Worum es hier geht:
In diesem Video zeigen wir am Beispiel von Borcherts Kurzgeschichte „Das Brot“, wie man über die entsprechenden Textsignale sicher zu einer guten Charakteristik kommt.

Zu dem Schaubild:
- In der Mitte steht die Figur, um die es geht.
- Um sie herum gibt es andere Figuren, mit denen es unterschiedliche Beziehungen gibt.
- Eine Rolle kann spielen:
- das äußere Erscheinungsbild
- das sichtbare Verhalten
- das innere Verhalten (auch körpersprachlich)
- die indirekte Charakterisierung durch andere Figuren
- die Sprechweise, Art der Kommunikation
- Stellung in der Gesellschaft
- und damit ist man auch bei den Erfahrungen der Figur
- mit sich und der Gesellschaft in seiner Zeit.
- Wichtig ist, ob und wie sich die Figur im Laufe der Geschichte auch verändert.
Zu finden ist das Video auf Youtube hier:
Videolink
Timeline des Videos: So finden Sie schnell die richtige Stelle:
- 0:00 Thema
- 0:43 Überblick
- 1:27 Was ist eine Charakteristik?
- 2:40 Allgemeine Vorgehensweise
- 3:58 Der Mann in “Das Brot”
- 6:35 Die Frau in “Das Brot”
- 9:01 Zusammenfassung
- 9:59 ausformulierte Charakteristiken
- 10:42 Dokumentation
Vom “Charakter” zur “Charakteristik”
- Allgemeine Vorstellung: Charakter: inneres Wesen eines Menschen
- “Er hat einen schlechten Charakter” – d.h. er lügt und betrügt zum Beispiel
- “Charakter” im Theater und im Film – “Charakterrolle”
- eine besondere Figur, nicht einfach gestrickt, bsd. Herausforderung für Schauspieler
- Charakteristik: Herausarbeitung
- der persönlichen Eigenart
- und der Rolle bzw. Beziehungen einer Figur in einem literarischen Werk, z.B. in einer Kurzgeschichte
Wie schreibt man dann die Charakteristik?
- Man markiert im Text alle brauchbaren Stellen und
- überlegt sich dann eine Reihenfolge
- Am besten beginnt man mit der allgemeinen Situation
- und arbeitet dann aus dem Text “charakteristische” Elemente heraus
- Unser Tipp: Möglichst dem Text folgen, denn eine Figur kann sich ja auch entwickeln.
- Am Ende: Zusammenfassung und allgemeine Bedeutung
Zusammenfassung:
- Man sammelt alles im Text, was für die Figur wichtig ist.
- Dann überlegt man sich einen möglichst allgemeinen Einstieg, der auf die Situation der Figur eingeht.
- Anschließend präsentiert man verschiedene Aspekte/Seiten der Figur.
- Dabei geht es um Äußeres und Inneres bei der Figur, aber auch die Art, wie sie von anderen gesehen und beurteilt wird. (Immer am Text belegen, Verweise, Zitate).
- Dabei hält man sich möglichst an die Reihenfolge im Text, weil man dann auch gut Veränderungen mitbekommt.
- Am Ende: Zusammenfassung und vielleicht eine These zur allgemeinen Bedeutung der Figur für das Werk (die Kurzgeschichte)
Charakterisierung des Mannes:
- Der Mann kann seinen Hunger nicht beherrschen und betrügt seine Frau, indem er sich nachts noch etwas vom gemeinsamen Brot nimmt.
- Zur Heimlichkeit kommt die Notlüge (vgl. 16).
- Außerdem weicht er aus in eine abwertende Betrachtung seiner Frau (vgl. 19/20), die er dann aber gleich einschränkt (und durch die bsd. Situation erklärt) (vgl. 20-22).
- Er bleibt bei seiner Lüge, fühlt sich dabei aber nicht wohl, wirkt “unsicher” (34).
- Das Angebot seiner Frau, zur Normalität zurückzukehren, nimmt er an.
- Ansonsten spielt er auch im Schlafzimmer weiter eine falsche Rolle, tut so, “als ob er schon halb im Schlaf wäre” (48/49).
- Dabei klingt seine Stimme aber “unecht” (50).
- Dann isst er im Bett das Brot, d.h. der Betrug an seiner Frau geht weiter (vgl. 54/55).
- Am Tag drauf merkt man ihm sein schlechtes Gewissen an (Körpersprache), er löst aber Mitleid bei seiner Frau aus und denkt auch an sie.
- Insgesamt ist er eine schwache Figur, der ganz vom Wohlwollen seiner Frau abhängig ist.
Charakterisierung der Frau:
- Gleich am Anfang wirkt sie aufmerksam und aktiv, geht unklaren Sachen auf den Grund.
- Sie ist sorgfältig und muss jetzt sehen, dass ihr Mann sie betrügt. Die “Kälte” (14) hängt wohl auch damit zusammen.
- Auch sie macht sich Gedanken über das Aussehen und das Alter ihres Mannes, sieht das aber gleich als normal an.
- Sie zeigt sich fürsorglich (vgl. 23/24), zugleich aber auch schmerzlich einfühlsam: “Sie sah ihn nicht an, weil sie es nicht ertragen konnte, dass er log.” (25)
- Sie geht nicht nur auf die Lüge des Mannes ein, sondern beseitigt sogar die Indizien für seinen Betrug (vgl. 31).
- Auch darüber hinaus hilft sie ihrem Mann aus der verfahrenen Situation heraus, nimmt dabei weiter Rücksicht, macht schnell das Licht aus.
- Im Schlafzimmer erleichtert sie ihrem Mann sogar, heimlich das Brot zu essen.
- Am Ende bringt sie ein Opfer, das beiden weitere Heimlichkeiten und Betrügereien erspart.
- Als Motiv wird klar genannt, dass er ihr “leid” tat (64).
- Am Ende geht sie nicht nur körperlich wieder nahe an ihren Mann heran, sondern sie setzt sich sogar zu ihm “unter die Lampe” (68), es gibt keine Heimlichkeit mehr.
- Insgesamt ist sie eine starke, einfühlsame und kluge Frau, die ihrem Mann in seiner Not hilft, Opfer bringt.
Begleitmaterial zum Video
Weitere Youtube-Videos zu dieser Kurzgeschichte
- So schreibt man eine Inhaltsangabe: zu Borchert, Das Brot
Videolink:
https://youtu.be/yX565x8fVes - KUV: Eine Kurzgeschichte interpretieren – schnell, sicher, mit System (Beispiel: „Das Brot“)
Videolink
https://youtu.be/CzzifCG4pHs - Borchert, „Das Brot“: Wie beantwortet man Fragen zur Kurzgeschichte mit Textbelegen?
Videolink
https://youtu.be/9gsTzwTIXqE - Einen Brief zu einer Kurzgeschichte schreiben – Beispiel: Borchert, „Das Brot“ – mit Kommentar
Videolink
https://youtu.be/RUBPmspqusw