Mensch gegen KI? Nein: Mensch mit KI (!!!)
Als wir uns einen kurzen Blick in die Bildungswelt Chinas gegönnt hatten, tauchte spontan die Idee auf, das auch mal für unser Schulsystem zu diskutieren. Natürlich konstruktiv kritisch. 😉
Dann kamen wir auf den Gedanken, einfach mal Google Gemini ermitteln zu lassen, wie Lösungselemente aussehen könnten.

- So sieht das aus, wenn wir hier gut drauf sind.
- Wir haben die Idee zu einem Text und schreiben ihn, ganz ohne KI, vielleicht nicht optimal, dafür aber „aus einem Guss“ 😉
- Anschließend sind wir natürlich interessiert, was der künstlichen Intelligenz dazu alles einfällt.
- Das heißt, wir suchen jetzt gewissermaßen nach einer Goldader.
- Wie die aussieht, kann man an der Aufgabenstellung sehen, die wir zur KI-Lösung hinzugepackt haben.
Von Anders Freistein
Das sportliche Prinzip: Tabellenplätze auch in der Schule?
Jedes Jahr im Sommer blickt die Bildungswelt gebannt nach China. Beim „Gaokao“, der wohl härtesten Prüfung der Welt, treten über zehn Millionen junge Menschen gleichzeitig an. Es ist ein kompromissloser, rein numerischer Selektionswettbewerb. Am Ende entscheidet eine einzige Punktzahl in einer landesweiten Ranglistentabelle darüber, wer eine der Elite-Universitäten besuchen darf und wer nicht.
Natürlich müssen wir dieses extreme System des massiven Drucks nicht blind nachahmen. Aber es lohnt sich, über das zugrundeliegende Prinzip nachzudenken: Warum nutzen wir den Leistungsanreiz von Ranglisten nicht auch bei uns? Im Sport ist es völlig selbstverständlich, dass Tabellen die Leistungsbereitschaft und den Trainingsfleiß enorm anspornen.
Das bedeutet keineswegs, dass traditionelle Noten oder Zeugnisse abgeschafft werden sollen. Vielmehr geht es darum, das wettbewerbliche Element als motivierenden Impuls punktuell in den Schulalltag zu integrieren. In anderen Ländern ist das längst Realität: In den USA etwa ist das Class Ranking fest etabliert; wer am Ende auf Platz eins der Jahrgangsliste steht, erhält den prestigeträchtigen Titel des Valedictorian.
Auch bei uns gibt es punktuelle Wettbewerbe, wie Vorlese- oder Schreibwettbewerbe, bei denen Jugendliche lernen, sich im Vergleich mit anderen zu behaupten. Warum also diesen Gedanken nicht ausweiten? Es soll kein neuer Zwang entstehen. Doch alles, was Schule dynamischer und lebendiger macht, verdient eine Diskussion. Dazu gehört eben auch die Erfahrung, schon in der Schulzeit einmal ganz oben auf einem Treppchen gestanden zu haben.
Kleine Anmerkung zu dem „prestigeträchtigen“ Titel:
Der Begriff Valedictorian stammt aus dem US-amerikanischen Schulsystem. Er bezeichnet den jahrgangsbesten Absolventen einer High School oder eines College, dem traditionell die Ehre zusteht, bei der Abschlussfeier die Abschiedsrede (valedictory address) zu halten
Screenshot und Druckvorlage

Tipps für eine Erörterung
Wir präsentieren hier das Ergebnis eines Experiments.
Der Text stammt von uns und soll zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema führen.
Im Unterricht kann man ihn sehr gut einsetzen, indem man Schüler und Schülerinnen dann selbst mal überlegen lässt, auf welche Pro- und Kontra-Argumente sie kommen und wie am Ende eine Stellungnahme aussehen könnte.
Dann gibt man Ihnen die Lösung von Google Gemini aus und macht deutlich: es geht hier nicht darum, herauszubekommen, was bei einem selbst alles gefehlt hat. Sondern man kann sich selbst gewissermaßen sportlich testen, wie weit man als einzelner Mensch auch an eine solche Lösung herankommt. Denn eins ist klar: Die künstliche Intelligenz hat gewissermaßen heimlich im Hintergrund vielleicht eine Million Menschen gefragt und daraus ein scheinbar individuelles Ergebnis gemacht.
Von daher kann so eine Liste genutzt werden, um herauszubekommen, warum man auf etwas vielleicht nicht gekommen ist.
Außerdem kann es sehr reizvoll sein, die einzelnen Argumente selbst mal zu bewerten und damit den individuellen menschlichen Aspekt auch mit in die Lösung einzubeziehen.
Pro-Argumente (Vorteile von Ranglisten)
- Leistungsanreiz und Motivation: Ähnlich wie im Sport können Tabellenplätze den Ehrgeiz wecken und Schüler dazu anspornen, durch kontinuierlichen Fleiß ihre eigene Platzierung zu verbessern.
- Vorbereitung auf Leistungsgesellschaft und Wettbewerb: Jugendliche lernen frühzeitig, sich im direkten Vergleich mit anderen zu behaupten und mit Leistungskonkurrenz konstruktiv umzugehen.
- Belohnung von Spitzenleistungen: Schüler, die herausragende Leistungen erbringen, erhalten eine sichtbare, prestigeträchtige Anerkennung (analog zum „Valedictorian“ in den USA).
- Erfahrung von sichtbarem Erfolg: Das Gefühl, „auf dem Treppchen zu stehen“, kann das Selbstbewusstsein nachhaltig stärken und positive Erfolgserlebnisse im schulischen Rahmen schaffen.
- Dynamisierung des Schulalltags: Punktuelle Wettbewerbsformate können den oft monotonen Unterricht lebendiger, spannender und abwechslungsreicher gestalten.
Contra-Argumente (Nachteile und Risiken)
- Gefahr von massivem Druck und Überforderung: Ein permanenter numerischer Selektionswettbewerb (wie das Extrembeispiel des chinesischen „Gaokao“) kann zu psychischen Belastungen, Versagensängsten und ungesundem Stress führen.
- Demotivation für leistungsschwächere Schüler: Wer sich dauerhaft am unteren Ende der Tabelle wiederfindet, verliert möglicherweise gänzlich die Motivation und den Anschluss, anstatt angespornt zu werden.
- Fokus auf reine Kennzahlen (Numerismus): Die Reduzierung von individueller Entwicklung und komplexen Lernprozessen auf eine bloße Punktzahl oder Platzierung greift pädagogisch oft zu kurz.
- Gefährdung des Klassenklimas: Ein zu starker Konkurrenzkampf kann das soziale Miteinander, die Hilfsbereitschaft untereinander und das gemeinsame, kollaborative Lernen behindern.
- Fehlende Vergleichbarkeit: Anders als im Sport, wo klare, messbare Regeln herrschen (z. B. Zeiten oder Tore), hängen schulische Noten oft auch von subjektiven Faktoren der Bewertung ab.
Entscheidungsmöglichkeiten und Kompromisslösungen
Um das wettbewerbliche Element gewinnbringend zu nutzen, ohne die negativen Effekte von permanentem Druck zu riskieren, bieten sich verschiedene Kompromisse an:
- Die punktuelle und freiwillige Integration (Projektbasis)
- Ansatz: Ranglisten werden nicht flächendeckend für die Kernfächer eingeführt, sondern nur im Rahmen spezifischer, zeitlich begrenzter Projekte, Aktionstage oder Fachwettbewerbe (z. B. Schreib-, Lese-, Programmier- oder Rechenwettbewerbe).
- Kompromisscharakter: Es entsteht kein dauerhafter Notenzwang, aber Schüler erhalten die Möglichkeit, sich gezielt auf einem „Treppchen“ zu beweisen.
- Anonymisierte oder private Ranglisten
- Ansatz: Jeder Schüler sieht auf einer digitalen Plattform oder dem Notenbogen seinen eigenen Platz im Verhältnis zur Gesamtheit der Klasse/des Jahrgangs (z. B. „Platz 5 von 28“), ohne dass die Namen der anderen offengelegt werden. Nur die absoluten Spitzenplätze werden auf Wunsch öffentlich genannt.
- Kompromisscharakter: Der orientierende Leistungsanreiz bleibt bestehen, eine öffentliche Bloßstellung schwächerer Schüler wird jedoch vermieden.
- Fokus auf die „persönliche Tabelle“ (Individuelle Bezugsnorm)
- Ansatz: Der Vergleich wird wie im Sport nicht nur mit den anderen geführt, sondern mit der eigenen historischen Leistung (z. B. „Aufsteiger des Monats“). Belohnt wird der größte Lernfortschritt, nicht zwingend die absolute Bestnote.
- Kompromisscharakter: Auch leistungsschwächere Jugendliche haben die realistische Chance, durch Fleiß und Steigerung ganz oben auf einem Treppchen zu stehen.
- Kombination aus Team- und Einzelwertung
- Ansatz: Leistungsvergleiche werden in Gruppen- oder Klassenwettbewerbe eingebunden (z. B. welche Projektgruppe löst eine Aufgabe am besten).
- Kompromisscharakter: Die Dynamik des Wettbewerbs wird genutzt, fördert aber gleichzeitig die Teamfähigkeit und den internen Zusammenhalt statt des reinen Einzelkämpfertums.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Erörterung
Was ist das, wie schreibt man so etwas?
https://textaussage.de/eroerterung-themenseite
— - Youtube-Videos zum Thema „Erörterung“
https://www.youtube.de/playlist?list=PLNeMBo_UQLv0YVRT7YjprqnzKP2dkINKi
— - Sammlung von Sachtexten für Analyse- und Erörterungs-Übungen
https://textaussage.de/sammlung-sachtexte-deutschunterricht
— - Beispiel für eine literarische Erörterung
Ist Gretchen in Goethes Theaterstück ein naives Opfer Fausts?
https://schnell-durchblicken.de/gretchen-opfer-von-faust
— - Stellungnahme: Was ist das? Wie schreibt man so etwas? Themenseite
https://schnell-durchblicken.de/stellungnahme-was-ist-das-wie-schreibt-man-so-etwas-themenseite
— - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichtshttps://textaussage.de/weitere-infos