Anmerkungen zur Überschrift

Auf der Reise

  • Nur ein allgemeiner Hinweis, dass es um eine Situation auf einer Reise geht.
  • Man kann vermuten, dass damit die Situation des lyrischen Ichs beschrieben wird.

Anmerkungen zu Strophe 1

Das kann nicht anders werden,

Wir alle wandern ja,

Sind Gäste nur auf Erden

Und für die Reise da.

  • Das Gedicht beginnt mit der negativen Antwort auf die Frage, ob es nicht auch anders werden könnte.
  • Die Begründung klingt ein bisschen wie zum Beispiel im Barock oder in späteren christlich geprägten Zeiten:
    Die Menschen sein nur Gäste auf der Erde.
  • Der Gedanke wird dann etwas fortgeführt. Es wird nämlich zur Bestimmung des Menschen erklärt, für die Reise da zu sein.
  • Das ist eine Vorstellung, die durchaus auch in nicht religiösen Kreisen denkbar ist nach dem Motto:
    Das Leben ist ein Geschenk der Natur und man sollte das Beste draus machen.
  • Wenn man so induktiv, Schritt für Schritt sich dem Verständnis nähert, ist man gespannt, welche der angedeuteten Aussage-Linien das Gedicht im weiteren Verlauf folgen wird.

Anmerkungen zu Strophe 2

So lass das Glück denn treiben,

Das ist nun einerlei,

Wir dürfen doch nicht bleiben

Und gehn uns stumm vorbei.

  • Die zweite Strophe bringt dann eine überraschende Wendung ins Negative.
  • Am Anfang ein gewisser Fatalismus, man soll das Glück einfach treiben lassen, alles also nehmen, wie es kommt. Kein Hinweis auf Möglichkeiten oder die Bedeutung persönlicher Lebensgestaltung, wie das in der Zeit der Klassik das Ziel war.
  • Anschließend wird das Leben sehr stark von seinem Ende aus betrachtet. Man hat den Eindruck, dass hier gesagt werden sollte: Wenn da am Ende doch nichts Bleibendes da ist, dann kann man es auch sein lassen.
  • Es folgt eine weitere negative Einschätzung des Lebens. Das lyrische Ich sieht offensichtlich keine Möglichkeiten der Kommunikation, des wirklichen Kontaktes zwischen den Menschen. Das würde auf ein starkes Signal in Richtung Einsamkeit hinauslaufen

Anmerkungen zu Strophe 3

Und wandern müd‘ und leise,

Am Schuh zerreißt das Band,

Und suchen auf der Reise

Das große Vaterland.

  • Diese Strophe entwirft im ersten Teil wieder dieses Bild des Lebens – nach dem Motto: Es gibt nur Pleiten, Pech und Pannen.
  • Und daraus ergibt sich dann eine Kombination aus Müdigkeit und Verstummen als Konsequenz.
  • Die zweite Hälfte der Strophe setzt einen anderen Akzent. Sie macht nämlich deutlich, dass die Menschen trotz allem ein großes Ziel haben und ständig auf der Suche sind.
  • Was konkret mit dem Vaterland gemeint ist, bleibt offen. Wenn das Gedicht von Eichendorff stammen würde, wäre es klar, dass der Himmel, das göttliche Jenseits gemeint wäre.
  • Vor diesem Hintergrund hat man dann eine gewisse Leseerwartung, dass das noch abschließend geklärt wird.

Anmerkungen zu Strophe 4

Ich hört‘ ein Lied verwehen,

Das klang und rauschte so,

Ich hab das Glück gesehen,

Weiß aber nicht mehr, wo.

  • Die letzte Strophe schafft kein Happy End. Das lyrische Ich verweist darauf, dass es ein Lied gehört hat, dass ihm möglicherweise auch gefallen hat, das aber an ihm vorbeigerauscht und verschwunden ist.
  • Die beiden Schlusszeilen verstärken noch einmal den Eindruck einer gewissen Grundspannung in diesem Gedicht: Das lyrische Ich hat nicht nur ein Lied gehört, sondern sogar das weiter oben schon angesprochen Glück gesehen, aber vergessen, wo es war.
  • Offensichtlich kann das lyrische Ich sich auch nicht mehr daran erinnern, um was für ein Glück es sich gehandelt hat. Es scheint nur noch als dumpfes Erinnerungsgefühl vorhanden zu sein.

Insgesamt ein Gedicht,

  1. das ziemlich resignativ wirkt und dem menschlichen Leben vor allem keine dauerhafte Bedeutung zuschreibt.
  2. Das Leben des Menschen ist bestimmt durch mangelnde Aktivität. Zum Beispiel hätte das Schreiben eines Tagebuchs dem lyrischen Ich helfen können, sich an ein früheres Glück etwas genauer zu erinnern.
  3. Dazu kommen mangelnde Kommunikation und Austausch zwischen den Menschen. Hier bleibt offen, ob das am lyrischen Ich oder an den anderen Menschen liegt. Die insgesamt zurückhaltende Art der Selbstdarstellung spricht eher für die erste Variante.
  4. Auf jeden Fall präsentiert das Gedicht gerade durch seinen resignativen und inaktiven Ansatz eine Situation und Haltung, mit der man sich kritisch auseinandersetzen sollte und könnte .
  5. Es könnte zum Beispiel unterschieden werden zwischen dem kleinen Vaterland oder auch Mutterland oder auch Freundesland oder auch Liebesland, das man sich jeden Tag entweder nur schaffen oder ausbauen könnte, und der großen Variante dieser Heimatgebiete, die eher auf die Frage nach dem Sinn Sinn des Lebens hinauslaufen.
  6. Interessant ist bei diesem Gedicht auch die Frage der Intertextualität. Gemeint ist damit, auf welche anderen Texte es sich direkt oder indirekt bezieht.
    1. In diesem Falle könnte es einmal die Lebensauffassung der Barockzeit sein, die hier hineinspielt.
    2. Besonders der Schluss erinnert aber auch an Gedichte der Romantik.

 Wer noch mehr möchte …