5-Minuten-Tipps zu Alfred Lichtenstein, „Doch kommt ein Krieg“ (Mat4484)

Anmerkungen zur Überschrift

„Doch kommt ein Krieg“

  • Die Überschrift ist ein bisschen seltsam, weil man nicht weiß, ob es eine Bekräftigung sein soll
  • oder aber ein Konditionalsatz, der zum Beispiel so fortgesetzt werden könnte, wie das Gedicht den Krieg dann beschreibt.

Die Klärung der Überschrift

„Doch kommt ein Krieg. Zu lange war schon Frieden.“

  • Die Wiederholung der Überschrift in der ersten Zeile spricht eher für eine Bekräftigung als Aussage.

Die große Veränderung

„Dann ist der Spaß vorbei. Trompeten kreischen

Dir tief ins Herz. Und alle Nächte brennen.“

  • Die zweite und dritte Zeile machen dann deutlich, dass mit dem Krieg all das vorbei ist, was man entweder lustig fand oder zumindest leicht genommen hat.
  • An zwei Beispielen wird deutlich gemacht, wie sehr ein Krieg in das persönliche Leben eingreift, nämlich durch eine ins Unerträgliche gehende Lautstärke und eine Helligkeit zur falschen Zeit, die das Schlafen nicht einmal mehr ermöglich.

Vom Leiden zum individuellen und kollektiven Tod

„Du frierst in Zeiten. Dir ist heiß. Du hungerst.

Ertrinkst. Zerknallst. Verblutest. Äcker röcheln.“

  • Die nächsten Zeilen beschreiben dann weitere unangenehme Erfahrungen wie eine Aneinanderreihung von Wörtern, die den gewaltsamen Tod beschreiben.
  • Am Ende dann der Höhepunkt, der Übergang vom individuellen Tod zum Massentod, dargestellt in einer beeindruckenden Personifizierung der Ecker

„Kirchtürme stürzen. Fernen sind in Flammen.

Die Winde zucken. Große Städte krachen.

Am Horizont steht der Kanonendonner.

Rings aus den Hügeln steigt ein weißer Dampf.

Und dir zu Häupten platzen die Granaten.“

  • Am Ende dann die Andeutung gigantischer Zerstörung
    • zunächst in der Ferne.
  • Am Ende dann das Bewusstsein, dass die Vernichtung auf einen selbst zukommt und man ihr nicht entkommen kann.

 

Insgesamt ein Gedicht,

  • das auf den großen Unterschied zwischen Frieden und Krieg hinweist,
  • dann in vielfältigen Bildern auf die mit ihm verbundene simultane (zeitgleich stattfindende) Zerstörung und Vernichtung hinweist.
  • Schließlich dann die Konzentration auf das Näherkommen eines Untergangs, von dem man ganz persönlich betroffen ist.
  • Damit wird aus der schon vorher im Rahmen der Gesamtdarstellung angesprochenen persönlichen Bedrohung eine Dynamik, die einen wohl tödlichen Schlusspunkt setzt.

Wer noch mehr möchte …