Die Kurzgeschichte „Partnerarbeit“ von Stefanie Dominguez – ein Happy End in einem Mobbing-Fall? (Mat5412-sv)

  • Wir versuchen immer, erst mal ein bisschen Interesse für so eine Geschichte zu wecken.
  • Bei dieser Kurzgeschichte zeigen wir dir deshalb nicht nur, worum es geht, sondern auch ganz genau,
  • wie ein einziger Satz die ganze Stimmung einer Klasse verändern kann –
  • und was das vielleicht auch mit deinem eigenen Alltag zu tun hat.

Auf der folgenden Seite gibt es noch vertiefende Infos – nicht nur für Lehrkräfte 😉
https://textaussage.de/die-kurzgeschichte-partnerarbeit-von-stefanie-dominguez-insider-tipps-fur-lehrkrafte

Alles auf einen Blick

  • Spannend: Was macht man, wenn ausgerechnet die Person neben dir sitzt, die früher über dich gelacht hat – und jetzt nett sein will?
  • Die Idee der Geschichte: Tessa wird in ihrer Klasse ständig fertiggemacht. Als Ben sich plötzlich neben sie setzt, weiß sie nicht, ob sie ihm trauen kann.
  • Der Start: Simon macht wieder einen fiesen Spruch über Tessas Jacke, die Klasse lacht mit – für Tessa nichts Neues.
  • Die Annäherung: Weil sein eigentlicher Partner fehlt, setzt sich Ben neben Tessa. Sie reagiert kühl, denn sie traut ihm nicht.
  • Der Konflikt: Ben entschuldigt sich fürs frühere Mitlachen – Tessa will aber kein Mitleid und hat Angst, dass die Klasse wieder auf sie aufmerksam wird.
  • Der Wendepunkt: Ein ziemlich schlechter Scherz von Ben – „Fuchs und Wolf“ – bringt Tessa zum ersten Mal zum Kichern.
  • „Ja, tue ich, was dagegen?“ – Als Simon Ben deswegen aufzieht, lacht Ben nicht mit, sondern hält offen dagegen.
  • Diskussionsfrage: Warum reicht so ein kurzer Satz von Ben aus, um die ganze Situation zu verändern?

Nun zu den Details:

Vorgestellt wird eine Kurzgeschichte über Mobbing im Klassenzimmer – und darüber, wie eine einzige Person aus der Rolle des Mitläufers aussteigen kann. Im Folgenden gehen wir Schritt für Schritt durch die Geschichte, bevor wir uns die Aussagen und sprachlichen Mittel genauer ansehen.

Interessante Infos zu dieser Geschichte gibt es übrigens hier.
Dort ist auch der Text zu finden.
https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/paderborn/11209037_Wie-aus-Mobbing-ein-Flirt-wird.html

Anmerkungen zur Überschrift

Der Titel „Partnerarbeit“ klingt zunächst nach ganz normalem Schulalltag – nach einer Aufgabe, die man eben zu zweit lösen muss. Genau das macht die Überschrift interessant: Sie verrät nichts davon, dass diese „Partnerarbeit“ für Tessa eigentlich eine Vertrauensprobe ist – nämlich ob sie sich auf jemanden einlassen kann, der früher selbst über sie gelacht hat.

Die Erzählschritte im Überblick

Die Geschichte spielt komplett während einer Unterrichtsstunde. Es lohnt sich, genau zu verfolgen, wie sich die Stimmung zwischen Tessa und Ben Schritt für Schritt verändert.

  • „… es gab keinen.“ (Z. 1): Direkter Einstieg: Tessa hat keinen festen Sitznachbarn, weil niemand neben ihr sitzen will. Simon macht wieder seinen alten Spruch über ihre Kleidung, die Klasse lacht mit – offenbar nicht zum ersten Mal (Z. 1–6).
  • „… wir könnten ja heute nebeneinander sitzen?“ (Z. 9–10): Weil sein eigentlicher Partner krank ist, setzt sich Ben unerwartet neben Tessa. Tessa reagiert misstrauisch: Sie kennt es nur so, dass Freundlichkeit am Ende doch wieder in Spott umschlägt (Z. 7–15).
  • „Lass mich in Ruhe.“ (Z. 16): Tessa blockt Ben knapp ab und konzentriert sich demonstrativ auf ihr Buch. Ben lässt trotzdem nicht locker und entschuldigt sich fürs frühere Mitlachen (Z. 16–25).
  • „Ich will kein Mitleid.“ (Z. 26–27): Tessa macht klar: Sie will nicht bemitleidet werden – sie hat gelernt, mit dem Lachen der anderen zu leben. Als Bens Stimme lauter wird, bekommt sie Angst, dass die Klasse wieder auf sie aufmerksam wird (Z. 28–31).
  • „… als Fuchs und Wolf sozusagen.“ (Z. 38–39): Ben macht einen ziemlich peinlichen Wortwitz mit den beiden Nachnamen – und bringt Tessa damit zum ersten Mal zum Lachen (Z. 32–42).
  • „Ja, tue ich, was dagegen?“ (Z. 49): Simon zieht Ben auf, er würde mit Tessa „flirten“ – die Klasse lacht wieder. Ben lacht diesmal nicht mit, sondern stellt sich mit dieser kurzen Antwort offen vor Tessa (Z. 43–49).

Aussagen der Geschichte

Der erste Satz der Geschichte lautet: „Tessa Fuchs war die einzige, die nicht mit ihrem Banknachbarn redete – es gab keinen.“ Diesen Satzanfang kann man ganz unterschiedlich fortsetzen – und genau daran zeigt sich, worum es in der Geschichte eigentlich geht:

  • … was zunächst zeigt, wie sehr Tessa in der Klasse isoliert ist – sie hat nicht einmal jemanden, der neben ihr sitzt.
  • … zeigt aber auch: Diese Isolation ist nicht selbst gewählt, sondern das Ergebnis von wiederholtem Mobbing durch Simon.
  • Im Verlauf der Geschichte wird deutlich: Eine einzelne Person kann dieses Muster durchbrechen, wenn sie bereit ist, sich gegen die Gruppe zu stellen.
  • Die zentrale Aussage der Geschichte lautet also: Man muss nicht die ganze Klasse überzeugen, um etwas zu verändern – manchmal reicht ein einzelner, kurzer Satz zur richtigen Zeit.

Sprachliche Mittel

Am besten versteht man die sprachlichen Mittel, wenn man sie direkt der Aussage zuordnet, zu der sie gehören.

  • Namens-Wortspiel „Fuchs und Wolf“ (zu Aussage 3, Z. 38–39): Ben verbindet die beiden Nachnamen zu einem Tierpaar, wie man es aus Fabeln kennt – dort meist als Gegner. Der bewusst schlechte Scherz nimmt der angespannten Situation die Schwere.
  • Metapher „Kieselsteine“ (zu Aussage 1, Z. 41–44): Tessa vergleicht die lachenden Augen der anderen mit glänzenden Kieselsteinen – ihre eigenen dagegen mit Steinen, die niemand mit nach Hause nehmen wollte. Das macht ihr Gefühl von Wertlosigkeit sehr anschaulich.
  • Gegensatz laut – leise (zu Aussage 4, Z. 47–48): Dem lauten Gelächter der Klasse steht Bens vollkommen ausdrucksloses Gesicht gegenüber – er lacht nicht mit. Genau dieser Kontrast macht seine Haltung sichtbar.
  • Bittere Ironie der Schulaufgabe (zu Aussage 2, Z. 32–33, 36): Ausgerechnet über „Phasen der Freundschaft“ soll Tessa reden, obwohl sie selbst keine Freunde hat. Die harmlose Aufgabe trifft damit genau ihren wunden Punkt.

Thema der Geschichte

  • Man könnte das Thema so formulieren: Was macht man, wenn jemand aus der eigenen Clique plötzlich anfängt, sich für ein gemobbtes Klassenmitglied einzusetzen?
  • Genauer trifft es aber: Was braucht es, damit jemand aufhört, beim Mobbing mitzumachen – und stattdessen offen Position bezieht?

Figurenkonstellation

  • Tessa Fuchs: das Mobbing-Opfer. Sie hat gelernt, sich mit Rückzug und Misstrauen zu schützen.
  • Simon Bösenecker: sichert sich seine Position in der Klasse, indem er immer wieder über andere lacht.
  • Die Klasse: reagiert nur, lacht mit und verstärkt damit Simons Verhalten, ohne selbst aktiv zu werden.
  • Ben Wolf: bewegt sich im Verlauf der Geschichte aus der Mitläufer-Rolle heraus und positioniert sich am Ende offen gegen Simon.

Kurzgeschichten-Eigenschaften

  • Direkter Einstieg: Die Geschichte beginnt mitten im Klassenzimmer, ohne Einleitung.
  • Ausschnitt aus dem Alltag: Eine einzelne Schulstunde, ein einziger Ort.
  • Wenige Figuren: Tessa, Ben, Simon und die Klasse als Gruppe.
  • Wendepunkt: Bens Konter am Ende markiert den entscheidenden Umschwung.
  • Offener Schluss: Es bleibt offen, wie es zwischen Tessa und Ben weitergeht und ob sich für Tessa dauerhaft etwas ändert.

Was bedeutet das für dich heute?

  • Machst du manchmal bei so etwas mit, ohne wirklich darüber nachzudenken?
  • Hättest du den Mut, wie Ben offen gegen die Gruppe zu stehen?
  • Warum ist es oft so schwer, aus einer Mitläufer-Rolle auszubrechen?

Vergleichsmöglichkeit

Ein ähnliches Thema – wie sich jemand gegen Mobbing zur Wehr setzt – findet sich in der Kurzgeschichte „Ein netter Kerl“ von Gabriele Wohmann. Dort wehrt sich das Opfer selbst erfolgreich, statt dass – wie hier – jemand von außen eingreift.

Infos zum Vergleich gibt es hier:
https://schnell-durchblicken.de/thema-mobbing-vergleich-der-kurzgeschichten-partnerarbeit-und-ein-netter-kerl

Weitere Infos, Tipps und Materialien

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