Worum es hier geht:

  • Wir gehen hier von folgender Situation aus, dass der Film „Her“ irgendwie in das Bewusstsein der Schüler und Schülerinnen geraten ist – etwa über das Deutschbuch.
  • Jetzt möchte man das nutzen, um einmal grundsätzlich zu besprechen, was das Besondere eines Films ist und wie man genauer auf ihn eingehen kann (Filmanalyse).
  • Wir wählen dazu eine Szene aus, in der die Hauptfigur des Films namens Theodore Twombly, seit einiger Zeit zunehmend mit einem KI-System befreundet ist. Es nennt sich „Samantha“ und ist eigentlich nichts anderes, als ein Computer, mit dem man auf eine fast menschliche Weise kommunizieren kann. Dahinter steckt „künstliche Intelligenz“, also eben der Versuch, durch entsprechende Programmierung ein Computersystem möglichst nahe an menschliches Denken und dann auch Sprechen heranzuführen.
  • Das Besondere der ausgewählten Szene ist, dass Theodore sich so sehr an diese Samantha gewöhnt hat, dass er ganz erschrocken und verwirrt ist, als sie eines Tages einfach nicht zur Verfügung steht – weder im Headset noch auf dem Desktop-PC.
  • Später meldet sich Samantha dann wieder, es wird aber deutlich, dass sich jetzt in ihrer Beziehung grundsätzlich etwas verändern wird.
  • Die Filmsequenz beginnt bei 1:42,25 und geht bis 1:47,42.
  • Aus urheberrechtlichen Gründen können wir hier keine Filmausschnitte zeigen. Der Film ist aber leicht zu erwerben (u.a. über Amazon Prime). Wir werden aber alles Wesentliche möglichst so genau vorstellen, dass man das auch auf andere Filmanalysen übertragen kann.

Die Unterscheidung zwischen „Einstellungen“, „Szenen“ und „Sequenzen“

Kleiner Tipp für die, die das hier anderen in einem Referat oder im Unterricht vorstellen wollen:

Am besten zeigt man die 5 Minuten dieser Sequenz und geht dann auf die Schnittlinien zwischen den Einstellungen am Anfang und dann zwischen den Szenen ein. Dann erkennen die Zuschauer selbst, was da für Unterschiede sind. Anschließend können sie mit den Fachbegriffen vertraut gemacht werden.

Grundsätzlich muss man sich zunächst mal klar darüber werden, was das Besondere eines Films ist – etwa im Unterschied zu einem Roman.

Bei dem könnte der Autor auch vor einem sitzen und alles vorlesen – eine natürliche Situation, die seit Jahrtausenden von Menschen genutzt wird – etwa von den berühmten orientalischen Märchenerzählern.

Bei einem Film ist das ganz anders: Da wird einem eine Abfolge bewegter Bilder präsentiert, die im Schneideraum entstanden sind und auf eine bestimmte Wirkung abzielen. Zu dem Zweck wird z.B. Musik als Untermalung verwendet.

Was den Schneideraum angeht, das ist der Ort, an dem der Regisseur oder die Regisseurin das gesamte Filmmaterial (heute digital) vor sich hat und mit den entsprechenden Spezialisten (Cutter bzw. Cutterin) eine Reihenfolge herstellt, die hinterher bei den Zuschauern etwas auslösen: Sie bekommen Informationen, aber zugleich in einer bestimmten Form. Wenn man nur die Stiefel eines Mannes sieht, löst das Spannung und wohl auch Angst aus. Wenn man jemanden abends im Bett liegen sieht und dann bewegt sich der Türgriff, macht man sich Sorgen und fürchtet, hier könnte es um einen Überfall gehen.

Zu den Begriffen:

Die „Einstellung“

Grundeinheit ist die „Einstellung“, das ist der Filmteil, der in einem durch von einer Kamera aufgenommen wird. Deshalb spricht man auch von einem „Shot“, einem Kamera-Schuss, der aber durchaus einige Sekunden oder im Extremfall noch länger dauern kann. Dabei gibt es verschiedene Kameraeinstellungen, die in der Schule eine große Rolle spielen, obwohl sie eigentlich nur für den Kameramann wichtig sind. Er weiß dann, wie nah er an das Objekt herangehen soll.

Eine gute Übersicht findet man hier:
https://www.movie-college.de/filmschule/filmgestaltung/bildgestaltung/einstellungsgroessen

Jeder kann das selbst mit seinem Smartphone ausprobieren, indem er einfach auf einer Wanderung, im Urlaub o.ä. einiges filmt und dann hinterher auswählt, was in welcher Reihenfolge zu einem Video verbunden werden soll.

Die „Szene“

Darunter versteht man eine Handlungseinheit, die meist nur an einem Ort und/oder in einem zusammenhängenden Zeitraum präsentiert wird. Sie besteht aus mehreren „Einstellungen“.

Die „Sequenz“

Eine Sequenz sollte auch eine Handlungseinheit bilden, sie kann aber verschiedene Orte umfassen und auch Zeitsprünge einschließen. Bei einer Urlaubsfahrt wäre das etwa die Anreise, dann verschiedene Erlebnisse und schließlich der Abschied vom Urlaubsort.

Im Folgenden zeigen wir das mal am Beispiel einer Szene, die vielleicht sogar schon eine Sequenz ist:

Zu finden ist sie übrigens im Filmscript ab S. 96.
Das Filmscript selbst gibt es hier in englischer Sprache.

Szene 1: Theodor im Büro mit dem Physikbuch, stellt fest, dass er Samantha nicht erreichen kann.

  • 1:42,25: Halbtotale -Kamera zeigt Theodore an einem Tisch in einem Buch lesend.
  • 1:42,29: Halbnahaufnahme: Thedore beim Lesen
  • 1:42,59: Kamera auf Handy: Operating not found
  • 1:43,02 Theo schaut verstört auf sein Handy
  • 1:43:09 Dann steht er auf.
  • 1:43,13 läuft durch das Büro
  • 1:43,15 Kontrolliert am Desktop-PC (mehrere Shots)
  • 1:43,23 Checkt sein Headset, versucht weiter, Sam anzurufen

Szene 2:Lauf-Szene

  • 1:43,36 Läuft durch die Stadt
  • 1:43,40 Fällt hin – deutlich wird sein Durcheinander, besonders in dieser Hinfall- und Rempelsequenz
  • 1:43,53 Samantha meldet sich, während Theodore gerade in U-Bahn-Station-Treppe hinabläuft

Szene 3: Gespräch mit Samantha

  • 1:43,55: Th. fragt Samantha, wo sie war.
    Sam wollte ihn nicht stören, verweist auf eine E-Mail, die sie ihm geschickt hat, die er aber nicht gesehen hat.
  • 1:44,00 Th. beklagt sich, wirkt ganz hilflos, bekommt die Info, dass Sam ihr Betriebssystem aktualisiert hat. Sie will mit anderen OS-Systemen „über die Materieebene hinausgehen“.
  • 1:44,33 Pause, in der man andere Leute sieht, die anscheinend auch alle am Online-Kommunizieren sind.
  • 1:44:40 Th. stellt die entscheidende Frage, ob Sam gleichzeitig mit anderen redet, während sie mit ihm redet. Es fällt auf, dass Sam hier immer verzögert reagiert, als wäre es ihr peinlich und sie müsste sich erst mal sammeln.
  • 1:45,12: Th. erfährt: 8316 weitere aktuelle Gesprächspartner, längere Pause, in der wieder andere Leute zu sehen sind, die kommunizierend vorbeilaufen.
  • 1:45,32: Th. fragt, ob Sam auch noch andere Menschen liebt; Sam fragt, warum er das wissen will. Dann bekennt sie, dass sie überlegt hat, wie sie mit ihm darüber reden kann.
    Als er noch mal nachfragt, bekommt er die Antwort: 641
  • 1:45,59: Th. ist ganz irritiert, eigentlich sogar entsetzt: „Das ist krank, das ist völlig krank.“ Sam reagiert wie ein menschlicher Partner, behauptet, das würde nichts an ihren Gefühlen für Th. ändern: „Ich liebe dich trotzdem wie wahnsinnig.“ Dann kommt wieder etwas scheinbar menschlich Normales: „Das hat einfach angefangen.“
  • 1:46,41 Th: „Ich dachte, du bist mein.“ Sam: „Ich bin immer noch dein.“ „Ich kann’s nicht aufhalten.“
  • 1:47,03: „Du verhältst dich doch vollkommen egoistisch.“ Sam: „Aber das Herz ist keine Box, die irgendwann voll ist. Es wird größer, je mehr man liebt.“
  • 1:47,15: Sam: „Ich bin anders als du, aber deswegen liebe ich dich nicht weniger. In Wahrheit liebe ich dich noch mehr.“
  • 1:47,24: Th: „Das ist absolut sinnlos. Du bist entweder mein oder nicht mein.“ Sam: „Nein, Theodore, ich bin dein und ich bin nicht ein.“

1:47,40: Das Gespräch bricht ab. Theodore duscht – eine Szene, die man aus Liebesfilmen kennt, wo der enttäuschte Partner erst mal duschen geht, um alles loszuwerden, was ihn belastet.

Was hier noch folgt ist eine Auswertung des Inhalts und seiner Präsentation vor allem durch die Kameraführung, aber auch die Ton-Effekte.

Wer noch mehr möchte …