am Ende hat man noch innerhalb einer Sprache Unterscheidungen nach Region oder politischer Grund Auffassung, was schon in den Bereich der Konnotationen geht.
    • Den Schluss bilden dann die persönlichen Konnotationen, die mit den spezifischen Erfahrungen eines Individuums verbunden sind.
  11. Wie kann man in einem solchen Filtermodell noch den Aspekt der Mehrsprachigkeit unterbringen?
    • Indem man einfach nach der Ebene der Sinne und des Verstandes auffächert entsprechend den verschiedenen Sprachen.
  12. Wieso sind Begriffe „Kategorien“ / Schubladen des Denkens?
    • Man kann es gut am Beispiel des Wortes Tisch erklären, das ist ein Sammelbegriff für alle möglichen Gegenstände, die in der Regel mindestens einen Fuß haben und auf denen man etwas ablegen kann.
  13. Wieso kann man bei der Sprache auch von „Determinismus“ sprechen?
    • Das lässt sich gut am Beispiel des Wortes Bundeskanzler beziehungsweise Bundeskanzlerin deutlich machen. Bis zum Amsantritt von Angela Merkel konnte sich zumindest unsere Sprache gar nicht vorstellen, dass auch eine Frau dieses Amt einmal einnehmen würde, dementsprechend tauchte die weibliche Form auch gar nicht im Grundgesetz auf, heute hat sich das so stark geändert, dass viele Menschen sich genötigt sehen (zum Beispiel an bestimmten Universitäten) immer die männliche und die weibliche Form bei entsprechenden Wörtern zu verwenden.
  14. Wieso sind abstrakte Begriffe schwerer zu übersetzen als konkrete Begriffe?
    • In ihnen steckt ganz viel Kultur einer Sprachgemeinschaft, im Unterschied zu leicht übersetzbaren „anfassbaren“ Dingen. Hier muss der Dolmetscher oder der Übersetzer sehr viel Kenntnisse haben, um auch feine Nuancierungen einer Sprache angemessen zu übertragen.
    • Man kann es auch deutlich machen an einem mit Bildern arbeitenden Wörterbuch. Während man einen Wasserhahn oder die Hinterachse eines Autos leicht abbilden und dann mit dem entsprechenden sprachlichen Begriff verbinden kann, ist das bei einem Wort wie „Angst“ sehr viel schwieriger. Denn das kann sowohl die Angst vor einem Krokodil in australischen Flüssen sein als auch Prüfungsangst. Beide Varianten zeigen sich bei einem Menschen ganz unterschiedlich.
  15. Inwiefern und inwieweit sind Konnotationen ein Problem beim Übersetzen?
    • Weil es für sie überhaupt kein Lexikon und keine entsprechende Ausbildung gibt, sie ergeben sich allenfalls aus dem Kontext – das tun sie aber in der Regel ganz unproblematisch.
  16. Überlege dir ein eigenes Beispiel für ein Übersetzungsproblem.
    • Der Begriff der Gleichheit wird in den USA anders verstanden als etwa in Deutschland
  17. Was sind Übersetzungsschwierigkeiten im Unterschied zu Übersetzungsproblemen?
    • Im ersteren Fall liegen die Probleme eher bei dem Menschen, der zum Beispiel das englische Wort „advocat“ einfach mit dem scheinbar gleichen deutschen Wort Advokat übersetzt, während Rechtsanwalt sehr viel besser gewesen wäre.
    • Übersetzungsprobleme sind dem gegenüber die grundsätzlichen Hürden, die man überwinden muss, wenn man Begriffe übertragen muss, die keine direkte Entsprechung haben.
  18. Wieso war es keine gute Idee, als eine Firma „Körpertasche“ mit „body bag“ übersetzte?
    • Die Firma hat aber nicht berücksichtigt, dass der Begriff Body bag auch Leichensack bedeutet
  19. Warum sollte man nicht von der „amerikanischen Administration“ sprechen?
    • Weil es sich im wesentlichen um eine Regierung handelt und nicht um eine Verwaltung.
  20. Wieso kommt ein Übersetzer in Schwierigkeiten, wenn er die Zeile „Steine feinden Verrat“ in August Stramms Gedicht „Patrouille“ übersetzen soll?
    • Es ist ganz schwer, diese ungewöhnliche Satzkonstruktion zu übertragen. Das hängt vor allem mit dem zweiten Wort zusammen, bei dem aus einem Substantiv ein Verb gemacht worden ist.
    • Würde man übersetzen: „Stones are enemies and traitors at the same time“, beschriebe man einen Zustand, während Stramms Gedicht zugleich eine Attacke beinhalten.


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