Kreative Übung: Ein Gedicht zu den vier Jahreszeiten schreiben (Klasse 7) Mat5547

 Worum es hier geht:

Beispiel für kreatives Schreiben: Vorlage ist ein Gedicht aus der Zeit des Barock, das mit etwas Hilfe auch Schüler einer 7. Klasse verstehen können.

Das ist dann zugleich eine Anregung, ein eigenes Gedicht zu schreiben.

Gezeigt wird der Prozess, den man dann auch leicht auf andere Fälle übertragen kann.

Der Ausgangspunkt: Ein Gedicht aus der Zeit des Barock

Barthold Heinrich Brockes (1680-1747)

Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.
Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.
Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.
Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.

Was man in einer Klassenarbeit machen müsste 🙁

Die folgenden Aufgaben haben wir hier nur aufgenommen, weil sie helfen, das Gedicht zu verstehen.

Uns ist hier die kreative Aufgabe wichtiger, wie man aus diesem Gedicht ein neues machen könnte, das in die heutige Zeit passt.

  1. Lies dir das Gedicht aufmerksam durch und notiere dir in Stichworten, was jeweils über die Jahreszeiten gesagt wird. Dazu einige Verständnishilfen:
    • „prangt“ = glänzt, präsentiert sich
    • „smaragden“ = Smaragd = ein Edelstein, vgl. silbern oder golden
    • „Opal“ = ein anderer Edelstein
  2. Überprüfe, inwieweit ein Reim und ein bestimmter Rhythmus vorliegen.
  3. Was ist das Besondere an der 5. Strophe?
  4. Formuliere das, was in der 5. Strophe steht, in eigenen Worten.

 

Anmerkungen:

  • Meist vierhebige Jamben – bis auf die beiden Langzeilen, die haben fünf Hebungen, sollte man mal prüfen.
  • Beginn mit Kreuzreim, dann Paarreime
  • Kommen wir zum schöneren Teil einer Aufgabe, nämlich dem kreativen Schreiben: Dabei kann man sich von der besonderen Machart inspirieren lassen. Man sitzt dann nicht lange vor einem leeren Blatt, sondern beginnt einfach auch immer mit: „Im …“.
  • Am Ende = etwas Allgemeines, auf das man während des Schreibens gekommen ist. Zum Beispiel, wie wichtig einem Jahreszeiten sind – oder welche die Schönste ist – oder was noch wichtiger ist.

Übertragung des Gedichtes in Vorstellungen der heutigen Zeit:

  1. Als erstes sollte man die Grundidee festhalten, wie sie sich im Titel präsentiert. Die muss man natürlich nicht 1:1 übernehmen, man kann auch andere Akzente setzen, zum Beispiel, dass einem nur einige oder auch nur eine einzige Jahreszeit gefällt. Vielleicht gefällt einem auch an der Stelle, an der man lebt, keine einzige Jahreszeit 🙁
  2. Dann kann man am besten die Form des Gedichtes übernehmen, bei der man für jede Jahreszeit zwei Zeilen reserviert – und am Ende alles in einer allgemeinen Aussage zusammenfasst.
  3. Wenn möglich, sollte man sich zumindest an einen klaren Rhythmus halten, ob man dann immer die passenden Reime findet, ist nicht so wichtig. Es kommt ja auf die Aussage an – und die kann von einem „Reimzwang“ auch mal verfälscht werden.

Beispiel für eine Lösung:

Beim Winter denkt man gern an Schnee

Doch vielen tut er auch sehr weh

 

Der Frühling, das ist Wachstum pur

Voll Leben ist dann die Natur

 

Der Sommer ist die Krönung dann

Die Arbeit bleibt für irgendwann

 

Im Herbst, es schwinden schnell die Tage

Und Wind und Regen werden Plage

 

Der Winter ist dann frostig kalt

Man freut sich auf sein Ende bald

 

Man sieht: Der Wechsel macht das Leben schön

Nur so kann man die Dinge wirklich sehn.

Anmerkung zu dieser Lösung:

Man merkt gleich, dass der Verfasser dem Winter mit gemischten Gefühlen gegenübersteht. Deutlich wird auch, dass es hier nur Andeutungen geben kann, wenn man nur zwei Zeilen zur Verfügung hat. Eine interessante Aufgabe könnte sein, jeweils den Gedanken einer Strophe noch in weiteren Zeilen auszubauen. Zum Beispiel, indem man erklät, was einen am Winter erfreut und was einem auch weh tun kann.

Ähnliches gilt für die weiteren Strophen.

Die letzte Strophe präsentiert dann eine Art Zusammenfassung – wie in der Vorlage. Zugleich macht sie deutlich, wie wichtig für uns Menschen auch Wechsel ist. Wenn man in der Südsee fast immer das gleiche Wetter hat, dann kann das auch ganz schön langweilig werden. Bei uns dagegen ist jeder Frühling für die meisten Menschen ein immer wieder neues, besonderes Erlebnis.

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