Tipp 1: Die Überschrift

  • Das Wort „Legende“ hängt ursprünglich mit dem Leben von Heiligen zusammen, denen besondere Leistungen bis hin zu Wundern zugeschrieben werden.
  • Wie häufig – werden solche Begriffe aus der religiösen Welt in die normale übertragen: Dann verbindet man Legende mit außergewöhnlichen Leistungen z.B. im Sportbereich.
  • Immer verbunden damit ist die Vorstellung von etwas Besonderem, das man bewundert.
  • Das Attribut „chinesisch“ bezieht sich entweder real auf etwas aus diesem Kulturbereich – oder aber wird ihm zugeschrieben und bekommt dann z.B. den Beigeschmack des besonders Weisen.
  • Ein berühmtes Beispiel ist die  Legende von einem chinesischen Weisheitslehrer, der das Land verlassen musste und nur durch einen hartnäckigen Zollbeamten dazu gebracht werden konnte, seine Lehre im Bereich der Zollstation zu einem Buch zu verarbeiten. Hier wird deutlich, dass eine Legende auch eine Beispielgeschichte sein kann, der man eine Einsicht oder Verhaltensempfehlung entnehmen kann.
    https://www.deutschelyrik.de/legende-von-der-entstehung-des-buches-taoteking-auf-dem-weg-des-laotse-in-die-emigration.html

Tipp 2: Erläuterung des Inhalts

  • Strophe 1:
    • Ausgangssituation – ein alter Mann und sein Sohn leben still und für sich auf einem Felsen.
    • Veränderung: Das Pferd läuft ihnen davon.
  • Strophe 2:
    • Mitgefühl eines Nachbarn
    • Der alte, wohl weise Mann stellt in Frage, ob das Verschwinden des Pferdes ein Unglück ist.
  • Strophe 3:
    • Realisierung der offenen Situation, die der alte Mann angedeutet hat:
    • Aus dem vermeintlichen Verlust wird ein Gewinn, nämlich wilde Pferde begleiten das zurückkehrende Pferd.
  • Strophe 4:
    • Erneuter Kommentar des Nachbarn: Er hat jetzt seine Meinung geändert und freut sich mit über den Gewinn an Pferden.
  • Strophe 5:
    • Der Sohn reitet die neuen Pferde ein.
    • Es kommt zu einem Unfall,
    • bei dem der Sohn sich ein Bein bricht.
  • Strophe 6:
    • Erneutes Erscheinen des Nachbarn,
    • der wiederum Mitgefühl zeigt.
    • Wiederholung des ersten Kommentars des alten Mannes, der in Frage stellt, ob es sich um ein Unglück handelt.
  • Strophe 7:
    • Erneutes Unglück, diesmal Ausbruch eines Krieges
    • und wohl Einberufung aller wehrfähigen Männer.
    • Der verletzte Sohn bleibt verschont.

Klärung der Aussage des Gedichtes

Das Gedicht zeigt

  • dass es immer wieder Unglücksfälle gibt,
  • die man aber nicht sofort bejammern soll,
  • sondern man soll abwarten, was draus wird.
  • Tatsächlich wird zweimal aus vermeintlichem Unglück doch noch etwas Gutes.
  • Damit wird der Eindruck erweckt, als müsse man bei Unglück nur abwarten, bis daraus Glück wird.

Künstlerische Mittel

Unterstützt wird die Aussage durch:

  • durch den Kontrast zwischen dem weisen Alten und dem Nachbarn, der immer die Normalreaktion von Menschen präsentiert
  • im Text kenntlich gemacht durch: „nach Menschenweise“
  • die Trommel als Zeichen für das neue Unglück des Krieges
  • Das Verlassen-Müssen des Landes als pars pro toto (ein Teil für das Ganze) für die gesamten Schrecken des Krieges
  • Ein geschicktes Mittel ist der überraschende Schluss, der nicht mehr vom Nachbarn kommentiert wird.
  • Damit wird der Leser gefordert, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Kritik

  • Die Aussage des Gedichtes ist sicher bedenkenswert im Hinblick auf eine gewisse Gelassenheit und das Abwarten-Können als sich in möglicherweise nutzlosem Klagen zu ergehen.
  • Damit wird eine Mentalität deutlich, die man der Philosophie des Ostens zuschreibt und die im Westen weniger verbreitet ist. Dort würde man jeweils die Situation analysieren und dann die möglichen Konsequenzen ziehen.
    • Im ersten Fall ein neues Pferd kaufen und es besser bewachen.
    • Im zweiten Fall das Training mit den neuen Pferden verändern.
  • Bedenklich ist die Einseitigkeit der Aussage – es ist eben eine „Legende“, d.h. die Erzählung eines außergewöhnlichen Verhaltens eines besonders klugen Menschen. Letztlich lebt die Geschichte von den Wundern, dass in allen schlimmen Fällen eben sich alles wieder zum Guten wendet. Jeder Mensch muss daraus seine eigenen Schlüsse ziehen – wieviel an Geduld und Nicht-Gegenhandeln im Einzelfall sinnvoll ist und was nicht.

Kreativität

  • Man könnte das Gedicht ergänzen:
  • Der Krieg dauert länger
  • der Sohn ist wieder gesund und müssste doch noch in den Krieg.
  • Man wartet auf ein neues Wunder- z.B. eine große Flut, die die Landverbindung zur Felsenwelt zerstört.
  • Vielleicht kommt dabei auch der Nachbar (ggf. auch die gesamte Dorfbevölkerung) um, der als einziger weiß, dass auf dem Felsen jemand wohnt.
  • Vielleicht aber zieht der Sohn auch in den Krieg und sorgt selbst für das Wunder besonderer Leistungen und der entsprechenden Karriere. Das hätte den Vorteil, dass niemand sterben muss – und die Einseitigkeit der Legende durch das Element der Aktivität ergänzt wird. Die ist nämlich nötig, wenn die Wunder aufhören.

 Wer noch mehr möchte …